"Und sind die Tagen des Israel (des Jacob - I.Z.) dem Tod nah
gekommen. Und rief er seinen Sohn Joseph und sagte ihm: Ich bitte dich,
wenn ich in deinen Augen die Gnade finde, leg, bitte, deine Hand unter
meiner Hüfte (d.h. vereidige dich; Anm. I.Z.), und zeige wahre Gnade und
beerdige mich außerhalb Ägyptens. Und lege ich mich zu meinen Vätern
(d.h. ist meine Seele mit ihnen in der anderen Welt. - I.Z.), so trage
mich aus Ägypten hinaus und begrabe mich, wo sie beigesetzt wurden. Und
Josef antwortete: Ich mache das, was du gesagt hast. Und Jacob sagte:
"Schwörst du mir? Und Joseph schwört ihm." (47:29-31).
Ist es nicht schwer zu verstehen, warum Jacob einem solch treuen und
ergebenen Sohn, wie Joseph, einen Schwur abverlangen sollte, noch dazu, wo
es sich um die letzte Bitte seines Vaters handelte?
Lange Zeit habe ich das nicht verstanden. Und habe mich mit dieser Frage
gequält -- bis ein Ereignis geschah, das mir vieles erklärt hat.
In Kasan hatte ich ein Freund, namens Masur. Er, ein ehemaliger
Auftragsnehmer war ein gutmütiger, kluger und würdiger Mensch. Er war fast
neunzig Jahre alt. Er lebte mit seiner Frau zusammen bei seinem Sohn, einem
Professors, namens Boris Lvovich Masur, der Fachmann im Bereich der
Tuberkulose war (es gibt eine von ihm ausgearbeitete "Theorie der "Blauen
Tuberkelbazillen).
Der Sohn respektierte seinen Vater sehr. Und als die Mutter des
Professors gestorben ist, kamen viele und besuchten die Familie, da man den
Boris Lvovich als guten Arzt und verständnisvollen Menschen sehr hoch
schätzte. Es kamen alle, denen er Hilfe geleistet hat, um ihr Beileid
auszudrücken. Es waren darunter auch zahlreiche KGB-Mitarbeiter (russischer
Geheimdienst), Angestellte vom Komitee der Kommunistischen Partei des
Bezirks und der Stadt Kasan, die Mitarbeiter der Kasaner Universität und
andere. Als ich an die Reihe kam standen die Leute schon dicht an dicht. Man
sagte ungefähr folgendes: "Lieber Boris Lvovich, Ihr Kummer ist unserer
Kummer. Ihre Mutter wird beigesetzt mit allen Ehrenbezeigungen. Sofort wurde
sie nach den russischen Sitten angezogen und das Grab auf dem Friedhof
vorbereitet.
Habe ich schon erwähnt, dass die Eltern des Professors sehr fromm waren?
In den ersten Stunden nach dem Tod seiner Mutter, fühlte er sich
niedergeschlagen und fassungslos. Aber als er wieder zu sich kam, hatte er
Angst zu widersprechen gehabt und zu sagen, dass er seine Mutter nach dem
jüdischen Gesetze bestatten wollte. Er hätte deswegen seine Stelle verlieren
aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen werden können.
Natürlich taten wir uns zusammen, Bekannte aus den jüdischen Familien. Es
sammelten sich zehn Männer und kamen zur Beerdigung, aber es war sogar
unmöglich - durch die zahlreichen Menschen - einen Kadisch zu lesen. Alles
was mir gemäß dem jüdischen Gesetz gelang, kurz vor dem Beerdigungstag, war
in der tiefen Nacht, als alle gegangen waren, eine Frau hinzubringen, damit
sie die Tote wasche und ihr leinene Tachrichim (Wäsche) anzog.
Ich konnte nicht in das vom Kummer verzerrte Gesicht des alten Mannes
schauen. Immer wieder wiederholte er: "Izchak, ich weiß sehr gut, was sie,
die Verstorbene, für eine gerechte Frau war. Und dass, sie nicht nach
jüdischen Gebräuche beigesetzt wurde?!" Und er hat mir ein Papier gegeben.
Und er hat gebeten, wenn seine Stunde schlagen wird, sollte ich das zu
Händen seines Sohns übergeben. Dort stand Folgendes geschrieben:
"Mein lieber Sohn Boris! Du weisst, dass ich das ganze Leben nach den
Gesetzen des jüdischen Glaubens lebe. Ich habe eine einzige Bitte an Dich -
wenn ich gestorben bin, ruf du die Juden an, und lass sie alles nach
jüdischen Gesetz machen".
Und jetzt stellen wir uns vor: Jacob ist gestorben und alle Minister sind
herbeigeeilt und sagten: "Lieber Joseph, wir haben für deinen Vater den
Platz neben den Hauptwürdenträgern Ägyptens vorbereitet!" Wie sollte man
ihnen erklären, dass sogar die ägyptische Erde dem Jacob zuwider ist? Er
wollte in Erez-Israel beigesetzt werden. Deswegen, hat der Jacob von den
Joseph den Eid genommen, und so ist es geschehen.
"Und sind die Tagen der Trauerfeier (über den Jacob - i.z.) vergangen.
Und Joseph sagte zu den Dienern des Paros: Wenn ich die Gnade in Ihren Augen
bekommen würde, dann bitte ich Sie, dass Sie es dem Paro so sagen: "Mein
Vater hat mich mit dem Schwur verbunden und gesagt: Jetzt sterbe ich im
Grab, das ich für mich selbst im Land Knaan gemacht habe. Dort sollst du
mich beerdigen. - Und jetzt gehe ich meinem Vater beisetzen. Und ich komme
zurück." Und Paro sagte: "Geh und setze deinen Vater bei, so wie er dich mit
dem Schwur verbunden hat". (50:4-6). Mit anderen Wörter: Wenn dein Vater von
dir den Schwur nicht genommen hätte, dann könnte ich dich nicht gehen
lassen.
Sagt der Midrasch, dass Paro sagen wollte: Es wird nichts Schlimmeres
passieren, wenn du deinen Schwur, den du dem Vater gegeben hast, nicht
erfüllen konntest. Aber danach hat er verstanden, dass, wenn Joseph die
gegebenen Schwüre nicht bricht, er auch die Staatsgeheimnisse nicht
ausplaudern wird.
Inwiefern ist es wichtig gewesen - den Toten so zu bestatten, wie bei den
Juden, sagt uns die Überlegung der Handlungen des Jacobs vorher. Sehen wir,
welche große Bedeutung unsere Vorfahren Abraham und Jacob dem beigemessen
haben.
Gibt die Tora einige Gebote über das, wie man mit dem Körper den
verstobenen Menschen verfahren soll. Sollte man ihn in der Erde beisetzen
und am selben Tag bestatten. Wie G-tt zu Adam sprach: "Weil du die Asche
bist, und du in die Asche zurück gehst"- 3:19.