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5.0 u.a.)
Parashoth
haShawu'a - Wochenabschnitte
[Tanakh in Hebrew...]
Nr. 1 der
Schiurimreihe Fraenkelufer:
PARSCHAT BERESCHIT
von Rabbi Menachem
Leibtag
Wie viele Schöpfungsgeschichten gibt es in Parschat Bereschit, EINE
oder ZWEI? Obgleich diese Frage öfter von Bibelforschern als von
Jeschiwa-Schülern erörtert wird, verbirgt sich in ihr doch eine wichtige
geistliche Botschaft. Der Schiur dieser Woche erörtert die Struktur von
Parschat Bereschit und versucht damit, die Bedeutung der
Schöpfungsdarstellung in der Thora verständlicher zu machen und
gewissermaßen ‘die Bühne zu bereiten’ für unsere Diskussion des Gesamtthemas
des Sefer Bereschit in den folgenden Schiurim.
PEREK ALEPH & PEREK BET
Aus literarischer Sicht läßt sich recht einfach zwischen
zwei verschiedenen Abschnitten in der Schöpfungsdarstellung
der Thora unterscheiden:
ABSCHNITT I – DIE SCHÖPFUNG IN SIEBEN TAGEN /
1:1-2:3
ABSCHNITT II – DER MENSCH IM GARTEN EDEN /
2:4 -3:24
ABSCHNITT I, besser als PEREK ALEPH bekannt,
läßt sich seiner strengen Struktur wegen leicht eingrenzen; jeder
Schöpfungstag folgt hier einem Standardmuster. Jeder Tag:
* Beginnt mit dem Ausdruck: "WA'JOMER
ELOKIM...", der eine neue Stufe der Schöpfung ankündigt (1:3,6,9,14,20,24);
* Fährt fort mit "WA'JAR ELOKIM ki tow"
(1:4,10,12,18,21,31);
* Schließt mit "WAJHI EREW WAJHI BOKER,
JOM..." (1:5,8,13,19,23,31).
Überdies lautet Gottes Name in diesem
Abschnitt ausschließlich "schem Elokim" (im Gegensatz zur Verwendung von
"schem Hawaja" im nächsten Abschnitt). Und schließlich ist auch die
Verwendung des Verbs "bara" (etwas ex nihilo erschaffen – etwas aus nichts)
charakteristisch nur für diesen Perek.
Zudem weist nicht nur die besondere Struktur,
sondern auch der INHALT von PEREK ALEPH darauf hin, daß dieser Abschnitt
eine in sich geschlossene Einheit darstellt. Er enthält eine VOLLSTÄNDIGE
Geschichte der Schöpfung mit einer klassischen Gruppe zusammenpassender
Psukim (Versen) für Einleitung und Schluß. Der Abschnitt eröffnet mit:
"BERESCHIT (im Anfang), BARA ELOKIM – schuf Gott
SCHAMAJIM und AREZ. [Zuvor] war alles ein TOHU WA'WAHU - völliges CHAOS,
[dann]..." (1:1-2).
Im Gegensatz zu diesem ursprünglichen Chaos finden wir am
Ende der sechs Schöpfungstage ein DURCHSTRUKTURIERTES UNIVERSUM im Zustand
vollkommener Ordnung. Daher:
"WAJCHULU ha'SCHAMAJIN w'ha'AREZ... Da segnete Gott
den siebenten Tag ... denn an ihm RUHTE er von all seinem Werk - "ascher
BARA ELOKIM" – das Gott zu wirken geschaffen." (2:1-3)
Diese Psukim (Versen) bilden einen angemessenen Abschluß
dieses ersten Abschnitts.
ABSCHNITT II, besserer bekannt als PEREK BET (2:4-3:24),
scheint eine gegensätzliche Darstellung der Schöpfungsgeschichte zu geben.
Wir führen dafür mehrere Gründe an:
* In diesem ganzen Abschnitt lautet Gottes Name nicht
mehr einfach ELOKIM, sondern vielmehr HASCHEM ELOKIM ("schem Hawaja").
* Im Gegensatz zu PEREK ALEPH, wo der Mensch das
LETZTE Stadium der Schöpfung bildet, ist er in PEREK BET das ERSTE!
- Bäume und Pflanzen wachsen erst, NACHDEM Adam
erschaffen ist/ 2:5;
- Ebenso werden die Tiere erst danach
erschaffen/2:18-21.
* Im Gegensatz zum konsistenten Gebrauch des Verbs
"bara" in PEREK ALEPH verwendet PEREK BET das Verb "ja'zar" (Schöpfung
'etwas aus etwas'/ vgl. 2:7,19).
Diese offensichtlichen Widersprüche lassen sich zwar
miteinander vereinbaren (wie viele Interpreten das auch tun), aber es
besteht kein Zweifel, daß dieser Abschnitt zumindest eine widersprüchliche
Geschichte zu bieten scheint.
Weshalb stellt die Thora die Schöpfungsgeschichte auf
diese Weise dar? Offensichtlich können wir nicht die Behauptung der
Bibelforscher akzeptieren, wonach diese beiden Abschnitte zwei
gegensätzliche Überlieferungen widerspiegeln, denn die gesamte Thora wurde
Mosche Rabeinu am Har Sinai gegeben. Dieser einzigartige Stil muß also
beabsichtigt sein, und wir müssen daher nach der prophetischen Bedeutung
hinter dieser Art der Darstellung suchen.
Zwei prominente Thora-Gelehrte unseres Jahrhunderts haben
sich ausführlich zu dieser Frage geäußert. Den analytischen Aspekt, den
Ansatz von "schtei bchinot" (zwei Perspektiven), hat Rabbi Mordechei Breuer
in seinem Buch Pirkei Moadot und in zahlreichen Beiträgen in der Zeitschrift
M'gadim erschöpfend dargestellt. Die philosophischen Implikationen wurden
von Raw Soloveichik ZT"L in seinem Aufsatz 'The Lonely Man of Faith' [Der
einsame Mensch des Glaubens] (Adam I & Adam II) erörtert.
Eine Zusammenfassung dieser beiden Ansätze würde den
Rahmen dieses Schiur sprengen (es wird empfohlen, die genannten Texte zu
lesen). Statt dessen werden wir eine einfache Analyse von PEREK ALEPH &
PEREK BET durchführen und einige Überlegungen zu ihrer Bedeutung anstellen.
PEREK ALEPH – DIE ERSCHAFFUNG DER NATUR
Chumasch ist ein Buch des "n'wuah" (Prophezeiung) und KEIN
historisches oder wissenschaftliches Werk, und deshalb können wir erwarten,
daß seine Darstellung der Schöpfungsgeschichte sich in erster Linie auf die
Beziehung des Menschen zu Gott konzentriert, auf das Wesen von n'wuah. Von
hier ausgehend beginnen wir unsere Analyse.
Wir haben bereits gesagt, daß Perek Aleph eine sehr
strenge Struktur aufweist; Gottes Handlungen werden in ähnlicher Weise
dargestellt. Dennoch ist jeder Tag einzigartig, denn an jedem Tag wird etwas
neues erschaffen. Um uns über das Fortschreiten des Schöpfungsprozesses von
Tag zu Tag Klarheit zu verschaffen, müssen wir zunächst zusammenfassen, was
an jedem Tag erschaffen wurde. Beginnen wir mit einer Aufstellung.
AM ... TAG ERSCHUF GOTT ...
====== ================ ===
I. HELLE
II. "RAKIJA" – Scheidung der MAJIM oben und der MAJIM unten.
III. AREZ (das Land) – das Pflanzen trägt
A. samentragende Pflanzen / "esew masria sera"
B. fruchttragende Bäume / "ez pri oseh pri"
IV. LEUCHTEN AM SCHAMAJIM (Sonne, Mond, Sterne etc.)
V. LEBENDE WESEN:
A. Vögel am RAKIJA SCHAMAJIM
B. Fische im MAJIM (Meer)
VI. LEBENDE WESEN, die auf AREZ leben (an Land)
A. Tiere – in allen Formen
B. Der Mensch - b'zelem Elokim, gesegnet von Gott, über
alle lebenden Wesen zu herrschen
C. Nahrung für diese lebendigen Geschöpfe:
1. Mensch – Grünes und Früchte (1:29)
2. Tiere – nur Grünes (1:30)
VII. SCHABBAT
Machen wir aus dieser Aufstellung nun eine Tabelle.
Stellen wir die ersten drei den drei letzten Tagen gegenüber, so ergibt sich
eine erstaunliche Parallele:
| TAGE 1 -3 |
>>> |
TAGE 4 - 6 |
| I. HELLIGKEIT |
>>> |
IV. LEUCHTEN am
Himmel |
| II. RAKIJA
SCHAMAJIM (oben) |
>>> |
V. Vögel am
SCHAMAJIM
|
| MAJIM
(unten- das Meer) |
>>> |
Fische im
MAJIM
|
| III. AREZ (Land) |
>>> |
VI. Tiere auf
AREZ
|
|
samentragende Pflanzen |
>>> |
Nahrung
für die Tiere |
|
früchtetragende Bäume |
>>> |
Nahrung
für den Menschen |
Es würde, wie gesagt, den Rahmen dieses Schiur sprengen,
die volle Bedeutung dieser Ordnung zu erklären, aber die Parallele in der
inneren Struktur von PEREK ALEPH liefert doch einen weiteren Beleg dafür,
daß es als in sich abgeschlossene Einheit verstanden werden sollte. Davon
ausgehend müssen wir uns nun fragen, was genau in diesen sechs Tagen
erschaffen wurde.
GÖTTLICHE EVOLUTION
Wir haben schon erwähnt, daß PEREK ALEPH eine vollständige
Geschichte des Schöpfungsprozesses enthält. Im Gegensatz zu einem
Ursprungszustand des totalen Chaos finden wir nach sechs Tagen ein schön
geordnetes Universum vor, das alle die verschiedenen Lebensformen enthält,
die uns vertraut sind, einschließlich Pflanzen, Tiere und den Menschen.
Halten wir fest, daß die Thora betont, daß jede Lebensform
so geschaffen ist, daß ihr Überleben gesichert ist, d.h. ihre Fähigkeit zur
Reproduktion:
a. Pflanzen: "esew masria sera" – samentragende Pflanzen
"ez pri oseh pri" – fruchttragende Bäume (1:11-12)
b. Fische und Vögel: "pru u'rwu"- fruchtet und mehrt euch
(1:22)
c. Mensch: "pru u'rwu..." –fruchtet und mehrt euch (1:28)
Dieses Ergebnis des Schöpfungsprozesses nennen wir NATUR –
das genaue Gegenteil von TOHU WA'WAHU. PEREK ALEPH beschreibt dann Gottes
Erschaffung der Natur, des gesamten materiellen Universums und seiner
Erscheinungen. Wir lernen, daß es die Natur nicht immer gab, sondern daß
ihre Erschaffung vielmehr ein Willensakt GOTTES war. Indem wir den Schabbat
einhalten und am siebenten Tag ruhen, wie Gott es tat, bekräftigen wir
unseren Glauben, daß Gott die Kraft hinter der Natur ist.
Diese Einsicht verhilft uns vielleicht zum besseren
Verständnis der Verwendung des Verbs "bara" in der Thora, genauer in PEREK
ALEPH. Erinnern wir uns, daß "bara" die Schöpfung ex-nihilo impliziert, die
Erschaffung von etwas aus nichts. Achten wir nun darauf, an welchen Stellen
"bara" DREI MAL in PEREK ALEPH aktiv verwendet wird. Es sind genau die
Stellen, an denen wir auf die Erschaffung jeder der grundlegenden
Lebensformen stoßen (d.h. Pflanzen, Tiere und Mensch), worin sich drei
grundlegende Stufen der evolutionären Entwicklung der Natur spiegeln:
* STUFE I – Alle Materie und Pflanzen –
"Breischit BARA Elokim et ha'SCHAMAJIM w'et ha'AREZ" (1:1)
Das schließt alles in den SCHAMAJIM und auf AREZ ein,
d.h. die Erschaffung aller "domem" (unbelebten Gegenstände) und
"zomejach" (Pflanzen). Halten wir fest, daß dies während der ersten VIER
Tage der Schöpfung geschieht.
* STUFE II – Das Tierreich
"wa'JIWRA Elokim - und Gott schuf die TANINIM und alle
lebenden Wesen ... nach ihrer Art"(1:21)
Eingeschlossen sind Vögel, Fische, auf der Erde
lebende Wesen etc., die am fünften und sechsten Tag erschaffen werden.
* STUFE III - Mensch
"wa'JIWRA Elokim et ha'ADAM..." (1:27)
Die Erschaffung des Menschen b'zelem Elokim, in Gottes
Bild.
WARUM HIER BEGINNEN?
Weshalb beginnt die Thora damit, dem Menschen zu sagen,
daß die Erschaffung der Natur ein Willensakt Gottes war?
Der Zweck von n'wuah ist, wie wir erklärt haben, die
Beziehung des Menschen zu Gott zu definieren. Die grundlegendste Beziehung
des Menschen ist die zur Natur, d.h. zu seiner Umgebung und seiner Umwelt.
Der Mensch braucht Gott nicht, um sich darüber klar zu werden, daß die Natur
existiert; sie fällt ihm tagtäglich ins Auge. Der Mensch kann der Natur
nicht ausweichen, vielmehr muß er über sie nachdenken und mit ihr ringen.
Ohne die Thora könnte man leicht schließen, daß die Natur
die Manifestation vieler Götter ist, wie der frühe Mensch glaubte. Die Natur
wurde einem Pantheon von Göttern zugeschrieben, die oftmals miteinander in
Streit lagen. Der moderne Mensch gelangt gewöhnlich zu einer genau
entgegengesetzten Folgerung – daß die Natur sich nämlich auf überhaupt
keinen Gott bezieht. Chumasch MUSS mit der Schöpfungsgeschichte beginnen,
denn die Beziehung des Menschen zu Gott gründet auf seiner Einsicht, daß die
Natur in der Tat der Akt eines einzigen Gottes ist. Er erschuf das Universum
und wacht weiter über es.
Zudem ist die Verwendung des Verbs "bara" in der Thora zur
Beschreibung der Erschaffung des Menschen äußerst wichtig. Wer die Natur und
seine Beziehung zum Tierreich wahrnimmt, könnte leicht schließen, daß er im
Grunde ein Teil des Tierreichs ist. Er mag fortgeschrittener oder weiter
entwickelt sein als der ‚durchschnittliche Affe‘, aber biologisch
unterscheidet er sich nicht von ihm. Die Verwendung des Verbs "bara" zur
Beschreibung der göttlichen Erschaffung des Menschen sagt uns, daß der
Mensch eine völlig neue Art in der Schöpfung darstellt. Er ist "b'zelem
Elokim" erschaffen, im Bild Gottes, d.h. er besitzt, anders als jede andere
Form der Natur, ein geistiges Potential. [Siehe den Rambam ganz am Anfang
von Moreh N'wuchim (I.1), wo er "zelem Elokim" als das Charakteristikum des
Menschen definiert, das ihn vom Tier unterscheidet.]
DER MENSCH - IN PEREK ALEPH
In Perek Aleph erscheint der Mensch nicht nur als
Höhepunkt der Schöpfung, sondern als deren HERR:
"Und Gott segnete sie und sprach: >Fruchtet und mehrt
euch und füllet die Erde und zwingt sie nieder und gewältigt die
Fischbrut des Meeres und das Vogelvolk des Himmels und alles Getier, das
sich regt auf der Erde!<" (1:28).
Diese Segnung des Menschen ist KEIN Befehl, sondern
definiert vielmehr die Natur des Menschen. Ebenso wie die Pflanzen natürlich
wachsen und die lebenden Dinge sich vermehren, ist es für den Menschen
‚natürlich‘, seine Umwelt zu beherrschen, es wird ihm zum Instinkt. Perek
Aleph lehrt den Menschen anzuerkennen, daß seine Beherrschung aller lebenden
Dinge ebenfalls im Willensakt der göttlichen Schöpfung angelegt ist. Er muß
sich jedoch die Frage stellen: "Zu welchem Zweck?" Hat Gott den Menschen
bloß geschaffen, oder unterhält er zu seiner Schöpfung weiterhin eine
Beziehung? Entzieht sich das Schicksal des Menschen seiner Kontrolle, oder
besteht eine Verbindung zwischen dem Tun des Menschen und Gottes
"haschgacha" (Vorsehung) über ihn?
Die Antwort auf diese Frage liegt in PEREK BET!
PEREK BET – DER MENSCH IM GARTEN EDEN
Perek Bet erzählt die Geschichte der Schöpfung aus einer
ganz anderen Sicht. Zwar steht am Anfang ein Pasuk (Verse), der diese beiden
Geschichten verknüpft (2:4), aber dann wird der Mensch in einer Umgebung
beschrieben, die völlig verschieden von der in PEREK ALEPH ist. In PEREK BET
steht der Mensch im Mittelpunkt des gesamten Schöpfungsprozesses. Beinahe
jeder Akt Gottes geschieht hier um des Menschen willen:
- * Keine Pflanzen können vor der Erschaffung des
Menschen grünen (2:5);
- * Gott pflanzt einen besonderen Garten, in dem der
Mensch leben soll (2:8);
- * Gott 'beauftragt' den Menschen, den Garten 'zu
bebauen und zu bewachen' (2:15);
- * Gott erschafft die Tiere im Versuch, ihm einen
Gefährten zu schaffen (2:19/ vergleiche 2:7!);
- * Gott schafft ein Weib für den Mann (2:21-23).
Im Gegensatz zu Perek Aleph, wo die Aufgabe des Menschen
in der Beherrschung von Gottes Schöpfung besteht, muß der Mensch in Perek
Bet gehorsam sein und für Gott arbeiten, indem er sich um den Garten
kümmert:
"Da nahm der Ewige, Gott, den Menschen und setzte ihn
in den Garten Eden - L'OWDAH w'l'SCHOMRAH – daß er ihn bebaue und
bewache." (2:15)
Am wichtigsten ist, daß der Mensch in PEREK BET in eine
Beziehung zu Gott eintritt, die BELOHUNG und STRAFE enthält, d.h. daß er nun
verantwortlich für sein Tun ist. Zum ersten Mal in Chumasch hören wir, wie
Gott dem Menschen BEFIEHLT:
"Und der Ewige, Gott, gebot dem Menschen und sprach:
>Von allen Bäumen des Gartens DARFST DU ESSEN; aber vom Baum des Wissens
um Gut und Böse SOLLST DU NICHT ESSEN, denn an dem Tag, da du davon ißt,
MUSST DU STERBEN ... " (2:16-17)
Diese ganz besondere Beziehung zwischen Mensch und Gott im
Garten Eden gibt das Muster vor für andere Beziehungen, die sich später in
Chumasch zwischen Mensch und Gott finden (z.B. in Mischkan).
Gottes Name in PEREK BET - HASCHEM ELOKIM (besser bekannt
als "schem HAWAJA") – widerspiegelt genau dieses Verständnis. Der schem
HAWAJA kommt von der schoresch (Wurzel) - "l'hijot" (sein, d.h. gegenwärtig
sein). Dieser Name unterstreicht, daß der Garten Eden eine Umgebung ist, in
der der Mensch Gottes GEGENWART erkennen und in dem er folglich eine
Beziehung zu ihm haben kann.
Gehorcht der Mensch Gott, so kann er im Garten bleiben und
ein enges Verhältnis zu Gott genießen. Gehorcht er aber nicht, muß er
sterben. Im nächsten Kapitel wird diese ‚Todesstrafe‘ in die Verbannung des
Menschen aus dem Garten Eden umgewandelt. In biblischen Worten heißt das:
sich von Gott entfernen, ist gleichbedeutend mit dem Tod. [Siehe Dwarim
30:15-20.]
In der Umgebung des Gartens Eden sieht sich der Mensch vor
einem Konflikt zwischen seinem "taawa" (Begehren) und seiner Pflicht zum
Gehorsam gegenüber Gott. Die "nachasch" (Schlange), die diese Schwäche
erkennt, fordert den Menschen dazu heraus, schon die Existenz dieser
göttlichen Beziehung in Frage zu stellen (3:1-4). Folgt der Mensch seinen
Begierden und gehorcht Gott nicht, wird er aus dem Garten Eden verbannt.
Ob der Mensch in diese ideale Umwelt zurückkehren kann
oder nicht, das wird später zu einem wichtigen biblischen Thema werden.
EINE DOPPELTE EXISTENZ
Aus PEREK ALEPH lernen wir, daß Gott tatsächlich der
Schöpfer der Natur ist, daß aber diese Einsicht noch nicht notwendig dazu
führt, daß der Mensch eine persönliche Beziehung zu Ihm entwickeln kann. Die
in PEREK BET geschaffene Umwelt, obgleich in ganz physischen Begriffen
beschrieben, ist von eher spiritueller Art, denn in ihr hat Gott alles für
den Menschen geschaffen. Er muß Gott jedoch gehorchen, um diese besondere
Beziehung zu genießen. In dieser Umgebung hängt das Schicksal des Menschen
direkt von seinen Taten ab.
Welche Schöpfungsgeschichte ist also die richtige, PEREK
ALEPH oder PEREK BET? Eindeutig beide, denn im täglichen Leben befindet sich
der Mensch sowohl in einer körperlichen wie in einer geistigen Umwelt.
Eindeutig lebt der Mensch in einer körperlichen Welt, in
der er der Natur gegenübertreten und seinen Daseinszweck in ihrem Rahmen
finden muß (PEREK ALEPH). In dieser Welt muß er mit der Natur ringen, um zu
überleben. Aber der Mensch lebt auch in einer spirituellen Umwelt, die ihm
erlaubt, eine Beziehung zu seinem Schöpfer zu entwickeln (PEREK BET). In
dieser kann er ein geistiges Leben finden, indem er Gottes Befehlen
gehorcht, während er nach Vollkommenheit strebt. Erkennt er die Existenz
dieser Möglichkeit nicht, verfällt er dem spirituellen Tod, der größten
Strafe für den Menschen.
Weshalb beginnt die Thora mit der Schöpfungsgeschichte?
Wir brauchen nur den Ramban zu zitieren (in Erwiderung auf diese Frage, die
durch die ersten Raschi von Chumasch aufgeworfen wird):
"Es besteht eine große Notwendigkeit, die Thora mit
der Schöpfungsgeschichte zu beginnen, denn sie ist die 'schoresch
ha'emunah', die Wurzel unseres Glaubens an Gott."
Die Einsicht in die Möglichkeit des Menschen, eine
Beziehung zu Gott zu entwickeln, das erste Thema von Sefer Bereschit, ist
ein Ziel des Chumasch und des Judentums.
Schabbat schalom, menachem
*
FÜR WEITERE IJUN
Beachten Sie, daß Gottes Name in Perek Aleph ("Elokim") im Plural
steht!
Weshalb soll ‚ein‘ Gott einen Namen im Plural haben?
Kann sich das Wort Elokim in Chumasch auf etwas anderes als Gott
beziehen? Wenn ja, geben Sie Beispiele.Setzen Sie Elokim
zum Wort 'Macht' in Beziehung.
Worauf bezog der frühe Mensch die Naturkräfte? (wie viele Götter?)
Setzen Sie dies zum obigen Schiur in Beziehung.
Sehen Sie sich Raw Jehuda haLewi's Erklärung sowohl von Schem
Elokim wie von Schem Hawajah in Kusari ma'amar r'vii an.
| Bereschith
- Im Anfang |
BeReshith 1,1-6,8
Jeshajahu 42,5-43,11 |
| Noach - Noah |
BeReshith 6,9-11,32
Jeshajahu 54,1-55,5 |
| Lech Lecha
- Geh Dir! |
BeReshith 12,1-17,27
Jeshajahu 40,27-41,16 |
| VaJerah
- Und sah |
BeReshith 18,1-22,24
Malakhim B 4,1-37 |
| Chajej Sarah
- Sarahs Leben |
BeReshith 23,1-25,18
Malakhim A 1,1-31 |
[Tanakh in Hebrew...]
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