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[Parashoth haShawu'a - Wochenabschnitte]
[Russische Wiedergabe]
Schiurimreihe Fraenkelufer
Nr. 11

PARASCHATH VAYIGASH
von Rabbi Menachem Leibtag
Planen Jaakow und seine Familie beim Aufbruch nach
Ägypten "Jerida"? Anders gefragt: wollen sie sich dauerhaft in Ägypten
niederlassen, oder planen sie nur einen ‚kurzen Besuch‘?
Bei der Beantworung dieser Frage legt der Schiur dieser
Woche die thematische Basis für unsere Untersuchung des Übergangs von Sefer
Bereschit zu Sefer Schemot.
EINLEITUNG / RÜCKBLICK
In unseren Schiurim zu Sefer Bereschit haben wir bis hierher
gezeigt, wie das zentrale Thema der "Bechira" sich mit jeder "Hitgalut"
weiter entfaltet, d.h. jedesmal, wenn Gott zu den Awot über ihre Zukunft
sprach. Der Schiur dieser Woche konzentriert sich auf den letzten "Hitgalut"
in Sefer Bereschit, der auch Gottes letzte Worte an Jaakow enthält, als
dieser Eretz Kenaan verläßt und sich auf den Weg hinunter nach Ägypten zu
Joseph macht.
Wie wir zeigen wollen, enthält diese "Hitgalut" einige sehr
wichtige Informationen, die uns den ganzen Verlauf von Jetziat Mitzraim
verstehen helfen. Um den Inhalt würdigen zu können, müssen wir zunächst auf
das ganze Umfeld achten, d.h. auf Jaakows erste Reaktion, als er erfährt,
daß Joseph noch am Leben ist:
"Und Jisrael sprach... mein Sohn Joseph lebt noch! Ich
will hingehen und ihn sehen, bevor ich sterbe!" (45:28)
In diesem Pasuk scheint es, Jaakow plane nur einen kurzen
Besuch, um seinen ‚verloreren Sohn‘ wiederzusehen. Weshalb sollte er auch
sein Heimatland aufgeben?!
JEDER HAT EINEN PLAN
Jaakow plant zwar nur einen ‚Abstecher‘, aber Josephs Plan
sieht etwas anders aus. Er hatte seinen Brüdern aufgetragen, dem Vater
folgendes zu sagen:
"... Eilt und zieht hinauf zu meinem Vater und sagt ihm:
So spricht dein Sohn Joseph: Gott hat mich zum Herrn für ganz Ägypten
gemacht, komm herab zu mir, säume nicht [in Kenaan]! Und du sollst im
Land Goschen wohnen und mir nahe sein, du und deine Kinder ... Und ich
will dich dort versorgen, denn NOCH FÜNF JAHRE WIRD HUNGER SEIN, daß du
nicht verarmst, du und dein Haus und alles, was dein ist." (45:9-11)
Auch Joseph will offenbar nicht, daß seine Familie aus Eretz
Kenaan nach Ägypten auswandert. Er lädt die Familie ein, FÜNF Jahre zu
bleiben, ein ‚langes Wochenende‘ gleichsam, solange die Hungersnot noch
dauert! (Siehe 45:11: "...damit du nicht verarmst"!) Ist die Hungersnot aber
vorüber und sind die wirtschaftlichen Umstände wieder entsprechend, dann
wollen (und sollen) Jaakow und seine Familie wieder in ihr Heimatland
zurückkehren.
Die Familie hat zwar nur sehr kurzfristige Pläne, aber
später werden wir (zu unserer Überraschung) sehen, daß Jaakow und seine
Familie nie zurückkehren werden. Statt dessen lassen sie sich dauerhaft im
Land Goschen nieder – für Hunderte von Jahren! Gott scheint also einen ganz
anderen Plan gehabt zu haben.
Um Gottes Plan zu verstehen, müssen wir uns genauer ansehen,
wie Gott Jaakow seinen Plan bei Beer Schewa offenbart - eben, wie gesagt, in
der ALLERLETZTEN "Hitgalut" von Sefer Bereschit.
Um diese "Hitgalut" besser verstehen zu können, müssen wir
zuerst über den Grund sprechen, aus dem Jaakow auf seinem Weg nach Ägypten
in Beer Schewa halt machte:
"So brach Jisrael auf mit allem, was sein war, und kam
nach BEER SCHEWA, da schlachtete er "ZEWACHIM" (Opfer) dem Gott Seines
Vaters JITZHAK." (46:1)
Beim Lesen dieses Pasuk stellen sich mehrere Fragen:
a) Weshalb hält Jaakow gerade in BEER SCHEWA? – Weshalb
macht er überhaupt halt, könnten wir uns auch fragen.
b) Weshalb bringt er diese Zewachim gerade dem Gott seines
Vaters JITZHAK dar? Ist er nicht auch der Gott Awrahams?
[Siehe 32:9, wo Jaakow in einer ähnlichen Situation zum
Gott sowohl von Awraham WIE von Jitzhhak betet!]
c) Weshalb hält er es an diesem Punkt für nötig, Korbanot
darzubringen? – und warum gerade ZEWACHIM?
d) Weshalb wird in diesem Pasuk Jaakows neuer Name - Jisrael
- verwendet?
Wir werden jede dieser Fragen einzeln beantworten, aber
beachten Sie bei der Lektüre, wie jede Antwort mit der nächsten
zusammenhängt.
WIE DER VATER, SO DER SOHN
Erinnern wir uns aus der Geschichte von "Mechirat Joseph",
daß Jaakow in Hebron lebt (siehe 37:14). Daher kommt er auf dem Weg nach
Süden Richtung Ägypten an Beer Schewa vorbei. Erinnern wir uns auch, daß
Beer Schewa an der südlichen Grenze von Eretz Kenaan liegt (siehe I Schmuel
3:20); er verläßt also bei Beer Schewa Eretz Kenaan.
Jaakows Vater Jitzhak war aber auch einmal in einer ganz
ähnlichen Lage. Auch er plante während einer Hungersnot eine kurze Reise
nach Ägypten, aber Gott erlaubte ihm nicht, das Land zu verlassen:
"Es kam aber Hunger ins Land ... Es erschien ihm
(Jitzhak) aber der Ewige und sprach zu ihm: Zieh NICHT nach Ägypten
hinab, wohne in dem Land, das ich dir nennen werde ..." (siehe 26:1-3)
In dieser "Hitgalut" an Jitzhak erklärte Gott auch den Grund
für dieses Verbot:
"... Weile in diesem Land, ich werde mit dir sein und
dich segnen, denn dir und deinem Samen will ich alle diese Länder geben
und den SCHWUR erfüllen, den ich deinem Vater Awraham geschworen ..."
(26:3-4)
Anders gesagt: weil Jitzhak der AUSERWÄHLTE Sohn Awraham
Awinus war, mußte er im Land bleiben. Nun ist Jaakow der AUSERWÄHLTE Sohn
Jitzhaks, und so sollte auch ihm nicht erlaubt sein, Eretz Kenaan zu
verlassen.
Jaakow selbst hatte zwar einmal die Erlaubnis erhalten,
Eretz Kenaan zu verlassen (in Parschat Wa'jetze, siehe 28:10-20), aber diese
Situation war doch eine ganz andere – denn sein Leben war unmittelbar in
Gefahr (siehe 27:42-43). Aber selbst in dieser Lage brauchte Jaakow die
Zusicherung, daß Gott weiter mit ihm ist und ihn ZURÜCKFÜHREN WIRD, AUCH
WENN er nun Eretz Kenaan verließ:
"So sieh, ich bin mit dir, und ich werde dich behüten
überall, wohin du gehst, und DICH IN DIESES LAND ZURÜCKFÜHREN ..."
(28:15)
[Beachten Sie, daß auch Jaakow bei seinem ersten Auszug
aus Eretz Kenaan das Land über BEER SCHEWA verließ. (Siehe 26:10)!]
In Parschat Wa'jigasch nun ist Jaakows Situation etwas
anders. Ein Überleben in Eretz Kenaan ist zwar schwierig, aber immer noch
möglich: man konnte in Ägypten Nahrung kaufen und sie hierher
transportieren. Zudem: wenn es für Joseph so wichtig war, seinen Vater zu
sehen, weshalb konnte er ihn nicht einfach in Eretz Kenaan besuchen kommen?
Mußte Jaakow denn zu diesem Zeitpunkt wirklich seine ganze Familie nach
Ägypten bringen?
Als Jaakow also bei Beer Schewa vorüberkommt, bringt er
Opfer dar, denn er muß sicher sein, daß Gott ihm erlaubt, das Land zu
verlassen.
[Achten wir auch auf Gottes Antwort an Jaakow (siehe
46:1-3 " ... Fürchte nicht ..." ; Jaakow ist also eindeutig über seine
Lage beunruhigt.]
BITTE UM EIN AUSREISEVISUM
Auf der Grundlage dieser Annahmen können wir nun vermuten,
daß Jaakow die Befürchtung hegt, seine Ausreise nach Ägypten sei vielleicht
gegen Gottes Willen, oder sie gefährde sogar seine "Bechira". Daher hält
Jaakow zunächst in Beer Schewa, um zu beten – ‚um Erlaubnis zu bitten‘,
Eretz Kenaan verlassen zu dürfen.
Um unsere Antwort auf Frage (a) zu vervollständigen, müssen
wir noch erklären, weshalb er gerade in Beer Schewa haltmacht! Die
Kommentatoren bieten hierfür mehrere Erklärungen an:
* Raschbam (46:1) erklärt, daß Beer Schewa der Ort war, an
dem sein Vater gebetet hatte [Siehe 26:25, wo Jitzhak eine Mizbajach in Beer
Schewa errichtet. Beachten wir auch, daß Gott ihn an dieser Stelle beruhigt
- siehe 26:24!]
* Ramban (46:1) fügt der Erklärung Raschbams noch hinzu, daß
Jaakow Beer Schewa wählt, weil es hier eine Parallele gibt zum ersten Mal,
da er Eretz Kenaan verließ (von Beer Schewa nach Charan /siehe 26:10).
* Radak betrachtet Beer Schewa als 'offizielle' Südgrenze
von Eretz Kenaan, und daher sei dies die angemessene Stelle für Jaakow, ‚um
ein Ausreisevisum zu bitten‘. [Siehe auch Seforno 46:1 (wie Radak) und
Chizkuni.]
Zwar zitiert jeder der Kommentatoren andere Quellen, um zu
erklären, weshalb die Wahl gerade auf Beer Schewa fällt, aber alle sind sich
einig, daß Jaakow tatsächlich über seinen Auszug aus Eretz Kenaan beunruhigt
ist.
Genau dieser Grund beantwortet auch Frage (b). Jaakow betet
gerade zum Gott JITZHAKS, weil Jitzhak sich einmal in der gleichen Lage
befand wie er nun. Gott erlaubte ihm NICHT, Eretz Kenaan zu verlassen.
Jaakow hofft, daß Gott ihm nun dennoch die Ausreise gestattet. [Siehe Radak
& Seforno.]
[Beachten wir, daß Ramban einen anderen Ansatz hat
(begründet auf dem, was er "Sod" nennt). Ramban erklärt, Jaakow erkenne,
daß seine Ausreise nach Ägypten in Wahrheit der Beginn des langen
geschichtlichen Prozesses von Jetziat Mitzrajim ist. Er ahnt, daß dieser
geschichtliche Abschnitt vielleicht schreckliche Leiden von "Midat
ha'Din" bringen könnte, und deshalb betet Jaakow gerade zu "Pachad
Jitzhak", dieser Erscheinung von Gottes Vorsehung - genannt "Midat
ha'Din" -, in der Hoffnung, daß seine Kinder so wenig wie möglich leiden
werden.]
DER ERSTE 'ZEWACH'
Vor diesem Hintergrund wenden wir uns unserer dritten Frage
(c) zu: weshalb bringt Jaakow gerade "Zewachim" dar?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst darauf
hinweisen, daß hier zum ERSTEN Mal explizit in Chumasch erwähnt wird, daß
Gott ein "Zewach" dargebracht wird. Wie Ramban (zu 46:1) unterstreicht,
haben die Kinder Noachs (auch Awraham) bis hierher nur "Olot" dargebracht.
[Der technische Unterschied zwischen "Olah" und "Zewach"
ist ganz einfach. In Sefer Wajikra lernen wir, daß ein "Olah" auf dem
Mizbajach vollständig verzehrt wird (Kap. 1). Das Fleisch des "Zewach"
dagegen – auch als "Schlamim" bezeichnet (siehe Wajikra 3:1, 7:11) –
wird von seinem Besitzer gegessen, während nur ein kleiner Teil davon
auf dem Mizbajach dargebracht wird. Aus thematischer Sicht beinhaltet
der Ausdruck "Schlamim" jedoch ein gewisses "Schlajmut" – Fülle oder
Vollständigkeit, d.h. ein freiwilliges Opfer, das ein Gefühl der
‚Vollständigkeit‘ in der Beziehung zu Gott ausdrücken kann. Es ist zwar
nicht ganz deutlich, ob Jaakow zu diesem Zeitpunkt die "Zewachim"
verzehrt hat, aber von Bedeutung bleibt doch, daß die Thora hier von
einem "Zewach" spricht.]
Auch wenn hier zum ersten Mal in Chumasch "Zewach" erwähnt
wird, finden wir doch später drei Schlüsselereignisse, in deren Zusammenhang
gerade ein "Zewach" dargebracht wird:
1) Der KORBAN PESACH (an Jetziat Mitzrajim)
2) Brit NA'ASSE W'NISHMA (an Ma'amad Har Sinai)
3) YOM ha'SHMINI (die Widmungszeremonie der Mischkan)
Auf den ersten Blick bilden diese drei Beispiele freudige
Gelegenheiten, genau das Gegenteil zu Jaakows derzeitiger Situation (in der
er beim Verlassen von Eretz Kenaan beunruhigt ist). Sehen wir aber etwas
genauer hin, weisen alle drei einen ‚gemeinsamen Nenner‘ auf, mit dessen
Hilfe wir besser verstehen können, weshalb Jaakow zu diesem Zeitpunkt
"Zewachim" darbringt.
Sehen wir uns die Sache kurz an und achten wir darauf, wie
jedes der Ereignisse den ABSCHLUSS eines wichtigen Prozesses bildet:
1) Der KORBAN PESACH, bezeichnet als "ZEWACH Pesach
l'Haschem" (siehe Schemot 12:27), markiert die VOLLENDUNG des Prozesses von
Jetziat Mitzrajim. [Siehe Schemot 11:1->12:14./ Beachten Sie auch, daß
Chazal Korban Pesach unter die allgemeine Kategorie von "Schlamim"
subsumieren.]
2) An Ma'amad Har Sinai bringen Bnei Jisrael die besonderen
"Zewachim" als Teil derjenigen Zeremonie dar, in der sie die Mitzwot
akzeptieren:
"Und Mosche schrieb alle Worte des Ewigen nieder und
machte sich des Morgens früh auf und erbaute einen "Mizbajach"... und
sie brachten ZEWACHIM, SCHLAMIM dar ..." (Schemot 24:4-5)
Hier sehen wir die VOLLENDUNG des Zweckes von Jetziat
Mitzrajim, d.h. Bnei Jisraels Bereitschaft, Gottes Befehlen zu gehorchen.
3) An YOM ha'SCHMINI, bei der VOLLENDUNG der
Widmungszeremonie der Mischkan, bringt Bnei Jisrael einen besonderen Korban
"Schlamim" dar:
"Es war aber am achten Tag, und Gott befahl Mosche
[besondere] Korbanot darzubringen... und einen Ochsen und einen Widder
als SCHLAMIM - l'ZW'BOACH - ..." (siehe Wajikra 9:1-4)
Wie der Ausdruck "Schlamim" impliziert ["Schalejm" =
Vollendung, Fülle], beinhaltet ein ZEWACH SCHLAMIM gewöhnlich den Abschluß
eines wichtigen Prozesses. Aber welcher 'Prozeß' findet seinen Abschluß, als
Jaakow hinunter nach Ägypten zieht? Weshalb bringt Jaakow Davka ZEWACHIM
dar?!
Man könnte annehmen, Jaakows Opfer von "Zewachim" weise uns
eine ganz andere Richtung. Jaakow mag zwar unsicher und ängstlich sein, was
seine Reise nach Ägypten betrifft, aber er ist Gott auch sehr DANKBAR dafür,
daß Joseph tatsächlich noch lebt und er ihn nun besuchen kann. Diese
"Zewachim" könnte man als DANKOPFER verstehen! [Beachten Sie, daß "Korban
TODAH" auch eine Kategorie der "Schelamim" ist (siehe Wajjikra 7:11-12).]
Bevor er sich auf den Weg nach Ägypten macht, will Jaakow
Gott für die Wiedervereinigung seiner Familie DANKEN. Deshalb bringt er in
Beer Schewa ZEWACHIM dar – genau an dem Ort des MIZBAYACH, wo sein Vater
Jitzhak ebenfalls Korbanot dargebracht hatte (siehe 26:25/ siehe auch
Raschbam 46:1).
Denken wir auch daran, daß der Zweck von Jaakows Reise nach
Ägypten nicht nur ein Besuch bei Joseph ist, sondern auch der
WIEDER-VEREINIGUNG seiner zwölf Söhne gilt, dann läßt sich diese Reise auch
als VOLLENDUNG des "Bechira"-Prozesses betrachten. Ohne Joseph war der
"Bechira"-Prozeß nicht vollendet, und zwar, weil ein sehr wichtiger
"Schevet" (Stamm) fehlte.
Durch die Darbringung von "Zewachim" dankt Jaakow nun Gott
dafür, daß der die Familie wieder zusammenführt und den "Bechira"-Prozeß
VOLLENDET.
Wir könnten diesen Gedanken sogar noch einen Schritt
weiterführen und folgendes annehmen: Jaakow bittet um die göttliche
Erlaubnis zum Verlassen von Eretz Kenaan und opfert dabei "Zewachim", um zu
erklären, WARUM er das Land verläßt, nämlich UM die zwölf Stämme wieder
zusammenzuführen und damit den Prozeß der "Bechira" zu vollenden.
Diese Antwort auf unsere dritte Frage beantwortet auch
unsere vierte (d), weshalb die Thora nämlich Jaakows besonderen Namen
JISRAEL verwendet.
Wie wir in unserem Schiur zu Parschat Wa'jischlach erklärt
haben, widerspiegelt der Name JISRAEL Gottes Auserwählung Jaakows als
LETZTES Stadium des "Bechira"-Prozesses. Anders gesagt: im Gegensatz zu
früheren Generationen, in denen jeweils nur ein Sohn auserwählt wurde,
wurden ALLE Kinder Jaakows zu Gottes auserwähltem Volk erkoren. Wenn Jaakow
nun nach Ägypten hinunterzieht, um seine zwölf Söhne zu vereinigen, nennt
ihn die Thora ganz zu Recht JISRAEL!
ENDE UND ANFANG ...
Jaakows "Zewachim" mag zwar ein Dankopfer sein, aber dennoch
ist Jaakow noch immer über die möglichen Folgen seiner Ausreise aus Eretz
Kenaan beunruhigt.
Gottes Antwort auf Jaakows Opfer fügt nun seiner Abreise
eine ganz neue Dimension hinzu, eine Dimension, die Jaakow wahrscheinlich
völlig überrascht:
"Und Gott redete zu JISRAEL ... Fürchte nicht, nach
Ägypten hinabzuziehen, denn zu einem GROSSEN VOLK werde ich dich dort
machen. Ich werde mit dir hinabziehen und dich WIEDER VON DORT
HERAUFFÜHREN ..." 46:2-4)
Jaakow mag, wie wir erklärt haben, bloß einen ‚kurzen
Besuch‘ im Sinn haben, um seine Familie zusammenzuführen. Joseph wollte, daß
die Familie einige Jahre bleiben sollte, um die Hungersnot zu überstehen.
Gott jedoch offenbart nun einen ganz neuen Plan. Jaakow und seine Familie
machen sich auf eine Reise von MEHREREN HUNDERT JAHREN. Sie werden nicht
zurückkehren, bevor sie nicht in Ägypten ein großes VOLK geworden sind! Gott
wird sie hinführen, aber sie müssen bleiben, bis sie zu einem Volk geworden
sind. Und Gott wird sie schließlich auch wieder aus Ägypten herausführen.
Wenn Jaakow nun also nach Ägypten zieht, erfüllen sich nicht
nur die prophetischen Träume Josephs, sondern auch Gottes Versprechen an
Awraham Awinu bei Brit Bein Ha'Btarim – der lange und schwierige Prozeß von
Jetziat Mitzrajim (siehe Bereschit 15:13-18) hat begonnen.
Gott teilt Jaakow also mit, daß seine Reise nach Ägypten,
auch wenn er damit Eretz Kenaan verläßt, keinen Bruch des Göttlichen Bundes
mit seiner Familie bedeutet. Vielmehr wird nun ein kritisches Stadium Seines
großen Plans erreicht, Jaakows Familie von 'siebzig Seelen' zu Gottes
auserwähltem Volk zu machen.
[Die vollere Bedeutung dieser letzten "Hitgalut" von
Sefer Bereschit werden wir in unserem einführenden Schiur zu Sefer
Schemot erörtern.]
VON "TOLDOT" ZU "SCHEMOT"
Kehren wir nun zu den Psukim in Parschat Wa'jigasch zurück,
über die wir gesprochen haben (46:1-4), d.h. zu Gottes Versprechen, mit
Jaakow und seiner Familie zu sein, während sie in Ägypten sind.
Gleich nach dieser letzten "Hitgalut" an Jaakow beschreibt
die Thora die tatsächliche Reise der ganzen Familie nach Ägypten (siehe
46:5-7). Die Thora zählt dann in besonderen 'Parschia' die siebzig Seelen
von Jaakows Familie auf:
"Dies aber sind die Namen ["w'ajleh Schemot"] von Bnei
Jisrael, die nach Ägypten kamen ..." (46:8).
Diese besondere 'Parschia' - "w'ajleh SCHEMOT..." –
markieren den Abschluß des "Bechira"-Prozesses von Sefer Bereschit, denn aus
diesen siebzig "Nefesch" (Seelen) wird das Jüdische Volk hervorgehen. Der
Prozeß der "Bechira", der durch Gottes Wahl bestimmter "TOLADOT" voranging,
ist nun vollendet. Die auserwählte Familie wird uns nun als "SCHEMOT"
vorgestellt.
Das mag erklären, weshalb Sefer Schemot mit genau dem
gleichen Ausdruck beginnt, und die eröffnenden Psukim (1:1-4) fassen diese
'Parschia' (d.h. 46:8-27) zusammen. Beachten wir, daß das vorrangige Thema
von Sefer Schemot Gottes Erfüllung von Brit Bein Ha'Btarim ist – der
Geschichte, wie diese siebzig Seelen sich vermehren, unzählig werden,
versklavt und schließlich befreit werden usf.
Der Rest von Sefer Bereschit (46:28-50:26) bringt noch
Einzelheiten über die Beziehungen zwischen den Brüdern, ihren Aufenthalt in
Ägypten und Jaakows und Josephs Tod etc. Sefer Schemot, in dem Gottes
Erfüllung von Brit Bein Ha'Btarim erörtert wird, beginnt mit "w'ajleh
SCHEMOT Bnei Jisrael..." – genau dort, wo das vorrangige Thema von Sefer
Bereschit abgeschlossen wurde. Aus diesen siebzig Seelen wird Gottes
auserwähltes Volk hervorgehen.
FÜR WEITERE IJUN
A. In Sefer Bereschit werden an mehreren Stellen Korbanot
dargebracht. "Olot" werden von Noach (8:20) und von Awraham (bei der Akejdah
/siehe 22:13) dargebracht. Es gibt auch viele Beispiele für die Errichtung
eines Mizbajach und die Anrufung von Gottes Namen. Aber wir finden an keiner
Stelle "Zwachim". Beachten Sie, daß "Zewach" in 31:54 ein gemeinsames Fest
von Jaakow und Lawan bedeutet, aber kein Opfer an Gott.
B. HI'NAJ'NI ...
Beachten Sie, wie die letzte "Hitgalut" an Jaakow in Sefer
Bereschit beginnt:
"Und Gott redete zu Jisrael im nächtlichen Gesicht und
sprach: JAAKOW, JAAKOW, und er sprach: "HI'NAJ'NI" (hier bin ich) ...
Fürchte nicht, nach Ägypten hinabzuziehen ..." (siehe 46:2-3)
Achten wir auf die ganz besondere Art, in der Gott Jaakow
anspricht. Wir haben hier eine sprachliche Parallele vor uns, die uns sowohl
(A) zurückverweist auf die Akejdah, als auch (B) voraus zu Mosche am
brennenden Dornbusch.
(A) "HI'NAJ'NI" – ZURÜCK ZUR AKEYDAH
Gottes Antwort erinnert an seinen ersten Satz bei der
Akejda:
"... da prüfte Gott Awraham und sprach zu ihm:
'AWRAHAM', und er sprach: 'HI'NAJ'NI" (siehe 22:1)
Die Akejda symbolisiert auch den absoluten Gehorsam
gegenüber Gott, und sie schließt auch mit einem Göttlichen Schwur, daß
Jitzhak der Erbe früherer Bünde und Versprechen sein werde, die Gott Awraham
Awinu gegeben hat. Das mag erklären, weshalb Gott in seiner Antwort auf
Jaakows Korbanot an den 'Gott JITZHAKS' den tieferen Zweck von Jaakows Reise
nach Ägypten bekräftigt, d.h. die Erfüllung dieses früheren Schwurs
gegenüber Awraham Awinu.
(B) HI'NAJ'NI – ZUM BRENNENDEN BUSCH
Eine ähnliche sprachliche Parallele wie bei Gottes Ruf an
Awraham, auf den "hi'naj'ni" bei der Akejdah geantwortet wird, finden wir
auch in Gottes Ruf an Mosche Rabeinu beim brennenden Busch:
"... da rief ihm Gott aus dem Dornbusch zu und sprach:
'MOSCHE, MOSCHE, und er sprach: "hi'naj'ni" (Schemot 3:4)
Aber Gottes "Hitgalut" an Mosche beim brennenden Dornbusch
enthält mehr als nur eine sprachliche Parallele. Sie ist Gottes ERSTE
Offenbarung an den Menschen seit der Zeit von Jaakows Auszug aus Eretz
Kenaan! Anders gesagt: die Prophezeiung ‚macht da weiter, wo sie aufgehört
hatte‘!
Beachten wie den Vergleich zwischen diesen beiden
Offenbarungen, denn sie weist auf eine thematische Verbindung hin:
JAAKOW (verläßt Eretz Kenaan) MOSHE (am brennenden Busch)
(Bereschit 46:2-4) (Schemot 3:4-8)
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Gott rief Jisrael in einem Gesicht: Gott rief Mosche:
"JAAKOW, JAAKOW, "MOSCHE, MOSCHE,
wa'jomer hi'naj'ni" wa'jomer hi'naj'ni"
Und er sprach: Und er sprach:
Ich bin der Gott deines Vaters ... Ich bin der Gott deines Vaters...
Fürchte nicht, nach Ägypten Ich habe das Leid
zu ziehen, denn dort will ich meines Volkes in Ägypten gesehen,
dich zu einem großen Volk machen und ich habe ihr Weinen gehört...
Ich will mit dir nach Ägypten Ich bin HERAB gekommen, sie
HINABZIEHEN, und Ich will wieder aus Ägypten zu erretten,
mit dir HINAUFZIEHEN ... um dich aus diesem Land
in das Land ... HINAUFZUBRINGEN
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[Es wird empfohlen, diese Psukim in Hebräisch zu
vergleichen.]
Genauso offensichtlich wie die sprachliche Parallele ist die
thematische: Bei Gottes "Hitgalut" an Mosche (am brennenden Busch) weist Er
Mosche an, Bnei Jisrael zu sagen, daß Gott gekommen ist, den Bund von Brit
Bein Ha'Btarim zu erfüllen, d.h. sie aus der Sklaverei zu führen, damit sie
ein selbständiges Volk werden und das Gelobte Land erobern sollen.
C. Die emotionale Konfrontation zwischen Jehuda und Joseph
am Beginn des Parscha dieser Woche steht symbolisch für künftige
Auseinandersetzungen zwischen Schevet Jehuda und Schevet Joseph.
1. Beachten Sie, daß sie im Parscha dieser Woche über
Benjamin streiten. Wie stehen die "Nachalot" der Schvatim für diese
Auseinandersetzung?
2. Setzen Sie dies in Bezug zum Ort der Mikdasch in der
"Nachala" von Benjamin. Stellen Sie auch einen Bezug zu Jehoschua 18:11 her.
3. Beziehen Sie dies auf den Bürgerkrieg gegen Benjamin, wie
er in Kap. 20 von Sefer Schofetim beschrieben wird.
Schabbat Schalom,
Menachem

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