Der Prophet Jeschajahu tröstet nach der Zerstörung Jeruschalajims und des
Tempels, nach dem Verlust der staatlichen Selbständigkeit das Volk und
verheißt ihm eine tröstliche Zukunft:
"Eine Stimme ruft: Bahnet in der Wüste den Weg des Ewigen, ebnet in der
Steppe eine Strasse unserem Gott! Jedes Tal erhebe sich und jeder Berg und
Hügel senke sich, und es werde das Krumme gerade, und die Hügel zum Tal."
(Jesch. 40, 3-4).
In der Wüste, dies könnte auch die Wüste der Völker sein, in deren Mitte
Am Jisrael (das Volk Israel) im Galluth (im Exil) verharren muss, bis die
Stimme ertönt und die göttliche Botschaft verstanden wird. Ibn Esra versteht
daher unter dem Weg des Ewigen die Rückkehr des jüdischen Volkes nach
Jeruschalajim. Eine Rückkehr, die mit Hindernissen verbunden sein wird, doch
letztendes gelangt das Volk an sein Ziel: "Wie ein Hirte wird Er Seine
Herde weiden, mit Seinem Arm sammelt Er die Lämmer ein ..." (Jesch. 40, 11).
Auch Mosche bittet in dieser Parascha Gott um Erlaubnis, doch noch Erez
Jisrael betreten zu dürfen: "So lass mich doch hinüberziehen und das gute
Land sehen, diesen guten Berg und den Lewanon" (Dew. 3, 25).
Manche Kommentatoren verstehen die Bitte Mosches auch dahingehend, dass
er Gott um die Kraft bat, vorwiegend das Gute an Erez Jisrael zu sehen, im
Gegensatz zu den Kundschaftern, die nur das Negative zu erblicken
vermochten. Im Talmud wird diese Bitte Mosches analysiert:
"Es interpretierte Rabbi Simlai: Warum begehrte Mosche nach Erez Jisrael
zu gelangen, hatte er es nötig, von seinen Früchten zu essen oder sich von
seinem guten Ertrag zu sättigen? Vielmehr sprach Mosche: viele Gebote wurden
Israel auferlegt, die nur in Erez Jisrael erfüllt werden können, ich möchte
daher in das Land kommen, damit sie durch mich ausgeübt werden können" (Sota
14a).
Nicht der versprochene materielle Segen übte auf Mosche eine
Anziehungskraft aus, es war vielmehr die Tatsache, dass ein Jude nur in Erez
Jisrael alle Mizwot erfüllen und somit auch geistig vollständig sein kann.
Natürlich versichert uns die Tora, dass Gott uns ein Land zugewiesen hat,
in dem Milch und Honig fließen, doch sollte dies nicht das entscheidende
Kriterium sein. Materieller Wohlstand und Reichtum sind oft leichter in der
Gola zu erlangen, aber selbst die blühendste jüdische Diasporagemeinde kann
nicht den geistigen Reichtum und die geistige Selbstverwirklichung bieten,
welche im jüdischen Land und Staat realisierbar sind.
Erez Jisrael befriedigt unsere ideellen Bedürfnisse. Daher verwundert es
nicht, wenn die zwei geographischen Orte, die Mosche erwähnt, der gute Berg
und der Libanon, von unseren Weisen weitergehend gedeutet werden. Der gute
Berg ist eine Umschreibung für Jeruschalajim, von dem ja oft als Berg Zion
und Berg des Heiligtums die Rede ist (Brachot 48b).
In einem Wortspiel deutet der Midrasch den Libanon zum Tempel um.
Libanon, darin ist das Wort "Lawan", weiss, enthalten. "Wenn eure Sünden wie
Karmesinrot sind, sollen sie weiss wie Schnee werden; wenn sie rot wie
Purpur sind, sollen sie wie Wolle werden" (Jesch. 1, 18). Das Beth
haMikdasch war der Ort, an dem sich Gott immer wieder mit Seinem Volk
versöhnte, ihm verzieh und die Kraft zum Neuanfang verlieh. Unsere
Generation ist Zeuge der wunderbaren Rückkehr des jüdischen Volkes in seine
alte Heimat, mögen wir auch Zeugen werden der geistigen Rückkehr zu den
ewigen Werten und Wahrheiten unserer göttlichen Tora!
Schabath Nachamu - Paraschath vaetchanan
[HEBRÄISCH]
[DEUTSCH]
Torah (hebr.): 5.Buch Moses 3,23 - 7,11
Haftara: Jesaja 40, 1-26
Nach
den
drei Wochen der Trauer und dem
Gedenken an die Tempelzerstörung folgen die sieben
Wochen des Trostes.
Das Leben geht weiter und erhält wieder Farbe und Musik. An den
kommenden sieben Sabbattagen stammen alle Haftarot aus dem Propheten des
Trostes, Jeschajahu (Jesaja), beginnend mit Kapitel 40. Der erste Sabbat
nach dem 9. Aw ist der Schabbat Nachamu, der Sabbat des Trostes, nach den
ersten Worten seiner Haftara: "Tröstet, tröstet mein Volk!" (Jes. 40, 1).