|
|
"Liebe deinen Nächsten
wie dich selbst"
BINA BAMIKRA p.236 ff. zum Abschnitt KEDOSCHIM
von Rabbiner Bernhard Salomon Jacobson
Zur Klärung des Gebotes in der Halacha
und in der Ethik des Judentums
Die Anrede an die "ganze versammelte Gemeinde" findet sich
in der Tora nur zweimal. Zum ersten Mal bei dem Gebot, das Pessachlamm
darzubringen (Ex. 12, 3), dem ersten Gebot, das dem Volke Israel gegeben
worden ist, und zum zweiten Mal in diesem Wochenabschnitt - Kedoschim. Dazu
bemerkt "Sifra", das ist ein halachischer Midrasch zum Buche "Wajikra":
"Daraus lernen wir, dass dieser Abschnitt vor der "versammelten Gemeinde"
(be-Hakhel) gegeben worden ist. Warum "der versammelten Gemeinde"?
Weil der größte Teil aller wesentlichen Lehren des Judentums in diesem
Abschnitt enthalten ist.
Im Midrasch Rabba zu unserem Wochenabschnitt sagt Rabbi
Levi: "Weil die zehn Gebote hier enthalten sind." Wie ist das zu verstehen?
-
Dort (Exodus / Schmoth) heißt es: "Ich bin der Herr
Dein G"tt" (Ex. 20,2), und hier (Levitikus / Vajikra): "Ich der
Herr Euer G"tt" (Lev.19, 2).
-
Dort: "Du sollst keine fremden Götter haben" (Ex. 20,
3).
Hier: "Gegossene Götter machet euch nicht" (Lev.19, 4).
-
Dort: "Du sollst nicht aussprechen den Namen des Herrn
zum Falschen" (Ex. 20, 7).
Hier: "Ihr sollt nicht bei meinem Namen falsch schwören" (Lev.19,12).
-
Dort: "Gedenke des Sabbattages ihn zu heiligen" (Ex.
20, 8)
Hier: "Meine Sabbate beobachtet" (Lev.19, 3).
-
Dort: "Ehre deinen Vater und deine Mutter" (Ex. 20,
12).
Hier: "Jeder fürchte seine Mutter und seinen Vater" (Lev.19,3).
-
Dort: "Du sollst nicht morden" (Ex. 20, 13).
Hier: "Stehe nicht still bei dem Blute (der Gefahr) deines Nächsten"
(Lev.19,16).
-
Dort: "Du sollst nicht ehebrechen" (Ex. 20, 13).
Hier: "Heilig sollt ihr sein" (Lev.19, 2).
-
Dort: "Du sollst nicht stehlen" (Ex. 20, 13).
Hier: "Ihr sollt nicht stehlen" (Lev.19,11).
-
Dort: "Du sollst nicht falsch zeugen wider deinen
Nächsten" (Ex.20,13)
Hier: "Gehe nicht als Verleumder umher" (Lev.19,16).
-
Dort: "Du sollst nicht gelüsten nach..." (Ex. 20,
14).
Hier: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Lev.19,18).
Vor allem müssen wir uns klarmachen, in welchem Rahmen und
in welchem inhaltlichen Zusammenhang das Gebot der Nächstenliebe hier
gegeben ist. Wie Rabbi D.Z. Hoffmann in seinem Kommentar "Das Buch
Leviticus" erklärt, haben wir es hier mit fünf Geboten zu tun:
-
Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen
-
Zur Rede stellen sollst du deinen Nächsten
-
Du sollst dich nicht rächen
-
Du sollst nicht nachtragen
-
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (Lev. 19,17-18)
Zwischen dem ersten und dem fünften Gebot besteht ein enger
Zusammenhang: Hasse nicht, sondern liebe! Die anderen (2-4) sind triftige
Folgerungen aus diesen beiden: Das Gebot des zur Rede Stellens ist dazu da,
um jedes Hassgefühl aus dem Herzen des Menschen zu entfernen, anstelle von
Rache und Groll soll Liebe in seinem Herzen wohnen, denn dieser Absatz
schliesst mit den Worten: "Ich bin der Herr", der euch alle geschaffen und
Liebe und Brüderlichkeit anbefohlen hat. In diesem Sinne schreibt auch Ibn
Esra: "Denn ich, der einzige G"tt, habe euch geschaffen."
Siehe hierzu die
Original- und Vergleichstexte (hebräisch/engl./deutsch)

[Punktierter Text] [Unpunktierter
Text]
Schon Nachmanides (Ramban) hat in seinem Kommentar darauf
hingewiesen, dass hier das Tätigkeitswort "ahaw" — lieben mit dem Dativ
konstruiert ist ("ahawta le...") während es sonst im Tanach üblich
ist, es mit dem Akkusativ ("ahaw et...") zu gebrauchen. Der tiefere
Sinn dieser ungewöhnlichen philologischen Erscheinung wird uns offenbar und
ergänzt, wenn wir von Kapitel 19 Vers 34 heranziehen, in dem es heisst: "Wie
der Eingeborene unter euch sei euch der Fremdling, der bei euch weilt, und
du sollst ihn lieben wie dich selbst — "we-ahawta lo..." (auch hier
mit dem Dativ) — denn Fremdlinge waret ihr im Lande Ägypten. Ich, der Herr,
bin Euer G'tt". Unsere Lehrer weisen darauf hin, dass die Liebe zum
Fremdling uns noch einmal in der Tora befohlen wird, und zwar in Deut.
10,19:
"vaahawtem et haGer", liebt den Fremdling" (et =
Akkusativ). Das Gebot, den Fremdling zu lieben, — so sagen unsere
Weisen — ist sprachlich genauso formuliert wie das Gebot, G"tt zu lieben,
denn es heisst: "veahawta et haSchem Elokecha" (s. auch RaMBaM —
Hilchot Deot, Kap.6,4).
Was ist nun der wesentliche Unterschied im Gebot der Liebe
in "veahawta et-reacha..." und dem "veahawta et haSchem..."? Samson
Rafael Hirsch erklärt es folgendermassen: "Die Liebe der Persönlichkeit des
Nächsten, eine Liebe, die aus der Quelle eines warmen Herzens strömt, ist
eine Forderung, deren Erfüllung ausser dem Bereich des Denkbaren liegt. Was
die Tora hier von uns fordert, ist nicht, dass wir die Persönlichkeit eines
jeden zu lieben haben, als ob die bezaubernde Anziehungskraft einer
sympathischen Harmonie der Persönlichkeiten nicht existiere, und als ob es
den seelischen Impuls der Antipathie manchen Menschen gegenüber gar nicht
gäbe. Was von uns verlangt wird, ist die praktische Forderung des Wohls
unserer Nebenmenschen in demselben Masse wie wir für uns selbst sorgen, d.h,
Menschenliebe in die Tat umzusetzen. Gerade in Bezug auf den Proselyten
begnügt sich die Tora nicht mit der Sorge um sein Wohl und Weh, sondern
verlangt von uns, auch unsere Gefühle, d.h. unsere ganze Persönlichkeit, zu
aktivieren, um ihm ein Gefühl der Zugehörigkeit zu geben. Diese
Unterscheidung zwischen der gefühlsbedingten Liebe einerseits und
praktischen Liebestaten andererseits, wird durch ein Beispiel aus dem Buch
der Chronik, II,19,2, bestätigt. Dort wird das Tätigkeitswort "ahaw" mit dem
Dativ konstruiert (mit der Präposition "le"). Josafat, der König von
Judah, hatte eine militärische Allianz mit Achaw, dem König des Reiches
Israel, geschlossen, urn Aram zu bekämpfen. Da zürnte ihm der Prophet Jehu,
der Sohn Hanans, und sprach: "Ist es Recht, dem Frevler beizustehen und jene
zu lieben, die den Herrn hassen?" (leSonee haSchem teehaw?). Hier
wird das Verb "ahaw" als Synonym zu "asar" — helfen, gebraucht, also im
praktischen und nicht im emotionalen Sinn. Wir kommen daher zur
Schlussfolgerung — und das geht auch klar aus den Worten unserer Weisen
hervor — dass "ahaw et" (mit dem Akkusativ) eine höhere Stufe
bezeichnet als "ahaw le" (mit dem Dativ).
Auf Grund dieser Interpretation können wir vielleicht auch die
auffallende Wiedergabe unseres Textes in der Übersetzung des Targum Jonatan
ben Usiel, eines Schülers Hillels, verstehen. Er umschreibt die Worte "liebe
deinen Nächsten..." mit: "Was dir verhasst ist, tue auch deinem Nächsten
nicht an. "Zwei Dinge fallen uns dabei besonders auf:
1) Die Verschiebung vom Bereich der Gefühle in das Gebiet der Betätigung.
2) Was noch erstaunlicher ist, die negative Formulierung - "sollst du
ihm nicht antun." Bekanntlich, ist diese Paraphrase des Verses auf eine
Erzählung im Talmud begründet: Es ereignete sich, dass ein Nichtjude vor
Schammai trat und zu ihm sprach: "Mache mich zum Proselyten unter der
Bedingung, dass du mich die ganze Tora lehrst, während ich auf einem
Fuß stehe". Da stieß er ihn fort mit der Elle, die er in der Hand hatte.
Darauf kam er zu Hillel, und dieser machte ihn zum Proselyten und sprach zu
ihm: "Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht. Das ist
die ganze Tora, und alles andere ist nur die Erläuterung: geh und lerne sie"
(Sabbat 31 a).
Wer einen Menschen schmäht,
der schmäht G"tt!
In "Ethik und Gesetz im Judentum" von Rabbiner Dr. Federbusch (S. 41-43)
finden wir wichtige Bemerkungen zum Ausspruch Hillels und zu seiner
Auffassung des Gebotes, mit dem wir uns hier beschäftigen. Er schreibt: "Es
ist hier zu erwähnen, dass schon einer der großen Erklärer des Talmud, der
Maharscha (Rabbi Schmuel Edels) auf die negative Form in der Definition
Hillels aufmerksam gemacht hat." Daraufhin zitiert Federbusch aus dem
Kommentar des Maharscha: Es bedarf näherer Untersuchung, warum Hillel die
positive Forderung der Tora in negativer Weise ausgedrückt hat. Er hätte es
im Aramäischen so formulieren müssen, wie Onkelos es in seiner Übersetzung
ins Aramäische getan hat, nämlich "liebe deinen Nächsten wie dich selbst."
Wir müssen daher voraussetzen, dass Hillel sich darin absolut sicher war,
dass der Text hier von einem Verbot spricht (tue nicht an, "lo-taasse"),
während im Falle des positiv ausgedrückten Gebote, Gutes zu tun, die Tora
diese Wendung nicht benützt hat, wie der Talmud sagt: "Dein eigenes Leben
geht dem Leben deines Nächsten vor" (Bawa Mezia 62a). Die Worte des Targum
Jonatan beweisen die Richtigkeit dieser Interpretation. Federbusch führt nun
weiter aus: Es besteht kein Zweifel darüber, dass Hillel dem Proselyten mit
einer negativen Fassung des Gebotes der Nächstenliebe geantwortet hatte,
weil er vor allem daran interessiert war, den Kandidaten für den Übertritt
in das Judentum zu lehren, sich vom Bösen zu entfernen, was eine
Vorbedingung für positiv gutes Handeln ist, denn auch Hillel gibt doch
selbstverständlich zu, dass das Grundprinzip aller Ethik in der Tora die
positive Liebe ist.
Allen Forschern ist die Tatsache entgangen, dass Hillel selbst an einer
anderen Stelle das Grundprinzip jüdischer Ethik in positiver Form
ausgedrückt hat, und zwar in der Mischnah (Awot, Kap,1,12): "Sei von Aharons
Schülern... die Geschöpfe liebend." Hillel hat daher den Sinn des
Verses nicht eingeschränkt, sondern hat ihn erweitert und ihm dadurch eine
zusätzliche Erklärung gegeben.
Hätte man das Wort leReacha - deinen Nächsten - auch so verstehen können,
dass es sich nur auf Volksgenossen, d.h. Israeliten bezieht, so besteht doch
kein Zweifel darüber, dass unter dem Wort "Geschöpfe" die ganze Menschheit,
sogar die Götzendiener zu verstehen sind. Diese Auffassung vertritt auch
Rabbi Jaakow Emden in seinem Kommentar "Lechem Schamajim" zu "Awot" (Sprüche
der Väter).
Zum Verständnis der Ansicht des Maharscha, der das Gebot der
Nächstenliebe auf die Vermeidung des Bösen einzuschränken sucht, mag hier
noch hinzugefügt werden, dass es unter den Exegeten auch solche gibt, die
den Begriff "kamocha — wie dich selbst" gar nicht so verstehen; z.B. sagt
Rabbi Naftali Herz Weisel in seinem Kommentar zu Leviticus: "Ich behaupte,
dass "kamocha" bedeutet: denn er ist so wie du. Ein anderes Beispiel aus
Genesis 44,18: "denn du bist wie Pharao", du gleichst Pharao in deiner hohen
Stellung (kamocha ke...).
Auch in der halachischen Literatur wird das Gebot der Nächstenliebe
positiv spezifiziert. So schreibt RaMBaM: "Unsere Weisen gebieten uns,
Kranke zu besuchen, Trauernde zu trösten, Bräute auszustatten, für
vorüberziehende Wanderer zu sorgen, alles Notwendige zur Beerdigung eines
Toten zu tun und auch das junge Paar an seinem Hochzeitstag zu erfreuen...
dies sind Liebestaten, die man selbst, persönlich, mit eigener Kraft,
auszuüben hat, und für die es kein
bestimmtes Maß gibt. Obgleich all diese Gebote von unseren Weisen
herrühren, sind sie doch im Gebot der Nächstenliebe mit inbegriffen. Alles
was du gerne willst, dass andere für dich tun, tue auch du für deinen Bruder
in Tora und Mitzwot" (Gesetze für den Trauernden — Kap. 14,1).
Federbusch (S. 43) erklärt die Einschränkung "für deinen Bruder in Tora
und Mitzwot" folgendermaßen: "Anscheinend will RaMBaM damit sagen, dass man
unmöglich das Gebot "liebe ihn wie dich selbst" (oder: denn er ist wie du)
auf einen Mörder anwenden und ihn unbestraft gehen lassen kann, denn in der
Strafe selbst liegt gewissermaßen ein Akt der Nächstenliebe. Die menschliche
Gesellschaft wird durch die Bestrafung des Mörders gebessert, und viele
unschuldige Menschenleben werden dadurch gerettet. Aber in dem Moment, wo
anderen Menschen kein Schaden mehr zugefügt werden kann, haben unsere Weisen
angeordnet, den zum Tode verurteilten Verbrecher auch entsprechend dem Gebot
der Nächstenliebe zu behandeln und ihn keine unnötigen Qualen leiden zu
lassen: "Wähle für ihn einen leichten Tod" (Sanhedrin 52a)."
Im ersten Band der Enzyklopädie des Talmud findet sich unter dem
Stichwort "Ahawat Jisrael"
eine vollkommene Liste aller Vorschriften (Dinim), die zu diesem Gebot
gehören. Unter anderen sind es zwei Halakhot, die wir in diesem Zusammenhang
zitieren:
"Wer mit den Worten eines Gelübdes seinem Nächsten jeden Genuss von
seinen Gütern vorenthält, übertritt unter anderem auch das Gebot der
Nächstenliebe" (Nedarim 65b). Ebenso gehört hierzu: "Man darf einer Frau
keine Kiduschin geben, wenn der Mann sie nicht vorher gesehen hat, weil er
an ihr etwas Hässliches entdecken und sie ihm widerwärtig werden könnte, und
die Tora sagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." (Kidduschin 41a).
Die zentrale Stellung dieses Gebotes im Pflichtbewusstsein des Juden ist
im halachischen Midrasch zu Leviticus, dem Sifra, ganz besonders tiefsinnig
ausgedrückt worden: "Rabbi Akiwa sagt: Das ist ein Hauptprinzip in der
Tora." Ben Asai sagt: Der Vers in Bereschit (5,1) "Dies ist das Buch der
Nachkommen Adams. Am Tage, da G"tt den Menschen schuf - in der Ähnlichkeit
G"ttes schuf er ihn" — ist ein wichtigerer Grundsatz." Dieser erstaunliche
Ausspruch im Sifra wird uns verständlicher werden, wenn wir dem hinzufügen,
was der Midrasch Rabba (Kap. 24) nach der Erklärung von Rabbiner Hoffmann
hierzu zu sagen hat: "Ben Asai meint: Der Vers Gen. 5,1 enthält eine Lehre,
die wichtiger ist als diese, dass du nicht sagst: "Da ich beschimpft worden
bin, mag mein Nächster mit mir beschimpft werden; da ich verflucht worden
bin, mag mein Nächster mit mir verflucht werden"... wenn du so tust, wisse,
wen du beschimpfst: "im Ebenbilde G"ttes hat er ihn geschaffen!"...
Ben Asai fügt nur hinzu... (zu der Ansicht Rabbi Akiwas), dass der Maßstab
für die Nächstenliebe nicht die Liebe des Menschen zu sich selbst sein darf,
denn dann könnte einer, der gleichzeitig Schmähungen über sich ergehen
lasse, auch seinen Nächsten beschimpfen - sondern die Liebe und Achtung, die
wir unserem Nächsten schulden, haben ihren Grund und ihren Maßstab in dem
Fundamentalsatz: Der Mensch ist im Ebenbilde G"ttes geschaffen; wer also
einen Menschen schmäht, der schmäht G"tt".
Auch im Gebet, wenn wir die G"ttesnähe suchen, darf dieses Gebot nicht
aus unseren Gedanken weichen. Im Buche der Andacht ("Kavvanoth") des
heiligen Rabbi Jitzchak Luria* [haAri] finden wir: "Es ist richtig,
vor dem Gebet Folgende Worte zu sagen: Hiermit verpflichte ich mich, das
Gebot 'Du sollst deinen Nächsten lieben...' zu erfüllen."
Anm./Erläuterung: Die Liebe zu G'tt darf die Liebe
zum Menschen nicht beeinträchtigen.
Zum Abschluss unserer Ausführungen möchten wir noch einen Gedanken aus
der Literatur der Mussarbewegung bringen, und zwar nach dem Buch "Die
Mussarbewegung - ihre Geschichte, ihre Träger und ihre Lehrmethode" von
Rabbi Dow Katz. Der Gründer und Initiator dieser Bewegung, Rabbi Jisrael
Salanter, wollte der Ethik im Rahmen eines Lebens nach Tora und Mitzwot den
ihr gebührenden Platz einräumen und nahm es mit der Erziehung seiner
Anhänger, das Gebot der Nächstenliebe zu erfüllen, besonders genau. Im
zweiten Band des oben genannten Werkes wird der Lebenslauf eines der grossen
Vertreter der Mussarbewegung, des Rabbi Simcha Siessel, geschildert.
Dort bemerkt der Verfasser: "Rabbi Simcha rät uns auch, im Gebet an
bestimmten Stellen eine Pause zu machen, um unsere Willenskraft und unsere
Gefühle auf die Liebe der Geschöpfe zu konzentrieren" (S. 157).
Ferner schrieb Rabbi Simcha Siessel in einem seiner Briefe aus dem Jahre
1890: "Die Tora fordert von uns, das Gute für unsere Mitmenschen
anzustreben. Dieses Ziel kann aber weder durch die Verdrängung aller
Hassgefühle noch durch Erfüllung des Gebotes der Nächstenliebe um seiner
selbst willen erreicht werden, denn das wäre keine echte, wahre Liebe. Der
Mensch soll seinen Nächsten lieben wie sich selbst, und wie die Selbstliebe
naturbedingt ist und ohne jede Berechnung, Einschränkung oder Zwecksetzung
im Herzen des Menschen wirkt, so soll er auch seinem Nächsten natürliche,
selbstlose Liebe zukommen lassen, aus Freude und Genugtuung, ohne Grenze,
ohne Nebenabsichten und ohne rationale Begründung." (S. 158).
Ohne Berechnung, Einschränkung oder
Zwecksetzung, aus Freude und Genugtuung, ohne Grenze, ohne Nebenabsichten
und ohne rationale Begründung...
Dies ist eine erhabene Auffassung des Gebotes. G"tt gebe, dass vom hellen
Scheine des Liebesgebotes Strahlen und Funken ausgehen mögen, die die
Finsternis unseres von Zwietracht geplagten Lebens erhellen und den Satan
grundlosen Hasses aus unserer Mitte entfernen werden. Ja, es ist grundloser
Hass, der zur Zerstörung des Tempels geführt hatte und noch heute uns umgibt
und verführt. Seien wir auf der Hut, und stärken wir uns gegenseitig, damit
das Gebot der Nächstenliebe unser Leben erleuchte und uns als Wegweiser
diene!
*Rabbi J. Luria - Ha-Ari, 1534-1572,
Jerusalem - Safed.
Mystiker, gab der Kabalah ihre letzte, rezipierte Form.
Sehen wir selbst im Original: [Punktierter
Text] [Unpunktierter Text]
"Bina Bamikra - die Wochenabschnitte der Tora"
Die Wochenabschnitte der Torah, kommentiert durch Rabbiner Bernhard
Salomon Jacobson. Toralernen anhand der 52 Sidrot.
Anhand von zentralen Themen des Judentums wird ein Querschnitt durch
jüdisches Lernen vom Talmud über Raschi und Maimonides bis zu Buber und
Leibowitz gegeben.
400 Seiten sFr. 45.-
http://www.morascha.comsiehe auch:
Torath haKohanim, Levitikus:
Einführung in
das Buch Vajikra
Von Rabbiner Bernard J. Bamberger |
 |
hagalil.com
25-04-03
|
|
|
|