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Koscher leben...
 
 

Wochenabschnitte zum 5. Buch Moses

Das Sefer Dewarim (Buch Deuteronomium, V.Buch Moses) präsentiert sich als eine Aneinanderreihung von Abschiedsreden Mosches und endet mit einer Beschreibung seines Todes, an den wir uns am 7.Adar erinnern.

Mischneh haTorah, Deuteronomium:
Einführung in das Buch Dewarim

Von Rabb. Dudley Weinberg s.l. und Rabb. W. Günther Plaut

Die Rolle Mosches

Das Buch Deuteronomium beginnt mit der Aussage, Mosche habe vor dem Volk seine letzte zusammenfassende Rede im Land Moab (dem heutigen Königreich Jordanien) gehalten, als die Israeliten kurz davor standen, den Jarden zu überqueren und das Land in Besitz zu nehmen, das ihnen seit so langer Zeit versprochen war und in dem Israel endlich Ruhe und Sicherheit finden würde.

Diese Aussage, die im Deuteronomium mehrfach wiederholt wird, ist eindeutig ein erzählerisches Mittel, keine historische Begebenheit. Mosche ist nicht der Redner oder Prediger des Deuteronomiums, auch wenn vieles, was in diesem Buch gesagt wird, von ihm angeregt wurde und auf ihn zurückgehen könnte. Die Hörer des deuteronomischen Predigers sind auch nicht die Überlebenden der Wüstenwanderung, die jetzt ihren Höhepunkt in Israels Heimkehr finden sollte. Allerdings bringt jede Fiktion immer auch eine eigene Wahrheit zur Sprache, und in diesem Sinn ist sie keine Fiktion.
Wenn es stimmt, was die moderne Wissenschaft über die Entstehungszeit des Deuteronomiums annimmt - und historische und archäologische Beweise scheinen diese Annahme zu bestätigen -, dann geht es in dieser "Fiktion" durchaus um eine reale Lebenssituation, aber eben um eine Situation in einer späteren Zeit im Königreich Juda. Diese Lebenssituation wird allerdings in Worte aus alten Traditionen gekleidet, die weit über die unmittelbare Situation hinausreichen. Und das war eine entscheidende Voraussetzung für die Rolle, die das Deuteronomium in der Entwicklung des biblischen und nachbiblischen Judentums spielte.

Die "Fiktion" des Deuteronomiums wurde zu einem Aufruf, Gottes Willen zu tun, wann immer man ihn hörte; und so konnte eine Lehre aus der Vergangenheit in der Gegenwart eine Antwort hervorrufen.
Die Regierungszeit des Joschijahu war, genau wie damals die Situation der Israeliten in der Ebene von Moab, durch radikale Erneuerung, Hoffnung und Veränderung geprägt. Auch Joschijahus Zeit erschien wie die Erfüllung einer Verheißung, und sie wurde sicherlich von denjenigen so verstanden, die diese Zeit erlebten und die im Nachhinein versuchten, ihre Bedeutung zu verstehen.

Gleichzeitig blieb Mosche tief im Bewusstsein des Volkes und im Bewusstsein der Sammler und Bewahrer seiner Traditionen präsent. Dies allein schon gibt der Überzeugung großes Gewicht, dass der reale und historische Mosche, wie schwer sich seine eigentliche Biographie auch rekonstruieren lässt, tatsächlich die Religion Israels entwickelt und das Volk Israel gegründet hat, dass er das inspirierte Genie war, dessen Einsichten und dessen Laufbahn in vielerlei Hinsicht nicht nur zu einem jüdischen Ideal geworden sind, sondern zu einem Ideal der gesamten westlichen Welt. Wenn das Deuteronomium auch nicht direkt aus der Hand Mosches stammt, so ist es doch in Teilen seinem Geist entsprungen. Warum sonst hätten die tatsächlichen Autoren des Deuteronomiums ihm ihr Buch der Tora zuschreiben sollen? Warum sonst hätten diejenigen, die schließlich den Text der gesamten Tora zusammenstellten, gerade Mosche als deren irdischen Urheber darstellen sollen und als Gottes erwählten Boten, dessen Aufgabe es war, Gottes Einzigartigkeit und Einheit zu verkünden und Israel in einen Bund mit Gott allein hineinzuführen?

Die Bedeutung Mosches wird durch eine historisch-kritische und literarische Analyse des biblischen Textes nicht geschmälert. Sein Format wird dadurch eher noch vergrößert, und auch wenn wir wenig über die Einzelheiten wissen, spielt sein Leben doch eine große Rolle in der Geschichte und besonders im Bewusstsein seines Volkes, für das er "Mosche Rabbenu" wurde, "Mosche, unser Lehrer".

Welche Rolle kommt aber Gott bei der Entstehung des Textes zu? Diese Frage wurde in unserem Kommentar zu Exodus 19 und in der allgemeinen Einführung in die Tora (im ersten Band dieses Kommentarwerks) bereits ausführlich diskutiert.
Wir vertreten die Ansicht, dass die Tora Israels Bemühen dokumentiert, Gott zu begegnen und Gottes Willen zu verstehen. In Jahrhunderten des Suchens, des Findens und des Vergessens, der Inspiration und der Verzweiflung hat Gott die Seele seines Volkes angerührt, und die Funken dieser Begegnung leuchten in den Seiten der Tora immer wieder auf.

Das Deuteronomium ist eine Aufzeichnung solcher Begegnungen, und mehr als die anderen Bücher der Tora steht es deutlich in der Tradition der Propheten Israels. Wenn die Propheten verkündeten: "So spricht der Ewige", dann war das keine überflüssige Hinzufügung des Sprechers, sondern wurde als ein Teil der Realität wahrgenommen. Und nicht zuletzt: Mit der Zeit hatte sich der Glaube, dass Gott wirklich durch Mosche gesprochen hatte, fest verwurzelt; dieser Glaube entwickelte seine eigene Dynamik und formte das Schicksal eines glaubenden Volkes. Die Israeliten wussten, was Gott von ihnen verlangte, und sie versuchten, Gottes Willen so gut wie möglich zu erfüllen.

Das Deuteronomium und die anderen Bücher der Tora

Waren die anderen Bücher der Tora bereits ausformuliert, als das Deuteronomium entstand?
Diese Frage kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden; es gibt nirgends größere Meinungsverschiedenheiten unter den Wissenschaftlern als bei der Datierung der verschiedenen Traditionsstränge, die in die Entstehung der Tora eingeflossen sind.
7
Wie oben schon angedeutet
8, geht dieser Kommentar von der Annahme aus, dass große Teile der Quellen J, E und P bereits bestanden, als die Deuteronomium-Texte (Quelle D) formuliert wurden. Diese erweiterten zum Teil die älteren Traditionen, wichen aber manchmal auch von ihnen ab.9 Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass der Kern des Deuteronomiums (Kapitel 5-26 und 28) schon als Buch niedergeschrieben wurde, bevor die anderen vier Bücher der Tora als eigene Dokumente ausformuliert worden sind. Als diese niedergeschrieben wurden, entstand ein "Tetrateuch" (d.h. vier Bücher), der eine selbständige Stellung neben dem Deuteronomium hatte. Letzteres wurde dann erweitert durch einen Prolog (Kapitel 1-4), eine Einfügung (Kapitel 27) und einen Schlussabschnitt (Kapitel 29-34). In dieser Form wurde das Deuteronomium schließlich mit dem Tetrateuch zum Pentateuch (d.h. fünf Bücher) oder der Tora verbunden; so hatte man alle großen Traditionen über Mosche in einem großen Werk vereinigt.10

07 - Eine genaue Übersicht findet sich in: Kenneth A. Kitchen, Ancient Orient and Old Testament, London 1966, S. 112-138; Roland de Vaux, The Bible and the Ancient Near East, Darton 1972, S. 31 - 48. Moshe Weinfeld, Anchor Bible Dictionary Bd. II, S. 168-183. Zum Deuteronomium siehe Mosche Weinfeld, Encydopaedia Judaica Bd.V, Kol. 1574ff.; N. Lohfink, Interpreters's Dictionary of the Bible, Supplement S. 229ff.
08 - Siehe die allgemeine Einführung in die Tora im ersten Band dieses Kommentarwerks, S.19ff.
09 - Die Ausformulierung des Schabbatgebots (5,15) ist eine Erweiterung; die Erlaubnis, bei profanen Anlässen und ohne ein Opfer Fleisch zu essen, weicht von dem früheren Brauch ab.
10 - Im Deuteronomium bezieht sich das Wort hr:/T allerdings auf das Deuteronomium selbst, nicht auf den Pentateuch, den es in dieser Form ja noch gar nicht gab.

Literarische Aspekte

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Quelle - Der Chumasch nach Plaut:
Die Torah in jüdischer Auslegung

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Bd.5, Deuteronomium

hagalil.com 18-03-2005



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