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Koscher leben...
 
 

Sefer haChinuch - Kedoschim

216 Die Mizvvah von Peah

Man soll eine Peah (Ecke des Feldes) von der Ernte übriglassen, denn es steht: "Dem Armen und dem Fremden sollst du sie überlassen" (Leviticus 19,10), dies nachdem erwähnt wurde: "Du sollst die Ecke deines Feldes nicht völlig abernten" (ebd. 9). Die Bedeutung von "Fremder" (Ger) ist ein Ger Zedek (vollständig übergetretener Proselyt)1, gleich wie überall, wo im Zusammenhang mit Geschenken für die Armen der Ausdruck Ger vorkommt, denn es steht beim Zehnten für die Armen: "Dem Ger (Fremden), dem Waisen und der Witwe" (Deuteronomium 26,12); damit ist sicherlich ein Ger Zedek gemeint, da seine Zeugen daneben sind2 und dasselbe gilt für alle Geschenke für die Armen. Dennoch verfügten die Gelehrten s.A. (seligen Angedenkens)3, sie um des Friedens willen von armen Nichtjuden nicht zurückzuhalten.

Die Mizvvah von Peah beinhaltet, dass der Mensch, wenn er seine Ernte schneidet, ein wenig von der Ernte am Rand des Feldes zurücklassen soll. Dieser Rest hat nach dem Gesetz der Torah kein Mindestmass, jedoch die Gelehrten gaben dafür ein Mindestmass an; es ist ein Sechzigstel4.

Ein Grundgedanke der Mizvvah ist, dass der Ewige, gelobt sei Er, wünscht, dass Sein Volk, das Er erwählte, mit jeder guten und wertvollen Eigenschaft gekrönt sei und dass es eine gesegnete Seele und einen großzügigen Geist habe. Ich habe schon früher erwähnt, dass die Seele als Folge der Tätigkeit einer Person beeinflusst und dadurch gut wird, sodass der Segen Gottes auf ihr ruhen kann. Es besteht kein Zweifel, dass wenn ein Mensch einen Teil seines Ertrages auf dem Feld zurücklässt und ihn für besitzlos erklärt - so dass die Bedürftigen davon einen Nutzen haben - du in seiner Seele eine erfüllende Befriedigung und einen aufrichtigen und gesegneten Geist wahrnehmen wirst und dass Gott ihn mit Seiner Güte sättigen wird und seine Seele wird im Guten wohnen (Psalmen 25,13).

Wer alles in seinem Haus ansammelt und keinen Segen hinter sich lässt, so dass die Mittellosen einen Nutzen davon haben können, nachdem sie das Feld mit seinem hochgewachsenen Getreide sahen und ein großes Verlangen danach verspürten, ihre Seele daran zu laben, weil sie hungrig sind, der weist in seiner Seele ohne Zweifel ein schlechtes Herz und einen bösen Geist auf; dann wird das Schlechte auch ihn befallen, wie die Gelehrten s.A. sagten5: "Mit dem Maß, mit dem ein Mensch misst, wird er gemessen." Dieser Grund genügt uns in der Art der einfachen Erklärung auch für die Mizwot von Leket (Nachlese, Mizwah 218), Schichechah (vergessene Garben, Mizwah 592), Peret ha-Kerem (einzelne Trauben im Weingarten, Mizvvah 222) und Olelot (kleine einzelne Weintrauben, Mizvvah 220).

Zu den Vorschriften der Mizwah gehört, was die Gelehrten s.A. sagten6, dass sowohl wer [beim Ernten] schneidet als auch, wer pflückt, die Pflicht von Peah hat; im Vers wird zwar der Ausdruck "Schneiden" benützt, doch ist nicht ausschließlich dies gemeint. Wer sie übertrat und alles aberntete, muss ein wenig von der abgeschnittenen Ernte den Armen geben7. Ferner lehrten die Weisen s.A., dass die Besitzer dieser Geschenke für die Armen kein Verfügungsrecht haben8, sondern dass sie (die Armen) sie gegen ihren Willen (der Besitzer) nehmen. Es gibt die Vorschrift über die Zeit, wann es für alle erlaubt wird'. Ferner sagten die Gelehrten s.A., dass es - wenn es keine Armen hat, welche die Peah nehmen - dem Eigentümer des Feldes gestattet ist, sie zu nehmen, denn es steht geschrieben: "Dem Armen und dem Fremden" (Leviticus 19,10), und unsere Gelehrten s.A. legten dies aus: "Jedoch nicht den Raben und den Fledermäusen"10.

Ferner stellten unsere Gelehrten s.A. folgendes Prinzip über die Pflicht von Peah auf, handle es sich um Peah von Getreide oder von Baumfrüchten: alle Nahrung, die aus der Erde wächst, zusammen gehütet11, gesammelt und zur Aufbewahrung gebracht wird, zum Beispiel Getreide, Hülsenfrüchte, Johannisbrot, Nüsse, Mandeln, Trauben, Oliven, Datteln und alles Ähnliche, das diese fünf Merkmale hat, ist Peah-pflichtig12. Doch Waid (isatis tinctoria), Krapp (rubia tinctorum) und ähnliche sind davon frei, da sie nicht zur Nahrung dienen; ebenso Trüffel und Pilze [da sie nicht aus dem Boden wachsen13 und herrenlose Früchte], da sie nicht gehütet werden. Auch Feigen fallen nicht unter diese Pflicht, da sie nicht in einem Mal gepflückt werden. Ebenso ist Gemüse von der Pflicht befreit, da es nicht [länger] aufbewahrt wird14.

Ferner sagten die Gelehrten s.A.15, dass die Pflicht von Peah erst beginnt, wenn die Frucht einen Drittel ihrer Grosse erreicht hat und dass die Peah nur am Rand des Feldes zurückgelassen wird16, damit die Armen ihren Ort kennen.

Überdies haben wir den Fall von zwei Brüdern, die ein Feld teilen, was ihre gesetzliche Verpflichtung für Peah ist17 oder wenn Partner teilen18; die Vorschrift, wenn jemand Teile seines Feldes anderen Leuten verkauft19; die Vorschrift, wenn ein Armer vorschlägt, die Peah untereinander aufzuteilen und seine Kollegen schlagen vor, zu ergattern, dass dem einen gefolgt wird, selbst gegen viele [Gegner]20, da er in Übereinstimmung mit dem normativen Gesetz spricht21; die Vorschrift, zu welchen Tageszeiten die Peah verteilt wird22; die Vorschrift, wenn ein Armer einen Teil der Peah nahm und es über den Rest warf oder sein Gewand darüber ausbreitete23; die Vorschrift, dass wenn Arme bei der Peah gestanden sind und ein Armer kommt und sie nimmt, er sie damit erwirbt24, da ein Armer Leket (Nachlese), Schichechah (vergessene Garben) und Peah oder ein Mensch eine Münze, die er findet, erst erwirbt, wenn sie in seine Hand kommen25. Ebenso sagten die Gelehrten s.A.26, dass ein Mensch verpflichtet sei, zur Peah entsprechend der Größe seines Feldes, entsprechend der Anzahl der Armen und entsprechend des Segens in der Ernte hinzuzufügen. Die restlichen zahlreichen Einzelheiten befinden sich im Traktat, das davon handelt, nämlich im Traktat Peah.

Nach dem Gesetz der Torah gilt diese Mizwah für Männer und für Frauen, ob Israelit, Priester oder Levite, doch nur im Land Israel und zur Zeit, in denen die Israeliten dort sind, so wie [es] für Trumah (den dem Priester zustehenden Teil der Ernte) und den Zehnten [gilt]. Dies entspricht der Ansicht von Rambam S.A.27, der sagte, dass Trumah und die Zehnten nur im Land [Israel] gelten zur Zeit, in der die Israeliten dort sind, wie wir mit Gottes Hilfe im sechsten Gebot des Abschnittes Schoftim (Mizwah 507) schreiben werden.

Die Gelehrten verfügten, dass sie selbst außerhalb des Landes gelte. Er s.A. schrieb28, dass ihm scheine, dass dieselbe Vorschrift für die anderen Geschenke für die Armen gelte, dass sie laut der Verfügung der Gelehrten alle [auch] außerhalb des Landes gelten.

Wer sie übertritt und keine Peah zurücklässt im Land [Israel] zur Zeit, in der es bewohnt ist, missachtet dieses Gebot und ist verpflichtet, vom Ertrag die der Peah entsprechende Menge den Armen zu geben. Ging der ganze Ertrag verloren oder verbrannte er, bevor er etwas davon den Armen gab, wird er wegen des Verbots: "Du sollst die Ecke deines Feldes nicht völlig abernten" (Leviticus 19,9) gezüchtigt, da es nun nicht mehr in seiner Hand liegt, die Übertretung zu korrigieren. Doch solange er noch vom Ertrag besitzt, gibt er davon [den Armen] und wird dadurch von der Strafe befreit, da dieses Verbot ein Verbot ist, das mit einem Gebot verbunden ist [mit dem die Übertretung wieder korrigiert werden kann]; ebenso das Verbot von Leket (Nachlese, Mizwah 219), wie in den Traktaten Peah und Makkot (15b) erklärt wird.



  • 1 Im Gegensatz zum Ger Toschaw, einem Heiden, der nur dem Götzendienst abgeschworen und die sieben Mizvvoth, welche die Torah der ganzen Menschheit befiehlt, auf sich genommen hat.
  • 2 D.h. die beiden anderen, die mit dem Fremden aufgezählt sind - der Waise und die Witwe - bezeugen, dass der Ausdruck einen vollständig zum Judentum übergetretenen Proselyten bezeichnet, der die Mizwot gleich wie alle Juden hält; abgeleitet von Sifra, Kedoschim, Perek 3,4.
  • 3 TB Gittin 59b.
  • 4 Mischnah Peah 1,2.
  • 5 TB Sotah 8b.
  • 6 TB Chullin 137a.
  • 7 TB Baba Kama 94a, usw.
  • 8 Sie können nicht arme Leute auswählen, denen sie den nicht abgeernteten Teil des Feldes übergeben, z.B. Freunden oder Leuten, die ihnen gefällig sein könnten; TB Chullin 131a.
  • 9 Mischnah, Peah 8,1 (s. Raschi, TB Ta'anit 6b, s.v. mi-sche-jelchu).
  • 10 Es muss nicht vergeudet werden; TB Chullin 134b.
  • 11 Kurz vor der Ernte bewacht wird, damit es nicht gestohlen wird.
  • 12 Mischnah Peah 1,4-5.
  • 13 siehe Anmerkung 14.
  • 14 TB Schabbat 68a. Die eingeklammerte Hinzufügung kommt, um einen offenbaren in MH bemerkten Schreibfehler zu verbessern. Sie basiert auf MT Hilchot Mat'not Anijim 2,2, dem der Autor hier zweifellos folgt. Etwas Ähnliches muss im Original vorhanden gewesen und von einem frühen Schreiber übersehen worden sein, denn sonst ist der Text unhaltbar; Pilze, usw. (von denen angenommen wird, dass sie ihre Nahrung zum Wachstum aus der Luft erhalten und daher nicht als Bodenfrüchte gelten) müssen nicht unbedingt unbehütet wachsen.
  • 15 TJ Peah 4,4.
  • 16 D.h. wann und wo die Ernte beendet ist; TB Schabbat 23a (siehe Raschi s.v. le-SofSadehu, und 23b, s.v. umip'ne).
  • 17 Mischnah Peah 3,5.
  • 18 TJ Peah 3,5.
  • 19 Ebd.
  • 20 Dass dann jeder erhält, was er ergattern kann.
  • 21 Ebd. 4,1. Wo es jedoch für eine gewöhnliche Person zu gefährlich wäre, die Peah zu ergattern zu versuchen, ist die Vorschrift, dass der Eigentümer sie nehmen und verteilen soll; ebd. 2.
  • 22 Ebd. 4,5.
  • 23 Um es als sein Eigentum zu bezeichnen; ebd. 5.
  • 24 Ebd.
  • 25 TB Baba Mezia 118a und 2a.
  • 26 Mischnah Peah 1,2.
  • 27 MT Hilchot Trumot 1,26.
  • 28 MT Hilchot Mat'not Anijim 1,14.

217 Die letzte Ecke seines Feldes nicht zu ernten

Man darf nicht die gesamte Saat abernten, sondern muss einen Rest davon am Rand des Feldes für die Armen zurücklassen, denn es steht: "Du sollst die Ecke deines Feldes nicht völlig abernten" (Leviticus 19,9). Dieses Verbot ist [zur Wiedergutmachung nach einer Übertretung] mit einem Gebot verbunden, denn es steht: "Dem Armen und dem Fremden sollst du sie überlassen" (ebd. 10); das heisst, wenn es jemand übertreten und das ganze Feld geerntet hat, soll er den Armen von der Ernte die der Peah entsprechende Menge geben1, was laut der Verfügung der Gelehrten, die uns dazu verpflichteten2, ein Sechzigstel ist; doch nach dem Gesetz der Torah gibt es kein bestimmtes Mass, wie wir in der Mischnah lernten3: "Dies sind die Dinge, für die es kein bestimmtes Mass gibt: die Peah" usw.

Zum Grundgedanken der Mizwah und zu ihren Vorschriften und allem was dazu gehört habe ich oben im zweiten Gebot dieses Abschnittes (Mizwah 216) geschrieben, was ich darüber wusste.

218 Leket (Nachlese) für die Armen zurückzulassen

Leket (Nachlese) für die Armen zurückzulassen; das ist, was während der Ernte von der Sichel oder während dem Pflücken aus der Hand fällt, da bei der Nachlese steht: "Dem Armen und dem Fremden sollst du sie überlassen" (Leviticus 19,10).

  • 1 Die Menge des Ertrags, welche die Annen vom Feld gesammelt hätten.
  • 2 Mischnah PeahXX
  • 3 Ebd. 1.

Zum Grundgedanken der Mizwah habe ich bei der Mizwah von Peah (Mizwah 216), geschrieben, was ich wusste.

Zu den Vorschriften der Mizwah gehört, was die Gelehrten S.A. sagten1: "Eine oder zwei Ähren sind Nachlese, drei sind keine Nachlese"; das heisst, wenn drei Ähren oder mehr von der Hand des Schnitters fallen, gehören alle drei dem Eigentümer; denn die Vorschrift von Leket gilt nur für eine kleine Menge. Ferner gilt sie nur, wenn die Ähren ohne Zwang von der Hand des Schnitters fielen; doch wenn ihn ein Dorn in die Hand stach und sie hinunter fielen, gelten sie nicht als Leket2. Wenn ein Zweifel besteht, ob bestimmte Ähren Leket sind, gelten sie als Leket3, denn es steht: "Schafft Recht dem Armen und dem Mittellosen" (Psalmen 82,3) - schaffe [ihm] Recht auf das Deine und gib es ihm4. Ferner gibt es die Vorschrift über Getreide, das in Ameisenhöhlen gefunden wird5 und die Vorschrift einer Ähre der Nachlese, die in einem Schober vermischt wurde6. Die restlichen Einzelheiten dieser Mizwah sind im Traktat Peah erläutert. Bezüglich des Ortes, wo sie gilt, wem sie obliegt und welche Strafe eine Übertretung mit sich bringt, ist alles gleich wie bei Peah (Mizwah 216).

219 Keine hinuntergefallenen Ähren aufzulesen

Wir dürfen Ähren, die während der Ernte hinunterfallen, nicht auflesen, sondern müssen sie für die Armen zurücklassen, wie es steht: "Und die Nachlese deiner Ernte sollst du nicht einsammeln" (Leviticus 19.9). Dieses Verbot ist ebenfalls [zur Wiedergutmachung] mit einem Gebot verbunden, wie wir es bei der Mizwah von Peah (Mizwah 216) erklärten. Alles was diese Mizwah betrifft, habe ich ebenfalls oben in diesem Abschnitt beim dritten Gebot über die Nachlese (Mizwah 218) beschrieben.

220 Einen Teil des Weingartens ungelesen zu lassen

Wir müssen einen Teil des Weingartens ungelesen zurücklassen; diesen Teil des Weingartens bezeichnete die Schrift mit Olelot (kleine einzelne Trauben). Das heisst, es wurde uns befohlen, alle Olelot in einem Weingarten als ungeernteten Teil zurückzulassen; darum steht geschrieben: "Dem Armen und dem Fremden sollst du sie überlassen" (Leviticus 19,10), nachdem erwähnt wurde: "Du sollst deinen Weinberg nicht völlig ernten"1 (ebd.). Dies ist die Ansicht von Rambam s.A. über die Olelot im Weingarten, dass sie an Stelle des unabgeernteten Teiles der Bäume sind8. Doch Ramban S.A. legte es nicht so aus. Beim Verbot: "Du sollst deinen Weinberg nicht völlig ernten" (ebd., Mizwah 221), das sich in diesem Abschnitt befindet, werde ich das Wesentliche ihrer Meinungsverschiedenheit ausführlich darlegen. Überdies werde ich dort erklären, woher wir wissen, dass bei allen Bäumen ein Teil der Früchte nicht gepflückt werden darf und ebenso mit Gottes Hilfe alles was diese Mizwah anbelangt, wie es meine Gewohnheit ist.

221 Das Verbot, einen Weingarten gänzlich zu lesen

Es ist verboten, alle Früchte eines Weingartens während der Lese abzuernten. Vielmehr soll ein Teil davon für die Armen zurückgelassen werden, denn es steht: "Du sollst deinen Weinberg nicht völlig lesen" (Leviticus 19,10), und dies ist die Peah (zurückgelassener, nicht geernteter Teil) des Weingartens; so schrieb Rambam s.A. Überdies sagte er, dass der Vers: "Du sollst die Zweige nicht absuchen hinter dir" (Deuteronomium 24,20), der über Olivenbäume steht, ebenfalls die Peah des Olivenhains bezeichnet, denn die Peah eines Olivenhains wird Po'rot1 genannt und die eines Weingartens Olelot. Von diesen beiden leiten wir [die Vorschrift von Peah] für alle Bäume ab.

Doch Ramban griff ihn dafür an2 und sagte, dass dies ein völliger Irrtum sei. Er vertritt die Ansicht, dass sich das Verbot "du sollst deinen Weingarten nicht völlig lesen" ausschliesslich auf einen Weingarten beziehe und bedeutet, dass wir alle kleinen Trauben darin zurücklassen sollen, die weder "Schulter" noch "Tropfen" haben. "Schulter" bedeutet, dass die Zweige einer über dem anderen sind; "Tropfen" bedeutet, dass alles hängt und nach unten geht. Daraus folgt, dass Olelot die kleinen Trauben sind, die sich manchmal in Weingärten finden, die in der fremden Sprache (Spanisch) gatimas genannt werden; dies ist sicherlich etwas kleines, wie es nach unseren Weingärten scheint. So sagten unsere Gelehrten3: "Was sind Olelot? Alles, was weder "Schulter" noch "Tropfen" hat."

Abgesehen von dieser Pflicht von Olelot sind wir auch verpflichtet, Peah zurückzulassen, obwohl dafür bei einem Weingarten kein ausdrücklicher Vers steht. Vielmehr lernen wir dies von den Olivenbäumen, wegen des identischen Ausdrucks "hinter dir" in ihren Versen. So wird ausdrücklich im Traktat Chullin gesagt (131a): "Im Weingarten gibt es vier Geschenke [für die Armen]: die Nachlese, die Olelot, vergessene Trauben und Peah*; in einem Obstgarten gibt es zwei: vergessene Früchte und Peah." Dort wird die Pflicht der Peah in einem Weingarten abgeleitet, weil dabei steht: "Du sollst nicht auflesen hinter dir" (Deuteronomium 24,21) und R. Levi sagte: "'Nach dir* bedeutet vergessene Trauben," also was hinter dir zurückbleibt, das heisst, vergessene Trauben; die Pflicht von Peah lernen wir vom Ausdruck "nach dir", der bei den Olivenbäumen steht, denn es steht in Bezug auf Olivenbäume: "Wenn du deinen Ölbaum abklopfst, sollst du die Zweige nicht absuchen nach dir" (ebd. 20), und die Schule von R. Jischma'el lehrte [es bedeute]: "Du sollst nicht seine ganze Herrlichkeit davon nehmen"5, das heisst die Peah.

Ramban s.A. leitet die Pflicht von Peah bei allen Bäumen vom Olivenhain ab, bei dem die Schrift die Pflicht der Peah ausdrücklich feststellte und vom Weingarten, für den wir die Pflicht aus dem Ausdruck "nach dir" lernten. Dann sagte er S.A., dass Rambam s.A. die Angelegenheit in seinem grossen Werk6 richtig darlegte.

Aus dieser Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen ergibt sich für uns keine Vermehrung oder Verminderung bei der Zählung der Verbote. Der Unterschied beschränkt sich darauf, dass Rambam s.A. den Ausdruck "du sollst nicht nachlesen" (Leviticus 19,9) auf Peah bezieht; Ramban S.A. nimmt Olelot (einzelne kleine Trauben) wörtlich und leitet die Pflicht von Peah in einem Weingarten vom Ausdruck "nach dir" ab, wie wir geschrieben haben, dass wir es wegen des identischen Ausdrucks "nach dir" von den Olivenbäumen lernen.

Dieses Verbot ist [zur Wiedergutmachung] ebenfalls mit einem Gebot verbunden; wenn es jemand übertreten und alles abgeschnitten hat, muss er die kleinen einzelnen Trauben7 den Armen geben.

  • 1 Mischnah Peah 6,5.
  • 2 Ebd. 4,10.
  • 3 Ebd. 11.
  • 4 Lasse ihn im Zweifelsfall den Nutzen haben; TB Chullin 134a.
  • 5 Mischnah Peah 4,11; TJ ebd. (MT Hikhot Mat'not Anijim 4,9).
  • 6 Mischnah Peah 5,2.
  • 7 Das hebräische Verb dafür ist teolel, vom selben Stamm wie Olelot; darum bedeutet es: "Du sollst ihn nicht einschliesslich der Olelot (kleinen einzelnen Trauben) ernten."
  • 8 ShM Gebot 223; siehe Grundsatz 9 mit Rambans Kommentar (Hasagot).

Die Grundgedanken der Mizwah und ihrer Vorschriften habe ich teilweise oben in diesem Abschnitt im zweiten Gebot bei der Mizwah von Peah (Mizwah 216) beschrieben. Dort steht, wo sie und alle anderen Geschenke für die Armen gelten und dass die Einzelheiten der Mizwah von Peah im Traktat Peah erläutert sind. Es bleibt uns hier zu schreiben, dass die Gelehrten s.A. über Olelot lehrten8, dass wenn ein Weingarten ausschliesslich aus kleinen einzelnen Trauben besteht, alles den Armen zukommt, denn es steht: "In deinem Weinberg sollst du nicht nachlesen" (Leviticus 19,9), und unsere Gelehrten legten aus, dass dies gilt, selbst wenn er ausschliesslich aus Olelot besteht. Die Armen dürfen die kleinen einzelnen Trauben erst nehmen, wenn der Eigentümer beginnt, in seinem Weingarten zu lesen, denn es steht: " Wenn du in deinem Weinberg die Lese hältst, sollst du nicht nachlesen"9.

  • 1 Dieser Ausdruck wird gewöhnlich mit Zweige übersetzt.
  • 2 Ebd. in Mizwah 220, Anmerkung 2.
  • 3 Mischnah, Peah 7,4.
  • 4 Also sind Olelot und Peah nicht identisch.
  • 5 Das hebräische Verb tefa'er, das gewöhnlich als sich auf die Po'rot beziehend aufgefasst wird, wird hier mit dem Ausdruck Tiferet (Pracht, Herrlichkeit) in Verbindung gebracht, der ebenfalls als die Zweige, die Pracht eines Olivenbaums, bezeichnend verstanden wird.
  • 6 MT Hilchot Mat'not Artijim 4,17.
  • 7 Die er unrechtmässig abschnitt.
  • 8 Mischnah, Peah 8,8.
  • 9 D.h. das Verbot der Nachlese (resp. der kleinen einzelnen Trauben) beginnt erst, nachdem die Lese begonnen hat.


222 Hinuntergefallene Trauben den Armen zu lassen

Den Peret - das ist, was während der Lese von den Trauben abgetrennt wird und hinunterfällt - während der Lese den Armen zu überlassen, denn es steht: "Dem Armen und dem Fremden sollst du sie überlassen" (Leviticus 19,10), nachdem die Schrift erwähnt hat: "Den Peret deines Weingartens sollst du nicht einsammeln" (ebd.). Beim Verbot "du sollst nicht einsammeln" (Mizwah 223) werde ich mit Gottes Hilfe alles über diese Mizwah schreiben.

223 Das Verbot, hinuntergefallene Trauben in einem Weingarten einzusammeln

Wir dürfen die hinuntergefallenen Trauben in einem Weingarten nicht einsammeln, sondern müssen sie für die Armen zurücklassen, denn es steht: "Den Peret deines Weingartens sollst du nicht einsammeln" (Leviticus 19,10), was die einzelnen Beeren bezeichnet, die hinunterfallen. Dieselbe Vorschrift gilt auch für die anderen Bäume, die Reben gleichen; wir sind verpflichtet, die einzelnen Früchte, die hinunterfallen, nicht einzusammeln.

Die Andeutung des Grundgedankens der Mizwah ist dieselbe, die wir oben bei der Peah (Mizwah 216) beschrieben haben.

Zu den Vorschriften der Mizwah gehört, was die Gelehrten S.A. sagten1: "Was ist Peret? Es sind eine oder zwei Beeren, die sich während der Lese von der Traube trennen. Doch drei Beeren, die in einem Mal hinunterfallen, gelten nicht als Peret. Liest jemand die Trauben und lässt davon zu Boden fallen, während er die Trauben wegschafft, gilt selbst eine halbe Traube als Peret; auch eine ganze Traube, die dort blieb, gilt als Peret1. Wer einen Korb unter eine Rebe stellt, während er liest, bestiehlt die Armen3. Die restlichen Einzelheiten dieser Mizwah befinden sich im Traktat Peah.

Wo und für wen die Mizwah gilt, habe ich oben beim zweiten Gebot - der Mizwah von Peah (Mizwah 216) - geschrieben.

  • 1 Mischnah, Peah 6,5.
  • 2 MT Hilchot Mat'not Anijim 4,16, basierend auf TJ Peah 6,4 (Kesse/Mischneh).
  • 3 Denn die einzelnen Beeren gehören schon wenn sie fallen den Armen; Mischnah, Peah 7,3 (s. Kommentar von Bartenura).



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