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The Ronald S. Lauder Foundation
Beit Midrasch D’BerliN
Ein Projekt des "Lauder
Jüdisches Lehrhaus"
Wajigasch
(Tora: Bereschit 44:18-47:27, Haftara: Jecheskel 37:15-28)
Am Ende des vergangenen Wochenabschnittes
und in dessen Fortsetzung in unserer dieswöchigen Parascha lesen wir über das
Zusammentreffen von Josef und seinen zehn Brüdern in Ägypten. Josef legt ihnen
schwere Prüfungen auf. Wir wissen, dass obwohl die Brüder gute Gründe gehabt
haben, es ein Fehler gewesen war, Josef in die Sklaverei zu verkaufen. Aber
warum sie vor solch schwierige Herausforderungen stellen? Wäre es nicht besser
gewesen, gleich nach ihrem Vater Jakob zu fragen, der sich ja immer noch in
tiefer Trauer um seinen tot gemeinten Sohn Josef befand?
Josef
wollte bestimmt keine Rache nehmen. Wir lesen, dass er während das
Zusammentreffen mit seinen Brüdern mehrere Male den Raum verlassen musst, weil
er die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Es schmerzte ihn mehr als sie.
Josefs eigentliche Absicht war es vielmehr, seinen Brüdern durch die Bewältigung
der Schwierigkeit der ihnen auferlegten Prüfung die Möglichkeit zu geben, ihren
begangenen Fehler zu korrigieren.
Als sie ihren jüngeren Bruder verkauften,
dachten die Brüder, dass Josef versuchte, die Vorherrschaft über sie zu gewinnen
und befürchteten, dass er so mit seiner Machtversessenheit ihrer aller Leben und
die Zukunft des jüdischen Volkes gefährden würde. Diese Situation wurde durch
seine ehrgeizigen Träume und die Tatsache, dass er Liebliegsohn Jakobs war, nur
noch verschlimmert. Josef hatte bei ihrem Zusammentreffen in Ägypten eine
Situation inszeniert, die der von damals auf das Haar glich. Als Josef sie bat,
ihm ihrem Bruder Benjamin auszuliefern, waren sie ein weiteres Mal vor die Wahl
gestellt, ihren jüngeren Bruder für ihre eigene Sicherheit zu opfern. Wieder
handelte es sich um einen Sohn Rachels, der von Jakob bevorzugten Frau. Auch er
wurde beim gemeinsamen Gastmahl in Ägypten bevorzugt behandelt.
Aber warum war es notwenig, sie noch mal der
gleichen Situation auszusetzen? Rambam sagt, dass es ein Zeichen vollständiger
Rückkehr (Tschuwa) ist, wenn man unter den gleichen Umständen, unter denen man
zuvor versagt hat, sich nun richtig verhält. Er sagt natürlich auch, dass
jemand, dem es darum geht, vergangene Fehler nicht wieder zu begehen,
alles daran setzen wird, nicht noch ein Mal in eben solch eine Situation zu
gelangen. Dies kann aber den Brüdern sicherlich nicht vorgeworfen werden, da
Josef sie ja in diese schwierige Lage gezwungen hatte. Nun wollte also Josef
seinen Brüdern die Gelegenheit geben, ihren Fehler so wieder gutzumachen. Warum
aber nur hat Josef alles selbst in die Hand genommen und nie darauf vertraut,
dass G´tt alles arrangieren wird? Obwohl Josef so sehr durch seine Brüder zu
leiden hatte, wollte er in keiner weise der Grund für deren Leiden in der
nächsten Welt sein. Und weil er ja anfangs seine Brüder in die Situation
gebracht hatte, in der sie dann jenen schweren Fehler begangen hatten, fühlte
Josef auch jetzt die Verantwortung, ihnen dabei zu helfen, diesen Fehler wieder
zu korrigieren.
Als sich die Brüder nun weigern, nochmals
ihren jüngsten Bruder aufzugeben, gibt sich Josef zu erkennen. In zwei Worten
offenbart sich die eigentlich Quelle und der wirkliche Grund ihres bis jetzt so
sinnlos erschienen Leidens „ Ani Josef“. „ Ich bin Josef“ – Josef gibt sich
seinen Brüdern zu erkennen und mit der plötzlichen Erklärung für ihre Leiden
verkehrt sich ihre Verzweifelung in Freude.
Hier erhalten wir einen Einblick in das
wahre Wesen einer jeden Herausforderung. Jeder Test, jede Schwierigkeit ist für
einen maßgeschneidert. Jedoch während man geprüft wird, scheint alles überhaupt
kein Sinn zu machen. Und gerade das ist die eigentliche Schwere einer jeden
Herausforderung. Wenn man nur genau wüsste, warum man was zu durchleiden hat,
würde man auch die Kraft finden mit diesem Leiden umzugehen und die richtigen
Entscheidungen zu treffen.
Nicht immer ist es uns möglich, die Zusammenhänge und
Hintergründe einer Herausforderung rückblickend klar zu erkennen. Jedoch sehen
wir oft auch, wie wir gerade an schwierigen Herausforderungen gewachsen sind und
verstehen persönliches Leiden Jahre später als positiven Wendepunkt und
bereichernde Erfahrung. Es ist nicht immer einfach, so zu denken und zu fühlen.
In dem Grade, in dem es uns aber gelingt, dieses Bewusstsein zu verinnerlichen,
wird dies uns auch dabei helfen, unsere ganz persönlichen Herausforderungen zu
meistern.
Halacha – Das jüdische
Gesetz
Drei aufeinanderfolgende
Fasttage gibt es im Monat Tewet. Die Fasttage vom 8. und 9.Tewet werden
„Taanijot Zaddikim“ (Fasttage der Gerechten) genannt, und an ihnen fasten nur
wenige. Der 10.Tewet ist jedoch ein Fasttag für alle.
Am 8.Tewet wurde auf
Anordnung des Königs Ptolemäus die Tora ins Griechische übersetzt. Dieser Tag
wird als ebenso unheilvoll betrachtet wie der Tag, an dem das goldene Kalb
gemacht wurde, da man die Tora unmöglich in eine andere Sprache übersetzen kann,
ohne dabei etwas von ihrem Sinn zu verlieren.
Am 9.Tewet starben Esra
und Nechemja, die Israel aus Babylonien wieder in das heilige Land geführt
hatten. Für das Volk war der Tod ein unersetzlicher Verlust.
Der 10.Tewet begann
Nebuchadnezar, König von Babylonien, die Belagerung von Jeruschalajim. Diese
dauerte drei Jahre lang bis es den Babyloniern am 17.Tamus gelang, eine Bresche
in die Mauer zu schlagen.
Dieser Tag soll, wie
auch alle anderen Fasttage, nicht nur ein Ausdruck des Schmerzes und der Trauer,
sondern vielmehr ein Wachrufen zur Teschuwa (der Umkehr) und persönlicher
Bestimmung sein. Es ist für uns einerseits eine Errinerung an die Sünden
unser Väter, anderseits aber auch eine Mahnung an unser eigenes Gewissen, damit
wir uns wieder dem Guten zuwenden.
Dieses Jahr wird der
10.Tewet am 25.Dezember
sein.
„Hüte deine Zunge“
Laschon-Hara vor
einer Gruppe von Menschen
Als wir noch den
Tempel hatten erkrankte jeder, der Laschon-Hara (Üble Nachrede) sprach an einer
besonderen Hautkrankheit. Nach dem Gesetz war er verpflichtet, zum Kohen
(Priester) zu gehen, der ihn begutachtete und erkannte, für welche Sünde die
Strafe gekommen war. Ihrer Sünde entsprechend mussten sie dann Teschuva
(Rückkehr) machen. So wurden die Menschen von Laschon-Hara geheilt. Da wir heute
keinen Tempel mehr haben, wird Laschon-Hara auf eine andere Weise bestraft, mit
der Armut. Derjenige, der in den Mitteln eingeschränkt ist, erhöht sich nicht
vor anderen, und der Stolz und die Einbildung sind die häufigsten Gründe für
Laschon-Hara (Nedarim 64, Tikunej-Sohar).
Laschon-Hara darf weder in Anwesenheit eines
Menschen, von Angesicht zu Angesicht noch vor einer Gruppe von Menschen
gesprochen werden. Je mehr Leute Laschon-Hara von jemandem hören, desto
schwerwiegender ist seine Sünde, da das Opfer des Gespräches nicht in den Augen
von Einem, sondern von Vielen gedemütigt wird. Außerdem hat er mehr Menschen
gezwungen die Sünde zu begehen, seine Laschon-Hara gehört zu haben.
Zum Beispiel: Ein Mensch, der eine
Rede vor einem Publikum hält und ganz nebenbei über einige Mängel eines Kollegen
lästert. Die Ernsthaftigkeit der Schuld dieses Menschen ist zur Zahl der im Saal
sich befindenden Menschen proportional.
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