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Koscher leben...
 
 


The Ronald S. Lauder Foundation

Beit Midrasch D’BerliN
Ein Projekt des "Lauder Jüdisches Lehrhaus"

Diese wöchentliche Betrachtung des Toraabschnittes wird von Studenten des Beit Midrasch D`Berlin herausgegeben. Der Beit Midrasch D`Berlin ist eine Jeschiwa für die in Deutschland lebenden jüdischen jungen Männer von heute. Es ist die erste Jeschiwa in Deutschland seit 1938, abgesehen von den provisorischen Jeschiwot der Überlebenden in den späten 40er und frühen 50er Jahren. Unsere Studenten lernen Talmud, Bibel, jüdisches Gesetz und jüdische Geschichte, und verrichten gemeinnützige und erzieherische Arbeit.

Behaalotcha
(Tora: Bemidbar 8:1-12:16,
Haftara:
Secharja 2:14-4:7)

In unserem dieswöchigen Abschnitt „Beh?’alotcha“, werden uns mehrere grundlegende Begebenheiten berichtet.1.: Das Murren der Kinder Israel nach fleischiger Speise (Bemidbar, 11:4-5). 2.: Der Ausspruch Mosche Rabeinus: “Warum lässt du deinem Knechte so übel ergehen und warum habe ich nicht Gnade gefunden in deinen Augen gefunden, dass du mir die Last dieses ganzen Volkes auflegst? Habe ich denn dies ganze Volk unter dem Herzen getragen, oder habe ich es geboren, dass du zu mir sprichst: trage es an deinem Busen wie der Wärter den Säugling trägt, in das Land, dass seinen Vätern mit einem Schwure zugesagt hast?...“ (Bemidbar, 11:11-12). 3.: Die Bezeichnung Mosches als den bescheidensten Menschen der Welt (Bemidbar, 12:3). Und schließlich 4.: Die üble Rede von Mirjam und Aharon über Mosche (Bemidbar, 12:1-2).

Alle diese vier Begebenheiten behandeln beim genaueren Hinsehen zwei einander entgegengesetzte menschliche Charaktereigenschaften: den Hochmut und die Demut. Hochmütige Menschen, sagt Rav Wolbe, sind Menschen, die sich für etwas Besseres halten, für etwas Größeres, doch die traurige Wahrheit ist dass sie nicht einmal zur Hälfte so gut sind, wie es ihnen scheint. So heißt es auch in Mischle (Sprüche): “Ein Weiser wird nie hochmütig“. Er hat nicht das Bedürfnis, als etwas Größeres angesehen zu werden. Ein bescheidener Mensch wiederum denkt von sich, er sei etwas Geringes oder etwas Kleines, jedoch in Wirklichkeit strahlt dieser Mensch Frömmigkeit und Weisheit aus. Das sind die zwei großen Gegensätze, von denen unsere Weisen sagen: „Das eine nimmt Leben und das andere gibt Leben“. Denn für einen Hochmutigen ist mit Haschem kein Platz auf dieser Welt. Doch was verbindet jetzt genau diese vier Themen in unserer Parascha mit dem Hochmut und der Demut? Zu aller erst: Warum murrten die Kinder Israel und verlangten Fleisch? So lange Zeit haben sie sich von Manna ernährt und jetzt auf einmal wollen sie Fleisch?! Überdies wollen sie zurück nach Ägypten, wo es Gurken, Melonen und Lauch gegeben hat! Die Weisen von Yeshivat Kelm, wo man sich besonders auf die Vollendung des Charakters konzentriert hat, sagen: Ein Hochmütiger verlangt nach feiner Speise, denn er ist nicht zufrieden mit dem, was er hat, er denkt seiner Person gebührt mehr als nur Gerstenbrot und Wasser. So war auch beim jüdischen Volk der Grund für seine Unzufriedenheit eine Spur von Hochmut. Mit dem Auszug aus Ägypten und dem Empfang der Tora, hatten die Juden von Haschem besondere Heiligungen und Ehren bekommen. Und so meinten sie, wenn wir schon ein heiliges Volk geworden sind, warum haben wir es dann nicht auch verdient Fleisch zu essen? Letztendlich führte ihr Hochmut zum Verlangen nach Fleisch. Mosche konnte es nicht mehr aushalten, sein Volk sündigen zu sehen. Wie kann der bescheidenste Mensch ein Volk führen, in dem er das ganze Gegenteil von Bescheidenheit sieht? „Nein“, sprach Haschem, „dich, meinen Knecht, werde ich nicht im Stich lassen. Siehe, ich werden ihnen Fleisch im Übermaß geben und sie werden sich wünschen, nie darum gebeten zu haben.“ (Chofez Chaim zu Bemidbar).

So können wir auch die Laschon Hara (üble Nachrede) von Mirjam und Ahron über Mosche verstehen. Denn wenn der Mensch glaubt, seinem Nächsten überlegen zu sein, ist das die Vorraussetzung, zu meinen, den anderen zu kritisieren und zurecht weisen zu dürfen. Und was war die Strafe von Mirjam? Aussatz, dessen Unreinheit wegen man sich in der Mikwa (dem rituellen Tauchbad) untertauchen muss. Der Sohar sagt: Wenn ein Mensch aus der Mikwa wieder hervortaucht wird er als neu geboren angesehen, denn es ist, als ob er aus dem Fruchtwasser in dem sich der Embryo während der Schwangerschaft befindet, hervorkommt. Indem ein Mensch in der Mikwa untertaucht kehrt er also zu einem Zustand zurück, da er noch gar keine eigene Identität hatte. So können wir jetzt auch erklären, was wohl Mosche gemeint hat als er sagte: „Ich war mit diesem Volk nicht schwanger, ich hab es nicht geboren.“ Mosche, der als der bescheidenste Mensch der Welt beschrieben wird (Bemidbar, 12:3), wollte sagen: „Wie kann es sein, dass ich dieses hochmütige Volk geboren habe und also Verantwortung für es tragen soll, wenn es meinem eigenen Wesen so widerspricht?“   Der Vilna Gaon schreibt in seinem Buch „Adderet Elijahu“ zum Vers, in dem Mosche als der bescheidenste Mensch der Welt beschrieben wird, folgendes: „Was ist eine der größten Eigenschaften eines Adam, eines Menschen? Die Bescheidenheit.“  So heißt es im Talmud (Chullin, 89a): “Weil ihr mehr als die anderen Völker euch herabsetzt“, spricht G“tt zu Israel,“ darum habe ich euch lieb. Selbst wenn ich euch erhöhe, erniedrigt ihr euch vor mir. Ich habe Avraham erhöht und er sprach: Ich bin Staub und Asche. Ich habe David erhöht und er sprach: Ich bin ein Wurm und kein Mann. Ich habe Mosche und Ahron erhöht und sie sprachen: Was sind wir?“ Daraus ersehen wir, sagt der Vilna Gaon, warum ein Adam, ein Mensch, die Tugend der Bescheidenheit verkörpern soll. Betrachtet man die Anfangsbuchstaben des Namen, der in dem Talmud genannten Personen, nämlich Awraham (oder Ahron), David und Mosche, so ergeben sie im Hebräischen das Wort ADaM – Mensch. Daraus schließen wir, dass die Demut (Bescheidenheit) eine den Menschen bestimmende Eigenschaft sein sollte, er durch sie zu seiner Bestimmung als Mensch und wahrhafter, geistiger Größe findet.

 „Hüte deine Zunge“

Wenn Lewi sagt, dass Reuwen über Schimon Laschon-Hara (böse Nachrede) gesprochen hat, ist es Schimon verboten, Reuwen zu fragen, weshalb er zu Lewi über ihn gesprochen hat. Des weitern, wenn Reuwen merkt, dass Lewi für das Weiterfragen des Laschon-Hara verantwortlich war, dann macht sich Schimon des Rechilut (Gerüchte)schuldig, obwohl er Lewis Namen nicht ausdrücklich erwähnt hatte. Schimons einzige Absicht bestand darin, gegen Reuwens Bemerkung zu protestieren, ohne Lewi zu schädigen. Schimon macht sich dennoch wegen Rechilut schuldig. Leider irren viele Menschen in Bezug auf dieses Gesetz, deshalb ist spezielle Vorsicht geboten.


The Ronald S. Lauder Foundation

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