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Koscher leben...
 
 

Besprechung zum Wochenabschnitt

PARASCHAT BEHAR (Wajikra 25,1 - 26, 2)

Kreative Ruhe

"... aber im siebten Jahr sei ein durch Werkeinstellung zu begehender Schabbat dem Lande, G'tt ein Schabbat: dein Feld sollst du nicht besaen und deinen Weinberg nicht beschneiden" (Waj. 25, 4).

Der römische Historiker Tacitus hatte nicht viel für die Institution des Schmittajahres übrig: "Septinium quoque annum ignaviae datum" (Hist. 5,4). In seinen Augen war das siebte Jahr der Faulheit gewidmet, wie er auch der Institution des jüdischen Schabbats ablehnend gegenüber stand und ihn als Zeichen der Faulheit und Trägheit der Juden deutete.

Dass die Zahl Sieben sowohl den Schabbat wie das Schmittajahr charakterisiert, ist kein Zufall. Der Maharal von Prag sieht die physische Welt durch die Zahl Sechs charakterisiert, entsprechend den sechs Schöpfungstagen, an denen alles Materielle entstand. Erst mit dem siebten Tag, dem Schabbat, kam das Geistige in die Welt. An diesem Tag schüttelt der Jude seine Alltagsverpflichtungen und Sorgen ab und hat Zeit sich dem Geistigen zuzuwenden. Nicht nur der ermüdete Organismus erholt sich, sondern vor allem die Seele des Menschen, die an diesem Tag verstärkt den Kontakt zu ihrem Schöpfer finden kann. Nach Raw Awraham J. Kook ist das Schmittajahr für die Nation, was der Schabbat für den einzelnen ist: Zeit zur Selbstbesinnung, zur Selbstfindung, zur geistigen Erholung und zum geistigen "Auftanken". Ein ganzes Volk ist während einem Jahr von der Sorge um die Existenzsicherung befreit (siehe Waj. 25, 21-22).

Auch die Zahl der Feiertage im jüdischen Jahr beläuft sich auf sieben. Die Tora kennt den ersten und siebten Tag Pessach, einen Tag Schawuot, je einen Tag Rosch Haschana und Jom Kippur, schliesslich den ersten Tag Sukkot und Schmini Azeret. Dass heute auch in Israel zwei Tage Rosch Haschana gefeiert werden, ist erst das Ergebnis einer späteren Entwicklung. Eine einfache Rechnung von Rabbi Jonathan Eybeschütz macht klar, warum nach sechs Arbeitsjahren ein Ruhejahr folgt. Im Verlauf von sechs Jahren erleben wir 6 x 52 Schabbatot, sowie 6 x 7 Feiertage, was total 354 Ruhetage ergibt, die Anzahl Tage eines jüdischen Jahres, das ja ein Mondjahr ist. Alle diese Ruhetage summieren sich zum Schmittajahr.

Bei Nichteinhaltung des Schmittajahres droht die Tora den Verlust der eigenstaatlichen Existenz und den schweren Gang ins Exil an (Waj. 26, 32-35). Während dieser Zeit holt der Boden in Erez Jisrael gleichsam seine Ruhe nach, die ihm vorenthalten wurde. Diese Vorhersage der Tora hat sich erfüllt, denn während der Periode des Ersten Tempels wurden 70 Schmitta- und Joweljahre nicht gefeiert, weshalb das babylonische Exil vom Propheten Jirmija als 70 Jahre dauernd angekündigt wurde. Die Rückkehr unter dem Perserkönig Koresch (Kyros) wird in Diwre Hajamim festgehalten:

"Und er führte weg die vom Schwert Übriggebliebenen nach Bawel, und sie wurden ihm und seinen Söhnen zu Knechten, bis das Reich Persien zur Herrschaft kam. Dass erfüllt werde das Wort des Ewigen im Munde Jirmijahus: bis das Land seine Feierjahre befriedigt, all die Zeit seiner Verwüstung feierte es, bis 70 Jahre um waren" (Diwre Hajamim II 36, 20-21).

Dies macht den besonderen Schwur verständlich, den die jüdischen Rückkehrer unter Nechemja zur Zeit des Wiederaufbaus des Zweiten Tempels leisteten:

"Sie traten in Eid und Schwur, dass wir im siebten Jahr das Feld brachliegen lassen, so wie jegliches Darlehen preisgeben" (Nech. 10, 32).

Während vieler Jahrhunderte nach der Zerstörung des Zweiten Tempels war Schmitta kein aktuelles Thema mehr. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 liessen sich auch Flüchtlinge in Israel nieder. Aus dem Jahre 1521 datiert eine halachische Anfrage an Rabbi Mosche von Trani (Mabit, 1500-1580), wie man sich im Schmittajahr zu verhalten habe. Wiederum verging eine grosse Zeitspanne, bis mit der Chowewe Zion-Bewegung Ende des 19.Jahrhunderts der Aufbau landwirtschaftlicher Siedlungen in Erez Jisrael begann. 1889 war ein Schmittajahr, welches zu einer grossen Debatte über das praktische Verhalten in einem solchen Jahr führte. Damals entstand der halachisch durchaus fundierte "Heter Hamechira", die Erlaubnis, ähnlich wie beim Chamez-Verkauf vor Pessach, das landwirtschaftlich nutzbare Land an einen Nichtjuden islamischen Glaubens für die Dauer eines Jahres zu verkaufen.

Dies ermöglichte das Überleben der ersten jüdischen Siedlungen. Heute gibt es bereits mehrere Kibbuzim und Moschawim, welche das Land während des Schmittajahres nicht bearbeiten, und so dem ursprünglichen Ideal der Tora gerecht werden.

Parashath beHar

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