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The Ronald S. Lauder Foundation
Beit Midrasch D’BerliN
Ein Projekt des "Lauder
Jüdisches Lehrhaus"
Waera
(Tora: Schmot 6:2-9:35, Haftara: Jecheskel 28:1-29:21)
Wajera, der
Tora-Abschnitt dieser Woche, beschäftigt sich mit den Plagen, die G’tt über
Ägypten brachte. Besonders interessant erscheint dabei der folgende Vers: „Und
Ich werde das Herz Pharaos verhärten, und Ich werde mehren meine Zeichen und
Wunder im Lande Mizrajim.“ (Schmot, 7:3). Mosche hörte
diese Worte G´ttes als ein Zeichen der kommenden Ereignissen, noch bevor der
eigentliche Kampf mit Pharao begonnen und G’tt die zehn Plagen über Ägypten
geschickt hatte. Aber wenn wir in der Tora über die ersten fünf Plagen
aufmerksam lesen, sehen wir, dass Pharao sein Herz ohne jeglichen „Einfluss von
Oben“ verhärtete. Eher umgekehrt: es scheint, dass er aus freier Wahl und
eigener Überzeugung in seiner Stellung verharrte und an seiner Interpretation
der Ereignisse festhielt: „Aber das Herz Pharaos blieb hart...“ (Schmot, 7:13).
Nach der ersten Plage heißt es: „ ...und es blieb das Herz Pharaos hart...“
(Schmot, 7:22). Und so auch nach der zweiten Plage: „Und als Pharao sah, dass
Erleichterung gekommen war, da verstockte er sein Herz...“ (Schmot, 8:11).
Dasselbe nach der dritten Plage (Schmot, 8:15), als auch nach der Invasion der
wilden Tiere: „Aber Pharao verstockte sein Herz auch diesmal und ließ das Volk
nicht ziehen.“ (Schmot, 8:28). Und schließlich nach dem Sterben allen Viehs: „
...doch das Herz Pharaos blieb verstockt, und er ließ das Volk nicht ziehen.“
(Schmot, 9:7). Erst nach diesen Ereignissen erfüllte sich das Versprechen,
welches G’tt Mosche anfangs gegeben hatte und wir sehen, dass G’tt selbst
die Entscheidungen Pharaos zu lenken beginnt.
Im Midrasch
Tanchuma heißt es: „Bei den ersten fünf Plagen steht geschrieben: „Aber das Herz
Pharaos blieb hart“. Als aber Pharao das jüdische Volk trotz der Schwere dieser
fünf Plagen nicht gehen lassen wollte, sagte G’tt: „Von diesem Moment an, auch
wenn Du, Pharao, mein Volk gehen lassen würdest, werde Ich es Dir nicht
erlauben.“ Und so steht über die letzten fünf Plagen geschrieben: „...und G’tt
verstockte sein Herz... .““. Seit den Zeiten der Weisen bis heute haben die
Verse viel Erstaunen hervorgerufen. Und noch mehr als das: man könnte sagen,
dass hier dem größten Prinzip in der Tora widersprochen würde – dem Prinzip des
„Freien Willen“. Ein so wichtiger Gedanke, dass ihn die Tora gleich zu Beginn in
G´ttes Rede zu Kain lehrt: „...vor der Türe lagert die Sünde, und nach dir ist
ihr Verlangen; doch du kannst ihrer Herr werden“(4:7) Raschi sagt dazu: „Wenn du
willst, kannst du über sie Herr werden“. Diese Frage stellt sich Rabbi Jochanan
im Midrasch: Die Wörter „weil Ich sein Herz verhärtet habe“ geben den Zweiflern
Anlass, zu sagen, dass das was im Ägypten passierte, nicht Pharaos freier Wille
war.
Es scheint auch, dass das
was über Pharao gesagt wurde gegen eine weitere Regel des Judentums verstößt:
dass die Tore der Tschuwa (Umkehr) niemals verschlossen sind. Ramban stellt
gerade diese Frage in seinem Kommentar zur Tora und findet zwei Antworten
darauf. Erstens: für alles, was Pharao dem jüdischen Volke angetan hat, verdient
er, dass G’tt ihm die Möglichkeit nimmt, Tschuwa zu tun. Zweitens: als die
ersten Plagen auf Ägypten herunterkamen verhärtete, wie wir gesehen haben,
Pharao selbst sein Herz und er wollte das jüdische Volk nicht ziehen lassen. Als
jedoch die Plagen dann so stark wurden, dass Pharao ihnen trotz seiner
Verstocktheit nicht zu widerstehen vermochte, wollte er das Volk Israel gehen
lassen. Zu diesem Entschluss wurde er jedoch nur durch die Schwere der Plagen
gezwungen, ohne sich dadurch dem G’ttlichen Willen unterwerfen zu wollen. So gab
G´tt Pharao die Möglichkeit, selbst unter solch außergewöhnlichen
Umständen, weiter seinem eigentlichen Willen zu folgen, eigene Entscheidungen zu
treffen, verhärtete seine Seele und verstärkte seinen Herz....
Ein
Mensch hat immer die Möglichkeit, Tschuwa zu tun. Die Tore der Tschuwa sind zu
jeder Zeit für jeden einzelnen Menschen geöffnet. G’tt gibt jedem von uns die
Möglichkeit, in Seiner Nähe zu sein, Seinen Wegen zu folgen und die heilige Tora
zu lernen. Natürlich, wenn der Mensch mit aller Kraft dagegen entscheidet,
sozusagen „sein Herz verhärtet“, besteht irgendwann die Wahrscheinlichkeit, dass
es unter Umständen sehr großer Anstrengungen bedarf, um Tschuwa zu tun. Es gibt
aber ein wichtiges Prinzip in der Tora, dass sogar der größte Sünder zum
richtigen Wege kommen und ein vollkommener Gerechter werden kann. Man muss
nur den ersten Schritt zu der „Enthärtung“ des Herzens machen und G’tt wird
sicherlich helfen.
Halacha – Das jüdische Gesetz
Wie schon
letzte Woche gesagt, ist es am Schabbat verboten zu sortieren. Dieses Verbot
umfasst sehr viele Feinheiten, und wir können der Einfachheit und des
Platzmangels wegen nur die Grundprinzipien erläutern. Bei genaueren Fragen
kontaktieren sie ihren Rabbiner.
Es ist
verboten zwei Arten von Gegenständen (egal ob Essen oder sonstiges) zu
separieren. Man darf sortieren, wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind: man
sortiert das, was man haben möchte, von dem, was man nicht haben möchte; man
muss mit der Hand sortieren, und nicht mit einem Gerät (Ausnahme: Messer); das
Sortierte muss sofort benutzt werden.
Kerne von
Früchten, wie zum Beispiel Pflaumen, an denen immer etwas Fruchtfleisch
bleibt, darf man entfernen. Dies ist auch eine generelle Regel, dass wenn man
etwas von dem eigentlich Gewünschtem mitsortiert, es erlaubt ist auch das
Nichtgewollte auszuklauben.
Wenn
auch das unmöglich ist (wie z.B. bei Fischgräten), so muss man stets das
Gewollte vom Ungewolltem wegnehmen (also hier die Gräte festhalten und das
Fleisch wegziehen).
„Hüte deine Zunge“
Derjenige,
der üble Nachrede spricht, begeht nicht nur selbst die Sünde, sondern zwingt
auch denjenigen, der es hört zu sündigen. Unsere Weisen sagen: „Einen Menschen
zur Sünde zu zwingen ist schlimmer als Mord. Der Mörder vernichtet das Leben
seines Opfers nur in dieser Welt; derjenige aber, der andere zu sündigen zwingt,
nimmt Ihnen die Existenz in der zukünftigen Welt“ (aus Bamidbar Bara). Wenn man
absichtlich üble Nachrede hinter dem Rücken des Betroffenen spricht, nicht
wollend, dass jener darüber erfährt, dass man ihn verleumdet, zieht er den Fluch
der Tora auf sich:„Derjenige sei verflucht, der seinem Nächsten heimlich einen
Schlag zufügt“ (Dwarim 27:24). Davon, dass er das Verbot von Laschon Hara (üble
Nachrede) gebrochen hat, reden wir erst gar nicht.
Wenn man
fühlt, dass man vor Wut kocht, und bereit ist im Zorne seine Anklagen dem Grund
seines Zornes ins Gesicht auszusprechen, muss man wissen, dass so zu handeln
meistens verboten ist. Egal, wie gerecht der Zorn auch sein mag! Um so mehr ist
es verboten, wenn man sich trotz dieses Verbotes nicht zurückgehalten hat, und
dem Grund seines Grolls gesagt hat, was man über ihn denkt, vor anderen seine
demütigenden Wörter zu wiederholen.
The Ronald S. Lauder
Foundation
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