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Koscher leben...
 
 

Paraschath ACHAREJ MOTH (Wajikra 16,1 - 18,30):
Priorität des Lebens

Wochenabschnitt[ORIGINALTEXT]

Zwi Braun, Zeitlos aktuell p. 309ff

"Hütet Meine Gesetze und Meine Rechtsordnungen, die der Mensch zu erfüllen hat, damit er durch sie lebe, Ich bin Gott" (Waj. 18,5).

Diesen Worten haben unsere Weisen die Lehre entnommen, dass zur Rettung eines Menschenlebens eine Gesetzesübertretung erlaubt, ja sogar ausdrücklich geboten ist:

"Woher entnehme ich, dass Lebensgefahr (Pikuach Nefesch) den Schabath verdrängt? Es heisst: '...die der Mensch zu erfüllen hat, damit er durch sie lebe', und nicht damit er durch sie sterbe" (BT - Joma 85b).

Es ist kein Zufall, dass unsere Weisen die Maxime, menschliches Leben unter allen Umständen zu retten, ausgerechnet im Talmudtraktat Joma diskutieren, der dem Versöhnungstag gewidmet ist. Am Jom Kippur "besiegelt" Gott Seine Entscheidung über das Leben aller Menschen im kommenden Jahr. Wir alle hoffen, definitiv in das Buch des Lebens eingeschrieben zu werden. Da ist es nur logisch, dass wir bekräftigen, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um menschliches Leben zu erhalten.

Aus jüdischer Sicht besitzt menschliches Leben einen unantastbaren, unendlichen Wert. Der ehemalige Oberrabbiner von Grossbritannien, Dr. Immanuel Jakobovits, hat dies so formuliert:

"Der Wert eines menschlichen Lebens ist unendlich und nicht messbar, so dass jeder Teil dieses Lebens, sogar wenn es sich nur um eine Stunde oder Sekunde handelt, genau denselben Wert besitzt wie siebzig Jahre desselben. So wie jeder Bruchteil der Unendlichkeit, da diese nicht teilbar ist, unendlich bleibt. Daher stellt das Töten eines altersschwachen Patienten, dessen Ende nahe ist, genau dasselbe Verbrechen - Mord - dar, wie das Töten eines jungen gesunden Menschen, der noch viele Lebensdekaden vor sich hat" (in Rosner/Bleich: Jewish Bioethics, New York, 1979).

Eine heute oft diskutierte Frage ist der Status des ungeborenen Lebens, des Embryos und des Fötus (nach Abschluss der Organentwicklung, ungefähr acht Wochen nach der Befruchtung). Der Talmud ist der Meinung, dass die Seele sich bereits ab dem Zeitpunkt der Befruchtung im Embryo befindet:

"Ferner fragte Antoninus (Kaiser Marc Aurel, 170 nZ) Rabbi Jehuda Hanassi: Wann kommt die Seele in den Menschen, beim Bedenken (Konzeption) oder bei der Bildung (des Embryos)? Dieser erwiderte: Bei der Bildung. Jener entgegnete: Ist es denn möglich, dass ein Stück Fleisch ungesalzen drei Tage, ohne übel riechend zu werden, sich hält? Vielmehr beim Bedenken. Rabbi sagte: Dies lehrte mich Antoninus und ein Schriftvers (Ijow 10, 12) unterstützt ihn, denn es heißt: 'Dein Bedenken wahrte meinen Geist'" (Sanhedrin 91b).

Dennoch besitzt nach der Halacha der Embryo nicht bereits ab dem Zeitpunkt der Befruchtung volle menschliche Rechte. Bis zur Geburt wird er, bzw. der Fötus, als Teil der Mutter und nicht als eigenständige Person angesehen. Daher besitzt das Leben der schwangeren Mutter, falls es in Gefahr ist, Priorität vor dem Leben des ungeborenen Kindes. Bis zum vierzigsten Tag nach der Befruchtung betrachtet der Talmud den Embryo als "bloßes Wasser" (z.B. Nidda 30b), was bei den Überlegungen eines Schwangerschafts-abbruches bei einigen Dezisoren eine Rolle spielt. Die meisten halachischen Kapazitäten betrachten den Embryo vom Zeitpunkt der Befruchtung an als "potentielle Persönlichkeit", die Schutz verdient. Der Fötus wird dann zur Person, wenn der größte Teil von ihm geboren ist. Dann besitzt er die gleichen Rechte wie die Mutter. Dies geht aus der Mischnah hervor:

"Befindet sich eine Frau in schweren Geburtswehen (die lebensbedrohend sind), so zerschneide man den Fötus und hole ihn stückweise heraus, denn ihr Leben geht seinem Leben vor. Ist die größere Hälfte (des Fötus) herausgekommen, so rühre man ihn nicht an, denn man verstoße nicht ein Leben wegen eines anderen Lebens" (Ohalot 7, 6). Der Schulchan Aruch ersetzt den Ausdruck "der größere Teil" durch Kopf (Choschen Mischpath 425, 2). Halachisch besitzt ein Mensch also erst nach der Geburt volle Rechte. Das Töten von ungeborenem Leben wird nicht als Mord, aber als schweres Vergehen angesehen, für welches man sich vor dem göttlichen Gericht des Todes schuldig macht - chajav Mitah bijdej Schamajim (Meschekh Chochmah). Die Torah ist eine Torath Chajim, die unabhängig von irgendwelchen, letztendes willkürlichen Kriterien den Wert menschlichen Lebens nicht als relativ sondern als absolut betrachtet - vechaj bahem!


Aktuelle Betrachtungen zum Wochenabschnitt
und zu den jüdischen Feiertagen

3 MINUTEN EWIGKEIT (ersch. 1998)
ZEITLOS AKTUELL
(ersch. 2001)

von Dr. Zwi Braun

Die Bücher enthalten jeweils drei kurze Betrachtungen zu jedem Wochenabschnitt der Tora und zu den jüdischen Feiertagen.
Sie verstehen sich als Kommentare für den modernen Menschen, der aber eine Vielzahl von klassischen und neuzeitlichen rabbinischen Quellen einbezieht. Glossare und Literaturnachweise der benutzten Quellen ergänzen die Betrachtungen.

MORASCHA - sFr. 42.-...

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Zum Inhaltsverzeichnis: haParashah
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