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Koscher leben...
 
 

Russische Wiedergabe

Parashoth haShawu'a - Wochenabschnitte

Schiurimreihe Fraenkelufer
Nr. 4b

PARSCHAT WA'JERA - TEIL ZWEI
von Rabbi Menachem Leibtag

[zu vajera 4a]

[Teil Zwei enthält zwei sehr kurze Schiurim, die den ersten Teil vervollständigen.]

A. 'MIZAR' – Ein trauriges, aber passendes Ende

Im Zusammenhang mit Lots ‚Flucht‘ aus Sedom finden wir eine sehr interessante Geschichte über ZOAR. Worum geht es dabei?

Eine kurze Erinnerung vorweg.

Nachdem sie Lot aus Sedom weggebracht hatten, befehlen die "Malachim" Ihm, ‚ins Gebirge‘ zu fliehen ["he'hara hi'malet" /siehe 19:17]. Lot zögert und behauptet, ‚das Gebirge‘ könnte SCHLECHT für ihn sein; statt dessen bittet er darum, daß die "Malachim" eine kleine Stadt für ihn vor der Vernichtung retten. Lot erklärt, daß diese Stadt für ihn ein "MIZAR" sein wird – d.h. ein "Geringes", ein kleiner Zufluchtsort, der seine Seele retten wird. Die Thora sagt uns dann, daß diese Stadt deshalb ZOAR genannt wird (siehe 19:17-22).

Weshalb dieses Detail?

Um diese Geschichte zu verstehen, müssen wir zur Erzählung in Chumasch über Sedom zurückkehren, als Lot sich für KIKAR HA'JARDEN entscheidet, statt bei Awraham Awinu im Gebirge zu bleiben.

Erinnern wir uns aus unserem Schiur über Parschat Lech L'cha, daß Lots Wahl eine Entscheidung für das gute Leben‘ in KIKAR HA'JARDEN war (keine Abhängigkeit von Gott, was die Wasserversorgung angeht), im Gegensatz zu Awrahams Leben im GEBIRGE (abhängig von Gott, der über den Regen und damit über die Wasserversorgung bestimmt).

Sehen wir uns den zentralen Pasuk [Verse] dieser Erzählung genauer an, in dem Lots Wahl beschrieben wird. [Ich empfehle, diesen Pasuk im hebräischen Original zu lesen, um die Schlüsselausdrücke besser würdigen zu können. Achten Sie auch auf das Wort "kol"]:

"Da hob Lot seine Augen und sah KOL KIKAR HA'JARDEN – das GANZE Jordantal – daß es ÜBERALL BEWÄSSERT war ... wie ein Garten des Ewigen, wie das Land Mizraim (Ägypten), BIS NACH ZOAR hin" (13:10)

Der letzte Ausdruck dieses Pasuk - BO'ACHA ZOAR – scheint überflüssig. Wozu brauchen wir schließlich zu wissen, wo genau der KIKAR endet?

Erwägen wir jedoch den Namen dieser Stadt - ZOAR – in der Geschichte von Lots Flucht aus Sedom, dann gewinnt dieser kurze Satz eine ganz besondere Bedeutung, denn die Thora scheint eine zynische 'Übereinstimmung' mit Lot zum Ausdruck zu bringen. Lot wollte ALLES - "et KOL Kikar Ha'Jarden" [sie auch 13:11:

"Da wählte sich Lot KOL KIKAR HA'JARDEN...", und aus diesem Grund entschied er sich für Sedom. Als aber alles vorbei ist, fleht Lot die "Malachim" um einen kleinen Zufluchtsort an, ein MIZAR (und zwar in der Stadt, die ZOAR heißen soll). Lot will ALLES - KOL Kikar HA'JARDEN – und hat schließlich ‚fast nichts‘ mehr - BO'ACHA ZOAR! [Ich danke noch einmal meinem guten Freund Danny Berlin - isch Karmei Tzur, Gusch Etzion – für seine Einsichten.]

Vor diesem Hintergrund können wir nun Lots Gespräch mit den "Malachim" bei seiner Flucht aus Sedom besser verstehen. Achten wir darauf, was sie Lot ursprünglich befohlen hatten:

"Es war nun, als sie sie hinausgeführt hatten [aus Sedom], da sprach der:>Flüchte um dein Leben! Schau nicht hinter dich und mach nicht halt in dem ganzen B'KOL HA'KIKAR – ins GEBIRGE rette dich, damit du nicht fortgerafft wirst!<" (19:17)

Achten wir einmal mehr auf den thematischen KONTRAST zwischen KIKAR HA'JARDEN und dem GEBIRGE. Lot wird befohlen, ins GEBIRGE zurückzukehren – In das Gebiet Awrahams – zurück in die Gegend, die er gar nicht hätte verlassen sollen. Aber Lot ist nicht zur Rückkehr bereit. Er weiß, wenn er ins GEBIRGE zurückkehrt, wird er im Schatten von Awraham Awinu nicht überleben können. Er wird nicht länger der Rechtschaffene unter vielen Verderbten sein. Statt dessen bittet er um einen Zufluchtsort:

"Da sprach Lot zu ihnen: >Nicht doch, o Herr! Sieh, dein Knecht hat Gunst gefunden in deinen Augen ... ich aber kann mich nicht ins GEBIRGE flüchten, das Verderben könnte mich ereilen, daß ich sterbe. Sieh, da ist diese Stadt [am Rande von Kikar HA'JARDEN], und sie ist MIZAR – ein Geringes; laß mich doch dahin fliehen ... daß ich am LEBEN bleibe!< [Sie geben Lots Bitte nach] Daher nennt man jene Stadt ZOAR. Die Sonne ging gerade über der Erde auf, da kam Lot nach ZOAR..." (siehe 19:18-24)

Nachdem schließlich Sedom und alle anderen Städte des KIKAR zerstört sind, will Lot selbst kein weiteres Risiko eingehen, und er verläßt von selbst ZOAR (siehe 19:25-30). Lot und seine Töchter gehen nun sogar ins GEBIRGE zurück (siehe 19:30), aber statt Awraham gegenüberzutreten, VERSTECKEN sie sich in einer HÖHLE . Der Rest ist Geschichte – d.h. die Geschichte von AMON & MOAB, deren Nachkommen nicht einmal mehr den Anstand haben, Am Jisrael (ihren Landsleuten) Brot und Wasser zu reichen, wenn sie auf ihrer Reise durch die Wüste von Ägypten nach Eretz Kenaan in der Nähe vorüberkommen (siehe Dewarim 23:4-5). Es ist kein Zufall, daß sie niemals die Lektion von "hachnasat orchim", die Begrüßung von Gästen gelernt haben. Sedom wurde zerstört, aber das ‚Erbe‘ Sedoms dauerte unglücklicherweise fort.

Ein Funken Güte kommt schließlich doch noch durch Moab. Rut, die Moabiterin, wird vom Stamm Juda in einem Akt von "Chessed" angenommen (siehe Megillat Rut). Ihr Urenkel - David ben Jischai- wird König von Israel.

Und es ist auch kein Zufall, daß wir in Sefer Schmuel, wo über seine Herrschaft zusammenfassend gesprochen wird, folgendes lesen:

"Und David war König über ganz Jisrael, und David schaffte MISCHPAT und ZEDAKA seinem ganzen Volk." (II Schmuel 8:15) [Denken wir daran, wie David selbst sich früher in einer Höhle am Toten Meer verborgen hatte (En-Gedi), wo er einen Akt von "Chessed" vollbringt, indem er Saul verschont - siehe I Schmuel 24:1-15, insbesondere 24:12-15! Siehe auch Jirmijahu 22:1-5!]

Durch Malchut David finden wir ein "Tikun" für den Samen Lots, denn sein Königtum ist charakterisiert durch ZEDAKA & MISCHPAT – das genaue Gegenteil von Sedom.

B. LOKALE 'PSCHAT' VS. GLOBALE 'PSCHAT'

Erinnern wir uns, wie Raschi und Ramban über die Bedeutung von "w'nejda otam" gestritten haben (siehe 19:5 – wo das Volk von Sedom von Lot die ‚Herausgabe‘ seiner Gäste verlangt).

Raschi erklärte "Mischkaw Sachar" – daß die Männer von Sedom sie ‚erkennen‘ wollten, erkennen im biblischen Sinn (siehe 4:1 & Chizkuni über 19:5), während Ramban erklärte, daß sie um deren ‚Identität‘ wissen wollten, um sie ‚aus der Stadt zu vertreiben‘, weil die Stadt Sedom keine Gäste zuließ.

Diese Kontroverse dient als klassisches Beispiel für zwei verschiedene Herangehensweisen an die "Parschanut" (Exegese)

Raschi konzentriert sich gewöhnlich auf das, was wir 'lokale PSCHAT' nennen, d.h. die einfachste Übersetzung auf der Grundlage des Kontextes in den benachbarten Psukim, während Ramban gewöhnlich andere Stellen in Tanach berücksichtigt, an denen das gleiche Wort oder der gleiche Begriff erwähnt werden, was wir hier als 'globale PSCHAT' bezeichnen.

Raschi erklärt "w'najda otam" im 'biblischen Sinn' [d.h. Mischkaw Sachar], denn es scheint keine andere logische Erklärung dafür zu geben, weshalb das Volk kommt, um an Lots Tür zu pochen. Auch Lots Angebot, ihnen seine beiden Töchter statt der Gäste zu überlassen, sowie Lots Erwähnung von "ascher lo JA'DU isch" (siehe 19:8) stützen seine Interpretation.

Auf der anderen Seite bezieht Ramban Psukim aus Jeheskel ein, (und zwar ganz explizit, wahrscheinlich hat er auch Kap. 1 von Jesha’jahu berücksichtigt), wo deutlich gesagt wird, daß Sedoms [hauptsächliche] Sünde sich auf die Unwilligkeit bezog, den Armen und Bedürftigen zu helfen. Nehmen wir dazu noch die thematische Erwägung der ZEDEK U'MISCHPAT von Awraham im Gegensatz zu Sedom (siehe 18:17-19), dann wird ziemlich deutlich, weshalb Ramban einen thematischeren Ansatz zur Erklärung von "v'najdah otam" bevorzugt.

Beachten wir auch, wie Raschi das Problem löst, WER sich vor Lots Haus versammelte, indem er behauptet, nicht die ganze Stadt habe sich versammelt, sondern nur die 'Verbrecher von Sedom" ["Anschei Sedom"], während die anderen, jung und alt, nicht gegen dieses unmoralische Verhalten einschritten und daher mitverantwortlich sind. Raschi muß 19:4 auf diese Weise ‚neu auslegen‘, denn anders ergäbe es keinen Sinn, daß so viele Leute verschiedenen Alters die Herausgabe der beiden Männer für "Mischkaw Sachar" verlangten.

Ramban selbst ist auch der Meinung, daß Lot tatsächlich seine beiden Töchter als Ersatz anbietet, um seine Gäste zu schützen, aber er versteht diesen Pasuk als Kritik an Lot. Man könnte jedoch annehmen, daß Lot seine Töchter gar nicht wirklich anbietet, sondern die Männer nur auf sehr deutliche Weise abweist [musar]. Lots Äußerung könnte man verstehen als Bitte an die Protestierenden, seine Gäste behalten zu dürfen, indem er ihnen zu verstehen gibt, daß die Mitzwa der Sorge um seine Gäste für ihn so wichtig ist wie die der Sorge für seine Töchter, auch wenn er gar keine wirkliche Absicht hat, dem Mob seine Töchter auszuliefern. Er macht nur einfach klar, wie wichtig es ihm ist, daß sie ihm seine Gäste lassen. ‚Eher würde ich euch meine Töchter als meine beiden Gäste geben ...‘ [Etwa so, wie man sagt: nur über meine Leiche ...]

[Hätten die Leute von Sedom die Männer für "Mischkaw Sachar" gefordert, dann hätte es keinen Sinn, daß sich die ganze Stadt versammelte, "m'naar w'ad zaken". Halten wir auch fest, daß Raschi "Anshei Sedom" – Dawka als die Männer erklärt, und zwar nur die schlimmsten von ihnen. Ganz ähnlich erklärt er "kol ha'am m'katze" – alle Leute der Stadt hielten sie nicht auf, aber sie standen auch nicht alle vor Lots Haus. Rasag (über 19:4) ist anderer Meinung und belegt mit "naar w'zaken" aus 19:11, daß "katan ad gadol" sich vor Lots Haus versammelt hatten.]

Um diese Auslegung zu stützen [daß Lot ihnen MUSAR gibt und

keinen ‚Handel macht‘], können wir uns in 19:6-8 die Reaktion des Mobs

auf dieses Angebot von Lot ansehen. Die Menge nimmt Lots Angebot weder an, noch weist sie es zurück; statt dessen reagiert sie ganz anders:

"So einer ist als Gast hierhergekommen - wa'jischpot scha'fot – und will nun den RICHTER machen. Nun wollen wir’s DIR noch SCHLIMMER tun [schlimmer als wir ursprünglich beabsichtigt hatten] als jenen!" (siehe 19:8) [Es ist, als ob sie sagten: 'HE, du bist in unserer Stadt bloß ein Zugereister, was bildest du dir eigentlich ein!? Nichts da – jetzt werfen wir dich zusammen mit deinen Gästen aus der Stadt!]

Wie könnten sie nun sagen, Lot wolle sie RICHTEN, wenn Lot bloß einen Handel vorschlüge? Verstehen wir Lots Angebot aber als unausgesprochenen MUSAR – dann bezieht sich "wa'jishpot schafot" genau hierauf.

[Vgl. die ähnliche Bedeutung von "schafot" in I Schmuel 12:7!] Niemand läßt sich gern vorschreiben, was er zu tun hat, besonders nicht von ‚Neulingen‘. Beachten wir auch, daß Lot seine Töchter nicht mit vor die Tür bringt, als er sein sogenanntes ‚Angebot‘ macht. Er schließt vielmehr die Tür hinter sich (siehe 19:6). Hätte Lot die Menge wirklich mit seinen Töchtern ‚beruhigen‘ wollen, hätte er sie mit nach draußen bringen sollen!

Wenn unsere Interpretation zutrifft, dann kann es sein, daß die einzige Sünde von Sedom "hachnasat orchim" war und überhaupt nicht "arajot" (wie Jeheskel 16:48-49 nahezulegen scheint). Das mag für uns etwas schwer zu schlucken sein, aber wir sollten diese Auffassung ernsthaft in Erwägung ziehen, wenn wir über unsere eigenen Wertsetzungen für unser Leben und unsere Gemeinschaft nachdenken.

Schabbat Schalom,
Menachem

Shabath 09.Oktober Bereschith - Im Anfang BeReshith 1,1-6,8
Jeshajahu 42,5-43,11
Shabath 16.Oktober Noach - Noah BeReshith 6,9-11,32
Jeshajahu 54,1-55,5
Shabath 23.Oktober Lech Lecha - Geh Dir! BeReshith 12,1-17,27
Jeshajahu 40,27-41,16
Shabath 30.Oktober VaJerah - Und sah BeReshith 18,1-22,24
Malakhim B 4,1-37
Shabath 06.November Chajej Sarah - Sarahs Leben BeReshith 23,1-25,18
Malakhim A 1,1-31

[Tanakh in Hebrew...]

Ein Projekt der Synagoge Fraenkelufer-Berlin

Gespräche über diese Schiurim finden wöchentlich
nach dem Schabbat-Gottesdienst statt: G'ttesdienste Berlin

Jeshiwath Har Ezion

Texte sind unter folgenden Adressen erhältlich:
www.hagalil.com und www.tanach.org

 

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