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The Ronald S. Lauder Foundation
Beit Midrasch D’BerliN
Ein Projekt des "Lauder
Jüdisches Lehrhaus"
Diese wöchentliche Betrachtung des Toraabschnittes wird von Studenten des Beit
Midrasch D`Berlin herausgegeben. Der Beit Midrasch D`Berlin ist eine Jeschiwa
für die in Deutschland lebenden jüdischen jungen Männer von heute. Es ist die
erste Jeschiwa in Deutschland seit 1938, abgesehen von den provisorischen
Jeschiwot der Überlebenden in den späten 40er und frühen 50er Jahren. Unsere
Studenten lernen Talmud, Bibel, jüdisches Gesetz und jüdische Geschichte, und
verrichten gemeinnützige und erzieherische Arbeit.
Bo
(Tora: Schmot 10:1-13:16,
Haftara:
Jeremias 46:13-28)
In Bo,
unserer dieswöchigen Parascha, wird uns über die letzten beiden ägyptischen
Plagen, über das Pessachopfer und über die Entlassung der Juden aus Ägypten
berichtet. Wenn wir all die Plagen, die auf Ägypten geschickt wurden, genauer
betrachten, stellen sich uns viele Fragen. Warum hat G-tt genau zehn Plagen
geschickt - nicht mehr und nicht weniger? Warum waren es genau diese Plagen? Und
warum genau in dieser Reinfolge?
Es gibt ein
Midrasch, der sagt, dass die Reihenfolge der Plagen uns an die Taktik eines
gegen seine Feinde in den Krieg ziehenden Königs erinnern.
Wasser
wird zu Blut: Bei einem Angriff auf ein feindliches Land ist die
Unterbrechung der Wasserversorgung eines der ersten Ziele. So hat G´tt die
einzige ägyptische Wasserquelle zum Trinken unbrauchbar werden lassen.
Frösche:
Der Angreifende versucht in den Reihen des Feindes durch die lauten Geräusche,
die er mit der Hilfe von Trommlern und Trompeten macht, Panik auszulösen. Genau
so hat G-tt Frösche geschickt, dessen Quacken die Ägypter zum Wahnsinn brachte.
Insekten:
Erste direkte Angriffe werden über einige Entfernung durch die Luft mit Hilfe
von Wurfgeschossen geführt. Genau so hat G-tt Insekten gebracht, die die Ägypter
vom Himmel aus wie Pfeile attackierten.
Raubtiere: Der Angreifer ruft seine ausländischen Verbündeten, sich ihm
anzuschließen. So hat auch G´tt die unterschiedlichsten Raubtiere versammelt,
damit sie die Ägypter angreifen.
Pest:
Wenn der Angreifer zum Lager des Feindes kommt, schickt er Reiter vor sich hin,
die die kämpfenden Tiere des Feindes vernichten sollen.
Aussatz:
Beim Eindringen ins Feindeslager, will der Angreifer dann die Armee des Feindes
zerstören, deswegen hat G-tt die Körper von Ägyptern mit Aussatz geschwächt.
Hagel:
Der Eroberer fängt an, die Mauern der Stadt zu beschießen, um sie zu zerstören.
Heuschrecken: Der Vorstoßende versammelt seine Armee, um die Stadt zu
zerstören. Deswegen haben Schwärme von Heuschrecken alles zerstört, was nach dem
Hagel übriggeblieben war.
Finsternis: Wen der Sieger die Stadt erobert, nimmt er die Feinde gefangen
und steckt sie in dunkle Verliese.
Erschlagen aller Erstgeborenen: Der Eroberer führt die Hinrichtungen von
Befehlshabern und Generalen der besiegten Armee aus.
G´tt
schickte auf die Ägypter zehn Plagen, um Pharao zu bestrafen, der die Existenz
des Schöpfers der Welt, die durch zehn Aussprüche erschaffen wurde, negiert hat.
Außerdem waren die Söhne Israels würdig, dass ihre Feinde durch zehn Plagen
bestrafft werden, weil unser Vorvater Abraham erfolgreich zehn Prüfungen
überstanden hat.
Die Plagen
richteten sich auch nach dem Prinzip „Mida keneged Mida“ – nach dem die Strafe
stets dem Vergehen entspricht. Dies lässt sich an Hand von Beispielen leicht
demonstrieren: Die Ägypter haben die Juden gezwungen, ekelerregende Insekten und
andere kriechende Parasiten zu sammeln, was eigentlich gar nicht nötig war. Die
Ägypter haben es nur zum Spaß gemacht, um die jüdischen Sklaven zu quälen. Als
Strafe dafür hat G´tt
ekelerregende Frösche geschickt, die
die Ägypter angewidert haben. Als sie alle Frösche getötet hatten, haben
die toten Frösche die Ägypter mit ihrem Gestank noch mehr angewidert als die
Lebenden. Der Gestank und die Blutflecke, die überall zu sehen waren, waren die
Strafe dafür, dass die Ägypter die Juden so schlimm schlugen, bis die Juden
einen schlechten Mundgeruch auf Grund der Blutergüsse im Mund bekommen haben.
Ein anderes Beispiel dafür ist die Insektenplage, da die Ägypter die Juden zum
Staub Fegen an den Strassen und Marktplätzen gezwungen haben, verwandelte G´tt
den ganzen Staub Ägyptens zu Insekten und egal wie tief sie in die Erde
gruben, fanden sie keinen Boden – überall waren nur Insekten zu sehen. Die
Aussatzplage kann man als eine Bestrafung für die Verspottung der Ägypter
gegenüber den Juden sehen, da sie die Juden gezwungen haben, das Wasser mehrmals
zu erwärmen oder abzukühlen, wenn sie baden wollten. Nach dem sie von dem
Aussatz betroffen wurden, konnten sie weder in kaltem noch in heißem Wasser
baden, denn das hätte ihnen sehr große Schmerzen bereitet.
Die Plagen
kamen aus den unterschiedlichsten Quellen: Wasser, Erde und Himmel. Damit hat
G´tt allen Völkern gezeigt, dass Er als Einziger in allen Teilen des Universums
herrscht, Er nicht nur der Schöpfer der Welt ist, sondern sie auch fortwährend
lenkt. Wenn wir in diesem Bewusstsein leben, können wir G´´tt zu jeder Zeit, an
jedem Ort, in jeder noch so alltäglichen Handlung finden – Ihn in all unseren
Wegen erkennen (vergleiche Spr.3,6).
Halacha – Das jüdische Gesetz
Die Melacha Tochen (Mahlen) ist jede Tat, mit der man eine
Sache von nutzbarerer Größe in kleinere Stücke zerkleinert, die so für einen
neuen Zweck verwendet werden können. So ist jede Art des Zerhackens, oder
Pulverisierens eines Gegenstandes am Schabbat untersagt. Dabei ist es gleich, ob
das Zerkleinern von Hand, mit einem eigens dafür gedachten Gerät (z.B. ein
Schleifer, Raspel oder Mörser), oder mit jedem anderen Werkzeug (z.B ein
Holzscheit oder Hammer etc.) geschieht.
Es gibt aber vier Ausnahmen, unter denen Tochen doch erlaubt
ist:
·
Tochen gilt nur für am Boden wachsende Pflanzen (Essen).
·
Wenn es zuvor bereits gemahlen wurde.
·
Wenn man es sofort essen möchte.
·
Wenn es anders als normal gemahlen wird.
Ein wichtiges Anwendungsgebiet heutzutage ist das Nehmen von
Medizin am Schabbat. Früher wurde Medizin aus Kräutern usw. gewonnen, indem sie
fein zermahlen wurden. Deshalb haben die Rabbiner eine Takana (rabbinische
Vorsichtsmaßnahme) erlassen, nach der man am Schabbat keine Medizin nehmen darf.
Ein Ausnahme hierzu sind lebenswichtige Arzneien sowie Medikamente bei
ernsten Erkrankungen.
„Hüte deine Zunge“
Warum gewannen während der Herrschaft des
Königs Achava die Juden die Kämpfe, obwohl sie Götzendiener waren? Der Grund
war, dass sie keine Laschon-Hara (Üble Nachrede) gesprochen haben. Genauso
andersherum: In der letzten Periode der Herrschaft des Königs Saul, beteten die
Menschen die Götzen nicht an, ihre Kinder studierten Tora, aber sie sprachen
üble Nachrede; deshalb wurden sie besiegt (Jerusulemer Talmud, Traktat Pea).
Rabbi
Schimon ben Pasi hat gesagt: „Wenn die Dürre kommt, so nur wegen Laschon-Hara“
(Traktat Taanit, Daf 7).
Über
jemanden Laschon-Hara in seiner Anwesenheit zu sagen ist ein sehr ernstes
Vergehen. Selbst wenn der Mensch beabsichtigt hat, jemanden konstruktiv
kritische Bemerkungen über seine Mängel anzusprechen, hat er das Recht nur unter
vier Augen. Jemanden öffentlich zu beschämen ist eine schwere Sünde. Der Mensch
sagt nicht nur Laschon-Hara, sondern kränkt gleichzeitig und erniedrigt seinen
Nächsten gleichzeitig.
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