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Einführung in das Buch Schmoth
(Exodus)
Von Rabbiner W.G. Plaut (Band
II. der "Tora in jüdischer Auslegung")
Das Buch Exodus erzählt von der physischen
und spirituellen Geburt Israels als Volk. Es enthält Geschichten von
Versklavung und Befreiung, von Offenbarung und Aufbruch, von Glaube und
Abfall, außerdem eine Sammlung grundlegender Gesetze und Regeln, die die
nationale Gottesverehrung prägen. An zwei Schauplätzen ereignet sich das
hier berichtete, in Ägypten und in der Wüste Sinai. Der zeitliche Rahmen des
Buches ist die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts v.d.allg.Z..
Fortsetzung des Buches
Genesis
Das Buch muss als Fortsetzung des Buches
Genesis verstanden werden. Dieses war eine Erzählung über die Anfänge der
Welt und Gottes Enttäuschungen (siehe dazu die "Einleitung in das Buch
Genesis", Band I. der "Tora in jüdischer Auslegung").
Nach vielen Versuchen und Enttäuschungen hatte sich Gott ein besonderes Volk
erwählt, das er zu seinem Bundesvolk und seinen Mitarbeitern machen wollte.
Er hatte Awraham und Sara als die Ahnen dieses Volkes ausgesucht. Der Rest
des Buches Genesis erzählte die Geschichte von Awraham, Jizchak und Jaakow
und ihren Familien, den leiblichen und spirituellen Vorfahren des Volkes
Israel.
Vom freundlichen Gastgeber zum
Unterdrücker gewandelt
Während einer schlimmen Hungersnot waren
Jaakow, seine Kinder und Enkel nach Ägypten ausgewandert. Sie hatten Kanaan
verlassen, das Land, das Gott ihnen als ewigen Erbbesitz verheißen hatte.
Ihr Schicksal wurde nun in einem fremden Land geformt, inmitten eines
Volkes, das sich vom freundlichen Gastgeber in eine Nation von Unterdrückern
verwandelte. Zu diesem Zeitpunkt setzt nun das Buch Exodus ein. Es berichtet
von der Entstehung Israels, dem von Gott gewählten Volk, - dem Volk, das
Gott benötigt.
Glaube und
Geschichtsschreibung
Die Erzählungen des Buches Genesis waren eine
Mischung aus Mythos, Legende, Erinnerungen aus einer fernen Vergangenheit
und der Suche nach den Ursprüngen - all dies wurde durch die Bande einer
allem zugrundeliegenden Theologie zusammengehalten. Mit dem Buch Exodus
betritt der Pentateuch nun den Bereich der Geschichtsschreibung, wenn auch
nicht der Geschichtsschreibung im modernen Sinn. Moderne
Geschichtsschreibung berichtet über Ereignisse, die ausschließlich im
menschlichen Bereich verwurzelt sind. Das Buch Exodus stellt dagegen den
Willen Gottes als den Angelpunkt dar, um den sich die Geschicke der Menschen
drehen. In dieser Hinsicht handelt es sich um eine Geschichtsschreibung, die
im Glauben gründet. Der Auszug der Israeliten aus Ägypten könnte als
historisches Ereignis im Sinne des heute üblichen Geschichtsverständnisses
angesehen werden. Dass er jedoch aufgrund eines göttliches Eingriffs geschah
und in dieser Weise von Israel erfahren wurde, gibt der Erzählung über die
Befreiung eine zusätzliche, spirituelle-Dimension.
Die Geschichten über die Versklavung und Erlösung sind in außerbiblischen
Quellen nirgends bezeugt. Daher halten einige Wissenschaftler diese
Erinnerungen für religiöse Legendenbildung, für folkloristische Erzählungen
und Ausschmückungen, durch die der Gott Israels verherrlicht werden soll.
Doch dies ist die Sicht einer Minderheit. Die meisten gehen davon aus, dass
kein Volk je von sich aus eine Geschichte der eigenen Versklavung erfinden
würde. Die Ereignisse, die in den ersten Kapiteln des Buches erzählt werden,
müssen eine geschichtliche Grundlage haben. Der Name Raamses (Ex 1,11)
bezieht sich wahrscheinlich auf Ramses II. aus der 19. Dynastie, der von
1304-1237 regierte. Er oder sein Sohn Merneptah war der Pharao des Exodus.
Die Menschen, die in Ägypten versklavt wurden, werden "Hebräer" genannt.
Vermutlich gehörten sie zu derjenigen Menschengruppe, die während der
Hyksoszeit von Kanaan nach Ägypten gekommen war und versklavt wurde, als die
Hyksos im 16. Jahrhundert v.d.Z. ihre Macht verloren. Die Bezeichnung
"Hebräer" war offenbar ein Oberbegriff für ethnische und/oder soziale
Gruppen, die ihre Wurzeln auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführten,
eine legendäre, "eponyme" Vatergestalt "Jaakow". Einigen Wissenschaftlern
zufolge fanden nur einige der Stämme (Josef und Binjamin, die sogenannten
"Rachel"-Stämme) in Ägypten eine Heimat, während die andere Gruppe der
Hebräer (die sogenannten "Lea"-Stämme) Kanaan niemals verlassen habe. Alle
diese Stämme hätten sich erst während des Einzugs in das Land (unter
Jehoschu'a) zusammengeschlossen. Diese äußerst spekulative Theorie wird von
diesem Kommentar nicht geteilt. Vielmehr geht er von dem uns heute
vorliegenden Text aus, denn in dieser Form wurde die Überlieferung - nach
einer Endredaktion - von Israel angenommen und entfaltete ihre weit
reichende Wirkung. Ob die Ereignisse genau so stattfanden, wie sie
beschrieben werden oder nicht, ist weniger wichtig als die Art und Weise, in
der sie erfahren und verstanden wurden.
Ob Gott "objektiv" gesehen Israel aus Ägypten befreite oder nicht, ist eine
Frage, auf die kein Historiker eine Antwort geben kann. Aber das Buch Exodus
- die Sammlung der Erfahrungen Israels - erzählt, dass er es tat, und auf
dieser Grundlage haben Geschichte und Glaube gemeinsam das Denken und
Empfinden Israels geprägt.
Bestellen? Die Tora, Hebräisch-Deutsch, 5 Bde.
Bd.1, Genesis /
Bd.2, Exodus /
Bd.3, Leviticus /
Bd.4, Numeri /
Bd.5, Deuteronomium
Die Tora in jüdischer Auslegung:
Band III - Vajikra / Levitikus
Der Kommentar zur "Lehre der Priesterschaft" komplett in
deutscher Sprache...
Einleitung von Rabbiner W. Gunther Plaut:
In Erinnerung an Rabbiner Dr. Bernard J.
Bamberger s'l
Mit seinem Tode verlor die jüdische Wissenschaft einen ihrer
bekanntesten Vertreter.

Quelle - Der Chumasch nach Plaut:
Die Torah in jüdischer Auslegung
hagalil.com
14-01-04
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