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Besprechung zum Wochenabschnitt
PARASCHAT EMOR (Wajikra 21, 1-24,23)

Die Kunst des Zählens

"Und zählt euch von dem Tage nach diesem Schabbat, von dem Tage eurer Darbringung des geschwungenen Omeropfers, sieben volle Schabbatot sollen es sein" (va. 23, 15).

Mit diesen Worten führt die Tora die Mizwa des Omerzählens ein, welche Pessach mit Schawuot verbindet. Nach einheIliger Meinung unserer Weisen ist mit dem Schabbat im obigen Passuk nicht der siebte Wochentag, der Ruhetag gemeint, sondern der 15. Nissan, der erste Tag Pessach. Warum verwendet die Tora für diesen Tag nicht einen eindeutigeren Begriff wie "Mo‘ed", "Chag" oder "Pessach"? Laut Malbim kommen alle diese Möglichkeiten nicht in Betracht, da wir unter "Mo‘ed" oder "Chag" ebenfalls den siebten Tag Pessach verstehen könnten, unter Pessach auch den 14. Nissan, den Tag, an dem das Pessachopfer geschlachtet wurde, um am Abend des 15. Nissan verzehrt zu werden. Daher weicht die Tora hier auf den Begriff Schabbat aus. Schliesslich ist jeder Jom Tow ein Ruhetag!

S.R. Hirsch bietet eine originelle Antwort auf unsere Frage:
"Vielleicht löst sich die ganze Schwierigkeit durch folgende Erwägung. Unmittelbar im Vers zuvor wird das Omer "Reschit K'zirchem" genannt (das Erste des Geschnittenen) und damit vor dessen Darbringung, oder doch vor dessen Schnitt, das Schneiden des neuen Bodenertrags untersagt. Sowie denn auch bis zu diesem Tage der Genuss dieses neuen Bodenertrags in jeglicher Gestalt verboten ist.

Bis zum Omertag ist somit Ackerrast, das Getreide steht auf dem HaIm und darf nicht geschnitten und nicht genossen werden. Eine solche Ackerrast heisst aber ohne weiteres Schabbat. So Waj. 25, 2: Und das Land ruhe einen Schabbat dem Herrn. Am 15. Nissan war somit noch ,Schabbat Ha‘arez‘ und der 16. der Omertag, mit welchem dieser 'Schabbat‘ aufhörte, war im buchstäblichen Sinne der Tag nach Schabbat."

Worin liegt die Bedeutung des Omerzählens? In Paraschat Mezora finden wir die Vorschrift, dass nach Abheilen des Aussatzes der Betroffene sieben Tage abwarten muss, bevor die definitive Heilung ausgesprochen wird (Waf. 14, 9). Der Aussatz in der Tora trat bekanntlich als Strafe für verschiedene Vergehen auf und führte zur Unreinheit. Durch den Propheten Jecheskel (20, 6-8) wissen wir, dass Teile des jüdischen Volkes in Ägypten ebenfalls dem Götzenkult anhingen. Der Midrasch spricht von 49 Toren der Unreinheit, in welche das Volk bereits eingetreten war. Hätten sie das 50. Tor erreicht, so wäre keine Rettung mehr möglich gewesen.

Der Auszug aus Ägypten geschah im allerletzten Moment und verhinderte die totale geistige Assimilation des Volkes. Die 49 Tage des Omerzählens symbolisieren somit den Reinigungsprozess des Volkes. Raw Salman Sorotzkin weist auf eine Mischna hin, in welcher Rabbi Jochanan ben Nuri die Meinung vertritt, dass der Prozess, welcher den Bösewichten im Gehinom gemacht wird, von Pessach bis Schawuot dauert (Edujoth 2, 10). Wem es nicht gelingt, seine Seele in dieser Welt zu reinigen, der muss diesen Prozess in der zukünftigen Welt durchmachen.

Freiheit

Den 49 Tagen der Omerzeit entsprechen die 49 Jahre, welche zum Joweljahr führen (Waj. 25, 8). Im 50. Jahr, dem Joweljahr, werden die Knechte freigelassen und "Freiheit im ganzen Land verkündet" (Waj. 25, 10). Während wir am Pessach die physische Befreiung aus Ägypten feiern, ist es am Schawuot die geistige Befreiung. Erst mit Matan Tora, mit der Offenbarung am Sinai, erreichte die Erlösung ihr eigentliches Ziel und ihren Höhepunkt. Nach Rabbi Jehoschua ben Levi kann nur derjenige als frei bezeichnet werden, der sich mit Tora beschäftigt und die Mizwot auf sich nimmt (Pirke Awot 6, 2). Erst durch die Tora erlangen wir die innere, die seelische Freiheit. Interessanterweise entspricht das hebräische Wort für Freiheit, "Cherut", dem Zahlenwert 614. Dies symbolisiert den Menschen, der sich den 613 Geboten verpflichtet fühlt (613+1).

Ein weiterer Aspekt des Zählens erschliesst sich uns bei genauerer Betrachtung der "sieben vollen Schabbatot", die gezählt werden sollen. Hier ist Schabbat als Woche zu verstehen, doch warum die Betonung auf voll, "temimot"? Das Wort "tam" begegnet uns bei Awraham, als G'tt ihn zur Brit Mila auffordert, um vollständig, "tam" zu werden (Ber. 17, 1). Vor der Beschneidung werden sieben Tage gezählt, um durch die Mila am achten Tag die physische Vollkommenheit der Neugeborenen zu erreichen. Parallel dazu versuchen wir nach sieben mal sieben Tagen, am 50. Tag, am Schawuot, durch die Tora geistige Vollkommenheit zu erlangen.

"Und zählt euch" aus dieser Formulierung leitet der Talmud ab, dass das Zählen Aufgabe jedes einzelnen ist (Menachot 65b). Jeder von uns ist aufgerufen, zwischen Pessach und Schawuot wie unsere Vorfahren den Weg von der physischen zur geistigen Freiheit zurückzulegen.

OMER ZÄHLEN:
Sefirat ha Omer
Die Zeit zwischen Pessach und Schawuot (wörtlich "Wochen") wird "Sefirat ha Omer" das Omer - Zählen genannt. Am 2. Tag des Pessachfestes wurde ein Omer Opfer im Tempel in Jerusalem dargebracht und zwar von der neuen Gerstenernte...

Parashath Emor

Bitte beachten Sie: Diese Texte sind heilig - der hebräische Text enthält den Namen G'ttes. Wenn Sie sich diese Seiten ausgedruckt haben, werfen Sie sie nicht weg. Bewahren Sie sie an einem reinen Ort oder geben Sie diese Seiten dem nächsten Rabbinat ab.

Zum Inhaltsverzeichnis: haParashah
Zum Inhaltsverzeichnis: Jahaduth

Bsp.: Henejni muchan umsuman...

Vor der Omerzählung gilt der Segenspruch: "Barukh Atah Adonaj, Elohejnu Melekh haOlam, ascher kidschanu beMizvothav, vezivvanu al Sfirath haOmer".
(D.h.: "Gelobt seiest Du Ewiger unser G'tt, König der Welt, der uns geheiligt hat durch seine Gebote und uns die Omer-Zählung geboten hat").


Kalender: Nach Sonnenuntergang des 31.Mai 2006 / 04.Siwan 5766 beginnt der 49. Tag, das sind 7 Wochen des Omer.
"HaJom tisch'ah vearba'im Jom, schehem schiw'ah Schawu'oth laOmer".

 


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