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Koscher leben...
 
 

Parashath haShawu'a 
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haasinu
5. Mos. 32, 1-32, 52

Die fernen Himmel -
und die nahe Erde...

Von Rabbiner Dr. Jakob Teichman

Mosche beginnt seine Abschiedsrede mit den Worten: «Haasinu - horcht auf, Ihr Himmel, ich will sprechen, und höre die Erde die Sprüche meines Mundes!» (5. M. 32, 1). - J'schaja sagt fast das gleiche, wendet sich jedoch mit der Aufforderung, «ha'asini - horche», an die Erde; er sagt:

Schim'u - hört, Ihr Himmel, und horche, o Erde!» (Jes. 1, 2). - Woher nun dieser Unterschied, trotz der auffälligen Ähnlichkeit? Warum verlangt Mosche vom Himmel, dass er «sein Ohr neige» (das Tätigkeitswort «ha'asinu» ist vom Hauptwort «Osen - Ohr» gebildet und bedeutet etwa: «sich etwas ins Ohr sagen lassen»), während J'schaja dasselbe nur von der Erde erwartet?

Die Gelehrten, die auf diese stilistische Eigentümlichkeit hinweisen, erklären sie damit, dass Mosche näher zum Himmel war, so konnte er ihm seine Worte «direkt ins Ohr» sprechen. J'schaja hingegen war näher zur Erde, deshalb musste er sich damit begnügen, sich unmittelbar an die Erde zu wenden. Auch unsere Sprache - die Sprache des modernen Menschen - ist durch das biblische Weltbild geprägt, in dem das Universum für das menschliche Verständnis etwa «dreistöckig» erscheint: Himmel, Erde und die Urtiefe (1. M. 1, 1-2).

Die neuzeitliche Wissenschaft vermochte dieses Weltbild nur in seinen Proportionen und Relationen abzuändern. Die Erde ist «kleiner» geworden; sie ist heute messbar. Die Himmel erfuhren - gleich dem biblischen Weltbild - nunmehr auch in unserer, mit dem Teleskop unterstützten Phantasie eine erschütternde Ausdehnung; ihre Weite ist praktisch unermesslich. Denn, was kann schon der gewöhnliche Sterbliche mit einer Unzahl von Lichtjahren anfangen? Er muss überwältigt mit den Worten des Psalmisten sagen:

«Ewiger, unser Herr, wie mächtig ist Dein Name auf der ganzen Erde, Du, dessen Ruhm am Himmel hallt!» (Ps. 8, 2) - Die amerikanischen Astronauten, die auf dem Mond landeten, hinterliessen dort mit einem guten Grund die Abschrift dieses Psalms...

Auch das biblische Bild der Urtiefe behielt in der Vorstellung - ja auch in der Erfahrung - des modernen Menschen seine Gültigkeit. Nur eben seine Dimensionen wuchsen ins Unendliche. Denn, in dem Moment, da die Wissenschaft die Idee des sich ständig ausdehnenden Universums zu dozieren begann und folglich die Erde auch in unserer Phantasie in diese Unendlichkeit katapultiert wurde, hörte in der Vorstellung des modernen Menschen auch die gedankliche Plazierung der Urtiefe unter der Erde auf, sie ist überall erschreckend gegenwärtig, wo der Mensch sich in seinem physischen und moralischen Weltbild keinen Himmel mehr vorstellen kann. - Die jüdische Glaubensphilosophie weist auf einen Ausweg aus diesem modernen Chaos hin, indem sie den Ewigen, unter anderem, «haMakom» - «der Ort» nennt. Das heißt, dass Er alles, Höhe und Tiefe, das für uns Messbare und das für unsere Dimensionsbegriffe Unvorstellbare, umfasst, beherrscht und verwaltet.

J'schaja sieht und zeigt das wandelbare Bild der Welt, wie sie in den Augen des Menschen, der auf der Erde steht, augenblicklich erscheint. Er steht auf einer bestimmten Stufe der Geschichte und in der Kette der geistigen Entwicklung. Sein Standort ist ein Teil «des Ortes», wie die Erde selbst, Mosche hingegen steht «an dem Ort». Er lauscht dem Himmel, und der Himmel horcht auf, auch die Erde hört, wenn er spricht. Er verkörpert den Glauben, der vom Sinai verkündet,für alle Menschen und für alle Zeiten reicht.

Aus den ZEITNAHEN BETRACHTUNGEN
ZU DEN FÜNF BÜCHERN MOSCHES

SEIN LICHT IN DEINER HAND

Rabbiner Dr. Jakob Teichman

Herausgegeben vom Rabbinat der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, erschienen bei MORASCHA.

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