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Paraschat HaSchawua
Der wöchentliche Toraabschnitt
kommentiert von Nechama Leibowitz

Sefer Bamidbar - Buch Numeri
Chukkat:
Das Geheimnis der Roten Kuh
Das Kapitel der Roten Kuh, mit dem unsere
Sidra beginnt, ist eines der geheimnisvollsten der Tora.
Unsere Weisen bemerkten, es gehöre zu jenen Angelegenheiten, die selbst die
Weisheit der weisesten Menschen nicht ausloten können:
"Das ist das Statut der Tora." Rabbi Isaak
eröffnete mit dem Text: "Dies alles versuchte ich im Blick auf die Weisheit;
Ich sage (mir): Ich möchte Weisheit erlangen! Aber sie blieb mir fern"
(Prediger, 7, 23). So sprach Salomon: Ich verstand die ganze Tora. Als ich
aber zum Kapitel über die Rote Kuh kam, suchte ich, sondierte ich, stellte
ich in Frage. "Ich sagte, ich möchte Weisheit erlangen, aber sie blieb mir
fern."
(Jalkut Shimoni)
Auch wir werden nicht vorgeben, dieses
Kapitel vollständig auszuloten, wollen aber einige Beobachtungen unserer
Kommentatoren und Weisen dazu präsentieren.
R. Joseph Bechor Shor (einer der Tossafisten) nahm einen völlig rationalen
Standpunkt ein:
Die Riten hinsichtlich der Roten Kuh
wurden geschaffen, um eine Vereinigung mit einem Toten, verursacht durch die
Liebe für den Dahingeschiedenen und übergrossen Kummer, hintanzuhalten.
Ausserdem sollte das Volk keine Praxis aus der Konsultation Toter oder
Familiengeister machen. Der Text bezeichnet die Schändung eines Toten als
beschmutzender als alle anderen Schändungen. Sie ist die Hauptquelle der
Unreinheit für Menschen, Gefässe und die Anwesenheit des Leichnams im Zelt
genügte.
Auch aus Respekt sollte das Volk keine menschliche Haut für Abdeckungen und
keine menschlichen Knochen zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen
benutzen, so wie wir die Haut von Tieren nehmen. Dies ist respektlos dem
Menschen gegenüber. Unsere Rabbinen wiesen auf einen ähnlichen Punkt hin
(Hullin 122a): "Warum wurde die Haut eines Leichnams als unrein erklärt?
Damit nicht jemand die Haut seiner Eltern als Decke benutzt." Je grösser die
Liebe, umso grösser die Schändung. Daher ist der Text streng in seiner
Forderung der Asche der Roten Kuh, die sehr teuer ist.
Die Einleitung könnte als Vereinfachung
erscheinen, die den mysteriösen, irrationalen Charakter des ganzen Kapitels
nicht berücksichtigt und auch keines der seltsamen Details dieses Ritus
erklärt.
Andere haben einen allegorischen, homiletischen Zugang gefunden. Hier ein
Auszug aus Sfornos Interpretation:
Die Krux des Geheimnisses ist die
Eigenschaft, das Reine zu verunreinigen und das Verunreinigte zu reinigen.
Vielleicht gelingt es uns, ein wenig von der Bedeutung zu erfahren, wenn wir
versuchen zu verstehen, warum es ein fundamentales Prinzip ist, dass die Kuh
vollständig rot zu sein hat. Der Prophet erklärte, dass Sünde als rot
beschrieben wird: "Sind eure Sünden auch wie Scharlach, sie sollen weiss
werden wie Schnee" (Jesaja 1, 18).
Wir sollten im Auge behalten, dass die Tora den goldenen Mittelweg empfiehlt
- alles Extreme ist nicht wünschenswert. ... Es gibt keinen besseren Weg,
falsches Handeln zu korrigieren und den Mittelweg zu erreichen, als sich zum
anderen Extrem zu drehen. Die Zeder symbolisiert Stolz, der Ysop das
Gegenteil. Der scharlachrote Faden dazwischen symbolisiert, dass beides
sündhaft ist. Es heisst, Saul wurde bestraft, weil er nicht auf seine eigene
Würde achtete, weil er sich zu sehr auf die Seite der Demut verirrte.
Obwohl diese Vorschrift ein Statut darstellt, das nicht in Frage gestellt
werden darf, und eine höhere Bedeutung hat, die nur dem König, der sie
befahl, bekannt ist, enthält sie doch eine Anspielung auf den Weg der Reue,
der von jedem Sünder eingeschlagen werden muss. Um den Mittelweg und die
Läuterung zu erreichen, muss er sich dem anderen Extrem zuwenden. Aber
während diese korrigierende Massnahme für den Sünder vorteilhaft und
läuternd wirkt, ist sie falsch und schändend für jedes reine Herz.
Der Talmudweise Rabbi Jochanan ben Sakkai
nimmt einen ganz anderen Standpunkt ein, weit entfernt von jeder Allegorie.
Seine Worte sind für uns Heutige sehr lehrreich:
Ein Heide fragte Jochanan ben Sakkai: Der
Ritus, den ihr im Zusammenhang mit der Roten Kuh ausführt, riecht nach
Zauberei! Du bringst eine junge Kuh, verbrennst sie, zerreibst sie udn
nimmst die Asche. Du bespritzt jeden Unreinen mit zwei oder drei Tropfen und
sagst zu ihm: Du bist rein.
Jochanan ben Sakkai antwortete ihm: Warst du jemals von einem bösen Geist
besessen? Er antwortete: Nein. Hast du jemals einen Menschen gesehen, der
von einem bösen Geist besessen war? Er antwortete: Ja. Und was macht ihr für
ihn ? Wir bringen Kräuter und lassen sie unter ihm rauchen, wir schütten
Wasser auf ihn, und der Dämon ist exorziert. Er antwortete: Deine Ohren
mögen hören, was dein Mund gesprochen hat. Der Geist der Unreinheit ist wie
dein Dämon. Wir besprenkeln ihn mit dem Reinheitswasser und er ist
exorziert.
Nachdem der Heide gegangen war, fragten ihn seine Schüler: Ihn hast du mit
einem Strohhalm angewehrt, aber welche Antwort gibst du uns? Er erwiderte
ihnen: Bei eurem Leben, der tote Mensch macht nicht unrein und ebensowenig
macht die in Wasser aufgelöste Asche rein; das Gesetz über die Rote Kuh aber
ist eine Verordnung des Ewigen, und es ziemt keinem Sterblichen, die Gründe
zum Erlass dieser Vorschrift zu untersuchen.
Der Heide wollte eine rationale Erklärung,
die an seinen gesunden Hausverstand appelliert. Die Unreinheit der Tora ist
eine Art Krankheit oder Dämon. Die Asche der Roten Kuh ist nicht mehr als
eine Kur für die Krankkeit, eine Austreibung des bösen Geistes. Aber seinen
Schülern, Torastudenten, die das Joch akzeptierten, konnte er die Wahrheit
sagen. Unreinheit ist kein integraler Bestandteil der Natur, weder im
Leichnam noch in demjenigen, der mit ihm in Berührung kommt. Sie ist kein
Geist und keine Pest, die aus dem Leichnam kommen. Die Asche der Kuh und die
Wasser des Sündopfers haben keine reinigenden Eigenschaften. Es ist eine
göttliche Vorschrift. Das allein bestimmt die Unreinheit des Leichnams und
die reinigenden Eigenschaften der Asche. Es ist die Vorschrift, die die
menschliche Seele läutert.
Wir wollen nicht zu denen gehören, die eine
rationale Erklärung für jene Dinge suchen, auf die die Gesetze der Vernunft
nicht angewandt werden können. Mögen wir wie die Schüler Jochanan ben
Sakkais sein, die das Joch der Chukkim akzeptieren, so wie das Joch der
anderen Gebote der Tora.
Haftara zu Chukkat: Richter, XI, 1 - 33
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