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Paraschat HaSchawua
Der wöchentliche Toraabschnitt
Kommentiert von Nechama Leibowitz
Sefer Wajikra - Buch Leviticus
Sidra Bechukotai
- Hoffnung trotz Holocaust
Es scheint, in unserem
Abschnitt sei der Kontext von Segen und Fluch in gewisser Weise mit den
Vorschriften für das Schabbat- und Jubeljahr verbunden. Diese Vorschriften
wurden im letzten Kapitel erwähnt. (Siehe:
Behar)
Aber die allgemeine Natur der Verse, die die Segen und Flüche einführen
(Verse 3, 15, 43), zeigen, daß das Kapitel das Finale des Buches Leviticus
und der darin enthaltenen Heiligkeitsvorschriften bildet. Die
abschliessenden Verse unterstützen diese These:
Dies sind die Satzungen
und Rechte und Weisungen, die der Ewige gegeben hat zwischen ihm und den
Kindern Israel auf dem Berge Sinai durch Mosche.
(26, 46)
Wir werden uns mit einer
Passage dieses Kapitels des Tadels beschäftigen. Die Vergeltung, die Israel
wegen seiner Sünden erreicht, bewegt sich auf einen Höhepunkt zu. Die fünfte
Katastrophe, mit der Israel in Vers 27 bedroht wurde, "wenn ihr bei dem mir
nicht gehorchet", war der vollständige Verlust seines Staates, die
Zerstörung des Tempels und die Zerstreuung des Volkes.
Und ich werde das Land
veröden, daß sich darob entsetzen eure Feinde, die darin wohnen.
Und euch werde ich zerstreuen unter die Völker und hinter euch her das
Schwert zücken. Und ist euer Land eine Öde, und sind eure Städte eine
Wüste.
Und ich werde aus euren Städten eine Wüste machen und werde veröden eure
Heiligtümer, und nicht riechen eure Wohlgerüche.
(26, 32, 33, 31)
Zum letzten Vers fügte ein
Kommentator hinzu:
Nachdem die Schechina das
Land Israel verlassen hat, verliert es seinen Glanz. Und dadurch werden
die Städte Israels verödet.
(Ha'amek Davar)
Nach der Zerstörung seiner
Städte und des Tempels, ist das Land, das einst von Milch und Honig floss,
dazu bestimmt, eine Wüste zu werden.
Die genaue Bedeutung des Satzes, die Feinde Israels werden sich "darob
entsetzen" (we-schammamu) (Vers 32), war Gegenstand der Diskussion bei
unseren Kommentatoren.
Das Land wird so verödet
sein, daß selbst die Feinde, die darin wohnen, entsetzt sein werden, das
Gegenteil von "eine Wonne für die ganze Welt."
(Dies spielt an auf Klagelieder 2, 15: "In die Hände klatschen deinetwegen
alle, die des Weges vorübergehen; Sie zischen und schütteln den Kopf
über die Tochter von Jerusalem: 'Ist das der Schönheit Krone, eine Wonne
für die ganze Welt'.")
(Ibn Ezra)
Wenn du aus dem Land
verstossen sein wirst, wird es nicht in seinem normalen, guten Zustand
bleiben. So wie es gesegnet war, als du darin wohntest, so werde ich es
jetzt veröden, bis es der Vorwurf aller Länder sein wird. Seine Feinde
werden entsetzt sein, es so zu sehen. Es wird ihm an allem mangeln, aber
voller Krankheiten und Seuchen. Dies, um zu zeigen, daß seine Verödung
durch deine Übertretungen verursacht wurde, wie es heisst (Deut. 29, 23
und 24): "Und es werden sprechen all die Völker: Warum hat der Ewige
also getan diesem Lande? Woher diese grosse Zornesglut? Und sie werden
sprechen: Weil sie verlassen den Bund des Ewigen, des Gottes ihrer
Väter."
(Biur)
Raschi nimmt einen anderen
Standpunkt ein:
Dies ist eine günstige
Botschaft für Israel. Seine Feinde werden in seinem Land keine
Bequemlichkeit finden, denn das Land wird vor seinen Bewohnern
verwüstet.
Was veranlasste Raschi, diese
Stelle in einem günstigen Sinn zu interpretieren, vor allem, wenn der
Kontext von der göttlichen Vergeltung an Israel spricht?
Hier eine Interpretation zu Raschi, die von einem seiner klassischen
Erklärer geboten wird:
Raschi wird von der
göttlichen Verwendung der ersten Person veranlasst: "Und ich werde das
Land veröden" - Ich selbst. Der Allmächtige ist voller Güte. Und wenn
der Ewige, gelobt sei er, eine Handlung ausführt, ist sie immer von Güte
motiviert.
(Maharal, Gur Arie)
Obwohl die unmittelbare
Handlung als Zerstörung beschrieben wird, genügt die Tatsache, daß ihr Autor
Gott ist, um sicherzustellen, sie habe einen positiven und schliesslich
wiederhestellenden Zweck.
Nachmanides beschäftigt sich auf charakteristische Weise mit Raschis kurzem
Kommentar:
Die Phrase "daß sich
darob entsetzen eure Feinde" trägt eine günstige Botschaft in jede
jüdische Gemeinde des Exils. Unser Land, sagt sie, wird unsere Feinde
nicht empfangen. Es ist ein Versprechen und ein Beweis, daß dieses Land,
das von Natur aus gut und geräumig ist und immer bewohnt war, verwüstet
bleiben wird. Seit wir es verliessen, konnten es keine Nation, keine
fremde Sprache übernehmen. Alle versuchten, sich dort niederzulassen,
aber niemanden gelang es.
In Nachmanides' Worten
entdecken wir die Früchte seiner eigenen Eindrücke vom Heiligen Land. Als er
in Jerusalem ankam, sah er das verödete Land und leitete davon eine
Botschaft des Trostes ab. Er war Zeuge, wie das Land die erlösende Hand des
eigenen Volkes erwartete. Die Vorläufer der "Zionsliebenden" teilten seine
Gefühle siebenhundert Jahre später.
Der folgende Vers (33) wird ebenfalls in einem ambivalenten Licht gesehen.
Sein Wortsinn ist sogar von noch schlimmerer Vorbedeutung: "Und euch werde
ich zerstreuen unter die Völker." Einige Kommentatoren, wie Raschi,
betrachteten ihn als Botschaft der Zerstörung, der Dunkelheit und nicht des
Lichtes:
Der Inhalt des Verses ist
furchtbar. Wenn die Bürger eines Landes exiliert werden, schickt man sie
an einen weit entfernten Ort. Sie können einander durch ihre Gegenwart
trösten. Israel ist zerstreut wie Spreu mit der Futterschwinge, kein
Teilchen kommt mit einem anderen in Kontakt.
(Raschi)
Andere jedoch betrachten die
Passage als tröstend:
Es war einmal ein
Herrscher, der die Juden hasste. Er fragte seine Berater: Was soll
jemand tun, der unter einer Warze auf seinem Fuss leidet? Soll er sie
abschneiden und bequem leben, oder lassen und leiden? Sie antworteten:
Schneide sie ab und lebe bequem. Dann sagte Ketia bar Schalom: Du kannst
sie nicht alle ausrotten, denn es heisst (Sacharja 2, 10): "Denn in die
vier Winde habe ich euch zerstreut."
(Avodah Zarah 10b)
Nachmanides gibt einen
ähnlichen Kommentar zu Jakobs Vorbereitung auf das Treffen mit Esau. Jakob
bildete zwei Lager: "Und sprach: Wenn Esau kommt über das eine Lager und
schlägt es, so bleibt dem übriggebliebenen Lager Entrinnen."
Das bedeutet, Jakob
wusste, seine Abkömmlinge würden nicht alle in Esaus Hände fallen, ein
Lager ürde wenigstens gerettet werden. Wir haben hier eine Anspielung
auf die Tatsache, daß der Allmächtige nicht unsere völlige Zerstörung
durch Esau verfügt. Einige von uns würden in einigen Ländern leiden. Ein
König würde unser Leben und unsere Habe für vogelfrei erklären, während
ein anderes Land Erbarmen zeigt und die Flüchtlinge aufnimmt.
Nochmals, in einem
anderen Vers in diesem Kapitel der Verfluchungen, entdeckt Raschi das
Licht hinter der Finsternis:
"Und sie brachte in das
Land ihrer Feinde" (Lev. 26, 41) - Ich selbst werde sie bringen. Dies
ist eine Botschaft des Trostes für Israel, damit sie nicht sagen: Da wir
unter die Heiden gebracht wurden, handeln wir wie sie. Ich werde sie
nicht lassen. Aber ich werde ihnen meine Propheten schicken und sie
unter die Flügel der Schechina zurückbringen, wie es heisst: "Und was
euch in den Sinn kommt, darf unter keinen Umständen geschehen, daß ihr
sagt: 'Wir wollen sein wie die Heiden, wie die Stämme der Heidenländer,
und Holz und Stein dienen.' So wahr ich lebe, spricht der Ewige, der
Herr, mit starker Hand, mit erhobenem Arm, mit überschäumendem Grimm
will ich über euch herrschen." (Ezechiel 20, 32-33)
Einer der Kommentatoren Raschi
stimmt nicht zu:
Ich verstehe nicht, warum
Raschi diese Stelle nicht in ihrem Wortsinn erklärt, Gott werde sie in
das Land ihrer Feinde bringen, wie er es mit einer anderen Stelle tut:
"Der Ewige wird führen dich ... zu einem Volke, das du nicht gekannt."
(Deut. 28, 36)
(Misrachi)
Ein anderer von Raschis
Kommentatoren rechtfertigt seine Erklärung:
Der Text sollte keinen
Ausdruck von "bringen" verwendet haben, denn "Bringen" hat eine positive
Konnotation, Sorge für das Objekt des Bringens. Da das Exil ein
Verlassen des Volkes bedeutet, ist der Ausdruck "bringen", der Sorge und
Obhut impliziert, hier fehl am Platz.
(Maharal)
Die Sprache des Textes
versorgt uns mit einem Hinweis auf seine positive Botschaft des Trostes und
der Hoffnung. Gott wird sein Volk in das Land seiner Feinde führen. Er wird
sie nicht schicken oder bringen lassen, sondern sie auf allen seinen
Wanderungen begleiten.
Die äussere Botschaft dieser Verse ist eine der Vergeltung und Katastrophe,
aber in ihr entdecken wir einige Untertöne des Trostes.
Das Kapitel der Flüche und Vorwürfe endet mit einer Bemerkung der Hoffnung,
die es unnötig macht, einen Schlüssel zwischen den Zeilen zu suchen:
Und auch dann noch, wenn
sie im Lande ihrer Feinde sind, habe ich sie nicht so verworfen, und
nicht so ausgestossen, daß ich sie völlig aufriebe und meinen Bund mit
ihnen bräche; denn ich der Ewige bin ihr Gott.
(26, 44)
Weiterführende Fragen
Vergleiche Nachmanides'
Kommentar zu Vers 32 mit Raschis Eröffnungsworten zu Genesis, wenn er
feststellt, der Grund für den Beginn der Bibel mit der
Schöpfungsgeschichte und nicht mit den ersten religiösen Vorschriften
für Pesach, ist, den jüdischen Anspruch auf des Heilige Land zu
rechtfertigen. Wie Genesis beschreibt, gehört die Welt Gott, und er
verteilte sie, wie er es wollte.
Erkläre den prinzipiellen Unterschied zwischen Raschis Motivation unseres
Anspruches auf das Heilige Land in Genesis mit seiner und Nachmanides'
Motivation hier.
Vers 40 in unserem Kapitel
stellt fest, die Israeliten werden ihre Schuld bekennen und den Verrat,
den sie gegen Gott begangen. Sie werden zugeben, daß sie entgegen seinen
Wünschen gehandelt haben. Das Judentum besteht darauf, daß Gott immer
das Schuldbekenntnis des Sünders annimmt und Gnade zeigt: "Wer sie
bekennt und meidet, findet Erbarmen" (Spr. 28, 13).
Abravanel fragt:
Warum sagte der
Allmächtige hier, nachdem sie ihre Sünden bekannten: Ich werde hier
gegenteilig handeln und sie in das Land ihrer Feinde bringen. Warum
akzeptierte er ihr Bekenntnis nicht und erleichterte ihre Strafe?
Vielmehr erklärt er, er werde sogar eine noch grössere Strafe übr sie
bringen.
Versuche, Abravanels Frage
zu beantworten und erkläre die logische Folge der Verse 26, 40, 41.
Vergleiche:
"Und ich werde zerstören eure Höhen und vernichten eure Sonnenbilder, ...
und meine Seele wird euch mit Ekel von sich stossen." (26, 30)
"Und auch dann noch, wenn sie im Lande ihrer Feinde sind, habe ich sie
nicht so verworfen, und nicht so ausgestossen, daß ich sie völlig
aufriebe und meinen Bund mit ihnen bräche; denn ich der Ewige bin ihr
Gott." (44)
-
Wie widersprechen diese
beiden Stellen einander?
-
Kann der Widerspruch mit
Hilfe von Raschis Kommentar zu Vers 30 ausgeglichen werden? "Und meine
Seele wird euch mit Ekel von sich stossen." Raschi stellt fest, diese
Stelle beziehe sich auf die "Entfernung der Schechina".
Haftara zu Bechukotai: Jeremia
XVI, 19 - XVII, 14
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