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Koscher leben...
 
 

Wochenabschnitte zum 5. Buch Moses

Das Sefer Dewarim (Buch Deuteronomium, V.Buch Moses) präsentiert sich als eine Aneinanderreihung von Abschiedsreden Mosches und endet mit einer Beschreibung seines Todes, an den wir uns am 7.Adar erinnern.

Mischneh haTorah, Deuteronomium:
Einführung in das Buch DeWaRIM

Von Rabb. Dudley Weinberg s.l. und Rabb. W. Günther Plaut

Name

Das Deuteronomium ist das letzte der fünf Bücher der Tora. Sein Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet "zweites Gesetz". So nämlich hat die Septuaginta den Ausdruck "Mischneh haTorah" in Dtn 17,18 übersetzt (Mendelssohn übersetzte mit "Abschrift"). Wie bei den anderen Büchern der Tora ist der hebräische Name auch hier dem ersten Satz des ersten Kapitels entnommen. Das Buch trägt daher den Titel DeWaRIM, Worte, denn der Anfang des Buches heißt: Eleh haDewarim "Dies sind die Worte ..."

Inhalt

Das Buch Deuteronomium präsentiert sich als eine Aneinanderreihung von Abschiedsreden Mosches und endet mit einer Beschreibung seines Todes. Mit wenigen Ausnahmen stellt das Buch ein einheitliches Ganzes dar, zusammengesetzt aus Erzählungen, Ermahnungen, Liturgie, Gesetzen und Dichtung. Die Adressaten der Reden sind das Volk Israel, als dieses an einem entscheidenden Punkt in seiner Geschichte steht: kurz vor dem Einzug in das verheißene Land. Das Buch zielt auf die Lösung nationaler Probleme, durch die gewährleistet werden soll, dass das Volk seine höchsten Ziele erreicht: Friede, Wohlstand und materielle wie spirituelle Sicherheit unter der Oberhoheit des einen Gottes.

Das Buch kann auf unterschiedliche Weise untergliedert werden. Eine Möglichkeit gründet sich auf vier Überschriften im Text selbst, in 1,1, in 4,44, in 28,69 und in 33,1. Häufiger aber unterscheidet man fünf Teile, so auch in diesem Kommentar:

  • Teil I: Ein Vorwort, das an die Vergangenheit erinnert und in einer ersten Predigt Israels Beziehung zu Gott betont (Kapitel 1,1 - 4,43;
  • Teil II: eine zweite lange Abhandlung, die rituelle und zivile Gesetze vorstellt und außerdem eine lange Liste mit Folgen enthält, falls diese Gesetze nicht eingehalten werden (Kapitel 4,44 - 11,25);
  • Teil III: eine dritte Abhandlung (Kapitel 11,26 - 28,69);
  • Teil IV: eine letzte Ermahnung und ein letzter Abschiedsgruß Mosches (Kapitel 29 - 33);
  • Teil V: ein kurzes Nachwort, das den Tod Mosches be schreibt (Kapitel 34).

Bei dieser Gliederung darf man nicht vergessen, dass die Menschen im Alten Orient ein anderes Verständnis von systematischer Anordnung hatten als wir heute. Dies liegt zum einen daran, dass wir heute die Inhalte lesen, während sie in frühen Generationen häufig in mündlicher Form weitergegeben wurden. Diese Form der Weitergabe erforderte Erinnerungshilfen wie Assonanzen, Wortspiele oder andere mnemotechnische Kunstgriffe.1 Außerdem konnte ein Text entscheidend durch seine Beziehung zu älteren, schon bestehenden Traditionen beeinflusst sein. In jedem Fall sollte man sich davor hüten, diese Dinge nur von einem modernen Standpunkt aus zu beurteilen. So ist zum Beispiel behauptet worden, dass Moschehs erste Predigt das erste Gebot näher ausführe und der übrige Text sich mit dem Rest des Dekalogs beschäftige. Eine solche Analyse befriedigt vielleicht den modernen Forscher, aber sie hat wenig mit der Struktur dieses antiken Textes zu tun.

Typische Merkmale

Der Text besitzt einige hervorstechende Merkmale und hebt bestimmte Themen hervor, die entweder nur im Deuteronomium vorkommen oder die ihm durch ihren Stil und ihre Hervorhebung eine besondere Stimmung verleihen.

Bund
Im Zentrum steht die Vorstellung eines Bundes: Am Chorew2 schloss Gott mit Israel einen Bund. Dieser Bund ist die Grundlage für alle gegenseitigen Verpflichtungen und alle gemeinsamen Absichten.

Gott ist einzig
Ein weiteres Thema des Deuteronomiums lautet: Gott ist einzig und herrscht über Israel; die Liebe und die ungeteilte Treue des Volkes sollen Gott gelten. Vor Götzendienst wird immer wieder aufs Schärfste gewarnt, ebenso vor Magie und dunklen Beschwörungskünsten. "Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben" (6,5) - dies ist Israels grundlegende Verpflichtung.

Gottes Gesetze
Näher ausgeführt wird diese Verpflichtung durch eine Reihe von Gesetzen, die das Volk sorgfältig befolgen muss. Wenn es Gott liebt und ihm gehorcht, wird Gott es über die anderen Völker erheben; dies nicht, weil Israel anderen Völkern überlegen wäre, sondern weil Israel eine besondere Lehre besitzt. Die Tora macht Israel einzigartig, und der Geber der Tora wird diesen unvergleichlichen Bundespartner beschützen. Sollte dieser seinen Treueeid allerdings brechen, hätte das schreckliche Folgen, und Himmel und Erde werden zu Zeugen für diese Furcht einflößende Drohungen aufgerufen.

Die Hilfen für ein Leben nach den Gesetzen
Der einzigartige Gott und sein einzigartiges Volk- dieses Thema ist nicht neu, denn darum ging es schon in der Offenbarung am Chorew-Sinai (Ex 19 und 20). Aber im Deuteronomium wird der Monotheismus zum zentralen Thema, und die Erwählten Gottes werden immer wieder daran erinnert, dass sie eine unvergleichliche Chance besitzen. Ihre Aufgabe ist nicht leicht, und sie ist zusätzlich belastet durch Warnungen, dass Missetaten bestimmt Fall vergolten werden. Das Volk treibt jedoch nicht hilflos auf dem Meer, es hat Richtlinien, die ihm helfen sollen.

  • 1. Die Tora
    Die erste und wichtigste Hilfe ist dieses Buch selbst, das für alle offen und zugänglich ist, die seine Lehren studieren wollen. Die Tora ist keine esoterische Lehre, die für das Volk unerreichbar wäre, "sondern das Wort ist dir ganz nahe. Du hast es im Mund und den Begriff davon im Herzen, wie solches zu beachten sei" (30,14).
  • 2. Moscheh
    Eine weitere Hilfe für ein Leben nach Gottes Willen ist Mosche, der Freund und Vertraute Gottes, dessen Beauftragter er ist. Mosche ist mehr als nur ein Überbringer des göttlichen Wortes; er ist Prophet, Vermittler und eifernder Fürsprecher für sein Volk. Die Bücher Exodus und Numeri geben Hinweise auf seine besondere Stellung, die ihn manchmal beinahe wie einen Halbgott erscheinen lässt - ein Hinweis darauf ist zum Beispiel das Strahlen, das von seinem Angesicht ausgeht (Ex 34,29-33). Im Deuteronomium zeigen sich diese übernatürlichen Züge des Mosche weniger, aber seine Bedeutung als Anführer und als Vermittler wird stärker betont als in den anderen Büchern. Tatsächlich wird Mosche als Mensch dargestellt, der erstaunlich wenig zögert, seine eigene Autorität zu betonen.
  • 3. Die Priester
    Eine dritte Hilfe sind die Priester, die dem Volk in seinen Bemühungen um die göttliche Gunst zur Seite stehen. Sie gehören zur Familie Aarons, des Leviten, und sie erfüllen verschiedene Aufgaben. Die wichtigste besteht in dem besonderen Vorrecht, am zentralen Heiligtum Dienst tun zu dürfen. Das Volk soll seine Opfer nicht länger an verschiedenen Heiligtümern darbringen; nur ein Altar ist ihnen jetzt noch gestattet. Diese Konzentration des gesamten Kultes auf einen einzigen Ort (die so genannte Kultzentralisation) ist ein wichtiges Merkmal des Deuteronomiums. Die Frage nach den Gründen führt uns tief hinein in die Frage nach den Ursprüngen dieses Buches als Ganzem.

* Als Rabbiner Dudley Weinberg 1976 starb, hinterließ er den Entwurf einer Einführung zu dem Deuteronomium-Kommentar, den er geplant hatte. Ich habe viele seiner Notizen in dieser Einführung verarbeitet, zum Andenken an einen guten Freund und an einen einzigartigen geistlichen Leiter.

1 - Zum Beispiel beschäftigt sich 22,13-29 mit dem tatsächlichen oder vermeintlichen Verlust der Jungfräulichkeit und ähnlichen Umständen des sexuellen Verkehrs. Inmitten dieser Gesetze (Vers 22) wird kurz auf das Thema des Ehebruchs eingegangen, dann kehrt der Text zu seinem früheren Thema zurück.

2 - Im Deuteronomium wird der Gottesberg im Allgemeinen Horeb und nicht Sinai genannt. In den anderen Büchern der Tora lässt sich der Name Horeb auf die Quelle E zurückführen, Sinai dagegen auf die Quellen J und P. Auch an anderen Stellen lässt sich die enge Beziehung des Deuteronomiums zu der (aus dem Nordreich stammenden) Quelle E beobachten. Vergleiche dazu auch die Fußnoten 5 und 10.

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Quelle - Der Chumasch nach Plaut:
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hagalil.com 18-03-2005



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