hagalil.com
Spenden Sie mit PayPal - schnell, kostenlos und sicher!

Newsletter abonnieren
Koscher leben...
 
 

Parashath haShawu'a 
[Zur Übersicht Wochenabschnitte]

Wajelech
5. Mos. 31, 1-30

Der Einzige und der Einsame

Rabbiner Dr. Jakob Teichman

«Ich aber werde an jenem Tage
mein Antlitz verbergen.»
(5. Mos. 31, 18)

Ein folgsames Kind ist glücklich, wenn es den Blick der Eltern auf sich gerichtet weiss, ein widerspenstiges versteckt sich, um der Kontrolle und der Bestrafung zu entgehen. Die Anteilnahme, die uns der Mitmensch allein dadurch bekundet, dass er uns sein Gesicht zuwendet, vermag uns Ansporn und Mut zu geben. Sie ist eine Bestätigung unserer Person, unserer Haltung, unserer Leistung. Nach bekannter Ansicht von Fachleuten merkt bereits der Säugling, wenn kleine Zeichen seiner spontanen Freude am Leben, sein Strampeln, sein Lachen, selbst nicht artikulierte Laute, die er von sich gibt, beachtet und entsprechend beantwortet werden. Das ihm zugewandte Gesicht der Mutter oder einer ständigen Pflegerin kann durch unpersönliche Fürsorge, und sei sie noch so tadellos, nicht ersetzt werden; bleibt die Suche nach Kontakt und Bestätigung - oder auch Tadel - erfolglos, wird das Kind kontaktarm und verwahrlost. Es weint nicht, lernt auch nicht zu lachen.

Diese Beobachtung über die kindliche Psyche mag verglichen werden mit dem tiefen Wunsch des Gläubigen, von seinem Gott beachtet zu werden. Die Idee der Gotteskindschaft des Menschen ist Basis und Gipfel, Ausgangs- und Höchstpunkt unserer Religion. Sie wird uns tief und stark eingeprägt vom ersten Kapitel der Tora an, in dem Adam als ein von Gott nach Seinem Ebenbild Erschaffener erscheint, bis zu der Feierstunde, in der wir unseren Schöpfer als «unseren Vater, unseren König» anrufen. Selbst die Idee der Auserwähltheit Israels, des «Erstgeborenen» des Ewigen (2. M. 4, 22) - zu vermehrtem Dienst und dafür zu vermehrter Belohnung aufgerufen - ist nur ein Teil der Lehre von der Gotteskindschaft aller Menschen. Wenn Adam von der verbotenen Frucht isst und sich versteckt, handelt er wie ein Kind, das der Bestrafung für seinen Ungehorsam entgehen möchte. Auch Kain meint, er müsse sich vor dem Angesichte des Ewigen verbergen, was aber zur Folge haben würde, dass jeder, der ihn findet, ihn töten darf.

Das dem Menschen zugewandte Antlitz des Ewigen ist sein Schutz, ja noch mehr: sein Segen selbst. So betet der Psalmist:

«Viele sagen: Wer wird uns Gutes schauen lassen? Erhebe über uns das Licht Deines Angesichts, Ewiger!» (Ps. 4, 7) - Im Priestersegen (4. Mos. 6, 24-26) ist dieser Gedanke zwiefach bestätigt:

«Er, der Ewige, lasse dir sein Antlitz entgegenleuchten. Er, der Ewige, erhebe sein Antlitz zu dir...» Unsere Frommen glauben fest daran, dass der Ewige sein Gesicht auch vom Sünder nicht endgültig abwendet.

Ein Schüler des Baal-Schem-Tow erzählt dazu ein Gleichnis in des Meisters Namen: Ein König sah sich gezwungen, seinen Sohn wegen seines Ungehorsams züchtigen zu lassen. Er befahl seinem Diener, es zu tun. Solange er selbst aber dabeistand, hob der Knecht kaum die Rute. Er wagte nicht, den Prinzen zu schlagen. Da entfernte sich der König, und in diesem Augenblick schlug der Knecht schadenfreudig mit aller Kraft zu. Als das Kind bitterlich zu weinen begann und seinen Vater um Hilfe rief erbarmte sich dieser, wandte ihm sein Gesicht wieder zu und rettete es vor dem Griff seines Peinigers.

Unsterblichkeit

Aus den ZEITNAHEN BETRACHTUNGEN
ZU DEN FÜNF BÜCHERN MOSCHES

SEIN LICHT IN DEINER HAND

Rabbiner Dr. Jakob Teichman

Herausgegeben vom Rabbinat der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, erschienen bei MORASCHA.

Zum Inhaltsverzeichnis: haParashah  
Zum Inhaltsverzeichnis: Jahaduth  
Zum Inhaltsverzeichnis: haGalil onLine



Fragen an die Rebbezin...
Jüdische Weisheit
haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren.
Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2014... © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved
ehem. IDPS, Kirjath haJowel