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Koscher leben...
 
 

Besprechung zum Wochenabschnitt

PARASCHAT BEHAR (Wajikra 25,1 - 26, 2)

Mensch und Tier

"Es sei der Schabbat des Landes euch zum Essen gestattet, dir und deinem Knecht und deiner Magd, und deinem Lohnarbeiter und den Fremden, die sich bei dir aufhalten und deinem Vieh, sowie deinem Tiere, welches sich in deinem Land befindet, sei all sein Ertrag zum Essen" (Waj. 25, 6-7).

Raschi erwähnt die Deutung unserer Weisen zu diesem Passuk, dass der Mensch zu Hause nur solange von den Früchten des Landes geniessen darf, als dass sich davon auch auf dem Feld für die dort lebenden Tiere genug befindet. Sind die Früchte in der Natur geschwunden, so verpflichtet das Gesetz den Besitzer dazu, seine Vorratskammem zu leeren und den ganzen Ertrag für die Mitmenschen und die Tierwelt zur Verfügung zu stellen ("Mizwat Biur").

"Im Schmittajahr begreift sich eine ganze Nation nur als Gerim (Fremde) und Toschawim (Einwohner) auf G'ttes Boden. Und aller Hoheit und allen Besitzstolzes entkleidet, tritt sie zum Ärmsten der Menschen und zum Tier auf dem Felde in Gleichheit und Gleichberechtigung vor G'tt zurück" (S.R. Hirsch).

Am Schabbat sind Mensch und Tier zur Ruhe aufgerufen, d.h. der Mensch darf keine Arbeit durch das Tier verrichten lassen. Diese wöchentliche "Gleichstellung" erfährt im siebten Jahr eine Erweiterung bezüglich der Nahrung.

In den Wegen G'ttes zu wandeln (Dew. 28, 9), bedeutet auch Rücksichtsnahme und Sorgfaltspflicht gegenüber den Tieren. Zahlreiche Stellen im TeNaKh künden von der g'ttlichen Sorge um die Tierwelt. "Und Sein Erbarmen erstreckt sich über alle Seine Geschöpfe" (Teh. 145, 9). "Mensch und Tier rettest Du, G'tt" (Teh. 36,7). "Er gibt dem Tier seine Nahrung und den jungen Raben, welche schreien" (Tehilim 147,9).

Eine ausgezeichnete Analyse der menschlichen Verantwortung für das Tier findet sich in "Contemporary Halakhic Problems", Volume II, Kapitel 9, von Rabbiner J. David Bleich (Ktav Publishing House, N.Y. 1983). Wir sind durch die Halacha angehalten, den Tieren ihre Nahrung zu geben, bevor wir uns zu Tisch setzen (Brachot 40a). Der Talmud leitet dies von dem Vers im täglich gesprochenen "Kriat Schma" ab: "Ich werde Gras in deinem Feld für dein Vieh geben und du sollst essen und dich sättigen" (Dew. 11, 15). Zuerst wird die Nahrungsversorgung in bezug auf das Tier, dann erst für den Menschen genannt. In der Tat war dies bereits zur Zeit der Urväter gelebte Praxis. Bevor der Knecht Awrahams sich bei Lawan zu Tisch setzt, werden die Kamele mit Futter versorgt (Ber. 24, 32).

Anders verhält es sich jedoch mit dem Trinken. Hier stillt Riwka zuerst den Durst des Knechtes, bevor sie sich um die Kamele kümmert. Bei auftretender Wasserknappheit während der vierzigjährigen Wüstenwanderung ordnet G'tt an, dass zuerst der Mensch, dann das Vieh trinken soll (Ram. 20, 8).

Der Talmud Jeruschalmi geht soweit, dass er den Kauf von Tieren nur dann erlaubt, wenn der Käufer eine angemessene Verpflegung derselben garantieren kann (Jewamot 15, 3; Ketuwot 4, 8).

Für das Verhalten gegenüber den Tieren hat die Halacha den Begriff "Za‘ar Ba‘ale Chajim" geprägt, das Leid der lebenden Kreatur. Es ist verboten, Tieren Schmerz oder Schaden zuzufügen. Am Beispiel einer Mizwa diskutiert der Talmud diesen Fragenkomplex (Bawa Mezia 32b): "Wenn du den Esel deines Feindes unter seiner Last liegen siehst, so sollst du dir nicht gestatten, es ihm zu überlassen; vielmehr lass alles fahren und springe ihm bei" (Schmot 23, 5).

S.R. Hirsch fasst in seinem Torakommentar die wesentlichen Aspekte dieses Gebotes zusammen:

"Es erkennt übrigens die Halacha in dem Abladen des Tieres nicht nur eine Pflicht gegen den in seinem Unternehmen gehinderten Menschen, sondern auch gegen das leidende Tier. Um des Menschen Willen wäre er nur verpflichtet zu helfen, wenn er selbst nach Kräften mit Hand anlegt. Um des Tieres Willen muss er jedoch Hilfe leisten, auch wenn der Herr rechtswidrig müssig dabei steht und ihm die Arbeit allein überlässt - er hat aber dann den Anspruch einer Vergütung an den Herrn."

Rambam leitet das Verbot der Grausamkeit gegenüber Tieren von einer anderen Torastelle ab (More Newuchim, III.Buch, K.17). Als Bilam seine Eselin dreimal schlägt, weil diese sich weigert ihn weiter zu transportieren, weist ein Engel G'ttes ihn schaff zurecht (Bam. 22, 32).

Rabbi Menachem Me‘iri von Perpignan (1249 - 1316) sieht die Verpflichtung "Za‘ar Ba‘ale Chaj im" zu respektieren in der folgenden Mizwa begründet: "Du sollst einem Ochsen das Maul beim Dreschen nicht verschliessen" (Dew 25,4). Es ist allgemein verboten, das Tier am Essen der Früchte, zu deren Bearbeitung es herangezogen wurde, zu hindern.

Doch hat die Tora nicht nur den Schutz der Lebewesen im Sinne; all diese Vorschriften sollen auch ein entsprechendes Verhalten des Menschen bewirken und seine Gesinnung prägen. An der bereits zitierten Stelle hält der Rambam fest:

"Das Ziel dieser Vorschrift ist uns zu vervollkommen. Wir dürfen keine grausamen Gewohnheiten annehmen. Wir dürfen anderen keinen unnutzen Schmerz zufügen. Im Gegenteil, wir müssen vorbereitet sein, Mitgefühl und Barmherzigkeit allen Lebewesen zukommen zu lassen."

Jüdischer Tierschutz lässt es niemals zu, dass es zu Zuständen kommt, die bereits der Prophet Hoschea vor mehr als 2.500 Jahren beschrieben hat (13, 2): "Diejenigen, welche die Kälber küssen, schlachten den Menschen."

Eine solche Perversion aller ethischen Werte fand sich in der grausamen Welt der deutschen Konzentrationslager, deren Überlebende davon zur Genüge zu berichten wussten. König Schlomo hat denn auch festgehalten: "Es kennt der Gerechte die Seele seines Viehs, doch das Mitgefühl der Bösen ist grausam" (Mischle 12, 10).

Die Gebote der Tora erziehen uns zur richtigen Einstellung gegenüber Mensch und Tier.

Parashath beHar

MORASCHA ZÜRICH

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und zu den jüdischen Feiertagen

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von Dr. Zwi Braun

Das Buch enthält drei kurze Betrachtungen zu jedem Wochenabschnitt der Tora und zu den jüdischen Feiertagen.
Es versteht sich als ein Kommentar für den modernen Menschen, der aber eine Vielzahl von klassischen und neuzeitlichen rabbinischen Quellen einbezieht. Ein Glossar und ein Literaturnachweis der benutzten Quellen ergänzen die Betrachtungen.

MORASCHA - sFr. 42.-...

Bitte beachten Sie: Diese Texte sind heilig - der hebräische Text enthält den Namen G'ttes. Wenn Sie sich diese Seiten ausgedruckt haben, werfen Sie sie nicht weg. Bewahren Sie sie an einem reinen Ort oder geben Sie diese Seiten dem nächsten Rabbinat ab.

Zum Inhaltsverzeichnis: haParashah
Zum Inhaltsverzeichnis: Jahaduth

 



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