
Das Sefer Dewarim (Buch
Deuteronomium, V.Buch Moses) präsentiert sich als eine Aneinanderreihung von
Abschiedsreden Mosches und endet mit einer Beschreibung seines Todes, an den
wir uns am 7.Adar erinnern.
Mischneh haTorah, Deuteronomium:
Einführung in das Buch Dewarim
Von Rabb. Dudley Weinberg s.l. und Rabb. W. Günther
Plaut
Abfassungszeit und Urheberschaft
Dieser Kommentar vertritt die Ansicht, dass das
Deuteronomium, wie die gesamte Tora, das Ergebnis eines jahrhundertelangen
Wachstumsprozesses ist, eine Verschmelzung verschiedener Quellen und
Traditionen, die zunächst mündlich überliefert und erst später
niedergeschrieben wurden. Diese Entwicklung kann nirgendwo deutlicher
verfolgt werden als in der Komposition des Deuteronomiums, denn es ist das
einzige der fünf Bücher der Tora, das sich mit einiger Sicherheit historisch
einordnen lässt.2a
2a - [Das Folgende beschreibt die klassische bibelwissenschaftliche Position
der 60er bis 80er Jahre, die heute zwar nach wie vor von einigen vertreten
wird, jedoch umstritten ist.]

König Joschijahu 640-608
In II Könige 22 und 23 wird von einer radikalen religiösen
Reform berichtet. König Joschijahu, der 640-608 in Juda regierte, führte
diese im Jahr 621 v.d.Z. durch. Diese Reform weist eine erstaunliche
Ähnlichkeit zu manchen Bestimmungen auf, die sich nur im Deuteronomium
finden. Einige dieser Bestimmungen unterscheiden sich von den Gesetzen in
den anderen Büchern der Tora oder wandeln sie zumindest leicht ab.
Zum Beispiel schaffte Joschijahu den alten Brauch ab, auf "den Kulthöhen"
Gottesdienst zu feiern und Opfer darzubringen und setzte fest, dass nur im
Tempel in Jerusalem rechtmäßige Opfer dargebracht werden konnten. Das
Deuteronomium ist das einzige Buch der Tora, das entsprechende Gesetze
enthält.
Ebenso hatte Joschijahu die Verehrung der Himmelskörper aufs Schärfste
verboten. Auch dies ist ein Problem, mit dem sich das Deuteronomium
ausführlich beschäftigt (17,3).
Weiter verlangt Dtn 16,1 -8, dass Pessach an einem von Gott zu bestimmenden
Ort gefeiert werden soll, während Exodus 12 vorsieht, dass es zu Hause
begangen wird. Joschijahu ließ Pessach in Jerusalem feiern, in
Übereinstimmung mit dem Gesetz im Deuteronomium; und II Könige 23,22f.
berichten, dass das Pessachfest während der ganzen Zeit der Richter und der
Könige, also fast vier Jahrhunderte lang, nicht in dieser Weise gefeiert
worden war.
Der Fund eines Buches
Dem Bericht in II Kön 22 und 23 zufolge gründete
Joschijahus Reform auf der Entdeckung eines Dokumentes, das "das Buch der
Weisung" (Sefer haTorah) genannt wurde. Dieses "Buch der Weisung" fand der
Hohepriester Chilkijahu zufällig, als der Tempel auf Befehl des Königs
repariert wurde (II Kön 22,8). Worum es sich bei diesem gefundenen Buch
genau handelte, wird nicht gesagt. Die verblüffende Übereinstimmung von
Joschijahus Reform und dem Buch Deuteronomium wird jedoch noch dadurch
verstärkt, dass der Ausdruck "Buch der Weisung" nur im Deuteronomium
vorkommt, und dort bezieht er sich auf das Deuteronomium selbst (29,20).
Joschijahus religiöse Reformen
II Kön 23,1-2 beschreiben, wie König Joschijahu die
Anführer und das Volk von Juda versammelte und wie sie in einen Bund mit
Gott eintraten und sich dazu verpflichteten, sich treu an die Regeln zu
halten, die in dem gerade entdeckten Buch aufgestellt waren. Die Sprache
dieses Abschnitts erinnert stark an einige Abschnitte im Deuteronomium, in
denen die Menschen aufgefordert werden, Gott ihre Verehrung und liebevolle
Treue zu versprechen (z.B. 10,12-11,32 und 29,9-30,20).
Das Deuteronomium und Joschijahu
Was war dieses "Buch der Weisung", das zu Joschijahus
Regierungszeit entdeckt wurde und das die Grundlage für seine religiöse
Revolution 621 v.d.Z. darstellte? Bibelwissenschaftler stimmen im Großen und
Ganzen darin überein, dass Joschijahus "Buch" zwar nicht genau denselben
Text enthielt wie das uns heute bekannte Deuteronomium, dass es aber
zwischen den beiden eine nicht von der Hand zu weisende Verbindung gibt.
Moderne Gelehrte spekulieren über den genauen Inhalt von Joschijahus "Buch",
die meisten stimmen aber darin überein, dass es den Kern dessen enthielt,
was in der Folge in einem langen Prozess von Hinzufügungen und Bearbeitungen
schließlich zu unserem Buch Deuteronomium wurde.
Selbst wenn wir davon ausgehen, dass der Bericht über den Fund des Buches
der Tora in II Könige 22,8 historisch korrekt ist (oder zumindest eine wahre
historische Begebenheit widerspiegelt), stehen wir vor einigen offenen
Fragen: Wie war es dazu gekommen, dass das Buch, das der Hohepriester
Chilkijahu während der Reparaturarbeiten im Tempel "entdeckte", "versteckt"
wurde? Wann und von wem wurde es geschrieben? Ein wichtiger Hinweis findet
sich in dem biblischen Bericht über eine frühere Reform, die der des
Joschijahu ähnelte. Diese Reform fand mit Unterstützung des Königs
Chiskijahu statt, der von 715-687 v.d.Z. regierte.3
Auch er hatte einen Sturmangriff gegen den Götzendienst und gegen Orte und
Objekte der Götzenanbetung geführt (II Kön 18,22). Auch er hatte versucht,
den Kult im Jerusalemer Tempel zu zentralisieren (II Kön 18,22). Chiskijahus
Reform könnte der Anlass dafür gewesen sein, ein Buch der Tora abzufassen
oder zumindest mit der Abfassung zu beginnen - das Buch der Tora, dessen
Entdeckung später König Joschijahus Reform veranlasst und deren Programm
bereitgestellt hat.
3 - Das Jahr seiner Thronbesteigung ist allerdings
strittig; manche Wissenschaftler nehmen einen früheren Zeitpunkt an.
Die Vorgeschichte
Möglicherweise hat der Fall Samarias und des Nordreichs
wenige Jahre vor Chiskijahus Thronbesteigung manches zu der Reform des
Monarchen beigetragen. Bewohner des Nordreichs könnten ein erstes
Schriftstück mitgebracht haben, als sie nach Jerusalem flohen - denn
tatsächlich zeigt das Deuteronomium eine Nähe zur Tradition der Quelle E,
von der man annimmt, dass sie aus dem Norden stammt. Die Zentralisation des
Kultes, die eigentlich das Heiligtum von Sichern hervorheben sollte,
konzentrierte sich nach dem Untergang des Nordreichs auf Jerusalem.4
Außerdem standen Chiskijahus Reformen in enger Verbindung zu seiner
Außenpolitik: Sie waren Bestandteil seiner Auflehnung gegen die assyrische
Herrschaft - eine Auflehnung, die 701 v.d.Z. zum Einmarsch des assyrischen
Königs Sanherib in Juda führte. So hatte Chiskijahu durch seine
Kultzentralisation beispielsweise einen besseren Zugang zu großen Geldsummen
aus dem Tempelschatz, was ihn wiederum nach größerer politischer
Unabhängigkeit streben ließ; während jedoch sein Aufstand von den Assyrern
niedergeschlagen wurde, blieben seine religiösen Reformen zu seinen
Lebzeiten in Kraft.
Unter der Regierung seiner Nachfolger Menasche und Amon veränderte sich die
Lage grundlegend, besonders, da Assyrien unter König Assarhaddon zu großer
Macht gekommen war und seinen Einflussbereich im Westen und Süden bis nach
Ägypten und im Osten bis Elam ausgedehnt hatte.5
Vielleicht wollte sich Menasche stärker an die religiösen Bräuche seiner
Herren anlehnen (obwohl diese offenbar keine derartige religiöse Anpassung
von ihren Vasallen erwarteten); vielleicht spielten auch seine und Amons
persönliche Neigungen eine Rolle - unter ihrer Herrschaft wurden jedenfalls
wieder götzendienerische Bräuche eingeführt, und im Tempel wurde sogar ein
Götzenbild aufgestellt.
Menasche unterstützte die Assyrer zuerst vorsichtig, dann mit aller Macht,
und sein Sohn Amon führte seine Politik fort. Zwei Jahre nach seiner
Thronbesteigung wurde Amon ermordet, vielleicht von religiösen
Traditionalisten, vielleicht von einer antiassyrischen Verschwörung,
vielleicht von einem Bündnis dieser Kräfte. In der Folge wurde Joschijahu
König, und dieser reformierte schrittweise den Kult und konnte sich
gleichzeitig von Assyrien distanzieren, für das jetzt eine Zeit der
politischen Schwäche anbrach. Der Höhepunkt der Reform Joschijahus war die
Entdeckung des Deuteronomiums und die Verbreitung seines Gedankenguts bis
hinein in Städte des ehemaligen Nordreichs Israel. Dies war möglich, weil
Assyrien zu der Zeit bereits die Kontrolle über Juda und die benachbarten
Gebiete verloren hatte.
4 - Diese Ansicht vertritt Jacob Milgrom (HUCA 47 (1976),
1-17) auf der Grundlage linguistischer Terminologie. Seiner Rekonstruktion
zufolge wurde das Buch von P überarbeitet (nachdem Menasche sich davon
abgekehrt hatte); in dieser überarbeiteten Form wurde es dann unter
Joschijahu staatliches Recht. M. Or, Beth Mikra 73 (1978), 218-220, fügt die
Beobachtung hinzu, dass das Sefer, das von Chilkijahu gefunden wurde,
höchstwahrscheinlich Kapitel (Rollen) aus dem Buch Exodus enthielt.
5 - Diese Entwicklung kann man in dem Aufsatz von Carl D. Evans verfolgen:
Judah's Foreign Policy from Hezekiah to Josiah, in: Scripture in Context:
Essays on the Comparative Method, hg. CD. Evans, W.W. Hallo; J.B. White
(Pittburgh Theological Monograph Series 34), Pittsburgh 1980.
Fazit
Was können wir also über die Zeit sagen, in der das
Deuteronomium entstanden ist? Man kann annehmen, dass einige Traditionen in
dem Buch recht alt sind und dass sie im Laufe der Zeit immer wieder
umgeformt wurden, um den jeweiligen Bedürfnissen der sich verändernden
Verhältnisse zu begegnen. So könnte die Kultzentralisation in Jerusalem
unter Chiskijahu eine Folge der Zerstörung des Nordreichs gewesen sein, die
721 v.d.Z. stattfand, wenige Jahre vor Chiskijahus Thronbesteigung. Die
Gewichtung des aaronitischen Priestertums könnte die Folge eines
Machtkampfes zwischen verschiedenen priesterlichen Familien sein. Und die
deutlichen Ermahnungen an das Volk, nur den einzigen Gott zu verehren,
stammen vielleicht aus einer "Untergrundbewegung" während der Regierungszeit
Menasches und Amons. Zu Joschijahus Regierungszeit, gut hundert Jahre
nachdem das Nordreich zerstört und seine Bevölkerung von den Assyrern ins
Exil geführt worden war, verbanden sich eine religiöse Wiederbelebung und
günstige politische Umstände derart miteinander, dass ein Dokument entstehen
konnte, das dann vielleicht zum Kern dessen wurde, was wir heute als das
Buch Deuteronomium kennen.6
6 - Das Dokument, das Chilkijahu und Schafan zu Joschijahu
brachten, muss viel kürzer gewesen sein als das heutige Deuteronomium, denn
es wurde an einem Tag zweimal oder vielleicht sogar dreimal verlesen (II
Könige 22,8-10; 23,1-2).
Die Rolle Mosches

Quelle - Der Chumasch nach Plaut:
Die Torah in jüdischer Auslegung
Bestellen? Die Tora, Hebräisch-Deutsch, 5 Bde.
Bd.1, Genesis /
Bd.2, Exodus /
Bd.3, Leviticus /
Bd.4, Numeri /
Bd.5, Deuteronomium
hagalil.com 18-03-2005
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