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Genesis, 47-50
PARASCHAT VAJECHI
[Text
der Paraschah / Mendelssohn]
Von Eli Erich Lasch
(Auszug aus seinem Buch "Let
there be Freedom – The Bible Unveiled", Logos Publication, 1989)
Im
letzten Auszug erzählten wir die Geschichte
von Joseph, dem Sohn Jakobs, wie er vom Sklaven zum Vizekönig Ägyptens wurde
und so seine Familie retten konnte.
Diese Parascha fängt damit an, dass Jakob 147 Jahre alt war und sein Leben
zu Ende ging. Er rief darauf Joseph und beschwörte ihn, ihn nicht in dem
fremden Land Ägypten zu begraben.
Schon in der vorigen Parascha wird beschrieben, dass er trotz seiner grossen
Sehnsucht nach Joseph eigentlich nicht so gerne nach Ägypten auswandern
wollte. Gott musste sich selbst einmischen und ihm sagen: „Fürchte dich
nicht, denn dort werde ich dich zu einem grossen Volk machen. Hier
kommt wieder einmal zum Ausdruck, dass das Verlassen Kanaans, des späteren
Israel, als „Heruntergehen“ bezeichnet wird. Auch Gott sagte ihm: „Ich werde
mit dir nach Ägypten heruntergehen.“ Diese Ausdrucksweise ist heute
noch gebräuchlich. Nach Israel gehen wird als „alijah“ („heraufgehen“)
bezeichnet, Israel verlassen dagegen ist „jeridah“ („absteigen“). Nach den
Versprechen Gottes in Beth-El war für ihn Kanaan die Heimat. Dort, wo er
geboren wurde und auch seine Vorfahren begraben waren. Für ihn war Ägypten
nichts anderes als ein goldenes Exil, aber eben doch nichts anderes als ein
Exil. Heimat ist letztendlich das Land, in dem man geboren wird und in dem
die Vorfahren begraben sind („Ich will mit meinen Vätern liegen“).
Um das auf unsere Zeit zu beziehen,
war das genau die Tragik der deutschen Juden während des Holocaust. Für sie
war Deutschland die Heimat und nicht Israel. Deswegen bauten sie in
Palästina wieder ein deutsches Heim auf, und viele – wie zum Beispiel mein
Vater – gingen sofort nach dem Ende des Krieges zurück. Sie waren eben
Deutsche und nicht Juden. Interessant ist auch die Tatsache, dass Joseph der
einzige von den Brüdern war, der auch darauf bestand nicht in Ägypten
begraben zu werden. Trotz seiner hohen Position und der Tatsache, dass er
eine Ägypterin geheiratet hatte, sah auch er Ägypten nicht als Heimat an. Im
Gegensatz zu seinen Brüdern hat er Kanaan nicht freiwillig verlassen, genau
wie die deutschen Juden Deutschland. Und so begruben die Söhne Jakob in
Hebron, in der Grabstätte Abrahams. Joseph hingegen musste 400 Jahre warten,
bis seine Gebeine während des Exodus mitgenommen wurden. Bis heute zeigt man
sein Grab in der Nähe von Nablus.
Bevor wir die Familie verlassen, lassen Sie uns kurz zu
den letzten Augenblicken in Jakobs Leben gehen, als er seine Söhne
versammelte, um ihnen zu sagen, was in der Zukunft mit ihnen geschehen wird.
Aber bevor das geschah, wurden ihm die zwei Söhne Josephs vorgestellt, die
Joseph mit einer ägyptischen Frau gezeugt hatte: Ephraim und Menasche.
Jakob nahm sie in die Familie auf, als ob sie seine Söhne wären, mit allen
Rechten und Pflichten. Er legte ihnen die Hände auf den Kopf, segnete
sie und sagte, dass auch sie die Vorfahren von grossen Stämmen werden
würden.. Bis heute segnet der Familienvater am Freitagabend die Söhne mit
den folgenden Worten: „Soll Gott dich werden lassen wie Ephraim und
Menasche.“ Nicht Abraham und Isaak sind die Vorbilder, sondern die beiden
Söhne Josephs, des verschollenen Sohnes.
Wir kommen jetzt zu dem Segen Jakobs
an seine Söhne. Dies ist kein Segen, den ein Vater vor seinem Tod
seinen Söhnen gibt, sondern eine Mischung aus Tadel und fast unheimlichen
Vorhersagen, ähnlich wie sie im Bund zwischen Gott und Abraham auftauchen.
Jakob überschritt Raum und Zeit und sprach: „Gesellt euch zueinander, dass
ich euch melde, was euch begegnet in der Folge der Tage. Um einige Beispiele
zu zitieren: Jakob sagte seinem Sohn Ruben (Reuwen), dass er
nicht mehr der erste, das Oberhaupt der Familie sein wird, obwohl ihm dies
als dem Ältesten nach dem Geburtsrecht zustünde: "Weil du
auf deines Vaters Lager gestiegen bist; hast du mein
Bett geschändet, das du bestiegst." (Jakob erinnert Ruben
daran, dass er mit Bilha, Jakobs Nebenfrau, geschlafen hat.)
Und so kam es: Der Stamm Ruben siedelte sich im südlichen Teil dessen,
was heute Jordanien genannt wird, (östlich des Toten Meeres) an und
verschwand von der Bühne der Geschichte.
Als nächste kommen
Simeon und Levi an die Reihe. Sie werden für das Massaker von
Sichem getadelt: "Denn in ihrem Zorn erschlugen sie einen Mann und in
ihrem Eigensinn kastrierten sie einen Stier. Verflucht sei
ihr Zorn, denn er war böse; und ihre Wut, denn sie war grausam: Ich will sie
teilen in Jakob und zerstreuen in Israel."
Das Ergebnis war, dass keiner dieser zwei Stämme ein
eigenes Gebiet hatte, um sich anzusiedeln. Simeon ging in Judah auf
und aus dem Stamm Levi wurden die Priester und ihre Helfer, verstreut
über die ganze Nation.
Judah (Jehudah) wird das neue Oberhaupt werden: "Das Szepter
soll nicht von Judah weichen und kein Gesetzgeber von zwischen seinen
Füssen, bis dass Shiloh (der Herrscher) kommt, dem alles zusteht und der
alle Völker lehren wird, eine Lehre, die sie auch annehmen werden.“
Tatsächlich entstammten die Könige dem Stamm Judah, alle, die als die
einzigen legitimen Regenten Israels angesehen wurden - selbst Jesu Anspruch
auf das Königtum gründete sich auf seine Abstammung aus der davidischen
Linie.
Diese Prophezeiung wurde
von vielen Kommentatoren sogar als Voraussage des Messianischen
Zeitalters angesehen - bis Shiloh kommt, (dem alles gehört), und alle
Völker versammelt. Shiloh war der Ort, an dem sich die Stiftshütte mit der
Bundeslade befand, bevor Jerusalem durch König David zum Zentrum des Kultes
wurde und der erste Tempel gebaut wurde. Seitdem ist der Tempelberg
das Zentrum der messianischen Erwartungen geworden. Wie sagte der Prophet
Jesaja (Kap.2, 2-5)?
„Geschehen wird es in den späteren, den anderen Tagen, fest gegründet ist
der Berg Seines Hauses zu Häupten der Berge, über die Hügel erhaben ...
Strömen werden zu ihm alle Völker und viele Nationen werden hingehen und
sagen: Lasst uns gehen und aufsteigen zu Seinem Berg, zum Haus des
Gottes Jakobs, dass Er uns weise in Seinen Wegen, dass auf Seinem Pfade wir
gehen werden; denn von Zion wird die Weisung ausgehen und von Jerusalem
SEINE Rede. Und Er wird Recht sprechen zwischen den Völkern und Weisung
geben vielen Nationen. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen
umschmieden und ihre Speere zu Rebmessern. KEIN VOLK WIRD GEGEN DAS ANDERE
DAS SCHWERT ERHEBEN UND SIE WERDEN DEN KRIEG NICHT MEHR LERNEN. Haus Jakobs,
lasst nun uns gehen, wandeln in Seinem Licht.
Das Haus Gottes als das Haus des Friedens, dort wo ER Recht sprechen
und den Krieg abschaffen wird.“
Das ist das wahre Kommen
von Shiloh. Vielleicht wird zu der Zeit auch die verschollene Bundeslade
wieder auftauchen.
Und schliesslich Zebulon
(Swulon): "Zebulon wird am Gestade des Meeres wohnen und er wird ein Hafen
für Schiffe sein; und seine Grenze wird bis Sidon reichen.“
Sidon wird gewöhnlich den Phöniziern zugeschrieben, aber es
gibt heute Beweise, dass die Phönizier nichts anderes als der Stamm Zebulon
waren. Diese waren es, welche die phonetische Schrift und das Alphabet nach
Griechenland brachten. Dieses phonetische Alphabet ist aber nach modernen
Forschungen nichts anderes als eine mnemotechnische Methode, um die
Glaubensgrundssätze des Judentums in der Erinnerung zu behalten. So bedeuten
z.B. die zwei ersten Buchstaben alpha, beta auf Hebräisch: „Lehre dein
Haus“; die weiteren Buchstaben gamma, delta „auch auf deiner Tür“ und
epsilon, zeta und theta bedeuten „die Götzen sind die Sünde, die zu reinigen
ist“. (Ganor, Wer waren die Phönizier?, 1974) Was die phönizische Religion
anbelangt, so war sie der Götzendienerei, die laut der Bibel zur Zeit des
ersten Tempels in Israel weit verbreitet war, sehr ähnlich.
(Slouschz, La Civilization Hebraique et
Phenicienne, Extrait de la «Revue Tunisienne», Tunis, 1911)
Der Segen oder die Voraussage für
Zebulon passt genau zur phönizischen Zivilisation.
Diese Vorhersage Jakobs ist so exakt, dass sie moderne Gelehrte
vor ein Dilemma gestellt hat. Während Gott die Zukunft
vorhersehen kann, kann der Mensch nach ihrer Auffassung nur Tendenzen
erkennen. Und so versuchen sie, die Prophezeiung zu 'erklären', indem sie
behaupten, dass sie nachträglich geschrieben wurde, als alles
schon geschehen war, und dann in die Bibel eingefügt wurde. Was
sie nicht wussten: Prof. Jehuda Radai von der Universität Heidelberg hat
durch Computeranalyse bewiesen, dass die Genesis von einem
Autor geschrieben wurde und keine Sammlung von Material aus verschiedenen
Quellen ist, wie es in protestantischen Kreisen angenommen wird.
In der letzten Parascha sprach ich
über die Verwandlung von Joseph, die ihn dazu gebracht hat, dass er
seinen Brüdern vergeben konnte. Am Ende dieses Abschnitts geht die Bibel
noch einmal auf diese Thematik ein. Nach dem Tod von Jakob fürchten
die Brüder, dass ihnen nun, da Jakob nicht mehr da war, um sie zu
beschützen, Joseph ihnen das Böse, das sie ihm angetan hatten, vergelten
würde. Joseph aber sprach: „Fürchtet euch nimmer. Bin ich denn an Gottes
Statt, das Böse, das ihr wider mich geplant habt, hat Gott umgeplant zum
Guten, um zu tun, wie es heute an Tag ist: ein großes Volk am Leben zu
halten. Wie ich schon in der vorausgehenden Parascha gesagt habe, war das
die größte Wandlung Josephs.
Damit endet das Buch Genesis.
Übersetzung: der Verfasser und Cornelia Fuchs
Alle Bibelzitate sind der Übersetzung von Buber/Rosenzweig entnommen.
[Text der Paraschah / Mendelssohn]
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