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The
Ronald S. Lauder Foundation
Beit Midrasch d’Berlin
Ein Projekt des "Lauder Jüdisches Lehrhaus"
Diese wöchentliche Betrachtung des Toraabschnittes wird von Studenten des Beit
Midrasch D`Berlin herausgegeben. Der Beit Midrasch D`Berlin ist eine Jeschiwa
für die in Deutschland lebenden jüdischen jungen Männer von heute. Es ist die
erste Jeschiwa in Deutschland seit 1938, abgesehen von den provisorischen
Jeschiwot der Überlebenden in den späten 40er und frühen 50er Jahren. Unsere
Studenten lernen Talmud, Bibel, jüdisches Gesetz und jüdische Geschichte, und
verrichten gemeinnützige und erzieherische Arbeit.
Mischpatim
(Tora: Schmot 21:1-24:18, 30:11-16,
Haftara: Melachim II 12:1-17)
Aus der Torah
Schmoth/Ex 18:1-20:23
und
Schmoth/Ex 21:1-24:18
Der Wochenabschnitt
Mischpatim handelt überwiegend von Rechtsvorschriften und Gesetzen. „Wenn du
einen hebräischen Knecht kaufst, soll er frei ausgehen, ohne Lösegeld“ (Schmot
21:2). Mit diesen Wörtern beginnt die Aufzählung der Gesetze, die das jüdische
Volk am Berge Sinai gehört hat.
Man könnte meinen, dass die Offenbarung G’ttes als ganz und gar übernatürliches
Ereignis vor dem gesamten jüdischen Volk, eigentlich von der Prophetie über eine
sorgenfreie, glückliche Zukunft gefolgt werden sollte. Nach den Leiden des
ägyptischen Exils, würde man Prophezeiungen, wie die des Propheten Jesaja
(Kap.11), über eine Zeit, wenn „ein Wolf neben einem Steinbock liegen wird“,
„ein Kind über einer Schlangengrube spielen wird“ und die ganze Erde mit
„G’tteswissen“ erfüllt sein wird, erwarten. Aber die Tora spricht selbst auf dem
Höhepunkt G’ttlicher Offenbarung nicht von ferner Zukunft. Sie bezieht sich als
Lehre des Lebens in erster Linie auf das gegenwärtige Leben und die heutige
Zeit. Die Tora spricht über Finanzrechte und die Rechte eines Gefangenen, über
Gelderstattung und Familiengesetze. Erst später, als die Tora über die Belohnung
für ein Leben nach den Geboten spricht, deutet sie auch eine andere Form der
Existenz, eine „kommende Welt“ dabei an. Gleichzeitig verspricht sie aber auch
„Gras auf der Erde für das Vieh“.
Der Sohar
erklärt, wie sich Mosche in seiner Prophetie von anderen Propheten unterschieden
hat. „Alle Propheten blickten in den Himmel und verließen die Erde mit ihren
Sorgen, aber, als Mosche in den Himmel blickte, blieb er auf der Erde mit all
ihren Sorge“. Im Sohar, wie auch in der Tora selbst, wird ausdrücklich die
geistig höhere Stufe Mosches Prophetie betont, und dass es keinen so großen
Propheten wie ihn gab und geben wird. Ebenso besteht dieser Unterschied auch
zwischen der Tora und den Büchern späterer Propheten. Die Tora ist ein „Ez
Chaim“ (Baum des Lebens), es beschreibt das Leben eines Menschen an jedem Ort,
zu jeder Zeit.
Die Gesetze
der Tora erklären das Leben und sind immer erfüllbar. Tora ist die geistige
Wurzel des Universums und ihre Gebote umfassen daher ebenso die Natur des
Menschen, wie auch das Wesen jeden anderen Geschöpfes. Tora versucht nicht die
Ordnung in dieser Welt zu verändern. Sie ist vielmehr der Bauplan, nach dem
diese Welt geschaffen wurde und deshalb auch Gebrauchsanleitung, die uns lehrt,
in ihr zu leben, ohne ihr geistiges Gleichgewicht zu stören. Es werden Gesetze
und Prinzipien aufgestellt, mit deren Hilfe der Mensch langsam zu höheren
Idealen gelangen soll. So ist die Tora „Baum des Lebens“, indem sie dem lebenden
Menschen das Leben auf der Erde ermöglicht.
Mosche
empfing die Tora und übergab sie dem jüdischen Volk in einer Zeit, wo sogar
nicht besonders reiche Menschen mindestens drei Sklaven hatten. In der damaligen
Zeit war das ganz normal. Die Tora kam nicht, die Gewohnheiten der
damaligen Zeit grundlegend zu
verändern. Sie sagte nicht, dass man alle Sklaven sofort frei lassen muss,
sondern sie erklärt, wie mit bediensteten Arbeitskräften umzugehen ist. „Sechs
Jahre soll ein Sklave bei dir arbeiten und im siebentem Jahr soll er
freigelassen werden“. Die Propheten waren im wesentlichen damit beschäftigt, dem
jüdischen Volk zu zeigen, wo es von den Geboten der Tora abgewichen war, es zu
ermahnen und den Weg zurück zum „Baum des Lebens“ zu weisen. Die Tora aber ist
der „Baum des Lebens“ selbst. Sie kritisiert nicht, sonder stellt die
Lebensgesetze auf, die dem Menschen erklären, was in Wirklichkeit gut oder
schlecht ist.
Die Tora
bleibt immer eine Lehre fürs Leben, nicht nur mit ihren Rechtsvorschriften,
sondern auch in allen praktischen Fragen. Ein Beispiel hierfür ist die Stelle,
in der G’tt verspricht, bei der Besiedlung des Landes Israel zu helfen:
„Nach und nach werde ich ihn austreiben vor dir, bis dass du fruchtbar bist,
dich vermehrst und das Land in Besitz genommen hast“ (Schmot 23:30).
„Nicht in einem Jahre werde ich ihn austreiben vor dir; dass nicht das Land öde
werde...“ (Schmot 23:29). Tora versteht natürlich, dass ein Land nicht nur durch
einen Krieg oder Wunder besetz wird, sondern auch durch die mühsame Arbeit.
Wenn wir
versuchen, die Wörter der Tora so zu verstehen, nach ihr zu leben und sie so zu
einer gelebten Lehre, dem Baum unseres Lebens machen, werden wir auch bald die
Erfüllung der Prophezeiung Jesajas noch in unseren Tagen erleben.
Halacha – Das jüdische Gesetz
Die
dreizehnte Melacha ist Bleichen. Die halachische Definition ist das reinigen
oder verbessern des Aussehens eines Kleidungsstückes oder jede Art von Gewebe.
Verbotene Aktivitäten beinhalten z.b.: einweichen, schrubben, auswringen,
bügeln, als auch Staub oder Schmutz abbürsten, auf Falte zusammenlegen, nasse
Sachen aufhängen oder auch nasse Haare auswringen.
Die 14.
Melacha ist das Bürsten von Rohmaterialien, um dieses in Fäden oder Haare zu
verwandeln. Beispiele hierfür wären das Kämmen von Rohwolle oder das Bündeln von
Flachs.
Die nächste Melacha ist
Färben. Sie ist das Ändern oder Verstärken einer Farbe eines Feststoffes oder
einer Flüssigkeit. Beispiele hierfür wären Malen, Färben, Auflösen von Farben in
Flüssigkeiten, Chemische Reaktionen hervorrufen, die eine Änderung in der Farbe
verursachen oder auch Schminke auftragen.
"Hüte deine Zunge!"
Jemand, der üble Nachrede
spricht, begeht selber diese Sünde, und zwingt denjenigen zu sündigen, der diese
hört. Die Weisen sagen: "Den Menschen zur Sünde zwingen ist schlimmer als Mord.
Der Mörder unterbricht das Leben des Menschen nur in dieser Welt; derjenige, der
den Anderen zu sündigen zwingt, nimmt ihm die künftige Existenz weg" (Bamidbar
Raba).
Es ist verboten im Gespräch mit jemandem auf die negativen
Charaktereigenschaften eines anderen Menschen hinzuweisen. Auch ist es verboten
auf irgendeinen spezifischen Fall der unangenehmen Erscheinungsformen der
Charaktereigenschaft hinzuweisen (zum Beispiel „er hat sich geärgert“)
oder zu verallgemeinern (zum Beispiel „er wird ärgerlich und gereizt auf Grund
Kleinigkeiten“). Solche Bemerkungen sind verboten, selbst wenn sie wahr und
allgemein bekannt sind.
Es ist möglich, dass dem Menschen selber die Schwere dieses Fehlers nicht in
allen Auswirkungen bekannt ist. Am besten ist es mit ihm taktvoll zu sprechen,
und ihm zu empfehlen, der unangenehmen Charaktereigenschaft zu entfliehen. Auf
solche Weise kann man das Gebot erfüllen, den Menschen auf seine Mängel
hinzuweisen, und ihm somit einen großen Gefallen tun.
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