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Koscher leben...
 
 


Die "Hilkhoth Deoth" des Maimonides
(Sittenlehren des RaMBaM)

Übertragung in's Deutsche und Anmerkungen von Bernhard S. Jacobson


    Ktiwah veChatimah towah!
haGalil onLine, Morascha Buchhandlung und Morascha Verlag


Die Hilkhoth Deoth behandeln 11 Pflichten, 5 Ge- und 6 Verbote

  • I. Versuche G'tt in deinen Handlungen zu gleichen
  • II. Schließe dich seinen Bekennern an
  • III. Liebe deinen Nächsten
  • IV. Liebe den Fremden
  • V. Hasse keinen Menschen
  • VI. Gebe den Menschen Rat, Hinweis und Weisung
  • VII. Beschäme niemanden
  • VIII. Bedrücke und kränke keinen Unterlegenen
  • IX. Verleumde nicht
  • X. Räche dich nicht
  • XI. Sei nicht nachtragend

II. Abschnitt

Suche die Weisheit

1. Den körperlich Kranken schmeckt oft das Bittere süß und das Süße bitter. Es gibt Kranke, die nach Speisen Gelüste haben, die man nicht zu essen pflegt, z. B. nach Staub oder Kohle. Sie verabscheuen dagegen, je nach dem Grad ihrer Krankheit, die nahrhaften Speisen wie Brot oder Fleisch. So ergeht es auch denen, deren Seele krank ist, sie begehren und lieben die schlechten Eigenschaften, hassen dagegen den guten Weg, sie sind träge, ihn zu gehen, und ihrer Krankheit entsprechend ist er ihnen beschwerlich. So sagt auch Jesajas in bezug auf derartige Menschen: "Wehe denen, die zum Bösen sprechen, es sei gut, und zum Guten böse, die Finsternis gleich Licht setzen und Licht gleich Finsternis, Bitteres zum Süßen machen und Süßes bitter." (Jes. 5, 20.) Auf derartige Menschen bezieht sich: "Die verlassen die geraden Wege, um die finsteren zu gehen." (Spr. 2, 13.)

Worin besteht nun die Heilung der Seelenkranken? Sie sollen zu den Weisen, die die Ärzte für die Seele sind, hingehen, damit diese ihre Krankheit heilen durch die Eigenschaften, deren Befolgung sie ihnen dringend anempfehlen, bis sie auf den richtigen Weg zurückgekehrt sind. Diejenigen, die ihre schlechten Eigenschaften erkennen und nicht zu den Weisen gehen, um sich heilen zu lassen, diese hat Salomo mit den Worten gemeint: "Die Narren verachten Weisheit und Zucht." (Spr. l, 7.)

Den Extremismus meiden

2. Worin besteht nun das Heilungsverfahren? Zu einem aufgeregten Menschen sagt man, er solle sich angewöhnen, selbst dann, wenn man ihn schlägt oder ihm flucht, sich überhaupt nicht zu erregen, und er soll sich sehr lange Zeit so verhalten, bis seine Wutnatur vollkommen ausgerottet ist. War man hochmütig, so lebe man wie ein Geringer und Verachteter, man nehme immer den untersten Platz ein, ziehe alte und zerlumpte Kleider an, die ihre Träger verächtlich erscheinen lassen, und übe ähnliches mehr, bis der Hochmut gänzlich geschwunden ist. Dann halte man das Mittelmaß ein, welches der rechte Weg ist. Beim Mittelmaß bleibe man dann für immer. In dieser Weise verfahre man dann mit allen Eigenschaften. Führte man sich zuerst gemäß dem einen Extrem, so lebe man dann lange Zeit dem ändern entsprechend, bis man zum richtigen Verhalten gelangt, d. h. das Mittelmaß bei jeder Eigenschaft beobachtet.

Bescheidenheit

3. Es gibt aber Eigenschaften, bei denen der Mensch nicht das Mittelmaß innehalten darf, sondern sich vielmehr von dem einen Extrem vollkommen fernhalten muß; wir meinen den Stolz. Es ist für den Menschen noch nicht das Richtige, wenn er nur bescheiden ist, er sei vielmehr demütig und denke gering von sich selbst. Bei unserm Lehrer Moses heißt es daher: "Er war sehr bescheiden." (IV. B. M. 12, 3.)

"Bescheiden" allein wäre nicht genug gewesen. Die Weisen haben daher befohlen: "Sei gar sehr demütig". (Abot IV, 3.) Ferner sagten sie: "Jeder, der hochmütig ist, leugnet die religiöse Grundwahrheit (d. h. Gott), denn so heißt es: "Wenn dein Herz stolz wird, so wirst du den Ewigen deinen Gott vergessen". (V. B. M. 8, 14); (Sota 4b.)

Sie sagten ferner: "Wer auch nur im geringsten hochmütig ist, dem gehört der Bann." (Sota 5b)1).

1) Maimonides zieht hier 2 talmudische Aussprüche zu einem zusammen.

Auch der Zorn ist eine sehr häßliche Eigenschaft, man halte sich daher gänzlich von ihm fern. Man erziehe sich dahin, nicht einmal wegen einer Sache, über die man mit Recht zürnen könnte, in Zorn zu geraten. Will man nun seinen Söhnen, seinen Hausgenossen oder der Gemeinde, wenn man ihr Vorsteher ist, Angst einflößen, will man ihnen zürnen, damit sie sich bessern, so zeige man sich aus pädagogischen Gründen so, als sei man zornig, sei aber bei sich vollkommen ruhig, wie ein Mensch, der Zorn vorspiegelt, in Wirklichkeit gar nicht zürnt.1) Die alten Weisen sagen: "Jeder, der zürnt, gleicht einem, der Götzen dient." (Sabbat 105).

Ferner: "Bei einem Zornigen entfernt sich, wenn er ein Weiser war, seine Weisheit, wenn er ein Prophet war, seine prophetische Gabe." (Pesachim 66.) Das Leben der aufgeregten Menschen ist kein Leben. 2) Die Weisen haben daher geraten, sich vom Zorn vollkommen fernzuhalten. Man soll sich nicht einmal über Dinge aufregen, die berechtigten Ärger hervorzurufen pflegen. Dies allein wäre das richtige Verhalten. Die Art der Frommen ist: "Sie werden gekränkt, kränken aber andere nicht, sie hören, wie man sie schmäht, sagen aber nichts dagegen, tun alles aus Liebe (zu Gott) und freuen sich ihrer Leiden." Von derartigen Menschen sagt die Schrift: "Die Ihn lieben, sind wie die Sonne, wenn sie in ihrer Macht erstrahlt." (Richter 8, 31.) (Sabbat 88 b.)

Schweige

4. Der Mensch schweige viel. Er rede entweder ein Wort der Weisheit oder Dinge, die das tägliche Leben betreffen. Von Rab, einem Schüler von Rabbi Jehuda Hanassi, erzählt man, daß er niemals ein unnützes Gespräch geführt habe. 3) Das Gespräch der meisten Menschen ist aber als überflüssig anzusehen. Der Mensch mache nicht einmal bei den Dingen, die das tägliche Leben erfordert, viel Worte. Deshalb haben die Weisen gesagt: "Wer viel redet, bringt Sünde." (Abot I, 17.) Ferner: "Für den Körper habe ich nichts Gesünderes gefunden als zu schweigen." (Abot I, 17.)

Sogar betreffs Thora und Wissenschaft seien der Worte wenig, aber es sei viel des Inhalts. Das meinen die Weisen, wenn sie raten: "Man lehre seine Schüler immer in kurzer, knapper Form." (Pesachim 3b.) Sind es aber viel Worte und wenig Inhalt, so ist es sicher eine Torheit; darauf bezieht sich: "Der Traum kommt durch vieles Grübeln, in einer Fülle von Worten besteht die Stimme des Narren." (Prediger 5, 2.)

1) Sabbat 105 b werden verschiedene Beispiele von Talmudlehrern angeführt, die sich nur zum Schein zornig stellten.
2) Pesachim 113b.
3) Sukka 28 b wird von Rabbi Jochanan ben Sakkai erzählt, daß er keine unnötigen Gespräche geführt hat.

Rede überlegt

5. "Schweigen ist ein Zaun für die Weisheit." (Abot III, 15.) Man antworte daher auf Fragen nicht übereilt1), man rede nicht zu viel, lehre die Schüler ruhig, freundlich, ohne Geschrei2) und ohne breites Reden; so wie Salomo gesagt hat: "Die ruhigen Worte der Weisen werden gehört." (Prediger 9, 17.)

Was du sagst sollst du auch so meinen

6. Man soll sich keinerlei Schmeicheleien und glatte Redensarten angewöhnen, man soll nichts reden, was man nicht innerlich so meint, das Innere sei wie das Äußere3), nur was man denkt und fühlt, soll man reden. Man darf die Menschen in keiner Weise täuschen, auch nicht einen Nichtjuden4). Man darf ihm zum Beispiel das Fleisch eines gestorbenen Tieres nicht als Fleisch eines geschächteten Tieres verkaufen; nicht einen Schuh, der aus der Haut eines gestorbenen Tieres hergestellt worden ist, als einen, der von einem geschächteten Tier stammt. (Obgleich es für den Nichtjuden ja keinen Unterschied gibt zwischen einem Tier, das natürlich gestorben ist, und einem, das man geschächtet hat.)

1) Vgl. Abot V, 10, wo die Vorsicht beim Antworten als Kennzeichen des Weisen angegeben wird.
2) Vgl. Abot II, 6: "Der Jähzornige kann kein Lehrer sein."
3) Vgl. den Ausspruch des Talmuds in Joma 72 b: "Entspricht bei einem Talmudgelehrten das Innere nicht dem äußeren Gebahren, so ist er kein wahrer Talmudgelehrter."
4) Chulin 94 a.

Man soll keinen dringend bitten, zum Essen zu bleiben, von dem man weiß, daß er doch nicht mitessen wird. Ebenso soll man dem nicht große Geschenke anbieten, von dem bekannt ist, daß er sie doch nicht annehmen wird. Hat man einen Gast, so soll man nicht ein Faß öffnen lassen, um den Eindruck zu erwecken, es geschehe zu Ehren des Gastes, wenn man es ohnehin zu Geschäftszwecken hätte anstechen lassen.1) In allen anderen Dingen verhalte man sich ebenso. Jedes Wort der Schmeichelei und der Täuschung sei verboten. Die Sprache sei vielmehr wahr, der Sinn gefestigt und das Herz rein, frei von jeder List und Tücke.

Sei freundlich

7. Der Mensch sei weder ausgelassen und übermütig, noch traurig und schwermütig, sondern froh gestimmt. So sagten auch die Weisen: "Übermut und Leichtsinn bringen den Menschen zur Schande." (Abot III, 17.) Sie haben auch den Menschen gemahnt: sei nicht allzu übermütig, aber verfalle auch nicht in Trauer und Trübsinn, "sondern empfange jeden Menschen freundlich." (Abot I, 15.) Er sei nicht derart habgierig, daß er nicht genug Geld erraffen kann, aber auch nicht faul, ohne Beschäftigung; er soll vielmehr das rechte Mittelmaß einhalten. "Wenig Geschäft, aber viel Thora studieren." (Abot IV,10.)

Mit dem Wenigen, das er zum Vermögen hat, soll er sich freuen.2) Weder zänkisch, neidisch, voll Begierden, noch ehrsüchtig sei er. So sagten ja die Weisen: "Der Neid, die Begierde und die Ehrsucht bringen den Menschen aus der Welt." (Abot IV, 21.) Als allgemeine Regel gelte: man halte bei jeder Eigenschaft das Mittelmaß ein, bis alle Eigenschaften in Harmonie und Ausgeglichenheit sind. Das ist es, was Salomo sagte: "Wäge ab den Weg deiner Füße, so werden all Deine Wege richtig sein." (Spr. 4, 26.)

1) Chulin 94 a.
2) Vgl. Awoth IV, l: "Wer ist reich? der sich mit seinem Teil freut."

Hilchot Tschuwa und Hilchot Deot
Aus der Mischne Tora von Maimonides,
ins Deutsche übersetzt von Rabbiner Bernhard Salomon Jacobson.
Eine Einführung in die Gesetze der Rückkehr zu Gott und eine Einleitung für gutes Benehmen im Sinne der jüdischen Religion, besonders aktuell im Monat Elul und Tischri.
110 Seiten, SFr. 17.50.
http://www.hagalil.booksnbagels.com
©Morascha Verlag Reprint 1988

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