hagalil.com
Spenden Sie mit PayPal - schnell, kostenlos und sicher!

Newsletter abonnieren
Koscher leben...
 
 

Besprechung zum Wochenabschnitt

Dewarim 33, 1 - 34, 12
PARASCHAT WESOT HABRACHA

Israels Schwert

"Wohl dir Israel, wer ist dir gleich? Volk, dem durch Gott geholfen wird, Schild deiner Hilfe und Schwert deines Ruhmes; deine Feinde schmeicheln dir, du aber schreitest einher auf ihren Höhen" (Dew. 33, 29).

Mit diesen Worten beendet Mosche seinen Segen für die einzelnen Stämme, bevor er den Berg Newo besteigt, wo ihn Gott von dieser Welt abberufen wird. Das hebräische Wort "Aschrecha", wohl dir, veranlasste den Gaon von Wilna, auf einen Satz im Propheten Malachi zu verweisen, wo derselbe Ausdruck verwendet wird: "Und es werden euch glücklich preisen (we'ischru) alle Völker, denn ihr werdet ein Land sein, an dem der Ewige Wohlgefallen findet, spricht der Ewige der Heerscharen" (3, 12).

In dem Moment kann sich das jüdische Volk glücklich preisen, in dem es über ein eigenes Stück Land verfügt, ein Fleckchen Erde, wo es in voller Souveränität über seine Geschicke bestimmen kann. Ein Land, in welchem das Gesetz Gottes vorbildlich für alle Völker der Welt gelebt werden kann, und an dem daher Gott Wohlgefallen findet.

"Mi Kamocha", wer ist Dir gleich unter den Mächten, Gott? Mit diesen Worten hat Am Jisrael (das Volk Israel) nach der Durchquerung des Schilfmeeres Gott seinen Dank in der Schira ausgesprochen (Schmot 15, 1). Und mit genau denselben Worten lobt hier Mosche sein Volk. Gott und das von Ihm dazu bestimmte Volk, Seine Torah in der Welt zu verbreiten, beide sind einzigartig. Eine Idee, welche wir in der Schmone Esre des Minchagebets am Schabbat formulieren: Du bist einzig, und Dein Name ist einzig, und wer ist, wie Dein Volk Israel, ein einziges Volk auf Erden. Rabbiner Dr. Munk bemerkt dazu in seinem Kommentar "Die Welt der Gebete": "Weil es seit den Uranfängen der Geschichte seinem Gott unbeirrbar die Treue gewahrt und keinen anderen als nur Ihn als seinen König anerkannte und darum wie kein anderes alle Stürme der Jahrhunderte ohne zu zerschellen siegreich überstanden, darum wird dieses Volk einzig dastehen auf Erden und wird zur 'Krone der Verherrlichung in Gottes Hand werden' (Jesch. 62, 3)."

Der Ktaw Sofer sieht im obigen Satz den Verlauf der jüdischen Geschichte angedeutet. Beim Auszug aus Ägypten und während der vierzigjährigen Wüstenwanderung war es die direkte göttliche Intervention, welche das Volk rettete und beschützte. Von nun an, unter seinem Nachfolger Jehoschua, wird Israel sich auf die Kraft seines Schwertes, auf natürliche Verteidigungsmittel verlassen müssen.

Für viele Kommentatoren ist jedoch die alleinige Interpretation von "Cherew" als physisches Schwert unbefriedigend. Heisst es nicht in der Tora (Ber. 27,22): "Die Stimme ist die Stimme Jakows, und die Hände sind die Hände Esaws?" Beruht nicht die wahre, innere Stärke Jakows auf der Stimme, der Stimme des Gebetes? Tatsächlich übersetzt der aramäische Targum Onkelos die Worte Jakows zu seinem Sohne Josef, "... was ich von der Hand des Emori mit meinem Schwert und mit meinem Bogen gewonnen habe" (Ber.48,22) mit "... was ich durch mein Gebet und mein Flehen gewonnen habe."

Natürlich muss Israel zum Schwert greifen, wenn es gilt, sich zu verteidigen, doch nicht auf diese Waffe ist es stolz. Sein Stolz gilt dem geistigen Schwert, seiner Kraft, im Gebet immer wieder zu Gott zu finden und so den Sieg herbeizuführen. So verdanken wir bezeichnenderweise den Grossteil der Psalmen König David, der zugleich ein mächtiger und siegreicher Feldherr war. Die Orte seiner gewonnenen Schlachten müssen die meisten von uns wohl nachschlagen, doch sind seine wunderbaren Gebete uns geläufig und integraler Bestandteil jüdischen und sogar christlichen Gottesdienstes geworden!

Ha'amek Dawar assoziiert mit dem Schwert des Ruhmes ein anderes Metall, das Messer, mit welchem Awraham auf Geheiss Gottes Hand an Jizchak legen sollte. Die Bereitschaft von Jizchak, sein Leben Gott zu opfern, steht symbolisch für die Bereitschaft des jüdischen Volkes, seinem Gott und seiner Tora treu zu bleiben, trotz Verfolgung und Hass durch eine oft feindlich gesinnte Umwelt.

"Dein Stolz ist dein Schwert, deine Waffe", so interpretierte Rabbiner Jizchak Nissenbaum unseren Passuk (Abschnitt). Der Stolz auf jüdische Identität, jüdische Geschichte, jüdische Kultur, der Stolz auf die Tora waren und sind unsere stärksten Waffen im Kampf gegen einen Feind, dem es oft genug gelang, uns physisch zu vernichten, dem es aber nicht gelang, uns geistig zu brechen. Rabbiner Jizchak Nissenbaum war lebendes Beispiel für diese Haltung. Führender Vertreter des religiösen Zionismus im Vorkriegspolen wurde er im Alter von 74 Jahren 1942 im Warschauer Ghetto von den Deutschen Okkupanten ermordet. Er prägte den Begriff von "Kiddusch Hachajim", der Heiligung des Lebens.

Er propagierte, selbst unter den widrigsten Umständen die Befolgung der Mizwot aufrecht zu erhalten. Angesichts der drohenden totalen Vernichtung, setzte er der brutalen und grausamen Gewalt des Feindes unbeirrbar das Schwert jüdischen Selbstbewusstseins entgegen. Den Körper des Juden konnte man vernichten, nicht jedoch seinen Geist. Und so verwirklichte sich letztendes selbst unter diesen Umständen: "... Du (Jisrael) aber schreitest einher auf ihren Höhen" (Dew. 33, 29).

Der Segen des Neubeginns

MORASCHA ZÜRICH

Aktuelle Betrachtungen zum Wochenabscbnitt
und zu den jüdischen Feiertagen

3 MINUTEN EWIGKEIT
von Dr. Zwi Braun

Das Buch enthält drei kurze Betrachtungen zu jedem Wochenabschnitt der Tora und zu den jüdischen Feiertagen.
Es versteht sich als ein Kommentar für den modernen Menschen, der aber eine Vielzahl von klassischen und neuzeitlichen rabbinischen Quellen einbezieht. Ein Glossar und ein Literaturnachweis der benutzten Quellen ergänzen die Betrachtungen.

MORASCHA - sFr. 42.-...

Bitte beachten Sie: Diese Texte sind heilig - der hebräische Text enthält den Namen G'ttes. Wenn Sie sich diese Seiten ausgedruckt haben, werfen Sie sie nicht weg. Bewahren Sie sie an einem reinen Ort oder geben Sie diese Seiten dem nächsten Rabbinat ab.

Zum Inhaltsverzeichnis: haParashah
Zum Inhaltsverzeichnis: Jahaduth



Fragen an die Rebbezin...
Jüdische Weisheit
haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren.
Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2014... © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved
ehem. IDPS, Kirjath haJowel