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Koscher leben...
 
 

Torath haKohanim, Levitikus:
Einführung in das Buch Vajikra
Von Rabbiner Bernard J. Bamberger

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Kommentare zu Levitikus

Jahrhundertelang begannen jüdische Kinder ihr Bibelstudium mit dem Buch Levitikus. Diese seltsame Wahl wurde dadurch begründet, dass die reinen Kinder zuerst die Opfer lernen sollten, die in Reinheit dargebracht werden [8]. Doch auch Erwachsene haben dieses Werk eifrig studiert. Die rabbinischen Kommentare über die Bücher der Bibel sind als "Midraschim" bekannt. Diejenigen zu Levitikus sind die längsten und ausführlichsten unter ihnen.

Das Buch heißt Torat Kohanim und ebenso Sifra ("das Buch"). Das Material wird weitgehend auf die Ausführungen des im 2. Jh.d.Z. lebenden Rabbi Akiwa und seiner Schüler zurückgeführt.

Das Wort Midrasch bedeutet "Suche", "Interpretation". Midraschim ziehen aus dem Bibeltext oft Schlüsse, die weit über seinen offenkundigen Sinn hinausgehen. Doch die midraschische Methode von Rabbi Akiwa war besonders intensiv. Er war davon überzeugt, dass jedes Wort und jeder Buchstabe des Pentateuchs eine reiche und vielfältige Bedeutung birgt. In Sifra kann eine rechtliche Regelung von einen "und" oder "aber" her abgeleitet werden und bietet so die biblische Untermauerung für Bestimmungen, die bis dahin nur durch die Tradition bekannt waren. Sifra kommentiert nahezu jeden Vers des Buches Levitikus sowohl in halachischer, das heißt rechtskräftiger, als auch in aggadischer Hinsicht, d.h. als Moral und religiöse Belehrung.

Vermutlich wurde Sifra im 3. Jh. d.Z. kompiliert. Später erschienen weitere Midraschim zu Levitikus, die vermutlich ins 6. oder 7. Jh. zu datieren sind. Diese Werke sind fast ausschließlich aggadisch und enthalten Homilien (Auslegungen), die sich auf die ersten Sätze verschiedener Abschnitte dieses Buches beziehen. Sie handeln über Themen, die für die damalige Hörerschaft von Interesse waren, für die die Einzelheiten über das Opfer und ähnliches eher öde und langweilig schienen.
So handelt zum Beispiel die Homilie zu dem Eingangsvers "Der Ewige rief Mosche" über Prophetie und Offenbarung, diejenige über Kapitel 2 Vers 1 "Bringt jemand (nefesch) ein Speiseopfer dem Ewigen zu Ehren" versteht Nefesch als "Seele" und erörtert die Beziehung zwischen Körper und Seele. Obwohl in Kapitel 10 Vers 9 Wein nur für einen Priester verboten wird, der ein Opfer darbringen wird, verwendet der Midrasch diesen Vers für eine allgemeine Homilie über die Übel des Trinkens, die einige humoristische Züge enthält. Der Vers "Wenn dein Bruder neben dir verarmt" (25,35), bot den Anlass zu einer langen und großartigen Predigt über die Nächstenliebe. Diese Materialien finden sich in einem Werk mit dem Namen Wajikra Rabba (frei übersetzt: "Der große Midrasch über Levitikus") und im Midrasch Tanchuma, der sich über die gesamte Tora erstreckt und in mindestens zwei Versionen existiert. Viele Kommentierungen über Levitikus sind außerdem in anderen Midraschim zu finden sowie in den beiden Talmudim (Jerusalemer und Babylonischer Talmud). Das meiste dieser Materialien wurde in mittelalterlichen Kompilationen, dem Jalqut Schimoni und dem Midrasch ha-Gadol gesammelt.

Dieser Kommentar basiert auf diesen Quellen ebenso wie auf den großen mittelalterlichen jüdischen Kommentatoren Raschi, Ibn Esra und anderen. Von Sifra ausgehend geben sie oft tiefgründige Erklärungen des Bibeltextes. Selbst wenn wir ihre Deutungen unzutreffend oder zu phantasievoll finden, können sie uns etwas lehren. Wir lernen von ihnen, wie frühere Generationen die Tora verstanden und gelegentlich neue und erbauliche Gedanken im Text entdeckten.

Einen großen Teil der kritischen Studien verdanken wir christlichen Bibelwissenschaftlern der letzten hundertfünfzig Jahre. Ihre Kommentare über Levitikus zählen zwar nicht zu ihren größten Erfolgen: vielleicht war es zu schwierig für sie, eine Beziehung zu den Inhalten dieses Buches zu finden oder ihre Vorurteile gegen die jüdische Tradition behinderten sie. Der in englisch verfasste Kommentar von N.H. Snaith [9] macht intensiven Gebrauch von jüdischen Quellen.

Zwei moderne jüdische Kommentare zu Levitikus verdienen eine besondere Erwähnung. Der eine ist der Critical and Historical Commentary von M.M. Kalisch [10], der einer der ersten jüdischen Wissenschaftler war, der die historisch-kritische Methode für seine Bibelforschung anwandte. Selbst zu seiner Zeit neigte er stark dazu, die uralten Riten durch rationalistische und moralische Vorstellungen zu erklären und sein Werk ist heute überholt. Dennoch ist es eine Fundgrube für die Geschichte der biblischen Exegese und enthält etliche scharfsinnige Bemerkungen. Der umfangreiche deutsche Kommentar von David Hotfmann [11] ist aus einer kompromisslosen orthodoxen Sicht verfasst. Er war jedoch wohl vertraut mit der Arbeit der christlichen Bibelwissenschaftler des 19.Jahrhunderts und es gelang ihm häufig, ihre eigene Kritik als Waffe gegen sie einzusetzen. Eine Rezension dieses gelehrten Werks verfasste Christian Bruno Baentsch, dessen eigenen Kommentar über Levitikus wir gelegenlich zitieren [12]. Baentsch räumt ein, vieles von Hoffmann gelernt zu haben, trotz seiner orthodoxen Sichtweise.

[Ein neuerer englischer Kommentar erschien nach dem Tode von Dr. B.J. Bamberger. Sein Verfasser ist Baruch A. Levine. Dieser Kommentar ist Teil des großangelegten JPS Torah Commentary. Der Levitikus-Band wurde 1989 veröffentlicht [13].]

{1991 erschien der erste Teil eines ausführlichen, philologisch sehr genauen Kommentars von Rabbiner Jacob Milgrom, ebenfalls in englischer Sprache verlasst [14]. Ein neuerer deutscher Levitkuskommentar von Erhard S. Gerstenberger [15], ist ein Beispiel für eine rein christliche Perspektive auf das Buch Levitikus [16].}

Hingewiesen sei auch auf zwei moderne hebräische Kommentare zur gesamten Tora, einschließlich Levitikus. Derjenige von Samuel David Luzzatto [17] verbindet eine strenge Verpflichtung der Tradition gegenüber mit einer beträchtlichen Originalität. Der andere von Arnold B. Ehrlich [18] ist ein großartiges Werk der modernen Bibelwissenschaft [19].

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Zum Gebrauch dieses Kommentars

Ein großer Teil des Buchs Levitikus betrifft die Opferpraxis, und im Deutschen fehlen oft die entsprechenden Begriffe für die hebräischen Ausdrücke. Es erschien deshalb angemessen, in diesem Kommentar die hebräischen Begriffe zu benutzen (nachdem sie erklärt worden sind), nicht die mehr oder weniger passenden deutschen Ausdrücke.

Häufig wird hier der Begriff "Halacha" (oder auch Halakhah) verwendet werden, der nicht aus der Bibel, sondern aus der rabbinischen Literatur stammt. Er ist von einer Wurzel mit der Bedeutung "gehen" abgeleitet und bezeichnet die konkreten rechtlichen Elemente des Judentums, einschließlich des Zivil-, Straf-, Familien-, Verfahrens- und Ritualrecht, im Gegensatz zu Themen des Glaubens, des geistigen Strebens und der moralischen Ideale, die nicht als bestimmte, einklagbare Pflichten formuliert werden können. Der Begriff "Halacha" kann sowohl den gesamten Korpus des jüdischen Rechts oder die Regelung einer einzelnen rechtlichen Frage bezeichnen.

Die akzeptierte Halacha scheint oft vom wörtlichen Sinn des Bibelverses, auf dem sie sich gründet, abzuweichen. Doch die Rabbinen gehen in ihren weitreichenden und phantasievollen Schlüssen oft weit über den offenkundigen Sinn des Textes hinaus und lehnen gelegentlich den einfachen Sinn der Schriftworte kategorisch ab. (Dies wurde von den traditionellen Kommentatoren vollständig erkannt. In allen diesen Fällen nahmen sie an, dass die wahre Tradition auf das zurückgeht, was Mosche am Sinai als normativ empfangen hat, eine Erklärung, die nicht mit den traditionellen Regeln der Grammatik und Philologie übereinstimmt) [20].

Die jüdischen Leser müssen nicht nur die vermeintliche ursprüngliche Absicht eines Bibelverses kennen, sondern ebenso wissen, wie dieser Vers in der jüdischen Tradition verstanden worden ist, vor allem in Hinsicht auf die religiöse Praxis und Observanz. Diese voneinander abweichenden Gesichtspunkte werden häufig in den Einführungen in die verschiedenen Abschnitte des folgenden Kommentars erläutert. Die einzelnen Punkte werden wie folgt behandelt:

Der Kommentar selbst zitiert Sifra und andere rabbinische Quellen wie auch die großen mittelalterlichen Kommentare, wenn diese Schriften die korrekte oder zumindest die am meisten einleuchtende Erklärung des Bibeltextes zu geben scheinen. Wo die Halacha jedoch über den offenkundigen Sinn der Schrift hinausgeht oder gegen ihn steht, wird sie in dem Abschnitt unter der Überschrift "Literarische Auslese" zusammengefasst. (In der Regel sind diese halachischen Zusammenfassungen keine wörtlichen Zitate der Quellen.)

Die Quellenangaben in den Anmerkungen sind in keiner Weise erschöpfend. Manchmal wird auf die Primärquelle verwiesen und manchmal auf die Kodifizierung der Halacha durch Maimonides und seine Schüler. Am häufigsten beziehen wir uns auf die Erklärung des betreffenden Verses in Sifra, in diesem Fall lautet die Quellenangabe einfach "Sifra" oder fehlt.

Die literarische Auslese ist in zwei Abschnitte untergliedert; der erste enthält halachische Materialien, der zweite ist mit dem hebräischen Wort "Haggada" (oder Hagadah) überschrieben. Dieses Wort, das von einer Wurzel mit der Bedeutung "erzählen" abgeleitet ist, bezieht sich auf alle nichtrechtlichen Elemente im Talmud und Midrasch, vor allen auf solche, in denen es um den Glauben und die moralische Unterweisung geht. Diese Abschnitte enthalten häufiger wörtliche Zitate, doch oft war es um der Klarheit und Kürze willen nötig, sie zusammenzufassen und zu erläutern. Ebenso wurden einige ausgewählte Stücke aus der späteren jüdischen Literatur aufgenommen, die nicht aggadisch im eigenlichen Sinn sind, aber ebenso erbaulich.

{Siehe auch die allgemeine Einführung zum Gebrauch dieses Chumasch in Band I Bereschith - Genesis.}

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Die Tora in jüdischer Auslegung:
Band III - Vajikra / Levitikus
Der Kommentar zur "Lehre der Priesterschaft" komplett in deutscher Sprache...

Einleitung von Rabbiner W. Gunther Plaut:
In Erinnerung an Rabbiner Dr. Bernard J. Bamberger s'l

Mit seinem Tode verlor die jüdische Wissenschaft einen ihrer bekanntesten Vertreter.

hagalil.com 25-04-03



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