hagalil.com
Spenden Sie mit PayPal - schnell, kostenlos und sicher!

Newsletter abonnieren
Koscher leben...
 
 

Torath haKohanim, Levitikus:
Einführung in das Buch Vajikra
Von Rabbiner Bernard J. Bamberger

àø÷éå
Zum Charakter des Buches
und zum Kommentar

Das dritte Buch der Tora, Levitikus, enthält einige der wichtigsten Bibeltexte. In diesem Buch lesen wir Satze wie "Liebe deinen Nächsten so, wie du dich selbst liebst" und "Ihr sollt im Land allen Einwohnern Freiheit ausrufen" [1].

Zum großen Teil handelt das Buch jedoch von Dingen, die mit unserem heutigen Leben recht wenig zu tun haben, von Opferanweisungen und Regeln zur rituellen Reinigung. Fast alle haben ihre Geltung verloren, als der Tempel im Jahr 70 d.Z. zerstört wurde. Selbst für die Lebensweise streng orthodoxer Juden haben sie heute keine Bedeutung mehr und wurden darum von normierenden Rechtssammlungen wie dem Schulchan Aruch ausgeschlossen. In der orthodoxen Tradition wird dies allerdings nur als eine vorübergehende Unterbrechung gewertet: Wenn der Messias kommt, wird der Tempel wieder erbaut und der Opferkult wieder aufgenommen werden. Das orthodoxe Gebetbuch enthält daher Gebete für diese Wiederherstellung. Doch die meisten zeitgenössischen Juden, nicht nur diejenigen, die dem Reformjudentum angehören, betrachten diese Opferbräuche als gänzlich überholt. Sie rechnen nicht mit ihrer Wiederbelebung und wollen sie auch nicht.

Der Philosoph Philo, der zu Beginn der allgemeinen Zeitrechnung in Alexandria lebte, fand im Opferkult vielerei geistige Bedeutungen. Er deutete die Gesetze symbolisch oder allegorisch und war fest davon überzeugt, dass er zu ihrer tiefsten und wahrsten Absicht vorgedrungen sei. Diese Betrachtungsweise ist uns heute nicht mehr möglich. Der einzige für uns mögliche Zugang ist der historische, der das Material im Licht der Zeit sieht, in der es entstand und vor dem Hintergrund der altorientalischen Kultur.

Ein solche historische Betrachtungsweise ist auch für die allgemeine Leserschaft fruchtbar. Sie zeigt eine spannende Entwicklung der Religions- und Moralvorstellungen in der Bibel selbst. Nur im Buch Levitikus gibt es einige wenige Abschnitte, in denen das Wort kadosch, das gewöhnlich mit "heilig" übersetzt wird, auch "tabu" bedeuten kann, andere Stellen, an denen es den höchsten Grad ethischen und geistigen Strebens bezeichnet.

Darüber hinaus werden wir entdecken, dass die rituellen Abläufe, die hier beschrieben werden, zwar in vieler Hinsicht denen anderer antiker Volker ähneln aber auch einige bedeutsame Unterschiede aufweisen. Die eigentümliche Erscheinung eines sich entwickelnden Judentums ist sogar in einer Epoche erkennbar, die Änderungen von sich wies, vor allem Änderungen im Bezug auf Brauch und Ritus, die von einer erblichen und daher in der Regel konservativen Priesterschaft gepflegt wurden.

Wichtiger ist aber wohl die Tatsache, dass diese Materialien allen Menschen zugänglich gemacht worden sind. Andere altorientalische Völker besaßen Mythen und Legenden, die uns gelegentlich an die Geschichten des TaNaKh (Pentateuch) erinnern. Ebenso besaßen sie zivil- und strafrechtliche Gesetze, wie den Kodex Hammurabi, der auf einem Denkstein an einem öffentlichen Platz aufgestellt war. Doch ihre rituellen und liturgischen Texte wurden im allgemeinen in den Tempeln für den ausschließlichen Gebrauch durch die Priester verwahrt. Nur in der Torah finden wir Geschichten, Gesetze und Ritualanweisungen, die in einem einzigen Dokument zusammengefasst wurden und für alle zugänglich sind.

Das Buch Deuteronomium (Dewarim, 5.B.M.) gebietet, dass Eltern ihren Kindern seinen Inhalt sorgfältig lehren sollen und sieht vor, dass das gesamte Buch alle sieben Jahre öffentlich verlesen wird. Doch selbst das Deuteronomium lässt Angelegenheiten der Priesterschaft vollständig in der Hand der Priester. Es beschreibt den Vorgang der Opfer nicht und verweist das Volk zur Beurteilung von "Aussatz" an die Priester (Dtn 24,5) Von daher war es eine Art Revolution, als die priesterlichen Gesetze in einem Werk zusammengefasst wurden, das für die gesamte Bevölkerung bestimmt war. Diese Gesetze sollten nicht mehr länger Berufsgeheimnis sein Eine Anzahl von Abschnitten im Buch Levitikus beginnt darum mit: "Rede mit den Priestern, den Söhnen Aharons", oder: "Gib Aharon und seinen Söhnen folgenden Befehl", doch andere, darunter der erste Abschnitt über die Opfer, beginnt mit: "Rede mit den Kindern Jisraels und sage ihnen". Die Vorstellung einer vollständigen Tora, die alle, die es wollen, studieren können, bringt hier einen neuen demokratischen Geist zum Ausdruck.

Hinzu kommt, dass die scheinbar nichts sagenden rituellen Abschnitte die talmudischen Gelehrten teilweise zu Kommentaren drängten, die es um ihrer Schönheit und ihrer tiefgründigen Einsichten willen wert sind, beachtet zu werden.

Andere Themen des Buches Levitikus aber prägen bis heute das Leben vieler Juden. Hingewiesen sei zum Beispiel auf die Speisegesetze. Auch diejenigen, die die Kaschruth nicht beachten, sollten etwas über den Charakter und den Geist dieser Bestimmungen wissen, die oft von wohlwollenden, aber uninformierten Laien missverstanden und fehlgedeutet wurden.

Wieder andere Abschnitte behandeln Themen, die für alle religiösen Juden von Belang sind. Als Beispiel seien die Kapitel über verbotene sexuelle Beziehungen genannt und die ausführliche Beschreibung der Feiertage und Feste. Wir behandeln solche Abschnitte, indem wir davon ausgehen, dass wir vieles aus der Tora lernen können, obwohl wir ihre Autorität nicht blind und unhinterfragt hinnehmen. In dem großartigen Heiligkeitsgesetz sowie in dem Abschnitt über das Joweljahr sehen wir uns durch die edelsten und strengsten ethischen und religiösen Ideale herausgefordert. Unsere Darstellung wird sich oft auf die Ursprünge und die ursprüngliche Absicht der alten Regeln beziehen. Beim Lesen sollte man jedoch stets im Hinterkopf behalten, dass ein Brauch sich fortsetzen kann, lange nachdem seine ursprüngliche Bedeutung verworfen und vergessen ist. Man darf zum Beispiel nicht davon ausgehen, dass die Generationen von Juden, die im Tempel Opfer dargebracht haben, oder die Verfasser, die die Opfergesetzte im Buch Levitikus zusammenstellen, noch daran glauben, dass Gott buchstäblich das Bedürfnis nach Nahrung habe.

Auch wird der Wert eines lebendigen Brauchs nicht notwendig davon beeinträchtigt, dass er vielleicht im Aberglauben wurzelt. Ein einfaches Beispiel, das nicht im Zusammenhang mit den Buch Levitikus steht, mag dies verdeutlichen. Bestattungs- und Trauerriten haben ein ausgesprochen hohes Alter. Ursprünglich dienten sie dazu, die Lebenden vor den Geistern der Toten zu schützen. Man glaubte, dass diese nun wütend seien, weil ihnen die Bequemlichkeiten und Beziehungen, an denen sie sich im Leben erfreut hatten, weggenommen wurden. Um die Weggegangenen daran zu hindern, zurückzukehren und ihren Familien zu schaden, schichtete man einen Steinhaufen über ihre Gräber. Unser Brauch, einen Grabstein zu errichten rührt letztlich von dieser alten Angst her. Doch es ist offensichtlich, dass dies nicht der Grund ist, weshalb wir heute die Gräber unserer Verstorbenen kennzeichnen. Anders als die beiden ersten Bücher der Bibel, enthält das dritte nur sehr wenige erzählende Stücke. Deshalb schien es notwendig, jedem Abschnitt eine recht ausführliche Einführung voranzustellen, bevor der Text versweise erläutert wird.

>> Der Name des Buches

Bestellen? Die Tora, Hebräisch-Deutsch, 5 Bde.
Bd.1, Genesis / Bd.2, Exodus / Bd.3, Leviticus /
Bd.4, Numeri / Bd.5, Deuteronomium

Die Tora in jüdischer Auslegung:
Band III - Vajikra / Levitikus
Der Kommentar zur "Lehre der Priesterschaft" komplett in deutscher Sprache...

Einleitung von Rabbiner W. Gunther Plaut:
In Erinnerung an Rabbiner Dr. Bernard J. Bamberger s'l

Mit seinem Tode verlor die jüdische Wissenschaft einen ihrer bekanntesten Vertreter.

hagalil.com 25-04-03



Fragen an die Rebbezin...
Jüdische Weisheit
haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren.
Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2014... © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved
ehem. IDPS, Kirjath haJowel