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Paraschat HaSchawua -
Der wöchentliche Toraabschnitt
Kommentiert von Nechama Leibowitz
Sefer Bamidbar - Buch Numeri

Pinchas
- Über den Umgang mit Eifer
[Hebr.:
4. BM Num
beMidbar 25,10-30,1]
Der Beginn unseres Abschnittes
schliesst die Geschichte von Bileams böswilligen Versuchen, die Israel in
den Augen des Ewigen diskreditieren sollten, ab. Sie sollten dazu verführt
werden, unmoralische Taten zu begehen. Der Hintergrund zu dieser Geschichte
wird im folgenden Auszug aus dem Talmud (Sanhedrin 106a) dargestellt, der
das Thema diskutiert:
Bileam sagte zu ihnen:
Ihr Gott verabscheut Unmoral. Die Israeliten sehen sich nach
Leinengewändern. Ich will euch einen Rat geben. Stellt Stände auf und
verkauft ihnen Leinen ... Wenn die Israeliten essen, trinken, sich
vergnügen und am Markt spazieren gehen, wird sie zu ihm sagen: Du bist
wie einer aus der Familie, setze dich und wähle! Kalebassen mit
ammonitischem Wein standen neben ihr ... Sie sagte zu ihm: Willst du
einen Becher Wein trinken? Sobald er einen Becher getrunken hatte,
entbrannte in ihm die böse Neigung und er sagte zu ihr: Gib dich mir
hin! Dann nahm sie ihr Götzenbild heraus und sagte zu ihm: Verehre es!
Er sagte zu ihr: Bin ich nicht ein Jude? Sie sagte zu ihm: Was kÚmmert
es dich? ... Ich werde mich dir nicht hingeben, solange du nicht das
Gesetz Moses', deines Lehrers, zurückgewiesen hast, wie es heisst (Hosea
9, 10): Sie kamen nach Baal-Peor und weihten sich der Schande und wurden
mir ein Greuel wie ihr Buhle.
Am Schluss der vorhergehenden
Sidra wird erzählt, wie Pinchas in die Bresche stieg, um den Zorn Gottes
abzuwehren. In seinem Eifer für seinen Gott erschlug er einen Mann im
Antrieb eines Augenblicks, ohne Prozess, ohne eine Warnung auszusprechen,
ohne einen Zeugen gehört zu haben und in Herausforderung aller Prozeduren
juristischer Untersuchung, wie sie von der Tora beschrieben werden. Durch
seine Tat nahm er das Gesetz in die eigene Hand und schuf einen
Präzedenzfall von sozialer, moralischer und erzieherischer Tragweite. Aber,
wie kommentiert die Tora seine Tat?
Und der Ewige redete zu
Moscheh also: Pinchas, Sohn Elasar, Sohnes Aharons, des Priesters, hat
meinen Grimm abgewendet von den Kindern Israel, indem er eiferte an
meiner Statt unter ihnen, dass ich nicht aufrieb die Kinder Israel in
meinem Eifer.
(25, 10-11)
Es klingt seltsam, dass für
eine solche Tat eine solche Belohnung beschrieben wird. Die Weisen des
Jerusalemer Talmud stellen fest, Pinchas' Tat fand nicht die Zustimmung der
religiösen Führer seiner Zeit, d.h. von Moses und den Ältesten. Einer von
ihnen geht so weit, zu sagen, dass sie ihn ausstossen wollten, wäre nicht
der Heilige Geist dazwischen gesprungen und hätte erklärt:
Und es sei ihm und seinem
Samen nach ihm der Bund eines ewigen Priestertums; dafür, dass er
geeifert hat für seinen Gott, und gesühnt hat die Kinder Israel.
(25, 13)
Rabbiner Baruch Epstein, der
Autor des Pentateuch Kommentars "Torah Temimah" interpretiert die Haltung
der Weisen so:
Eine solche Tat wird
durch einen ursprünglichen, unverfälschten Geist des Eifers animiert, um
den Ruhm Gottes zu fördern. Wer kann in diesem Fall sagen, ob der Täter
nicht durch ein gewisses egoistisches Motiv angeregt wurde und
behauptete, er tue es für Gott, wenn er eigentlich einen Mord beging?
Daher wollten die Weisen Pinchas ausstossen, hätte nicht der Heilige
Geist bezeugt, sein Eifer für Gott sei rein.
Rabbiner Kook weist in seinem
Kommentar zum Gebetbuch über "Birkat Haminim" (dem Segen gegen die
Häretiker), der in der Amida für die Wochentage vorkommt, auf einen
ähnlichen Punkt hin. Diese Bracha beginnt mit den Worten: "Den Verleumdern
sei keine Hoffnung ..." und atmet Vergeltung an den Verrätern des Volkes. Es
ist interessant, dass die gegenwärtige Formulierung dieses ungewöhnlich
bitteren Gebetes von einem Talmudweisen namens Samuel HaKatan stammt, der
sich durch eine besondere Liebe zu seinen Migeschöpfen auszeichnete, und
dessen Motto laut Pirkei Avot lautete (gemäss Sprüche 24, 17): Fällt dein
Feind, so freue dich nicht, nicht juble dein Herz, wenn er hinstürzt.
Rabbiner Kook erklärt:
Jeder Weise, der für
seine Frömmigkeit und sein Lernen ausgezeichnet ist, kann Gebete
formulieren, die den Geist von Gnade und Liebe atmen. Aber ein solches
Gebet, voller Hass und Verdammung, erweckt auf Seiten des Autors die
privaten Gefühle von Animosität und Trotz gegen die Feinde und Verfolger
seines Volkes. So ein Gebet muss daher von jemandem stammen, der für
seinen heiligen und reinen Charakter bekannt ist und der den Hass nicht
kennt. Ein solcher Mensch war Samuel HaKatan. Man konnte sicher sein,
dass er von gänzlich selbstlosen Überlegungen beherrscht war und
inspiriert von den reinsten Motiven. Er hatte aus seinem Herzen alle
privaten Gefühle von Hass gegen die Verfolger seines Volkes verbannt.
Jetzt ist es vielleicht
leichter, den Zusammenhang zwischen Pinchas' Tat - wie schrecklich sie auch
war - und der von Gott beschriebenen Belohnung zu sehen:
Siehe, ich gebe ihm
meinen Bund des Friedens.
(25, 12)
Wir müssen Abravanels
Vorschlag nicht annehmen, der göttliche Schutz richte sich auch gegen die
Brüder Simris, des Opfers. Simri stammte aus einer Fürstenfamilie, die
zweifellos seinen Tod rächen wollte. Der Bund des Friedens muss nicht als
göttliche Garantie persönlicher Sicherheit vor Belästigung interpretiert
werden, sondern vielmehr in Sinne Rabbiner Zwi Jehuda Berlins, dem berühmten
Oberhaupt der Jeschiwa von Woloschin, der in seinem Kommentar Ha'amek Davar
schrieb: Das göttliche Versprechen eines Friedensbundes ist eher ein Schutz
gegen den inneren Feind, der im Eiferer, der die spontane Tat ausführte,
lauert, gegen die innere Demoralisierung, dass eine solche Tat das Töten
eines Mensch darstellt, ohne einem dem Fall angepassten Prozess.
Der Neziw (Naftali Zwi Jehuda Berlin) drückte diese Idee so aus:
Als Belohnung, dass er
den Zorn des Ewigen, gepriesen sei Er, abgewandt hatte, segnete Er ihn
mit Frieden, damit er nicht jähzornig sei. Da es nur natürlich ist, da
eine solche Tat, wie sie Pinchas beging, eine intensive emotionale
Unruhe hinterlässt, war der göttliche Segen eine Hilfe für den Umgang
mit der Situation und versprach der Seele Ruhe und Frieden.
Weiterführende Fragen
Und der Name des Mannes
aus Israel, des erschlagenen, der erschlagen worden war mit der
Midjanitin, war Simri, Sohn Salu, Fürst eines Stammhauses aus Schimeon.
(25, 14)
Die Tatsache, dass
Simri Fürst aus einem grossen Hause war, war für Pinchas gleichgültig,
als Gottes Ehre seine Bestrafung gebieterisch forderte. Daher enthüllt
uns der Vers den Namen des Opfers.
(Raschi)
Und der Name des
Weibes, der erschlagenen, der Midjanitin, Kosbi, Tochter Zur; Haupt der
Völkerschaften eines Stammhauses in Midjan war er.
(25, 15)
Dass die Tochter eines
solchen Mannes eingewilligt hatte, eine derart unsittliche Rolle zu
spielen, zeigt, wie gefährlich weit die Midjaniter in ihren Bemühungen
gingen, die Israeliten durch Sünde zu vernichten.
(Raschi)
Der Maharal von Prag, der
Autor des Werkes "Gur Arie", fragt, warum Raschi den zweiten Vers nicht
wie den ersten kommentierte, um Pinchas Kredit zu geben, der nicht davor
haltmachte, eine Prinzessin zu töten, um den Namen Gottes zu ehren?
Finde eine Antwort im Zitat Raschis.
Zu den selben beiden Versen
fragt der Autor des Pentateuch Kommentars "Or HaChaim", ob die Tora die
Absicht hatte, schliesslich doch die Namen der Opfer zu nennen und sie
nicht unter dem Schleier der Anonymität zu lassen wie im Fall des
Mannes, der am Schabbat Holz sammelte (Numeri 15, 32). Warum wurden ihre
Namen nicht sofort in 25, 6 genannt, am Anfang? Warum wird gewartet,
warum werden die Sätze "Und der Name des Mannes", "Und der Name der
Frau" wiederholt?
Schlage eine Erklärung vor, warum die Opfer von Pinchas' eifernder Tat in
unserem Abschnitt vorkommen und nicht im vorhergehenden, am Anfang
unserer Geschichte.
Haftara zu Pinchas: I Könige
XVIII, 46 - XIX, 21
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[Diskussion
des Wochenabschnitts]
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