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haasinu
5. Mos. 32, 1-32, 52
Land und Volk
«Es versöhnt sein Land sein Volk»
(5. M. 32, 43).
Von Rabbiner Dr. Jakob
Teichman
Mit diesem tröstlichen Ausblick
endet Mosches Lied, das er zum Abschied von seinem Volk und von dieser
Welt singt. Es geht ihm dabei nicht um eine Versöhnung im üblichen
religionsphilosophischen Sinne des Wortes, sondern um einen Ausgleich in
der Geschichte, welcher Israel helfen soll, sein Leid und das ihm
angetane Unrecht zu vergessen. Deshalb schlägt R. Schlomo Jizchaki vor,
das Verb «v'khipér» hier nicht mit «und es versöhnt» - sondern
mit «und es besänftigt» zu übersetzen.
«Land» und «Volk» sind hier
gleichgestellt, sogar gleichgesetzt. Dies wird durch die eigenartige
Satzkonstruktion demonstriert, in der eben das Fehlen
einer Konjunktion zwischen den beiden Worten deren tiefe innere
Verbindung spüren lässt. In den Jahrtausenden, in denen Land und Volk
zusammen Niederlagen erlitten oder getrennt und doch füreinander
kämpfend Siege davontrugen, ist aus dieser unmodulierten Zweisamkeit
eine sensible Wechselbeziehung entstanden. Die Hoffnung der Zerstreuten
war das Land, das auf sie wartete, und die Hoffnung des verlassenen
Landes war das Volk, das von ihm träumte. Die Wechselbeziehung zwischen
Volk und Land ging so weit, dass das heimatlose Volk vorübergehend sich
selbst als «die Heimat» betrachtete, um dem Warten auf die Erlösung
einen Sinn zu geben.
So ist die Deutung Rabbi Schlomos
zutreffend, wenn er schreibt:
«Welches ist ,sein Land'? Sein
Volk! Wenn sein Volk getröstet wird, wird auch sein Land getröstet.» -
Ibn Esra geht in seiner Erklärung kritisch und systematisch vor; er
schreibt: «Es gibt solche, die meinen, der Sinn des Verses sei derselbe,
als ob hier 'Er besänftigt sein Land und
sein Volk' stünde. Die legendäre Deutung wiederum sagt, das Land
bringe dem Volk die Sühne. Auch dies passt jedoch nicht in den
Zusammenhang; zudem müsste <v'khiprah> stehen, weil das als
Subjekt vorgeschlagene Wort, Adamah (Erde, Land) im Hebräischen
weiblich ist. Darum ist meine Auffassung, dass das
Volk dem Lande Sühne erwirkt.
Man kann das Wort <v'khiper> auch mit
'es wird reinigen' übersetzen, in dem Sinne, wie es bei J'cheskel (39,11-16)
zu lesen ist, dass das Volk Israel - nachdem der Krieg gegen Gog beendet
sein wird - sein Land reinigen würde. (Awraham Ibn Esra zu 5. M. 32, 43).
Besonders aktuell scheint uns Ibn
Esras Kommentar zu sein. Die Betonung der aktiven Rolle des Volkes in
der Erlösung Israels, wie er sie versteht, ist der Kerngedanke der
zionistischen Idee geworden. Sein Hinweis auf die Vision J'cheskels, der
die Beendigung der Kriege gegen Gog verkündet, entspricht dem tiefen
Wunsch Israels, endlich in Frieden zu leben. Seine Deutung des Wortes
«v'khipér» im Sinne von «Reinigung» lässt alle erfreut aufhorchen, die
sich das Heilige Land nicht anders als voll hoher Moral und tiefer
Religiösität vorstellen möchten.
Aus den ZEITNAHEN BETRACHTUNGEN
ZU DEN FÜNF BÜCHERN MOSCHES
SEIN LICHT IN DEINER HAND
Rabbiner Dr. Jakob Teichman
Herausgegeben vom Rabbinat der
Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, erschienen bei
MORASCHA.
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