Weshalb bekommt SEDOM in Sefer Bereschit so viel‚
Presse? Ganz einfach, weil Lot, Awrahams Neffe, zufällig dort wohnt?
Im Schiur dieser Woche werden wir sehen, wie Sedom in Tanach als
Antithese zu Jerusalem erscheint - und weshalb. Im
Teil zwei werden wir das gleiche Thema aus etwas anderer Sicht
behandeln.
EINLEITUNG
In den beiden letzten Schiurim sind wir der Frage nachgegangen, WESHALB
(zu welchem Zweck) Gott Awraham Awinu auserwählt hat, d.h. auserwählt zur
Gründung eines Volkes, das die Menschheit zu einer gottnäheren Existenz
führen wird [um den Fehler ‚wieder gutzumachen‘, den die Erbauer des Turms
von Babel begangen haben]. Zu diesem Zweck versprach Gott Awrahams
Nachkommenschaft ("Sera") ein besonderes Land ("Aretz") und bekräftigte
dieses Versprechen in zwei Bünden. In Parschat WA'JERA lernen wir nun, WIE
dieses Volk das gesetzte Ziel schließlich erreichen soll.
EINE BESONDERS LANGE 'PARSCHIA'
Halten wir, ausgehend von einem Tanach Koren, fest, daß die Geschichte ab
Beginn von Parschat WA'JERA (18:1) bis zum Ende der Erzählung von Sedom
(19:38) EINE einzige lange 'Parschia' [Abschnitt] darstellt, die ZWEI
anscheinend voneinander unterschiedene Themen behandelt:
1) Die Nachricht, daß Sara Jitzchak gebären wird;
2) Die Geschichte von Lots Errettung aus Sedom.
Die Thora behandelt beide dennoch als EIN Thema. Worin liegt ihre
Verknüpfung? Die offensichtlichste Verbindung der beiden Geschichten liegt
in den "Malachim" [Engel], die an beiden Geschichten beteiligt sind. Aber
mit dieser Antwort stellt sich dann genau dieselbe Frage! Weshalb müssen
dieselben Engel, die Sedom zerstören werden, zunächst zu Awraham kommen, um
ihm die Nachricht von Jitzchaks Geburt zu bringen?
[Sollten wir mit Raschi der Auffassung sein, daß jeder der Engel seine
eigene Mission zu erfüllen hat, dann wäre die Frage: Weshalb müssen alle
drei Engel zusammen unterwegs sein?]
Die Thora selbst beantwortet diese Frage, wenn sie erklärt, WARUM Gott
Awraham befragen muß, bevor er Sedom zerstört:
"Der Ewige aber sprach: >Sollte ich vor Awraham verborgen halten, was
ich tun will? Und Awraham wird ja zu einem großen und mächtigen Volk
werden, daß mit ihm sich segnen sollen alle Völker der Erde, denn ich
habe ihn ausersehn, auf daß er SEINEN KINDERN und seinem Haus nach ihm
befehle, daß sie den Weg des Ewigen wahren, Gerechtigkeit und Recht zu
üben ..." (siehe 18:17-19 / vgl. 12:1-3)
An dieser Stelle erklärt die Thora nicht nur, WESHALB (d.h. zu welchem
Zweck) Gott Awraham Awinu auserwählt hat – auserwählt dazu, ein Volk zu
werden, das ein Segen für andere Völker sein wird -, sondern sie erklärt
auch, WIE das geschehen wird – indem er nämlich SEINE KINDER lehrt (die es
ihre Kinder lehren werden), ZEDAKA u'MISCHPAT zu tun (siehe 18:19). Dieses
Volk, charakterisiert durch eine Gemeinschaft von "Zedaka & Mischpat", wird
Gottes vorbildliches Volk sein.
Auch wenn Sedom eine ‚verlorene Sache‘ sein mag, weil es in der Stadt
nicht genügend 'Zadikim' gibt, hofft Gott doch, daß Awrahams Volk durch
gutes Beispiel verhindern wird, daß je wieder solche verworfenen Städte
entstehen. Jitzchak ist der Sohn, durch den diese Überlieferung
weitergegeben wird, und daher ist es nicht ohne Bedeutung, daß dieselben
Engel, die Sedom zerstören sollen, zunächst "den Samen ausstreuen" müssen
für die Verhütung künftiger Städte wie Sedom.
Diese Vorstellung widerspiegelt sich in Awrahams Bitte, Gott möge auf die
Zerstörung von Sedom verzichten. Awraham bittet nicht einfach darum, daß
Gott die
"Zadikim" in Sedom retten möge. Er erfleht die Errettung der GANZEN Stadt
um dieser "Zadikim" willen! [Siehe 18:26.] Warum? Weil diese "Zadikim"
vielleicht das gesamte Volk von Sedom zur wahren "Teschuwa" führen könnten,
ebenso wie das Volk Awrahams dazu bestimmt ist, die ganze Menschheit zu Gott
hinzuführen.
Es ist bezeichnend, daß Awraham diese Anstrengung zur Rettung von Sedom
unternimmt, auch wenn sie vergeblich zu sein scheint. Seine Bitte
widerspiegelt seine Sendung – die Tradition, zu deren Weitergabe an Jitzchak
und an künftige Generationen er verpflichtet ist.
AWRAHAM ./. SEDOM
In Sefer Bereschit scheint Sedom den Gegensatz zu allem zu bilden, wofür
Awraham steht. Wie wir in der vergangenen Woche erklärt haben, war Lots
Entschluß, Awraham zu verlassen und nach Sedom zu ziehen (13:1-18), auf
seinen Willen zurückzuführen, von Gott unabhängig zu sein. An dieser Stelle
erfahren wir: "Die Leute von Sedom aber waren sehr böse und sündig gegen den
Ewigen." (13:13)
Nach Lots Rettung vor den ‚vier Königen‘ (siehe Kapitel 14) weigert sich
Awraham zudem, irgendwelchen Besitz aus Sedom zu behalten, womit er seinen
Widerwillen gegen jene Gesellschaft zum Ausdruck bringt. Zwar verdient er
seinen ‚fairen Anteil‘ aus der gewonnenen Schlacht, aber Awraham Awinu will
keinerlei Nutzen aus Sedom haben:
"Da sprach Awram zum König von Sedom: >Ich hebe meine Hand zum
Ewigen, dem höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde: Ob
ich, vom Faden bis zum Schuhriemen, etwas nehme von alledem, was DEIN
ist! Du sollst nicht sagen: Ich habe Awram reich gemacht.<" (14:23-24)
Aus der Verbindung dieser beiden Ereignisse (wie in Parschat Lech L'cha
beschrieben) mit Gottes Aussage über Awrahams Mission, "Zedaka u-Mischpat"
zu lehren, bevor er Sedom zerstört (in Parschat WA'JERA/ 18:19), können wir
schließen, daß Sedom eine Gemeinschaft völlig ohne "Zedaka u-Mischpat" ist.
Belegen wir diese Folgerung anhand der Geschichte, die in Kapitel 19 folgt.
KEINE GÄSTE ZUGELASSEN!
Wenn sich in Sedom auch "Mischpat" finden, "Zedek" sind sicher nicht in
der Stadt. Das beste Beispiel dafür ist der Bericht der Thora über die
Reaktion der Stadt Sedom auf die beiden Gäste Lots:
"Noch hatten sie [die beiden Gäste] sich nicht niedergelegt, da
umringten die Männer der Stadt, die Leute von Sedom, das Haus, JUNG und
ALT, das GANZE Volk von allen Enden; sie riefen nach Lot und sprachen zu
ihm: WO sind die Männer, die heute Nacht zu dir gekommen sind? Führ sie
HINAUS, daß wir sie ERKENNEN [w'naj'da'ejm]." (19:4-5)
Die meisten von uns kennen nur die Auslegung Raschis, wonach es sich hier
um eine kleine Gruppe der verworfensten Männer von Sedom handelt, die die
Gäste – im biblischen Sinn - "erkennen" wollen (vgl. hierzu über 19:8 und
13:13, siehe auch 4:1 und "weitere Ijun" unten), aber "Pschat" [die einfache
Bedeutung des Textes] ist [wie Rasag & Ramban behaupten], daß die GANZE
Stadt kam, um zu protestieren.
Weshalb haben sie protestiert? Wie Ramban so schön erklärt (siehe sein
Pirusch zu 19:5), richtet sich der Protest gegen "hachnasat orchim" - gegen
die Aufnahme fremder Gäste!
In Sedom herrscht ein strenges GESETZ: KEINE GÄSTE ERLAUBT!
Der Grund dafür ist, wie Ramban erklärt, ein ideologischer – sie möchten
unbedingt unter sich bleiben. Wenn Lot an diesem Abend Gäste beherbergt,
werden am nächsten Tag noch mehr Gäste erscheinen [wie Katzen], und bevor
der Monat um ist, werden die Straßen der Stadt von Durchreisenden und
Bettlern nur so wimmeln. Sollte sich herumsprechen, daß es in Sedom‚
kostenlose Unterkunft‘ gibt, dann wäre ihre vollkommene Stadt erledigt. Und
wenn sich niemand um die Bedürftigen kümmert, dann werden die Bedürftigen
schließlich lernen, für sich selbst zu sorgen. Die Leute von Sedom sind
entschlossen – im ‚besten Interesse‘ der Bedürftigen, dieses ‚vollkommene
Gesetz‘ durchzusetzen.
Wenn also ein Bürger ["Chas w'SCHALOM"] einen Gast heimbringt, dann wird
sofort zu einem öffentlichen Protest aufgerufen. [Siehe auch Sanhedrin
109a.]
Es mag in Sedom "Mischpat" geben, aber unecht und verzerrt. In jedem Fall
gibt es keine "Zedaka".
[Chazals Bemerkung in Pirkei Awot zieht die soziale Norm in Erwägung:
"scheli scheli, schelkha schelkha" – meines ist meines, und deines ist
deines –eine 'Sitte in Sedom', die eben diese Auffassung widerspiegelt
(siehe Pirkei Awot 5:10 "arba midot b'adam...").]
ZEDEK U'MISCHPAT ./. SEDOM
Diese Interpretation erklärt, warum wir überall in Nviim Acharonim das
Fehlen von "Zedek u'Mischpat" mit Sedom verglichen finden. Tatsächlich
vergleichen die drei berühmtesten Propheten von Nviim Acharonim,
Jescha’jahu, Jirmejahu und Jeheskel, die alle die drohende Zerstörung
voraussehen und vor ihr warnen, die verderbte Gesellschaft in Israel mit
Sedom; daher steht auch ihre eigene Zerstörung bevor.
Beginnen wir mit einem Beispiel von Jeheskel, denn er bezieht sich auf
genau diesen Punkt (in bezug auf "hachnasat orchim"):
"... und deine jüngere Schwester, die dir zur Rechten siedelt, Sedom
... und bist nicht in ihren Wegen gewandelt, daß du getan nach ihren
Greueln! Als wärs zu wenig des Ekels, triebst du’s noch ärger als sie in
all deinem Wandel. (...) Sieh, das war Sedoms, deiner Schwester, Schuld:
Stolz aus Brotes Überfülle und sichrer Ruh ... und des ARMEN und ELENDEN
Hand stützte sie nicht, sie taten stolz und trieben Greuliches vor mir,
da TAT ich sie HINWEG, wie du gesehen." (siehe Jeheskel 16:46-50)
In Jesha’jahu ist die Verknüpfung zwischen dem Fehlen von "Zedek
u'Mischpat" und Sedom noch offensichtlicher. Wie wir uns alle aus der
Haftara von Schabbat Chason erinnern, vergleicht Jesha’jahu die Taten von Am
Yisrael mit dem Verhalten der Leute von Sedom & Amora:
"Hört an des Ewigen Wort, ihr Ratsherrn SEDOMS! Vernehmt die Weisung
unseres Gottes, ihr Volk Amoras! Wozu ist mir eurer Schlachtung Fülle,
spricht der Ewige ... Wascht, reinigt euch, schafft eurer Taten Arg mir
aus den Augen, Laßt Übeltat. Lernt gut tun, sucht Recht, bringt Heil
Bedrängten, schafft Recht der Waise, führt Streit der Witwe! (...) Wie
ward die treue Stadt, einst erfüllt von MISCHPAT ZEDEK, zu einer Stadt
von Mördern." (Jesaja 1:10-17, siehe auch 1:3-9!)
Erinnern wir uns auch, wie Jesha‘jahu diesen N'wuah beendet:
"Zion b'MISCHPAT tipadeh, w'schaweha b'TZEDAKA - Zion wird durch
unser Tun von "MISCHPAT" erlöst sein, durch ihre Reue – durch unser Tun
von "TZEDAKA".
Später in Kapitel fünf, in Jesha’jahus berühmtem "Maschal Ha'Kerem" [das
Gleichnis vom Weinberg], lesen wir einmal mehr, daß Gott hoffte und wollte,
daß Am Jisrael "Zedaka u'Mischpat" vollbringe, und weil sie das Gegenteil
taten, müssen sie nun schwer bestraft werden:
"wa-jikav le-MISCHPAT - we-hinej Mispach" [Und er hofft auf
Gerechtigkeit, und sieh da: Ungerechtigkeit], "l'TZEDAKA - w'hinej
Za'aka." [auf Heil: "Zedaka", und statt dessen: Wehgeheul)." (Jesaja
5:7, vgl. das ganze Kapitel und auch 11:1-6.)
Am heftigsten drückt sich in diesem Zusammenhang jedoch Jirmejahu aus. In
seiner wortgewaltigen Anklage gegen das Haus David [dessen Linie nicht nur
auf Jehuda zurückgeht, sondern auch (und das nicht zufällig) auf Rut, die
Moabiterin, die zur Nachkommenschaft von Lot gehört!] erklärt Jirmejahu sehr
deutlich, was Gott vom König erwartet:
"Höre das Wort des Ewigen, König von Jehuda, der du auf Davids Thron
sitzt ... Tue MISCHPAT U'ZEDAKA ... Fremdling, Waise und Witwe drückt
nicht..." (Jirmejahu 22:1-5) [siehe auch 21:11-12]
Wenn Jirmejahu später den rechtschaffenen König Joschijahu mit dessen
verderbtem Sohn Jehojakim vergleicht, erklärt er:
"... dein Vater (Joschijahu)... vollbrachte ZEDAKA U'MISCHPAT, da war
ihm wohl. Er sprach dem Armen und Elenden Recht ... Heißt nicht das mich
KENNEN [l'daat oti], ist des Ewigen Spruch! Doch dir (Jehojakim) stehen
Augen und Herz auf nichts als auf deinen Gewinn ... " (siehe 22:13-17)
Halten wir fest, daß das Tun von "Zedaka & Mischpat" für Jirmejahu die
Art und Weise ist, auf die wir "Gott erkennen" ["l'daat et Hashem /(vgl.
Bereschit 18:19)]!
Wenn Jirmejahu schließlich vom idealen König spricht, der die Erlösung
bringen wird, erscheint genau das selbe Thema wieder:
"Sieh, Tage kommen, erklärt Hashem, da will ich David erstehen lassen
in einem GERECHTEN Sproß, der wird als König herrschen und weise
handelnund MISCHPAT und ZEDAKA im Land üben. In seinen Tagen wird Jehuda
Hilfe werden und Jisrael in Sicherheit wohnen ..." (23:5-6). [siehe auch
Secharja 7:8, 8:8,16-17, II Schemuel 8:15!]
Dieser Grund für die Wahl des Königtums Davids entspricht dem Grund für
Gottes Auserwählung von Awraham Awinu. Wie wir schon wiederholt erklärt
haben, wählte Gott Awraham nicht als BELOHNUNG für sein Verhalten aus,
sondern vielmehr ZU EINEM BESTIMMTEN ZWECK - um ein vorbildhaftes Volk zu
schaffen, charakterisiert durch "Zedek u-Mischpat", das die ganze Menschheit
Gott näher bringen wird. Aus genau dem gleichen Grund wählt Gott eine
königliche Familie aus, um über dieses Volk zu herrschen: das Haus David.
Auch sie werden auserwählt, UM das Volk die Wege der Zedaka u'Mischpat zu
lehren.
Aber auch ohne die rechte Führung bleibt dies unser ewiges Ziel, die
Verantwortung jedes Einzelnen. Um das zu beweisen und dieses Thema
zusammenzufassen, brauchen wir nur einen letzten Pasuk aus Jirmejahu zu
zitieren (& einmal mehr nicht zufällig den letzten Pasuk der Haftara für
Tischa B'aw):
"So spricht der Ewige:
Nicht rühme sich der CHACHAM [der Weise] seiner Weisheit; Nicht rühme
sich der GIBOR [der Starke] seiner Stärke; Nicht rühme sich der ASHIR
[der Reiche] seines Reichtums. Sondern des rühme sich, wer sich rühmen
mag: Klug zu sein und mich zu ERKENNEN [haskel v'YADOAH oti] - Daß ich,
der Ewige, CHESED [Liebe], MISCHPAT und ZEDAKA bin – denn daran habe ich
Gefallen." (siehe Jirmejahu 9:22-23) /[Siehe auch Rambam in seinen
Schlußbemerkungen im letzten Kapitel von Moreh N'wuchim!]
Einmal mehr sehen wir: Gott ERKENNEN heißt, seinen Wegen nacheifern, d.h.
nach Art von ZEDEK u'MISCHPAT handeln. Wenn das ganze Volk so handelt, dann
wird unser Ziel erreicht sein.
Was zunächst wie eine bloße Nebenbemerkung Gottes (in bezug auf Awraham)
vor der Zerstörung Sedoms aussieht (in Bereschit 18:19), erweist sich so als
zentrales Thema im ganzen Tanach!
Schabbat Shalom
Menachem
FÜR WEITERE IJUN
1. Der Protest vor dem Haus.
Raschis Erklärung, den Männern vor dem Haus sei es um "Mischkaw Sachar"
gegangen, gründet auf 19:8, wo Lot den Männern statt der Gäste seine Töchter
anbietet ( und wahrscheinlich auch die Parallelgeschichte von Pilegesch
b'giwah in Sefer Schoftim). Lots Rede könnte jedoch auch verstanden werden
als Bitte, seine Gäste behalten zu dürfen. Lot sagt ihnen vielleicht, die
Mitzwa der Sorge um seine Gäste sei ihm ebenso wichtig wie die Sorge um
seine beiden Töchter, auch wenn er gar nicht wirklich beabsichtigt haben
sollte, dem Mob seine Töchter auszuliefern. Er weist ganz einfach darauf
hin, wie wichtig es ihm ist, seine Gäste behalten zu dürfen. Hätte die Menge
die Männer zu "Mischkaw Sachar" verlangt, dann hätte sich nicht die ganze
Stadt versammeln müssen, "m'naar w'ad saken". Beachten wir auch, daß Raschi
"anshei Sedom" erklärt als Dawka, die Männer, und zwar als nur die
schlimmsten von ihnen. Ähnlich erklärt er "kol ha'am m'kaze" – alle Leute in
der Stadt hielten sie nicht auf, aber sie waren auch nicht alle vor Lots
Haus.
2. Im Pasuk - "Ki YeDA'ATIV lema'an ascher jezaweh et banaw...
we-schamru derekh Haschem la'assot Zedaka u-Mischpat.....". (18:19),
haben wir übersetzt: denn ich habe ihn auserwählt. Buchstäblich müßte man
übersetzen: denn ich habe ihn ‚erkannt‘. Die Verwendung des Wortes YEDA’ATIV
scheint jedoch merkwürdig. Wenn hier einfach nur gemeint ist: Gott ‚weiß‘,
daß Benei Jisrael "Zedek u-Mischpat" tun wird, wie ‚weiß‘ Haschem das?
Welche Garantie gibt es dafür, daß Awrahams Kinder diese Mitzwa eher als
andere halten werden? Gibt es denn keine Bechira Chofschit -
Entscheidungsfreiheit?
(Überdies sollte das hebräische Wort "yeda'ati" sein - siehe Mefarschim
al atar.) Raw Joel bin Nun hat vor einigen Jahren erklärt, das Wort
"jeda'atiw" sollte nicht als 'jeda' – erkennen/wissen verstanden werden,
sondern vielmehr als "je'ud" (wobei die beiden letzten Buchstaben vertauscht
werden wie in kewes-kesew; salma-simla). Je'ud, (ein ähnliches Schoresh)
bedeutet: zu einem bestimmten Zweck vorgesehen sein, eine raison d'etre,
eine Bestimmung haben. Somit würde "jeda'atiw" nicht ein ‚Wissen‘ Gottes
beinhalten, sondern vielmehr soviel heißen wie: "Gott bestimmte sie zu dem
Zweck ..., nämlich zu dem Zweck, Zedaka und Mischpat zu halten)". Gott WEISS
nicht, daß Benei Awraham Zedaka & Mischpat tun wird: Vielmehr hat Gott
Awraham auserwählt, auf daß seine Kinder Zedaka & Mischpat tun!
3. Parschat WA'JERA sagt uns nicht nur etwas über die Geburt von
Jitzchak, sondern auch über die Geburt verschiedener anderer Enkel und
Urenkel TERACHs. [Siehe 19:30-38, 22:20-24]
- Weshalb halten Sie diese Geschichten für einen integralen Bestandteil
von Sefer Bereschit?[ Setzen Sie die Tatsache, daß wir eine Überschrift
"ajleh Toldot Terach" finden und daß später in Sefer Bereschit niemals
"ajleh Toldot Awraham" auftaucht, in Beziehung zu 11:26-32. Stellen Sie
auch eine Beziehung zu unserem Schiur über Parschat Noach her.]
- Welche Nachfahren von Terach 'schleichen' sich später zurück in die
Familie von Awraham Awinu? Ist dies bedeutsam?
- Achten Sie auf die Anzahl (und Art) der Frauen und Kinder, die Nachor
geboren werden (in 22:20-24)! Welchem Awot ähnelt das? Wer hat in Sefer
Bereschit außerdem noch zwölf Kinder?
4. Gehen Sie die Geschichte der Akejda (Kapitel 22) durch und achten Sie
darauf, welchen "Schem" die Thora verwendet [Elokim oder Schem Hawaja], um
Gottes verschiedene Befehle an Awraham zu beschreiben. Ist ein Muster zu
erkennen?
5. Am Ende der AKEJDA macht Gott gegenüber Awraham Awinu ein weiteres
Versprechen in bezug auf die Zukunft seiner Nachkommenschaft (siehe
22:15-19). Welchen früheren Versprechen an Awraham Awinu ähnelt dieses am
meisten?
Ist dieses Versprechen bloß eine Wiederholung, oder kommt hier etwas
Neues hinzu? Falls ja, was ist das Neue und wie steht es zur Akejda in
Beziehung?
[Denken Sie an "Brit Bein Ha'Btarim".]
[Siehe Ramban 22:16, & Radak 22:16.]