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Koscher leben...
 
 


Und es sagte Rabbi Chanina:
Alles in der Hand des Himmels - außer der Achtung vor dem Himmel

Zur Paraschath ki-tawo (Dewarim 26,1 - 29,8):
Gerim

Wochenabschnitt"Zeitlos Aktuell", von Zwi Braun

Nach den drei Wochen der Trauer und dem Gedenken an die Tempelzerstörung folgen die sieben Wochen des Trostes. An den Schabatoth dieser Wochen stammen alle Haftaroth aus dem Propheten des Trostes, Jeschajahu (Jesaja), beginnend mit Kapitel 40.

"Und wenn du zum Priester, der in jenen Tagen sein wird, kommst, so sage zu ihm: Ich will heute bekennen dem Ewigen, deinem Gott, dass ich in das Land gekommen bin, welches der Ewige unseren Vätern zugeschworen hat, uns zu geben"
(Dew. 26, 3).

Hier ist die Rede von den Bikurim, den Erstlingsfrüchten, welche von Schawuoth an in den Tempel gebracht und den amtierenden Priestern als Zeichen der Dankbarkeit gegenüber Gott für eine erfolgreiche Ernte übergeben wurden. Das hebräische "higgadeti" übersetzt Rabbiner Dr. D. Hoffmann hier mit "ich will bekennen". Im Talmud sehen unsere Weisen in der Verwendung des Verbums "lehagid" eine Anspielung auf "Gid", ein Bitterkraut. "Lehagid" beinhaltet somit auch die Mitteilung von Dingen, die für den Menschen herb und bitter wie Wermut sein können (Schabbat 87a). Vielleicht eine Anspielung auf die mit so manchen Mühen verbundene schwere Landarbeit, die nötig war, den erwünschten Ertrag zu erwirtschaften! Der chassidische Gelehrte Rabbi Mordechai Josef Leiner von Izbica kommentiert den Gebrauch dieses Verbums in unserem Passuk in seinem Werk "Me Haschiloach" wie folgt: Der Priester, dank seiner wichtigen Aufgabe im Tempel, könnte versucht sein auf den einfachen Landwirt herabzusehen. Da bedeutet ihm die Tora, dass Keduscha, Heiligkeit, nicht nur im Beth haMikdasch, sondern auch bei der Feldarbeit, auf dem Acker zu finden ist! Nach ihm bezieht sich das "lehagid" auf den Priester, der damit gleichsam eine Ermahnung erhält.

Der Talmudtraktat Bikurim legt für die Pilger mit den Erstlingsfrüchten verschiedene Kategorien fest:

"Folgende bringen die Früchte, ohne das Bekenntnis (Dew. 26, 3 ff.) zu lesen: Der Proselyt (Ger) bringt, ohne zu lesen, weil er nicht sagen kann: 'Das Land, welches der Ewige unseren Vätern zugeschworen hat, uns zu geben'. Wenn ein solcher für sich allein betet, so sage er: 'Der Gott der Vorfahren Israels' und in der Synagoge sage er: 'Der Gott eurer Väter'" (1, 4).

Doch Maimonides entscheidet in Übereinstimmung mit dem Talmud Jeruschalmi als gültige Halacha, dass der Proselyt die Erstlingsfrüchte darbringt und wie die anderen, die in unserem Wochenabschnitt vorgesehenen Verse rezitiert. Ebenfalls betet er "Gott unserer Väter". Als Begründung verweist der Rambam auf einen Vers in Sefer Bereschit (17,5), wo Awraham als "Vater vieler Völker" bezeichnet wird. Alle, die später unter die "Fittiche der Schechinah" treten werden, können Awraham als ihren geistigen Vater ansehen, so wie er für seine leiblichen Nachkommen zugleich der physische Vater ist. Die Tora kennt keine nationalen, religiösen oder "rassischen" Kriterien, welche einen ehrlich gemeinten Übertritt beschränken würden. Wer sich zur Lehre Israels bekennt, wird gleichzeitig vollwertiges Mitglied des Volkes und steht in der Kette der Tradition, die auf den "ersten Juden" Awraham zurückgeht.

Es ist kein Zufall, dass die Tora bei allen drei Wallfahrtsfesten ausdrücklich die rechtliche Gleichstellung des Ger fordert. Pessach ist der Feiertag, der an die Volkswerdung von Am Jisrael erinnert. Und so lesen wir:

"Und wenn bei dir ein Fremder weilt und will Gott das Pessachopfer darbringen, so muss jeder Mann beschnitten werden, dann darf er sich nahen, es zu vollbringen und soll dem Eingeborenen des Landes gleich sein... Eine Lehre sei für den Eingeborenen und für den Fremdling (Ger), der in deiner Mitte weilt"
(Schmot 12, 48-49).

Das Menschliche im Menschen

Sehr schön formuliert Rabbiner S.R. Hirsch den Gedanken, der hinter diesen Versen steht:

"Was von Awraham bis zur Erlösung aus Ägypten geschehen, ist für die ganze Menschheit geschehen, und jeder Mensch kann diese Vergangenheit zu der seinigen machen und in den Kreis der Erlösten (gemeint der Befreiten!) eintreten. Nicht Abstammung und nicht die Heimatberechtigung, nur das, was der Mensch in sich selber trägt, das Menschliche im Menschen wiegt auf der Waage des konstituierten Gottesstaates. Der geborene Jude verliert den Wert, wenn er sich heidnisch entfremdet. Der geborene Heide gewinnt volle Ebenbürtigkeit, sobald er sich und die Seinen dem jüdischen Gottesbunde einreiht. Der Jude gewordene Mensch, Ger Zedek, kann sogar das Pessachopfer für sich und die Seinen vollbringen, obgleich seine Väter nicht aus Mizrajim gezogen. Für ihn haben die jüdischen Väter gelitten und aus Gottes Hand die Freiheit empfangen."

Nach der Erwähnung von Schawuot folgt in Paraschat Emor unmittelbar eine Mizwa, welche auf die landwirtschaftliche Bedeutung dieses Festes Bezug nimmt, den Beginn der Weizenernte in Erez Jisael:

"Und wenn ihr die Ernte eures Landes schneidet, sollst du die Ecke deines Feldes (Peah) nicht ganz fortnehmen in dem du schneidest, und du sollst das Herabgefallene deines Schnittes nicht auflesen; dem Armen und Fremden (Ger) sollst du sie lassen. Ich bin Gott, euer Gott"
(Waj. 23, 22).

Wiederum wird ausdrücklich der Ger erwähnt, wie auch die Ereignisse um Ruth sich gerade in der Erntezeit zwischen Pessach und Schawuot abspielen und die Umsetzung dieser Mizwa in die Realität beschreiben.

An Sukkot fordert die Tora: "In den Hütten sollt ihr sieben Tage wohnen, jeder Bürger (haEsrach) in Israel, alle sollen in den Hütten wohnen" (Waj. 23, 42).

Warum fügt die Tora dem Titel Bürger noch die nähere Bezeichnung "in Israel" hinzu? Rabbiner S.R. Hirsch zitiert die Antwort unserer Weisen auf diese Frage:

"Es ist übrigens nicht nur jeder 'Esrach', jeder wirklich Eingeborene, sondern jeder 'haEsrach beJisrael', der in Israel eingebürgert geworden, also auch ein Ger, Sukka-pflichtig" (Sukka 28b).

Nach der Meinung von Rabbi Elieser erinnern die Laubhütten an den göttlichen Schutz während der vierzigjährigen Wüstenwanderung, an die Wolken, welche das Lager des Volkes umgaben und ihm voranzogen. So stehen auch die Gerim unter dem ausdrücklichen Schutz Gottes, von dem Moment an, an dem sie ihr Schicksal mit dem des jüdischen Volkes für immer verknüpft haben!

Erntezeit:
Die Mizvvah von Peah
Man soll eine Peah (Ecke des Feldes) von der Ernte übriglassen, denn es steht: "Dem Armen und dem Fremden sollst du sie überlassen"...
Aktuelle Betrachtungen zum Wochenabschnitt
und zu den jüdischen Feiertagen
3 MINUTEN EWIGKEIT
(ersch. 1998)
ZEITLOS AKTUELL
(ersch. 2001)

von Dr. Zwi Braun

Die Bücher enthalten jeweils drei kurze Betrachtungen zu jedem Wochenabschnitt der Tora und zu den jüdischen Feiertagen. Sie verstehen sich als Kommentare für den modernen Menschen, der aber eine Vielzahl von klassischen und neuzeitlichen rabbinischen Quellen einbezieht. Glossare und Literaturnachweise der benutzten Quellen ergänzen die Betrachtungen.

MORASCHA - sFr. 42.-...

Bitte beachten Sie: Diese Texte sind heilig. Die hebräischen Text enthalten den Namen G'ttes. Wenn Sie sich diese Seiten ausgedruckt haben, werfen Sie sie bitte nicht weg. Bewahren Sie sie an einem reinen Ort oder geben Sie diese Seiten beim nächsten Rabbinat ab.

Zum Inhaltsverzeichnis: haParashah
Zum Inhaltsverzeichnis: Jahaduth

hagalil.com 22-08-2007



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