Heil,ig^eit
Kedoschim
Ihn Esra bemerkt daher, viele Kommentatoren sähen
Nächster" als direktes Objekt an und pflegten zu übersetzen: „Liebe das
Gute für deinen Nächsten, wie du es für dich selbst liebst". Die
deutschen Philosophen Hermann Cohen und Martin Buber erklärten: „Sei
liebevoll zu deinem Mitmenschen, wie zu jemanden, der wie du selbst
bist" [15]. Eine bekannte Variante wäre auch: „Liebe deinen Nächsten,
denn er ist wie du."
Nachmanides hielt an dem traditionellen „Liebe
deinen Nächsten wie dich selbst" fest, betrachtete aber die Sprache als
rhetorische Übertreibung. Unser Wesen sei so beschaffen, dass wir die
anderen nicht so wie uns selbst lieben könnten. Und die Halacha
verpflichte uns nicht, unser Leben für andere zu opfern. Nachmanides
zufolge fordere dieses Gebot von uns, das Gute für andere zu lieben, wie
wir das Gute für uns selbst lieben. Wir sollten uns vom Neid befreien
, , . und uns am Wohl unseres
Mitmenschen freuen. Doch
.' '
>. wir sollten kein Unrecht dulden um einer unbedach-
w,..>,.», .„., ;,„.,..,..» ...;.., »... ten Liebe willen.
(Der neue Wochenabschnitt „Kedoschim" beginnt in
19,1.)
Vorlesung für
Gemeinden, die dem traditionellen Ritus folgen:
Kedoschim
(Heilig) Levitikus 19,1-20,27 [19,1-22; 19,23-20,7; 20,1-20,27]
Für Gemeinden, die
den dreijährigen Zyklus benutzen:
Toravorlesung I:
Levitikus 19,1-18
Leben in Heiligkeit
Toravorlesung II:
Levitikus 19,23-32
Verschiedene Gesetze, darunter ein Bann von Spiritismus
Toravorlesung III:
Levitikus 19,33-20,7 Streben
nach Gerechtigkeit und Bann des Molochkultes
Haftara:
Amos 9,7-15 (= traditionelle Haftara) Bestrafung von Fehlern und
Vergebung
Wenn Achare Mot und
Kedoschim zusammenrallen:
Toravorlesung:
Levitikus 19,23-37 oder Levitikus 19,23-20,7 Haftara:
Jesaja 5,1-16 oder Amos 9,7-15 oder
Amos 8,1-14 Israel
wird wegen seiner Ungerechtigkeiten und falschen Taten bestraft werden
190
Achare
Mot
Lev,
19.1-6
19,2 Rede mit der
Gemeinde der Kinder Jisraels.
Dieser Abschnitt wurde öffentlich verkündigt, weil er viele grundlegende
Gesetze enthält (Sifra). Die Heiligkeit sollte das Ideal nicht nur einer
Gruppe von Priestern, sondern des ganzen Volkes sein.
Heilig sollt ihr
sein. Siehe die Einführung in
dieses Kapitel. Sifra erläutert: „Wie ich, Gott, abgesondert bin
(panisch), so sollt auch ihr abgesondert (peruschim) sein".
(Aus diesem Grund wird das Wort in anderen Zusammenhängen als
„Pharisäer" übersetzt). Die beste Übersetzung wäre vielleicht der
umgangsprachliche Satz: „Ihr seid etwas Besonderes."
3] Ein jeder habe
Ehrfurcht gegen Vater und Mutter. Schon die Rabbinen stellten fest
[16], dass in diesem Abschnitt alle zehn Gebote wiederholt werden, wenn
auch nicht in derselben Reihenfolge wie in Exodus 20:
Erstes Gebot: „Ich
bin der Ewige, euer Gott" (Vers 4 Ende).
Zweites Gebot: „Ihr
sollt keine anderen Götter haben" (Vers 4 Anfang). Drittes Gebot: „Ihr
sollt nicht falsch schwören" (Vers 12).
Viertes Gebot;
„Gedenke des Schabbattages" (Vers 3).
Fünftes Gebot: „Ehre
deinen Vater und deine Mutter Sechstes Gebot: „Du sollst nicht töten'1'
(Vers 16). Siebtes Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen" (Vers 29). Achtes
Gebot: „Du sollst nicht stehlen" (Vers 11). Neuntes Gebot: „Du sollst
nicht falsch Zeugnis reden" Zehntes Gebot; „Du sollst nicht begehren"
(Vers 18).
4] Götzen.
Hebräisch: elilim. In der Bibel wird eine Vielzahl verschiedener
Wörter benutzt, um Götzen zu beschreiben. Dieses Wort ist das
verächtlichste von ihnen. Möglicherweise wurde es gewählt, weil es
ähnlich klingt wie die legitimen Wörter für „Gott": El und
Elohim. In anderen Zusammenhängen bezeichnet dasselbe Wort
„Wertlosigkeit" (Sach 11,17, Hiob 13,4).
5-8] Freudenmahl.
Siehe den Kommentar und die Literarische Auslese zu 7,15fr. Die H-Quelle
stellt die Opferge.sct/e nicht ausfiilhrlich dar, obwohl es im
Wesentlichen die Wichtigkeit des Kultes voraussetzt. Möglicherweise
wurde dieses Thema aufgenommen, weil es eher den betenden Laien, weniger
den Priester betrifft.
'Der Ewige sprach ferner zu Mosche wie
folgt: ^»Rede mit der | Q Gemeinde der Kinder Jisraels, sage ihnen
nämlich: >Ihr müsst heilig sein, denn ich, der Ewige, euer Gott, bin
heilig, ^in jeder habe Ehrfurcht gegen Vater und Mutter und beachte
meine Ruhetage. Ich, der Ewige, euer Gott! ^Haltet euch nicht zu den
Götzen und macht euch keine Abgötter aus Erz. Ich, der Ewige, euer Gott!
^enn ihr ein Freudenmahl dem Ewigen zu Ehren haltet, so haltet es so,
dass es euch zur Gnade angenommen werde, ^n dem Tag eures Freudenmahls
und tags darauf mag
(Vers 3).
(Vers 16).
191
Lev
19,7-12
Kedoschim
9-10] Die Rechte
des Armen zur Erntezeit. Dieses Gesetz erscheint auch in Kapitel
23 Vers 22. Deuteronomium (24,19fr) wiederholt das Gesetz über die
Auslese der Fruchte und fügt hinzu, der Bauer sollte nicht zurückkehren,
um eine stehengelassene Getreidegarbe einzuholen, aber hier wird nicht
die Forderung erwähnt, die E-cken des Feldes ungeerntet zu lassen.
Dieser Abschnitt
(und die erwähnten Parallelen) sind kein Aufruf an die Großzügigkeit der
Landbesitzer. Er betrifft das Recht der Auslese und Ernte der
unabge-ernteten Ecken durch diejenigen, die keine eigenen
Lebensgrundlagen haben. Es handelt sich hier vielleicht um die älteste
Forderung, wonach benachteiligte Mitglieder einer Gesellschaft ein Recht
haben, von der Gesellschaft unterstützt zu werden und nicht nur von den
freiwilligen Gaben abhängig sein sollen, wenngleich letzteres ebenfalls
ständig betont wird.
Weil diese Gesetze
sich nur auf eine landwirtschaftliche Gesellschaft beziehen, hat die
spatere Tradition das Prinzip auf stadtische Lebensbedindungen
übertragen (siehe die Literarische Auslese).
11] Ihr sollt
nicht stehlen, auch einer dem anderen nichts ableugnen und nicht lügen.
Die mittelalterlichen Kommentatoren sind sich darüber uneinig, welche
Taten durch die Begriffe „ableugnen" und „lügen" konkret verboten
werden. Die meisten sind der Auffassung, die Bestimmung beziehe sich auf
Eigentum, das zur Aurbewahrung anvertraut wurde, wie auf Leihgaben und
betrügerische Ansprüche.
12] Den Namen
deines Gottes entheiligen. Siehe die Einführung zu diesem Ka-pitel
„2. Heiligung und Entweihung des Namens".
davon gegessen werden. Was aber bis zum dritten Tag
übrig bleibt, werde verbrannt, rollte aber am dritten Tage noch davon
gegessen worden sein, so ist es verworfen und wird nicht in Gnade
angenommen. ^Wer davon isst, hat seine Schuld zu tragen, denn er hat ein
Heiligtum des Ewigen entweiht. Dieselbe Person soll aus ihrer Nation
ausgerottet werden. ''Wenn ihr euer Feld erntet, sollst du das Ende
deines Feldes nicht vollends abernten, auch was einzeln von der Ernte
abfällt nicht auflesen. '°In deinem Weinberg sollst du keine Nachlese
halten und die einzelnen Trauben deines Weinbergs nicht auflesen. Dem
Armen und dem Fremden sollst du sie lassen. Ich, der Ewige, euer Gott!
J 'Ihr sollt nicht stehlen, auch einer dem anderen nichts
ableugnen und nicht lügen. ^Ihr sollt bei meinem Namen nicht falsch
schwören und dadurch den Namen deines Gottes enthei-
192
Kedoschim
Lev 19,13-16
ligen. Ich, der Ewige! ^Du sollst deinem Nächsten
nichts vorenthalten, nichts rauben. Du sollst den Lohn des Tagelöhners
nicht über Nacht bei dir bleiben lassen bis zum Morgen. 14D\^
sollst keinem Tauben fluchen, keinem Blinden Anstoß in den Weg
legen, sondern dich vor deinem Gott fürchten. Ich, der Ewige! ^ut kein
Unrecht im Gericht! Verschone den Armen nicht und achte nicht das
Ansehen eines Vornehmen, sondern richte deinen Nächsten nach der
Gerechtigkeit. ^Gehe nicht als ein Verleumder in deinem Volk herum.
Stehe nicht zurück
13] Nichts
vorenthalten. Von der Wurzel 'schk „einen Vorteil von etwas
ziehen, ausnutzen, eine fällige Bezahlung zurückbehalten".
Rauben.
Hebr.: gasal. Mit Gewalt, im Unterschied zum Stehlen (durch
List), hebr. ganaw. Die Worte sind nicht austauschbar.
Du sollst den
Lohn des Tagelöhners nicht über Nacht bei dir bleiben lassen bis zum
Morgen. Ahnlich im
Deuteronomium (24,15). In Sifra wird dies als Fortsetzung und Abschluss
der vorangegangenen Sätze betrachtet. Den Lohn eines Arbeiters
zurückzubehalten heißt, ihm durch Anwendung von Gewalt etwas
vorenthalten.
14] Du sollst
keinem Tauben fluchen. Diese Aussage schließt anscheinend zwei Dinge
ein: Ziehe keinen Vorteil aus einer Behinderung und behandele eine
andere Person nicht verächtlich, selbst wenn du es ohne Schaden tun
könntest.
Keinem Blinden
Anstoß in den Weg legen.
Wörtlich verstanden ergibt das Gesetz keinen Sinn. Warum sollte jemand
einen so kindischen Akt der Grausamkeit begehen?
Sifra versteht das
Gebot deshalb im übertragenen Sinn: Du sollst niemandem einen Rat zu
deinen Gunsten geben, dei unwissend und unerfahren ist [7].
Doch jemand, der
einer Witwe wertlosen Plunder verkauft, könnte einwenden: „Ich glaubte
wirklich, dass es wertvoll sei und dass es ihr helfen könnte, reich zu
werden." Wer kann nachweisen, dass er unehrlich war? Darum ergänzt
Sifra: Wenn immer sich das Gesetz auf etwas bezieht, das „dem Herzen
anvertraut ist", fügt die Tora die Warnung hinzu: „Und fun-hte deinen
Gott", denn Gott kennt unsere Motive!
15] Tat
kein Unrecht im Gericht! Die Tora spricht mehrfach die Mahnung an
die Richter aus, unbeirrbar an der Gerech tigkeit festzuhalten (Ex
23,2ff; Dtn l,16f; 16,18fr.). Ein Richter sollte nicht aus Sympathie,
die fehl am Platz ist, einen ai
inen bevorzugen (Ex 23,3).
16] Gehe nicht
als ein Verleumder in deinem Volk herum.
Andere: du sollst deine Mitmenschen nicht gemein belicin dein. Die
Bedeutung des Hebräischen ist unklar. Die deutsche Übersetzung ist
traditionell. Hier wurde das hebräische Woi t rachil im
Zusammenhang mit rochel „Hausierer" verstanden (siehe den
Kommentar zu Vers 3, in dem dieser Satz mit den neunten Gebot in
Zusammenhang gebracht wird). Doch wir wissen nicht, was rachil
wirklich bedeutet. Orlinsky bemerkt zu Recht [18]: „In Abschnitten wie
Jeremia 6,28 und Ezechiel 22,9 geht es sicherlich um eine
schwerwiegendere Bosh.iltig keit des Volkes als die Verleumdung".
Stehe nicht
zurück bei der Gefahr deines Nächsten.
Eine wörtlichere Übersetzung wäre: „Du sollst nicht stehen bei dem Blut
deines Nächsten." Die Bedeutung des Hebräischen ist unklar. Die
Tradition erklärt: Stehe nicht untätig herum, w.ih rend das Blut deines
Nächsten vergossen wird, lass ihn nicht im Stich, wenn er in Gefahr ist
(siehe die Literarische Auslese) Mendelssohns Übersetzung bringt diese
Tradition zum Ausdruck. Ihn Esra entnimmt dem Vers das Verbot, sich mit
blulsif rigen Menschen zu verbünden. Die Jewish Publication Society
Translation interpretierte: Du sollst vom Blut deines Nächsten
193
Kedoschim
bei der Gefahr deines Nächsten. Ich, der Ewige!
^Hasse deinen Bruder nicht im Herzen! Du darfst deinem Nächsten Verweise
geben (wenn er dich beleidigt hat), trage ihm aber das Vergehen nicht
nach. ^Du sollst dich nicht rächen, auch nicht Zorn halten gegen die
Kinder deines Volkes. Liebe deinen Nächsten so, wie du dich selbst
liebst. Ich, der Ewige. Beachtet meine Gesetze! Dein Vieh sollst du
nicht in vermischte Gattungen zu-
keinen Gewinn ziehen, d.h.
handle nicht
"^H^edeinenB^nichH.He.
zen!
Anders als andere Gesetzbücher
geht
19 es der Tora nicht
nur um Taten,
auch um
Einstellungen. Sie weiß, wie zerstörerisch aufgestaute Gefühle sein
können und warnt uns vor falschen Gefühlen ebenso wie vor falschen
Handlungen.
Du darfst deinem
Nächsten Verweise geben. Wenn
du der Meinung bist, du hast eine gerechtfertigte Klage, sollst du diese
nicht für dich behalten, sondern offen mit dem Betreffenden reden. Indem
du deinen Gefühlen Raum gibst, bewahrst du dich selbst vor einer
Gewalttat; oder auch: Indem du deinen Mitmenschen auf Fehler hinweist
und ihm so die Möglichkeit einräumst, sich zu bessern, kommst du deiner
moralischen Verpflichtung ihm gegenüber nach (vgl. Ez 3,17-21).
Trage ihm aber
das Vergehen nicht nach. Hebräisch: we-lo tisa alaw c/ier„und
nicht" „nimm" „auf ihn" „Schuld". Raschi, der hier einem Hinweis in
Sifra folgt, erklärt: Weise ihn zurecht, aber beschäme ihn nicht
öffentlich. Mendelssohn entspricht dieser Deutung. Da die Bedeutung des
hebräischen we- sehr vielfältig ist, könnte man anstelle eines
Gegensatzes („aber") auch eine Folge („und", „dass") sehen. In diesem
Sinne übersetzte Tür Sinai: „dass du nicht seinetwegen Sünde trägst".
18] Du sollst
dich nicht rächen, auch nicht Zorn halten. Einer sagt zu einem
anderen: „Leihe mir deine Sense", und jener sagt: „nein". Am nächsten
Tag sagt der zweite zum ersten: „Leihe mir deine Axt", und er sagt: „Ich
leihe sie dir nicht, wie du auch mir nicht geliehen hast", - das ist
Rache. Und was heißt „nachtragen"? Er sagt zu ihm: „Leihe mir deine Axt"
und jener sagt: „Nein". Am anderen Tag sagt der zweite zum ersten:
„Leihe mir deine Sense", und er sagt: „Hier hast du sie; ich bin nicht
wie du, denn du hast mir nicht geliehen!" das ist Nachtragen. Er bewahrt
den Hass in seinem Herzen, wenn er sich auch nicht rächt. Und auch dies
ist verboten. (Raschi, der hier Sifra zitiert.)
Liebe deinen
Nächsten so, wie du dich selbst liebst.
Siehe die Einführung in dieses Kapitel „3. Die Goldene Regel".
19]
Meine Gesetze. Der hier verwendete hebräische Begriff für
„Gesetze" ist chukot (Singular chuka; an anderen Stellen
ist die maskuline Form chok häufig belegt). Den Rabbinen zufolge
bezeichnet dieses Wort ein Gebot, dessen Sinn und Zweck uns nicht klar
ist und das wir deshalb unhinterfragt tun sollen (siehe die Einführung
in dieses Kapitel „l. Heiligkeit"). Die Vorkehrungen, die in diesem Vers
getroffen werden, tragen in der Tat diesen Charakter.
Vermischt.
Das hebräische Wort kilajim, das „zweierlei Art" bedeutet,
erscheint in jedem dieser drei Sätze. Ähnliche
194
Kedoschim
,, Lev^9,2ft-22!a
sammenbringen, deinen Acker nicht mit vermischtem
Samen besäen und kein Kleid an dich kommen lassen, das aus Leinen und
Wolle vermengt ist. 20Wenn jemand eine Frau beschläft,
sie ist aber eine Leibeigene, die einem Mann eigen ist und nicht
losgekauft worden ist, auch nicht sonstwie ihre Freiheit erhalten hat,
so steht die Geißelzucht darauf. Sterben aber sollen sie nicht, denn sie
ist nicht frei gewesen. ^Er soll auch dem Ewigen zu Ehren vor dem
Eingang des Stiftszeltes sein Schuldopfer bringen, einen Widder nämlich
als Schuldopfer. ^Der Priester
Bestimmungen, die
ebenfalls diesen technischen Ausdruck verwenden, erscheinen im Buch
Deuteronomium (22,9-11). Dort wird nichts über die Zucht von Hybriden
gesagt, stattdessen aber, dass es verboten sei, einen Ochsen und einen
Esel unter dasselbe Joch zu spannen. Diese Regeln scheinen die
Auffassung widerzuspiegeln, dass es unnatürlich sei, Arten zu kreuzen.
Nachmanides sagt klar und deutlich:
Alle Arten wurden
bei der Schöpfung festgelegt. Der Versuch, neue Arten zu schaffen, sei
ein Rebellion gegen Gott [19]. Solche Bemerkungen wirken für uns in
einem Zeitalter nach Darwin sehr altertümlich. Das Gesetz über
kilajim wird in der talmudischen Literatur ausführlich behandelt,
ein gesamter Mischnatraktat, der den Namen Kilajim trägt,
beschäftigt sich mit diesem Thema.
Aus Leinen und
Wolle vermengt. Hebräisch
scha'atnes, vermutlich ein Wort nicht-hebräischen Ursprungs. In
Deuteronomium 22,11 wird es als eine Mischung aus Wolle und Leinen
erklärt. Es wird in diesem Sinne bis heute von orthodoxen Juden streng
beachtet. Mendelssohns Übersetzung gibt die Interpretation der judischen
Tr,adition wider (siehe die Literarische Auslese. Halacha). Tür Sinai
übersetzte Scha'atnes allgemeiner mit „Mengzeug".
20-22] Eine
Sklavin und ihr Liebhaber. Das biblische Recht setzt für ein
ehebrecherisches Paar die Todesstrafe fest (20,10). Eine Frau galt ab
dem Zeitpunkt als verheiratet, und damit für den Ehebruch haftbar, an
dem ihr Mann den Brautpreis bezahlt hatte, selbst wenn die Hochzeit noch
nicht vollzogen wurde (vgl. Dtn 22,23-27). Der vorliegende Fall handelt
von einer Sklavin, die freigelassen werden soll, um verheiratet zu
werden. Der zukünftige Ehemann hat sie aber noch nicht „losgekauft",
d.h. ihre Freiheit von ihrem Herrn erkauft, und dieser hat sie noch
nicht entlassen. Wenn sie zu diesem Zeit punkt eine sexuelle Beziehung
zu einem anderen Mann hat, ist bei keinem von ihnen die Todesstrafe
anzuwenden, denn sie ist noch eine Sklavin und deshalb nicht
rechtskräftig verheiratet. Ihr Geliebter muss jedoch eine Entschädigung
leisten (vermutlich an den zukünftigen Ehemann) und dann ein Schuldopfer
darbringen. Wie gewöhnlich ist das Schuldopfer erst dann gültig, nachdem
die finanzielle Wiedergutmachung geleistet worden ist (vgl. 5,20-26).
20] Geißelzucht.
Die Deutung des hebräischen bikkoret ist unsicher. Die jüdische
Tradition (bKer 11 a) deutete das Worl als „Geißelung", denn von der
Ablehnung der Todesstrafe her wurde erschlossen, dass es sich um eine
Disziplinarstrafe handeln müsse. Andere übersetzten: es soll eine
Entschädigung stattfinden. Diese Übersetzung wird durch ein ähnlich
lautendes akkadisches Wort gestützt. Tür Sinai übersetzte: „als
Bikkoret (Viehgleiche) soll sie gelten", leitete das Wort also
offenbar von dem Hebräischen bakar „Großvieh" ab. Eine ältere
Übersetzung der Jewish Publication Society, die einer Randglosse
der Revised Version folgte, übersetzte „Inquisition", d.h.
Untersuchung. Sie leitete es also von der Wurzel bkr (Piel) ab,
die „prüfen, genau untersuchen" bedeutet. In der heutigen hebräischen
Umgangssprache hat das Wort bikkoret diese Bedeutung.
195
n'enp
Lev
1^-26
Kedoschim
23-25] Verbot der
Früchte von jungen Bäumen. Während der ersten drei Jahre, nachdem
ein Baum gepflanzt worden ist, dürfen die Früchte überhaupt nicht
genutzt werden. Im vierten Jahr darf man sie nur für religiöse Feiern
verwenden. Erst danach sind sie generell erlaubt. Dieses Gesetz wurzelt
zweifellos in dem allgemein verbreiteten Glauben, jedes neue Leben, sei
es pflanzlich, tierisch oder menschlich, gehöre zu Gott. Die Gabe eines
Teils davon als erlösendes Opfer ermöglicht die Benutzung des Restes.
Andere biblische Beispiele sind die Gesetze über den Erstgeborenen (Ex
13,2. Uff), die erste Getreideähre (Lev 23,9fr.) und die ersten Früchte
(Dtn 26).
23] Als eine
Vorhaut ansehen. Die hebräische Wurzel ist 'rl, gewöhnlich:
„unbeschnitten sein".
24] Zur Danksagung.
Wörtlich: „Soll als Jubel geheiligt werden." Tür Sinai: „Jubelweihe".
Zum Jubel vor dem Ewigen siehe die Literarische Auslese.
25] Dadurch soll
der Ertrag vermehrt werden. Vermutlich ist dies der Lohn für die
Beachtung des Gesetzes, doch die Menschen in der Antike wussten wie wir
heute, dass Obstbäume in ihren ersten Jahren wenig oder kaum Früchte
tragen und dass das Abstreifen der Blüten in diesen Jahren die Bäume
später furchtbarer mache. Vielleicht entspringen diese Worte also ebenso
der Erfahrung des Landwirts wie den religiösen Vorstellungen des
Gesetzgebers.
26] Ihr sollt
beim Blut keine Mahlzeit halten. Dies ist keine Wiederholung des
Verbotes, Blut zu genießen (vgl. 17, l Off) (wie durch Mendelssohns
Übersetzung auch deutlich hervorgeht}, denn es heißt hier nicht, ihr
sollt nichts (!) mit Blut essen. Es gibt verschiedene Erklärungen für
die Formulierung an dieser Stelle: Nachmanides verband dieses Verbot mit
dem folgenden Gebot gegen Wahrsagerei und andere heidnische Bräuche. Er
sah hier eine Anspielung auf einen heidnischen Brauch, bei dem Blut in
eine Grube gegossen wurde und die Menschen sich darum versammelten, um
daraus Omina für die Zukunft zu lesen. Dies sei seiner Meinung nach die
Sünde des Essens auf (oder mit) dem Blut, das die Menschen nach l. Sam
14,32ff begangen hätten. Diese Darstellung ähnelt dem, was wir von
griechischen Ritualen für Unterweltgottheiten her kennen [21]. Die
griechische Übersetzung (Septuaginta) gründet sich offensichtlich auf
einem anderen hebräischen Text, der gelautet haben muss: „Du sollst
nicht auf den Bergen essen" und bezieht sich auf heidnische Feiern, die
von Ezechiel (18,6.11 und 15) verboten werden.
soll ihn vor dem Ewigen mit dem Widder des
Schuldopfers versöhnen wegen der Sünde, die er begangen hat. Dann wird
ihm die begangene Sünde erlassen werden.
2•?Wenn ihr ins Land kommt
und allerlei Obstbäume pflanzt, so sollt ihr die Frucht davon als eine
Vorhaut ansehen. Drei Jahre soll sie euch als Vorhaut anzusehen sein und
nicht gegessen werden. ^Alle Frucht des vierten Jahres sei ein
Heiligtum, zur Danksagung dem Ewigen zu Ehren. -"Im fünften Jahr aber
könnt ihr die Frucht verzehren. Dadurch soll der Ertrag vermehrt werden.
Ich bin der Ewige, euer Gott. ^Ihr sollt beim Blut keine
196
Kedoschim
l, Lev
WJ'n ,
Achtet nicht auf Schlangenbewegung,
auch nicht auf
den Zug der Wolken. Siehe
Vers 31. (Siehe
ebenso Dtn 18,9ff und Ez
21,26).DieVölkerderAntikekannteneine -
Vielzahl von Möglichkeiten, die Zukunft zu
erforschen. Die
Bibel geht nicht davon aus, dass sie unwirksam oder
betrügerisch seien, aber sie verbannt sie als götzendienerisch. In
Israel durfte das Wissen über die Zukunft allein durch die Propheten,
Träume oder die heiligen Lose Urim und Tum-min (l. Sam 28,6) erfragt
werden.
Schlangenbewegung. Mendelssohn
deutete das hebräische tenachaschu offenbar von <sm nachasch
„Schlange". Andere übersetzten: „Ihr sollt nicht Divination
praktizieren" (JPS) oder „Ihr sollt nicht verwünschen" (Tür Sinai),
brachten es also mit dem hebräischen oro nachasch „Vorzeichen;
Zauberfluch" in
Zusammenhang (Numeri 23,23 - Mendelssohn übersetzte nachasch dort
mit „Ahndungskunst". Das Wort „ahnden" bedeutete im 18. Jh. unser
heutiges „ahnen")
27-28] Andere
verbotene heidnische Bräuche waren sicher das Schneiden der Haare,
die „Zerstörung" des Bartes, sich selbst zum Zeichen der Trauer zu
verwunden, sich tätowieren zu lassen (vermutlich mit heidnischen
Emblemen). Dass orthodoxe Juden Schläfenlocken (peot) ir.i-gen,
ist der Versuch, das Gesetz in Vers 27 streng zu beachten.
29] Entweihe
deine Tochter nicht, um sie zur Unzucht zu verführen.
Dies könnte sich auf die gut bezeugte Institut ion der
Kultprostituierten beziehen, deren Einkünfte halfen, die Tempel, an
denen sie ihrem Geschäft nachgingen, zu unterh.il-ten. Im Buch
Deuteronomium (23,18ff) werden solche Bräuche als rechtswidrig
hingestellt.
Damit das Land
nicht unzüchtig und voller Schandtat werde.
Die H-Quelle stellt häufig fest, dass das Land .scil'si durch die Sünden
seiner Bewohner verunreinigt werde (18,27ff; 20,22ff.; 26,43).
31 ]
Totenbeschwörer und Zeichendeuter.
Seit Urzeiten haben die Menschen sich an die Geister der Toten gewandt,
um Führung zu erbitten und bis heute blüht das Geschäft der Medien
selbst in den sogenannten zivilisierten Gesellschaften. Derartige
Bräuche waren den alten Israeliten wohl bekannt. Obwohl die Tora sie
verurteilt, hatten sie ihre Anhängersch.ilt (l. Sam 28; Jes 8,19f.). Der
Begriff „Beschwörer" oder „Familiengeist" entspricht dem, was heutige
Medien die sog. „Kontrolle" nennen, das heißt, ein Geist, zu dem man
unmittelbar sprechen und so den Kontakt zu anderen, bereits gestorbenen
Personen, aufnehmen kann. Die Rabbinen erklärten die Wörter, die hier
mit „Balgredner" und „Beschwörer" wiedergegeben werden, so, als ob hier
unterschiedliche Techniken bezeichnet würden, mit denen man die Toten
befragen könne (Sifra).
Mahlzeit halten. Achtet nicht auf
Schlangenbewegung, auch nicht auf den Zug der Wolken (das heißt: haltet
euch an keine abergläubische Vorausdeutung und seid keine Tagewähler).
^Ihr sollt das Haar nicht rund am Haupt nebst den Vorderecken abnehmen.
Auch sollst du die Ecken deines Bartes nicht glatt stutzen. 28Vm
eines Toten willen sollt ihr euch keinen Schnitt ins Fleisch machen,
auch kein eingeätztes Mal an euch machen. Ich, der Ewige! entweihe deine
Tochter nicht, um sie zur Unzucht zu verführen, damit das Land nicht
unzüchtig und voller Schandtat werde. -Beachtet meine Ruhetage und habt
Ehrfurcht vor meinem Heiligtum. Ich, der Ewige! -^Haltet euch nicht an
Totenbeschwörer und Zeichendeuter. Sucht euch nicht
197
.Lev 31932-35,?;,
Kedoschim
durch dieselben zu verunreinigen. Ich, der Ewige,
euer Gott! 3•2Vor einem grauen Haupt sollst du
aufstehen, um das Ansehen eines Alten zu ehren und dadurch Ehrfurcht zu
bezeigen vor deinem Gott. Ich, der Ewige! 33Wenn ein Fremder
sich in eurem Land aufhält, so dürft ihr ihn nicht bedrücken. ^Der
Fremdling, welcher sich bei euch aufhält, soll euch so wie ein
Einheimischer sein. Du sollst ihn lieben, wie du dich selbst liebst.
Denn auch ihr seid Fremdlinge gewesen im Land Mizrajim. Ich, der Ewige,
euer Gott! -^Ihr sollt kein Unrecht tun im Gericht, im Maß der Flächen,
im Gewicht und im Maß des Haufens,
32] Vor einem
grauen Haupt sollst du aufstehen. Hebräisch: sewa „Alter",
„Graues Haar". In der Bibel wie in der gesamten altorientalischen
Weisheitsliteratur wird die Ehrfurcht vor dem Alter gefordert und
gepriesen.
„Alte'sler" im^inneZ^ekVs^inTG'e- ^"T ^ «=W
H<? V^
0'T"? ^ ^ W^ t meinschaft bedeutet.
Ehrfurcht zu
bezeigen vor deinem Gott.
Siehe den Kommentar zu Vers 14.
33] Wenn ein
Fremder sich in euerem Land aufhält. Der Fremde, der im Land Israel
wohnt, soll nicht nur vor Belästigungen geschützt werden, sondern man
soll ihm positiv Liebe erweisen. Viele antike Volker hatten Regeln für
den Schutz von Fremden, im Allgemeinen auf der Grundlage der
persönlichen Gegenseitigkeit. Ein Romer beschützte einen griechischen
Bekannten in Rom und verhinderte damit mögliche Feindschaft. (Aus diesem
Grunde verwenden das Lateinische und die romanischen Sprachen dasselbe
Wort für „Feind" und für „Gastgeber" und „Gast". Vergleiche auch das
englische host und hostility.) Doch nirgends sonst in den
antiken Literaturen findet sich die Beachtung der Gefühle des Fremden,
die die Tora von
der ganzen Gemeinde
verlangt. Hier und an anderen Stellen (z.B. Ex 22,20) wird die Forderung
mit der Erinnerung an Israels eigene Vergangenheit als Fremde in Ägypten
verbunden. Das biblische Recht ist in den meisten Fällen sowohl auf den
Burger als auch auf den ger (Num 9,14 und anderswo) anzuwenden.
Dies bedeutet, dass der Fremde vor dem Gesetz die gleichen Rechte hatte
und ebenso, dass er sich von den verbotenen Bräuchen fernhalten musste,
die das Land verunreinigen. Doch man verlangte von ihm nicht, am
israelitischen Kult teilzunehmen.
In den rabbinischen
Quellen wird der Begriff ger im Sinne von „Proselyt" verwendet
und diese Bestimmungen werden vor allem auf diejenigen übertragen, die
den jüdischen Glauben angenommen haben. Dieser Wandel zeigt das große
Interesse der rabbinischen Lehrer an den Konvertierten, die zu Beginn
der christlichen Zeitrechnung eine nicht unwesentliche Größe in den
Gemeinden bildeten. Dies bedeutet nicht, dass diese Rechte nicht auch
dem nicht-konvertierten Heiden galten, den die talmudischen Schriften
als „Nachkomme Noachs" bezeichnen.
So dürft ihr ihn
nicht bedrücken. Durch
unfreundliche Worte oder indem du einen Vorteil daraus zieht, dass er
mit den wirtschaftlichen Verhältnissen und den Geschäftssitten nicht
vertraut ist (Sifra).
35-36] Ehrliche
Gewichte und.Maße. Eines der Aspekte der Heiligkeit ist die
Aufrichtigkeit in Geschäftsbeziehungen. Efa ist ein Trockenmaß
und entspricht 10-15 kg. Hin ist ein Flüssigkeitsmaß und umfasst
etwas mehr als 3,5 Liter.
198
euch aus dem Land Mizrajim geführt
^^ __^ ,^^.^,^ ,^,4^ ^ -, habe! Fast dieselben Worte mit denen
die
36] Ich, der Ewige, euer Gott, der ich
p
>e! Sst
d^el^ W^m^de^en' dS
P^
zehn Gebote beginnen, stehen am Ende der
Gesetze über die Heiligkeit. Gottes Wirk-
lichkeit und sein erlösendes Handeln liefern
die Autorität für die genauen Bestimmungen, die in diesem
Kapitel gegeben werden.
•^richtige Waage, richtiges Gewicht, richtiges
Scheffelmaß und richtiges Kannenmaß müsst ihr haben. Ich, der Ewige,
euer Gott, der ich euch aus dem Land Mizrajim geführt habe! -^Beachtet
alle meine Gesetze und alle meine Rechte und haltet sie. Ich, der
Ewige!«
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Aus Halacha und
Aggada
Lev 19,1-37
Halacha
19,3] Ein jeder habe Ehrfurcht gegen Vater und
Mutter, und beachte meine Ruhetage.
Der zweite Satz lehrt uns, dass die Achtung der
Eltern keinen Ungehorsam der Tora gegenüber rechtfertigt. Sollten sie
von uns verlangen, den Schabbat zu brechen, dürfen wir nicht auf sie
hören. Sifra
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9] Wenn ihr euer Feld erntet, sollst du das Ende
deines Feldes nicht vollends abernten.
Die Halacha verstand: Eine Ecke von jedem Feld, die
mindestens ein Sechzigstel seiner Fläche ausmacht, muss für die Armen
ungemäht stehen bleiben. Dieses Gesetz und andere Gesetze, die unsere
Verpflichtungen den Armen gegenüber betreffen, werden in einem Traktat
der Mischa behandelt, der„Pea" („Ecke") heißt. Eingeschlossen sind dort
ebenfalls Bestimmungen, die die Bedürfnisse von Armen in den Städten
berücksichtigen, Bedürfnisse, die sich aus den geänderten
wirtschaftlichen und sozialen Umständen ergeben hatten. Das Gesetz sieht
eine tägliche Nahrungsmittelausgabe für diejenigen vor, die dies
unmittelbar benötigen, und eine wöchentliche Austeilung von Geld für
diejenigen, die eine längerfri-stige Unterstützung brauchen. Von den
ordentlichen Mitgliedern einer Gemeinde wurde zu diesem und anderen
gemeinschaftlichen Zwecken eine Art Steuer erhoben. Gleichzeitig wurden
jedoch alle ermutigt, dieses Minimun durch großzügige freiwillige Gaben
zu ergänzen [23].
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11] Ihr sollt nicht stehlen.
Einen Dieb zu beobachten und seinen Diebstahl zu
verschweigen, ist ebenfalls Diebstahl.
Ihn Esra Jemand darf nicht sein eigenes
Eigentum von einem
Dieb zurückstehlen, als wolle er selbst den
Anschein einer falschen Tat vermeiden, sondern er muss eine öffentliche
Anzeige machen und auf diese Weise das Seine zurückerhalten [24]
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13] Du sollst den Lohn des Tagelöhners nicht
über Nacht bei dir bleiben lassen bis zum Morgen.
Der Wortsinn ist offenbar: Du sollst ihn bei
Einbruch der Nacht für seine am Tag geleistete Arbeit bezahlen. Die
Halacha verstand den Vers jedoch in dem Sinn:
„Du sollst nicht den Lohn für jemanden
zurückbehalten, den du für eine Arbeit [während der Nacht] bis zum
Morgen angestellt hast." Die entsprechende Bestimmung im Buch
Deuteronomium (24,15) bezog man auf einen, der während des Tages bis zum
Sonnenuntergang arbeitete. Aus beiden Abschnitten zusammen erschloss
man, dass jemand, der während des Tages arbeitet, zu jeder Zeit während
der folgenden Nacht bezahlt werden soll, und jemand, der in der Nacht
arbeitet, zu jeder Zeit am darauffolgenden Tag [25]. Obwohl dies dem
Arbeitgeber einige Stunden mehr gibt, als es der biblische Verfasser
beabsichtigt zu haben scheint, wird auch hier eine unmittelbare
Bezahlung gefordert. Daneben gibt es zahlreiche andere Vorkehrungen in
der Halacha zum Schutz des Arbeiters [26].
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14] Keinem Blinden Anstoß in den Weg legen.
Dies verbietet, einen Naiven in einer Art und Weise
zu beeinflussen, dass er die Tora verletzt (Sifra).
Außerdem sollte man seinen erwachsenen Sohn nicht
schlagen, denn er könnte provoziert sein, zurückzuschlagen oder
unehrwürdig zu reden und würde so die Anordnungen von Vers 3 und des
Buches Exodus (21,15. 17) verletzen [27].
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Lev
19,1-37
Aus Halacha und
Aggada
16] Stehe nicht zurück bei der Gefahr deines
Nächsten.
(Wörtlich: Du sollst nicht stehen bei dem Blut
deines Nächsten.) Man verstand dies in dem Sinn: Du sollst nicht untätig
herumstehen, während das Blut deines Mitmenschen vergossen wird. Wenn du
jemanden siehst, der zu ertrinken droht oder von Räubern oder einem
wilden Tier überfallen wird, bist du verpflichtet, diese Person zu
retten (Sifra). Ferner darfst du deine Zeugenaussage in einem
Strafverfahren nicht verweigern, wenn du Beweise hast, die den
Angeklagten entlasten.
Sifra und Targum Pseudo-Jonathan
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17] Du darfst deinem Nächsten Verweise geben.
Rabbi Elieser sagt: Wenn er auf deine
Zurechtweisung nicht reagiert, fahre fort, ihn zurechtzuweisen bis er
dich schlägt. Rabbi Jehoschua sagt: bis er dich verflucht. Ben Assai
sagt: bis er dich verletzt [28].
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19] Dein Vieh sollst du nicht in vermischte
Gattungen zusammen bringen.
Man darf Hybriden (wie den Maulesel) nicht kreuzen,
aber man darf sie halten und Nutzen aus ihnen ziehen
[29].
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Deinen Acker nicht mit vermischtem Samen besäen.
Dieses Gesetz verbietet in ähnlicher Weise die
Veredelung von Pflanzen. (Orthodoxe Autoritäten achten streng darauf,
dass an Sukkot keine Zitronen von veredelten Bäumen verwendet werden.)
Auf der anderen Seite ist es jedoch erlaubt, Gemüse zwischen Bäumen
anzubauen [31]. Obwohl es verboten ist, zweierlei Arten von Samen
gemeinsam in ein Feld zu säen oder wachsen zu lassen, dürfen die Erträge
genutzt werden. Ein anderes und strengeres Gesetz wird
angewandt, wenn verschiedene Saaten in einem
Weinberg angepflanzt sind (Dtn 22,9) [32].
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Kein Kleid an dich kommen lassen, das aus Leinen
und Wolle vermengt ist.
Tip Das Deuteronomium (22,11) definiert llr-
scha'atnes als eine Mischung aus Wolle und Leinen. Die Halacha
begrenzt il.is Verbot auf diese eine Mischung. Wolle oder Leinen dürfen
jedoch mit Baumwolle, Seide oder anderen Garnen vermischt werden [33].
Das Verbot bezieht sich nur auf das Tragen von scha'atnes. Die
Verbindung von Wolle und Leinen ist für nicht zur Kleidung
bestimmte Stoffe erlaubt [34].
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20] Geißelzucht.
Die Halacha verstand bikkoret als
„Bestrafung", vor >il-lem die Auspeitschung der Frau. Die Strafe des
Miin-nes, die in der Bezahlung einer Ersatzleistung und die Darbringung
einer ascham bestand, wird aus dem folgenden Vers hergeleitet
(Sifra). Die Rabbinen hatten Schwierigkeiten, diesen Fall in die
allgemeinen Bestimmungen der Halacha einzufügen. Maimonides zufolge ist
diese Regel nur dann anzuwenden, wenn die Hälfte der Summe, die zur
Freilassung der Frau gefordert wurde, bezahlt ist und wenn der Mann, dem
sie anvertraut ist, ein hebräischer Sklave ist [35].
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24] Zur Danksagung dem Ewigen zu Ehren.
In Analogie zu Deuteronomium Kapitel 14 Verse 22t
wurde verlangt, dass der Eigentümer die Früchte nach Jerusalem bringe,
wo er und seine Familie sie im Zustand ritueller Reinheit verzehren
sollten.
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Aus Halacha und
Aggada
Lev 19,1-37
26] Ihr sollt beim Blut keine Mahlzeit halten.
Aus diesem Vers zog Sifra all die folgenden
Schlussfolgerungen: (a) Man darf Fleisch erst dann essen, wenn alles
Lebensblut aus dem Kadaver hinausgeflossen ist. (b) Opferfleisch darf
erst dann verzehrt werden, wenn das Blut gegen den Altar gesprengt
worden ist. (c) Den Angehörigen eines Hingerichteten darf man nicht das
traditionelle Trauermahl servieren, (d) Richter, die die Todesstrafe
verhängen, müssen einen Tag vor der Vollstreckung fasten.
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27] Ihr sollt das Haar nicht rund am Haupt nebst
den Vorderecken abnehmen.
, Unter „abnehmen" verstand man das Rasieren mit
einer Klinge. Die meisten orthodoxen Instanzen erlauben die
, Entfernung des Gesichtshaares mit
Enthaarungsmitteln, einer Pinzette oder Schere, Nagelzange oder
elektrischen Rasierapparaten [37]. Das Verbot in diesem Vers richtet
sich nur an Männer.
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29] Entweihe deine Tochter nicht.
Vers 29 verbietet einem Vater, eine unmoralische
Verbindung für seine Tochter zu arrangieren oder zuzulassen. Rabbi
Elieser zufolge ist es dem Vater ebenfalls verboten, seine Tochter an
einen alten Mann zu verheiraten. Rabbi Akiwa zufolge ist der Vater
verpflichtet, eine Ehe für seine Tochter zu arrangieren, wenn sie im
geeigneten Alter ist, um sie so vor der Versuchung zu bewahren [38].
Aggada
19,2] Ihr müsst heilig sein.
Das Wort „heilig" wird in sehr unterschiedlichen
Zusammenhängen verwendet. Die Engel, der Himmel, die Propheten, die
Gerechten, Israel, der Schabbat und die Opfer gelten in der Schrift als
„heilig". Man könnte nun annehmen, ihre Heiligkeit gleiche Gottes
Heiligkeit, dessen Wort die Welt ins Dasein rief. Darum erklärt die
Schrift: „Niemand ist heilig wie der Ewige" (l.Sam2,2) [39].
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3] Ein jeder habe Ehrfurcht gegen Vater und
Mutter.
Das Wort, das hier mit „Ehrfurcht haben" übersetzt
wurde, bedeutet sowohl „ehren" als auch „fürchten". Gewöhnlich fürchtet
ein Sohn seinen Vater mehr als seine Mutter. Er ehrt seine Mutter mehr
als den Vater, weil sie für ihn sorgte, als er klein war. Deshalb nennt
die Schrift in diesem Vers zuerst die Mutter und in dem Gebot „Ehre
deinen Vater und deine Mutter" (Ex 20,12) zuerst den Vater, um zu
lehren, dass beide Elternteile in gleicher Weise gefürchtet und geehrt
werden sollen.
Sifra
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18] Liebe deinen Nächsten so, wie du dich selbst
liebst.
Sage nicht: So wie ich gedemütigt worden bin, so will
auch ich meinen Mitmenschen demütigen; so wie man mir geflucht hat, so
will auch ich meinem Nächsten fluchen. Rabbi Tanchuma sagte: Wenn du so
handelst, wisse, wen du demütigst - „Er machte ihn nach dem Bild Gottes"
(Gen 5, l) [40].
„Aus dem unendlichen Chaos der Welt wird ihm ein
Nächstes, sein Nächster, vor die Seele gestellt, und von diesem und
zunächst nur von diesem ihm gesagt: er ist wie du. ,Wie du', also nicht
,du'. Du bleibst Du und sollst es bleiben. Aber er soll dir nicht ein Er
bleiben und also für dein Du bloß ein Es, sondern er ist wie Du, wie
dein Du, ein Du wie Du, ein Ich, - Seele." [41]
Bestellen? Die Tora, Hebräisch-Deutsch, 5 Bde.
Bd.1, Genesis /
Bd.2, Exodus /
Bd.3, Leviticus /
Bd.4, Numeri /
Bd.5, Deuteronomium
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25-04-03
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