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Paraschat
HaSchawua, der wöchentliche Toraabschnitt, kommentiert von Nechama
Leibowitz.
Sefer Dewarim - Buch Dewarim
Sidra Wa'etchanan
Und du sollst tun, was recht und gut ist
Schabath Nachamu - Paraschath vaetchanan
[HEBRÄISCH]
[DEUTSCH]
Torah (hebr.): 5.Buch Moses 3,23 -
7,11. Haftara: Jesaja 40, 1-26
Die Grundsätze des Judentums - Verbot des
Götzendienstes, die Prinzipien der Einheit Gottes, seiner Liebe und der
Ehrfurcht vor ihm, die Zehn Gebote, die Pflicht des Torahstudiums - werden
alle in unserer Sidra ehrenvoll erwähnt.
Sie betont auch konstant, die Verpflichtung, alle Vorschriften der Torah
treu zu erfüllen.
Zuerst:
Und nun, Israel, höre auf die Satzungen
und Vorschriften, die ich euch lehre zu tun.
(4, 1)
Siehe, ich habe euch gelehrt Satzungen und
Vorschriften ... also zu tun inmitten des Landes, whin ihr kommet, es
einzunehmen.
(4, 5)
Danach abermals, als abschliessender Refrain
der Erzählung der Übergabe der Torah:
Und seid bedacht zu tun, wie der Ewige,
euer Gott, euch geboten; nicht weichet rechts, noch links.
(5, 29)
Nach diesen zahlreichen Ermahnungen, die
Gebote, Statuten und Urteile im täglichen Leben zu praktizieren, ruft uns
die Torah nochmals auf:
Beobachten sollt ihr die Gebote des
Ewigen, eures Gottes, und seine Zeugnisse und seine Satzungen, die er dir
geboten; Und du sollst tun, was recht und gut in den Augen des Ewigen.
(6, 17 - 18)
Die Frage, die uns augenblicklich in den Sinn
kommt, lautet: Diese Ermahnung, zu tun, was recht und gut, ist bereits Teil
aller Vorschriften der Torah. Jemand, der alle positiven und negativen
Vorschriften der Torah beobachtet, erfüllt ipso facto die Ermahnung, zu tun,
"was recht und gut in den Augen des Ewigen"! Welche neue Verpflichtung
enthält dann diese Ermahnung? Oder ist sie vielleicht nur eine
Zusammenfassung dessen, was zuvor gesagt wurde? Wir müssen
selbstverständlich annehmen, dass die Torah Vorschriften nicht wiederholt um
der rhetorischen Wirksamkeit willen. Daher müssen wir den speziellen Beitrag
suchen, den dieser Vers zum Ganzen leistet, einen Beitrag, den wir aus
keinem anderen Dictum der Torah ableiten können.
Raschi und Ramban erklären beide, dieser Vers enthalte eine weitere
göttliche Vorschrift, die nicht in dem vorher aufgezeichneten enthalten ist:
"Was recht und gut in den Augen des
Ewigen" - dies impliziert einen Kompromiss jenseits des Buchstabens des
Gesetzes.
(Raschi)
Ramban, der Raschi dieses Mal zustimmt,
arbeitet seine Erklärung aus:
Die Idee hinter dieser Vorschrift ist
folgende: Am Anfang gebot Er uns "seine Zeugnisse und seine Satzungen, die
er dir geboten" zu beobachten. Jetzt fügt Er hinzu, zu tun, was recht und
gut in Seinen Augen, auch in jenen Dingen, auf die sich kein spezielles
göttliches Gebot bezieht, da Er liebt, was recht und gut. Dies ist ein sehr
wichtiges Prinzip, da es unmöglich ist, jedes Detail menschlichen Verhaltens
in der Torah aufzuzeichnen, die Beziehungen der Menschen mit den Nachbarn
und Freunden, geschäftliche Angelegenheiten, nationale und lokale Wohlfahrt.
Aber nachdem Er sich auf viele Aspekte bezogen hat - "kein falsches Zeugnis
reden", "nicht Rache üben", "nicht das Blut des Nächsten vergiessen", etc. -
wird eine allgemeine Vorschrift hinzugefügt, immer zu tun, was recht und
gut, wenn es in einem Rechtsstreit notwendig ist, einen Kompromiss zu
akzeptieren und über den Buchstaben des Gesetzes hinauszugehen.
Die Worte des Ramban werden klarer, wenn wir
sie mit einer anderen Vorschrift der Torah vergleichen, die das edelste
Prinzip des göttlich gebotenen Verhaltens ausdrückt:
Rede zu der ganzen Gemeinde der Kinder
Israel und sprich zu ihnen: Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der
Ewige, euer Gott.
(Leviticus 19,2 )
Aber eine Frage bleibt immer noch: Jemand,
der alle Vorschriften der Torah erfüllt, erfüllt ebenso das höchste Prinzip
der Heiligkeit, das im vorigen Vers ausgedrückt wird. Heiligkeit und
Gerechtigkeit sind die logischen Begleiterscheinungen der vollständigen
Beobachtung der göttlichen Vorschriften. Ist es vorstellbar, dass jemand,
der alle moralischen und rituellen Gebote der Torah loyal erfüllt, den
Standard der Heiligkeit und Aufrichtigkeit, der in den bereits erwähnten
Vorschriften "Heilig sollt ihr sein" und "Du sollst tun, was recht und gut
ist" enthalten ist, nicht erreicht?
Gemäss Ramban ist ein solcher Status durchaus vorstellbar. Er kommentiert
die Verse aus Leviticus und stellt dazu fest:
"Halte dich fern von Unmoral ... wo immer
du Schutzvorrichtungen gegen Unmoral findest, findest du Heiligkeit." Dies
ist Raschis Interpretation, aber talmudischer Kommentar zum selben Text
limitiert sich auf den folgenden allgemeinen Satz: "Du sollst dich
fernhalten."
Meiner Meinung nach bezieht sich das Fernhalten hier nicht bloss auf das
Abstandnehmen von Unmoral, wie Raschi behauptet, sondern eher auf das
Fernhalten, auf das sich der Talmud bezieht, auf die Praktiken, die
"peruschim" (asketisch) genannt werden. Da uns die Torah vor Unmoral und
verbotenen Speisen warnt, aber eheliche Beziehungen und das Geniessen von
Fleisch und Wein erlaubt, könnte ein massloser Mensch diese Erlässe
missbrauchen, sich erlaubten sexuellen Beziehungen und Essen und Trinken
übertrieben hingeben und gemeinsam mit allen Narren behaupten, dies sei von
der Torah nicht speziell verboten. So jemand wäre ein von der Torah
autorisierter Narr (naval bi-reschut ha-torah). Daher fügt die Torah zu
ihrer Liste expliziter Verbote und Vorschriften eine allgemeine Mahnung
hinzu, heilig zu sein, sich selbst durch Minimierung der Hingabe zu
erlaubten Vergnügen, Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr, zu heiligen. Der
asketische Nasiräer wird von der Torah "heilig" genannt. Ähnlich sollte sich
jeder Mensch selbst heiligen, bis er ein höheres Niveau von Heiligkeit und
Abstand erreicht hat, wie es von R. Chija heisst, er habe sich niemals
nutzloser Konversationen hingegeben.
Hier zeigt uns Ramban, wie es für jemanden
möglich ist, sich an den Buchstaben der Torah zu halten und trotzdem ihren
Geist zu verletzen, ein von der Torah autorisierter Narr zu werden. Im
täglichen Leben gibt es oft Situationen, auf die keine direkte und explizite
Vorschrift der Torah anwendbar ist. Aber wir sind aufgerufen, unter diesen
Umständen in Übereinstimmung mit dem allgemeinen Prinzip der Heiligkeit und
Gerechtigkeit zu handeln. Dies ist der Sinn der beiden Ermahnungen "Heilig
sollt ihr sein" und "Du sollst tun, was recht und gut ist". Wir können
bemerken, dass Ramban zuerst seine Beispiele auf Vorschriften zur Beziehung
zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer begrenzt und dann auf die
Beziehungen der Menschen untereinander. Unsere Weisen erklärten die Verse
unseres Abschnittes als Bezug auf die Beziehungen der Menschen
untereinander. Der Mensch ist aufgerufen, nicht immer auf seinen Rechten zu
beharren, sondern im Interesse einen höheren Moral einen Kompromiss zu
akzeptieren. Wir zitieren hier ein lehrreiches Beispiel einer Anwendung
dieser göttlichen Ermahnung in der praktischen Heiligkeit unseres täglichen
Lebens:
Rabbah bar Chanas Träger zerbrachen seine
Weinkrüge (die Gemara erklärt, der Vertag machte die Träger für den Schaden
verantwortlich). Er nahm ihre Mäntel (als Pfand der Kompensation, die sie
zahlen mussten). Die Trägr kamen zu Rav und trugen ihren Fall vor. Rav sagte
zu ihm: "Gib ihnen ihre Mäntel zurück." Bar Chana erwiderte: "Ist das das
Gesetz!?" Rav antwortete: "Ja, damit du einhaltest den Pfad der Gerechten"
(Sprüche 2, 20). So gab er ihnen die Mäntel zurück. Die Träger sagten dann
zu ihm: "Wir sind arm und haben den ganzen Tag schwer gearbeitet, wir sind
hungrig und haben nichts." Rav sagte zu ihm: "Geh, und zahle ihnen ihren
Lohn." Rabbah Chana fragte: "Ist das das Gesetz!?" Rav erwiderte: "Ja! Halte
ein der Gerechten Pfade" (Sprüche 2, 20).
(Baba Mezia 83a)
Ein weiteres Beispiel für die höchste
Wichtigkeit des Handelns im Geist des Gesetzes und nicht nach dem
Buchstaben, wird im folgenden rabbinischen Wort dargestellt:
R. Jochanan sagte: Jerusalem wurde allein
deswegen zerstört, weil sie in Übereinstimmung mit dem Buchstaben der Torah
handelten und nicht darüber hinaus.
(Baba Mezia 30b)
Der praktische legale Sinn dieser allgemeinen
moralischen Gebote kann aus der folgenden Wiederholung rabbinischer
Vorschriften im Codex des Maimonides ersehen werden. Diese Ermahnungen,
heilig zu sein und gut und recht zu handeln, waren nicht als blosse
Lippenbekenntnisse beabsichtigt:
Eine Person, die ihr Land verkauft, ist
verpflichtet, die Nachbar, der ein angrenzendes Feld hat, das Vorkaufsrecht
einzuräumen. Auch wenn der Käufer ein Gelehrter ist, ein Nachbar und
Verwandter des Verkäufers und der angrenzende Landeigentümer ein Dummkopf
und ein völlig Fremder, muss ihm das Vorkaufsrecht gegeben werden und er
kann den Käufer hinausweisen. Dies ist in Übereinstimmung mit Prinzip der
Schrift "Und du sollst tun, was recht und gut". Unsere Weisen sagten, da
alles ein Verkauf ist, ist es nur recht und gut, dass der angrenzende
Landeigentümer ein Vorkaufsrecht bekommt über einen, dessen Felder weit weg
sind.
(Kodex Schechenim 12, 5, siehe Baba Mezia 108a - 108b)
Ein Gericht hat einem Gläubiger
angeordnet, das Eigentum des Schuldners oder verpfändetes Eigentum in der
Hand eines Käufers zu nehmen. Wenn der Schuldner, der Käufer oder ihre Erben
in der Folge genug Mittel aufbringen und das Geld dem Gläubiger bringen,
kann das Eigentum entlassen werden. Eine solche Beschlagnahme für eine
Schuld ist immer rückerstattbar an den ursprünglichen Eigentümer in
Übereinstimmung mit dem Grundsatz "Und du sollst tun, was recht und gut".
(Loveh U-malveh 22, 16, siehe Baba Mezia 16b)
Obwohl es dem Gesetz nach scheint, eine
Person könne ihr Land verkaufen an wen sie will, fordert die Torah die
höchste moralische Überlegung.
Beschliessen wir unser Studium mit einem Zitat eines modernen religiösen
Denkers zu diesem Thema, Jeschaja Shapiro (gest. 1942), der als Bauer in
Kfar Piness, im Heiligen Land, lebte.
Die Vorschrift "Heilig sollt ihr sein"
beinhaltet, dass nicht strikt am Buchstaben des Gesetzes gehaftet werden
muss, sondern - wie es Ramban formuliert - "der Intention der Torah gefolgt
werden soll". Wer eine vollkommene Beobachtung der Torah wünscht, kann sich
nicht damit zufrieden geben, strikt an ihren expliziten Vorschriften zu
haften. Er muss tiefer eindringen, um das höchste Ziel dieser Vorschriften
zu erreichen. Er darf nicht nur an das denken, was gut und recht in seinen
eigenen Augen ist, sondern "was recht und gut in den Augen des Ewigen". Es
könnte scheinen, diese Vorschrift, die die Torah ihrer Liste hinzufügte, sei
überflüssig, da alle göttlichen Vorschriften dem Menschen die rechte Art zu
leben zeigen. Es gibt jedoch viele Dinge, die durch den Buchstaben des
Gesetzes erlaubt und nur vom Asepkt des "Was recht und gut in den Augen des
Ewigen" verboten sind. Hinsichtlich der Beschlagnahme von Eigentum wegen
einer Schuld, stellten unsere Weisen fest, das Gesetz fordere nicht die
Rückgabe eines solchen Eigentumes, aber es muss gemäss der Vorschrift "Was
recht und gut in den Augen des Ewigen" zurück gegeben werden. Diese
spezielle Vorschrift zeigt, dass das Judentum nicht damit zufrieden ist,
aktives böses Tun zu limitieren, sondern danach strebt, das potentiell Böse
aus der Seele des Menschen auszurotten.
Haftara zu Wa'etchanan: Jesaja XL, 1-26
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Pädagogik
Zentrum
Direktor: Dr. Motti Friedman
Web Site Manager: Esther Carciente,
esthers@jajz-ed.org.il
Deutsche Seiten:
Dr. Chani Hinker
[Diskussion
des Wochenabschnitts]
Schabath Nachamu - Paraschath vaetchanan
[HEBRÄISCH]
[DEUTSCH]
Torah (hebr.): 5.Buch Moses 3,23 -
7,11
Haftara: Jesaja 40, 1-26
Die Überlieferung weitergeben:
Schlagfertigkeit
"Und schärfe diese Worte deinen Söhnen ein und sprich von ihnen, wenn du in
deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Wege wanderst, wenn du liegst und
wenn du aufstehst" (Dew. 6, 7)...
Die Pfosten deines Hauses:
Die Mesusa
Der Schabbat
beschützt und bewahrt die jüdische Familie in der zeitlichen, die Mesusah in
der räumlichen Dimension!...
Messianisches Fieber:
Das Ende der Tage
Freiheit, Verlust derselben
mit Gang ins Exil und darauffolgende Erlösung, diese dreifache Thematik
durchzieht wie ein roter Faden die jüdische Geschichte...
Kein Grund sich zu schämen:
Weise
Gesetze
Ziel der Satzungen und Rechte ist es, sie im
Lande, in Erez Jisrael zu realisieren. Immer wieder betont dies Mosche, wenn
er sich an die neue Generation wendet, die im Begriff ist, in die alt-neue
Heimat einzuziehen...
Keine Überheblichkeit:
Qualität
versus Quantität
Nicht zahlenmassige Überlegenheit war das
Kriterium, nach welchem Gott das jüdische Volk erwählte...
Schm'a Jisrael:
Das
Jüdische Glaubensbekenntnis
"Höre Israel, der Ewige, ist unser Gott, der Ewige ist einzig." (Dew. 6,
4)...
Zur Haftara "Nachamu":
Trost und
Hoffnung
Die Haftara, die im
Anschluss an Paraschat Wa'etchanan gelesen wird, verleiht diesem Schabbat
auch den Namen - Schabbat Nachamu...
Weitere Paraschoth
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