H. Simon und M. Simon -
Geschichte der jüdischen Philosophie
Teil 3
Die Theorie der negativen Attribute G'ttes hat für Maimonides zunächst
einen heuristischen Wert und einen methodischen Charakter. Im Bereich der
empirischen Erkenntnis, innerhalb der irdischen Welt kann man Objekte
dadurch erfassen, dass man immer mehr Bestimmungen von ihnen ausschliesst,
um auf diese Weise, durch eine Reihe von Negationen, sich der Erkenntnis zu
nähern: Die Exklusionen führen schliesslich zu einer dem betreffenden
Gegenstand der Untersuchung angemessenen positiven Bestimmung. In bezug auf
G'tt ist es allerdings nicht möglich, ihn auf diesem Wege zu erkennen, aber
trotzdem wächst unsere Erkenntnis, wenn es gelingt, unangemessene
Bestimmungen von der G'tteskonzeption fernzuhalten. Hinter jeder positiven
Aus sage über G'tt steht die Negation ihrer Negation. Wenn wir sagen, G'tt
existiere, so bedeutet das nur, dass wir ihm die Nichtexistenz absprechen;
mit der Behauptung seiner Allmacht ist gemeint, dass ihm keine Ohnmacht
zukommt. G'ttes Wesen hat also keinerlei Attribute, weder positive noch
negative.
Maimonides bietet eine Einteilung der Attribute in fünf Klassen:
Er unterscheidet Definitionen, Definitionsbestand teile, Qualitäten,
Relations- und Wirkungsattribute. Definitionen und Teildefinitionen
betreffen das Wesen dessen, von dem sie ausgesagt werden, während die
drei übrigen Klassen der Attribute dem Gegenstand akzidentell sind.
Definieren können wir G'tt nicht, denn die Definition erfolgt durch die
Feststellung des genus proximum, der nächsthöheren Gattung, und der
differentia specifica, des artbildenden Unterschiedes. Da G'tt als
oberstes Prinzip verstanden wird, ist eine Definition im Aristotelischen
Sinne nicht möglich. Ebenso verhält es sich mit Teildefinitionen.
Darunter versteht Maimonides Aussagen, die sich auf das Wesen eines
Gegenstandes beziehen, etwas bezeichnen, was für den Gegenstand
konstitutiv ist und ihm notwendig zukommt, ohne ihn umfassend zu
definieren. So ist zum Beispiel die Aus sage, der Mensch sei
vernunftbegabt, ein Teil seiner Definition, denn der Mensch ist ein
vernunftbegabtes Lebewesen. Eine Teildefinition G'ttes ist darum
unmöglich, weil das voraussetzen würde, dass G'tt aus Teilen
zusammengesetzt sei; er wäre also nicht einer im strengen Sinne
des Wortes. In der Darlegung der Attributenlehre fasst Maimonides den
G'ttesbegriff im Sinne des neoplatonischen Einen und führt auch die
Bemühungen der arabischen Dogmatik weiter, die den biblischen Begriff
des einen G'ttes mit grosser Konsequenz zu präzisieren getrachtet hatte.
Schon der Begriff der Einheit schliesst jede Aussage aus, da diese als
Verknüpfung von Subjekt und Prädikat bereits eine Zweiheit darstellt und
so eine Mehrheit begrifflicher Bestimmungen involviert. Ein
zusammengesetzter G'tt wäre entweder teilbar wie jede Zusammensetzung
und daher vergänglich, oder seine verschiedenen Attribute wären ebenso
ewig wie das Ganze, wodurch die Einheit G'ttes aufgehoben würde und wir
zur Vielgötterei gelangten. Im Anschluss an die Mutaziliten, für die die
göttlichen Attribute blosse Namen waren und diedamit Gedankengänge
vorwegnahmen, wie sie im Nominalismus der europäischen Scholastik
auftraten, war für Maimonides die Anerkennung von Teildefinitionen in
bezug auf den G'ttesbegriff weder theologisch noch philosophisch
möglich. Vom Wesen G'ttes kann ausser der Tautologie, dass G'tt G'tt
ist, nichts ausgesagt werden.
Eigenschaften sind Attribute, die zum Wesen des Dinges hinzutreten, es
infolgedessen nicht ausmachen. Schon daraus ergibt es sich, dass solche
akzidentellen Qualitäten dem G'ttesbegriff nicht gemäss sind, denn das Eine
würde dann zu etwas Zusammengesetztem, das Wesen zum Substrat von
Eigenschaften. Auch würde G'tt zu etwas Veränderlichem und wäre wechselnden
Zuständen unterworfen. Daher lassen sich, wie Maimonides betont,
akzidentelle Eigenschaften von G'tt nicht aussagen.
Was nun die Relationsattribute angeht, so scheint hier zunächst der
Eindruck entstehen zu können, sie seien auf G'tt anwendbar. Denn Beziehungen
eines Dinges zu anderen betreffen weder sein Wesen, noch sind sie
Qualitäten, die zu diesem Wesen hinzutreten; sie bedingen keine Vielheit und
keine Veränderung in dem durch sie bezeichneten Ding, das vielerlei
Beziehungen haben kann, dabei aber unverändert bleibt. Trotzdem lassen sich
von G'tt keine Relationen aussagen. Ein Ding kann zu Raum und Zeit in
Beziehung gesetzt werden, aber G'tt kann mit Raum und Zeit nicht verbunden
sein. Raum ist nach Aristoteles als Begrenzung von Körpern zu verstehen,
Zeit als Mass der Bewegung, die ein begriffliches Merkmal der Körper
darstellt. Räumliche und zeitliche Beziehungen lassen sich daher nur auf
Körper anwenden, so dass sie dem Unkörperlichen nicht zukommen und daher
G'tt nicht attribuiert werden können. Zunächst wäre aber eine dritte Art von
Beziehungen als auf G'tt an wendbar denkmöglich, nämlich die Beziehung des
Schöpfers zur von ihm geschaffenen Welt. Jedoch auch diese Relation weist
Maimonides zurück: Eine reale Verbindung zwischen G'tt und der Welt würde
das absolut Notwendige zum Möglichen in ein gegenseitiges und daher
umkehrbares Verhältnis setzen. Selbst ein Vergleich zwischen G'tt und der
Welt ist unmöglich, da es nichts beiden Gemeinsames gibt, das verglichen
werden könnte; G'tt ist prinzipiell von allem Geschaffenen verschieden, so
dass Schöpfer und Geschöpf unvergleichbar sind.
So scheint es also, dass G'tt vollkommen unerkennbar ist, weil wir von ihm
keinerlei positive Aussage machen können, sondern nur imstande sind zu
konstatieren, was er nicht ist. Das mag eine für die Philosophie mögliche
Konsequenz sein. Durch die Eliminierung aller inadäquaten Bestimmungen ist
mit Hilfe philosophischer Argumentation eine G'tteskonzeption entstanden,
die den prinzipiellen Gegensatz zwischen G'tt und der Welt, dem absolut
Einen und dem Vielen, scharf herausarbeitet. G'tt als der unerkennbaren
ersten Ursache steht die Welt als sein Produkt selbständig gegen über, doch
der G'ttesbegriff ist völlig entleert, so dass er als zentraler Bezugspunkt
monotheistischer Vorstellungen unbrauchbar geworden ist. Das Judentum kann
einen G'tt, zu dem der Mensch in keinerlei Beziehungen treten kann, nicht
akzeptieren, denn es versteht G'tt als sittlichen Willen und seine Lehre als
Forderung, und Aufgabe. Der biblische G'ttesbegriff ist der eines ethischen
Personalismus, und zwischen G'tt und dem Menschen besteht eine Ich-Du
Beziehung. Der Endzweck der Welt ist ihre grösstmögliche Annäherung an G'tt,
ihre ethische Vervollkommnung. Da der G'tt der jüdischen Religion ein
transzendenter G'tt ist, der ausserhalb der von ihm geschaffenen Welt steht,
ist von jüdischen Voraussetzungen her die Selbständigkeit der Welt und damit
die Möglichkeit, sie wissenschaftlich zu erforschen und rational zu
erkennen, legitim; die absolute Beziehungslosigkeit zwischen Schöpfer und
Geschöpf würde jedoch die Religion aufheben. Maimonides ist nicht nur als
Jude gehalten, den biblischen G'ttesbegriff - zumindest in einer
philosophisch interpretierten bzw. umgewandelten Weise - zu bewahren,
sondern sein erklärtes Ziel ist es auch, aller Philosophie zum Trotz
denjenigen, die in Zweifel geraten sind, nicht nur die Vertretbarkeit der
Lehren der Religion nachzuweisen, sondern auch ihre Vereinbarkeit mit der
Philosophie und sogar ihre Überlegenheit gegenüber demAristotelismus. Daher
musste er sowohl die Möglichkeit eines gewissen Masses an G'tteserkenntnis
bejahen und ein sichtig machen als auch die zunächst mehr neoplatonische als
aristotelische G'ttesvorstellung modifizieren, das absolut Eine durch den
einen personalen G'tt als Bezugspunkt für das sittliche Individuum ersetzen.
Denn die pantheistische Konsequenz, die aus dem neoplatonischen
Emanationsschema gezogen werden kann, so dass der als transzendent
angenommene G'tt zugleich weltimmanent und damit greifbar wird, ist für den
Denker nicht nur auf Grund seiner Position als Bekenner des Judentums,
sondern auch als Vertreter des Aristotelismus unannehmbar.
Maimonides fasst den Begriff der Relation sehr scharf und schränkt ihn
stärker ein als frühere jüdische Philosophen. Die jüdische Religion könnte
durchaus zugestehen, dass die sittliche Personalität G'ttes und die
sittliche Person des Menschen zueinander in Beziehung stehen. Jehuda Halewi
und Abraham ibn Daud haben daher Attribute der Relation als positive
Aussagen über G'tt zugelassen. Aus Gründen philosophischer Begriffsschärfe
kann sich Maimonides dazu nicht verstehen; Relation lässt er nur als
Beziehungen auf gleicher Basis gelten. Das bietet ihm aber die Möglichkeit,
die Tätigkeit des Schöpfers in ihrer kausalen Wirkung auf das Geschöpf als
eine separate Klasse von göttlichen Attributen zu fassen.
Diese Attribute der Wirkung unterscheiden sich von allen anderen dadurch,
dass sie im Gegensatz zu ihnen positive Attribute sind. Die einzige positive
Aussage, die wir von G'tt machen können, besteht in der Angabe der von ihm
ausgehenden Wirkungen, die, da wir G'tt als höchste Seinsursache erkennen,
möglich sein muss. Die uns erkennbaren Wirkungen G'ttes in der Welt sind
diejenigen, die auf den Menschen abzielen, so dass die göttlichen
Eigenschaften als Vorbilder in die Welt verlegt werden. Der ethische G'ttes
begriff der Bibel lässt sich mit dem absolut Einen der Philosophie nur
derart verbinden, dass die Ethisierung auf die Wirksamkeit G'ttes
eingeschränkt wird. Das ethische Wirken G'ttes auf die Welt realisiert
zugleich den Zweck der Schöpfung, indem der Mensch durch die Erkenntnis der
göttlichen Wirkungen zur ethischen Vervollkommnung geführt wird und sich
G'tt annähert, soweit das möglich ist. Unter philosophischem Aspekt mag
diese Ansicht unbefriedigend sein, doch ist eine Fundierung der Ethik von
der Position des Aristotelismus aus ebenso problematisch wie von der des
Neoplatonismus her. Maimonides indessen geht es um die philosophische
Durchdringung einer bereits fest stehenden Wahrheit, nämlich der Religion.
Er hat mit seiner Ethisierung der göttlichen Wirkungen nichts anderes getan,
als dem in der jüdischen religiösen Tradition vertretenen Gedanken, G'tt
habe zuerst die Tora geschaffen und nach ihrem Plan, unter Ansehung der
Tora, die Welt hervorgebracht, G'tt und dem Menschen in den Mittelpunkt. Der
Mensch verwirklicht seine Möglichkeiten in der Zielrichtung auf das
göttliche Vorbild, das ihm in den Wirkungen G'ttes erkenn bar ist. Jedoch
ist dieser Aspekt der Teleologie nur aus menschlicher Sicht relevant.
Ausserhalb seiner Attributen lehre bestreitet Maimonides ganz entschieden
die Ansicht, die Welt sei um des Menschen willen geschaffen und dieser sei
der Endzweck der Schöpfung. In einem solchen Falle wären grosse Bereiche des
Kosmos überflüssig und ihr Vorhandensein sinn- und zwecklos, da sie der
menschlichen Existenz nicht als Voraussetzung dienen. Maimonides weiss sich
in Übereinstimmung mit Aristoteles, nach dessen Auffassung von Teleologie
dem Menschen die Qualität eines beliebigen Einzeldinges zukommt; wie alles
andere Existente ist der Mensch auf die Verwirklichung seiner spezifischen
Möglichkeiten angelegt. Da jedoch für Maimonides die Welt nicht notwendig
ist, sondern willentliche freie Schöpfung, muss er im Gegensatz zu
Aristoteles fragen, wozu die Welt überhaupt geschaffen wurde. Doch erachtet
Maimonides die Frage nach dem Zweck aller Zwecke als für uns unbeantwortbar
und weist auf die Unerforschlichkeit des göttlichen Willens hin (vgl.
III,13).
Stehen sich ein religiöses und ein philosophisches Verständnis der
Teleologie gegenüber? Ergänzen sich die Betrachtungsweisen; so dass sie
harmonieren, oder sind sie als Widersprüche aufzufassen? Sind, wenn ein
Ausgleich unmöglich ist, diese Widersprüche beabsichtigt oder unterlaufen?
Was ist im Falle eines beabsichtigten Widerspruches die auf diese Weise
verhüllte wahre Meinung des Maimonides? Der Text lässt präzise Antworten auf
diese Fragen nicht zu; auf willkürliche Interpretationen, die leichtfertig
oder tendenziös wären, soll verzichtet werden.
Die Identifizierung von Sittengesetz und Weltplan ist ein dem Judentum
geläufiger, ja zentraler Gedanke, der sich bei Maimonides aus der religiösen
Tradition erklären lässt, wo bei er sich gleichzeitig mit Platonischen
Ansichten deckt, die möglicherweise ihrerseits auf die nachbiblische
jüdische Tradition eingewirkt haben. Da Maimonides die Philosophie Platons
nicht schätzt und meint, sie sei durch die des Aristoteles überwunden, lässt
sich die Ethisierung des der Attributenlehre zugrunde liegenden
neoplatonischen leeren G'ttesbegriffs als platonisierend, nicht aber als
Platonisch bezeichnen.
Da nun das Ziel der Religion in der
G'tteserkenntnis besteht, kommt es nach der Meinung des Maimonides für
den Menschen darauf an, die Wirkungen G'ttes zu erkennen; durch diese
Erkenntnistätigkeit ist jeder Mensch individuell auf G'tt bezogen, der
der alleinige Weltzweck ist. Die Erkenntnis stellt das Band zwischen dem
Menschen und G'tt dar, und so weiss sich Maimonides in Übereinstimmung
mit Aristoteles und dessen Ethik, indem er den Vorrang der dianoetischen
Tugenden betont; daraus resultiert für den Menschen die Verpflichtung
zum Lernen, zum Studium der göttlichen Gebote, denn nur auf diese Weise
kann sich die Annäherung des Menschen an G'tt vollziehen.
Die Betonung
des Wertes und der Notwendigkeit der Erkenntnis macht es verständlich,
dass Maimonides, nach dem er den G'ttesbegriff zunächst durch die
Ausschaltung aller unangemessenen Bestimmungen völlig entleert und die
menschliche Erkenntnis auf die Wirkungen G'ttes eingeschränkt hatte,
recht unvermittelt zu einer positiven Bestimmung G'ttes kommt und die
Aristotelische Formulierung, G'tt sei das Denken des Denkens, aufgreift.
Der zunächst neoplatonische G'ttesbegriff, der dann entsprechend dem
religiösen Anliegen des Autors durch die Einführung der
Wirkungsattribute ethisiert wird, erhält schliesslich eine Präzisierung
in Richtung auf die Aristotelische G'ttesdefinition. Maimonides legt den
Aristotelischen G'ttesbegriff ausführlich dar und zeigt, dass die in
allem aktuellen Denken vorhandene Identität von Denken; Denkendem und
Gedachtem es ermöglicht, G'tt das Denken zuzuschreiben, ohne damit die
Einheit des göttlichen Wesens aufzuheben. Das Denken G'ttes ist kein
Attribut seines Wesens, sondern das vollkommene Bewusstsein ist die
höchste Stufe des Seins überhaupt. Trotzdem bleibt ein Bruch zwischen
der konsequenten Negierung der Möglichkeit von Aussagen über das
göttliche Wesen und der positiven Bestimmung, zu der Maimonides
schliesslich gelangt. dass das Buch Widersprüche enthalte, hatte der
Autor mit dem esoterischen Charakter des Werkes begründet. Es obliegt
dem eingeweihten Leser, die wahre Meinung des Verfassers zu ergründen.
dass diese auf die Aristotelische Definition hinausläuft, liegt nahe,
weil Maimonides den Aristotelischen G'ttesbegriff als Grundsatz unseres
Glaubens« (I,68) bezeichnet und auf die Darlegungen in seinem Mischne
Tora, einer exoterischen Schrift; verweist. Ausserdem ist die negative
Theologie des Neoplatonismus für Maimonides nur ein Mittel,
Unangemessenes vom G'ttesbegriff fernzuhalten; das kann aber nicht dahin
führen, dass G'tt die absolute Leere ist, vielmehr ist er der Inbegriff
aller Vollkommenheit, die sich in seinen Wirkungen kundtut.
Das
göttliche Denken ist von menschlicher Erkenntnis zwar prinzipiell
verschieden; trotzdem besteht eine Analogie, denn auch menschliches
Denken ist dadurch gekennzeichnet, dass das Wissen mit seinem Gegenstand
zusammenfällt, so dass in der Denktätigkeit zwischen G'tt und dem
Menschen eine Ich-Du-Beziehung, eine Verbindung sittlicher, d. h.
denkender Wesen hergestellt wird. Maimonides gibt dem G'ttesbegriff des
Aristoteles, dessen reine Aktualität auf sich selbst bezogen bleibt,
eine religiöse Wendung, indem das göttliche Wissen, das im Gegensatz zum
menschlichen ein vollkommenes und unerworbenes Wissen ist, sich aktiv
auf die Welt richtet. G'tt weiss alles, das Vergangene und das
Zukünftige sind ihm gegenwärtig. Trotz verbaler Zustimmung zum
Aristotelischen G'ttesbegriff schafft sich Maimonides die Möglichkeit,
G'tt, der die Ursache alles Seins ist, als den souveränen Herrn der Welt
zu konzipieren, der auf Grund des ihm eigenen Wissens die Welt durch
seinen Willen aus freier Entscheidung ohne Notwendigkeit geschaffen hat
und der dem Menschen in sittlicher Personalität gegenübersteht.
Die
Intellektualisierung des G'ttesbegriffes und die damit korrespondierende
sittliche Aufgabe des Menschen, dessen höchste Tugend in der Erkenntnis
besteht, ergänzt Maimonides durch die nicht aus dem aristotelischen
System, sondern aus den religiösen Vorstellungen erwachsenen
Anschauungen des Vorhandenseins des freien Willens, mit dem G'tt wirkt.
Die Wirkungen, die G'tt attribuiert werden können, setzen sein Handeln
voraus, und analog dem göttlichen Handeln ist auch das Handeln des
Menschen durch den freien Willen bestimmt. Das Problem der Theodizee er
klärt Maimonides durch die Mangelhaftigkeit des Menschen; das Böse in
der Welt ist etwas vom Menschen Verursachtes und von G'tt völlig
Unabhängiges.
Mit Hilfe der göttlichen Willensfreiheit, einer religiösen, nicht aber auf
den Prämissen aristoteliseher Philosophie beruhenden These, sucht Maimonides
die Lehre von der Weltschöpfung einleuchtend zu machen. Dabei ist er sich
dessen bewusst, dass ein Beweis für diese Behauptung nicht zu erbringen ist.
Maimonides hat sich sehr eingehend mit dem Problem der Weltschöpfung
beschäftigt und sich mit der aristotelischen These der Ewigkeit der Welt,
die bei den arabischen Aristotelikern als notwendiges, permanentes
Hervorgehen der Welt aus G'tt aufgefasst wurde, auseinandergesetzt. Da
Maimonides vom Judentum ausgeht, akzeptiert er von vornherein die
Vorstellung von einem SchöpferG'tt. Von dieser Position her unterzieht er
die aristotelische Anschauung einer Prüfung, um festzustellen, wie weit ihre
Argumente beweiskräftig sind und welche Einzelheiten in der bisherigen
Auffassung und Darstellung der biblischen Vorstellungen sich durch
philosophische Erkenntnisse als unzutreffend erwiesen, so dass
Uminterpretationen erforderlich werden. Maimonides erkennt an, dass in bezug
auf die Geschehnisse in der sublunaren Welt die aristotelische Philosophie
die Beweise dafür liefern kann, dass hier die Ge setze strikter Kausalität
und Notwendigkeit volle Gültigkeit besitzen. Jedoch bestreitet er, dass es
berechtigt sei, Erfahrungen, die aus der Beobachtung innerweltlicher
Prozesse gewonnen sind, auf einen anderen Bereich zu übertragen, der dem
Irdischen als im Prinzip von ihm verschieden polar gegenübersteht; denn die
auf dem Wege der Spekulation, des Schliessens vom Bekannten auf das
Unbekannte entstandenen philosophischen Ansichten entbehren, wie er meint,
der Beweiskraft. Darum bleibe die biblische Auffassung, die Welt existiere
nicht durch Notwendigkeit, sondern durch die freie göttliche
Schöpfungstätigkeit, gültig, solange eine schlüssige Widerlegung nicht
erfolgt sei. dass Aristoteles der stringente Beweis der Weltewigkeit nicht
gelungen ist, kritisiert Maimonides zu Recht. Bekanntlich führt Aristoteles
nur einen indirekten Beweis für seine Behauptung der Weltewigkeit, indem er
auf die Widersprüche der ihm bekannten Weltentstehungslehren hinweist und
besonders die Ansicht Platons kritisiert, der einen entstandenen, dann aber
ewig fortbestehenden Kosmos annimmt. Allerdings ergibt sich für Aristoteles
die Weltewigkeit folgerichtig aus seiner Theorie der Bewegung. Da Bewegung
die Aktualisierung der Potentialität, das Streben der Materie nach der Form
dar stellt, Materie und Form als letzte Prinzipien des Seins aber
ungeworden, also ewig sind, stellt Bewegung die unwandelbare Beziehung
zwischen Ewigem dar.
Maimonides bedient sich im Grunde der gleichen
Methode wie Aristoteles, indem er nämlich dessen Ansichten einer Kritik
unterzieht. Und weil er zu dem Ergebnis kommt, dass Aristoteles für
seine These der Weltewigkeitkeinen schlüssigen Beweis erbracht habe; ist
für ihn das Problem als philosophische Frage ungelöst. Für Weltewigkeit
und für Weltschöpfung lassen sich Argumente vorbringen, und daher sind
unter philosophischem Aspekt beide Stand punkte gleichwertig.
Entsprechend seinem religiösen An liegen sieht sich Maimonides folglich
berechtigt, im Sinne der jüdischen Tradition die Schöpfungslehre als
eine Möglichkeit beizubehalten, deren Richtigkeit in der Wahrheit der
göttlichen Offenbarung begründet ist. Diesen Standpunkt formuliert der
Autor mit den folgenden Worten: »Was aber mich betrifft, so will ich zu
beweisen versuchen, dass es keineswegs unmöglich ist, dass die Welt der
Meinung unserer Heiligen Schrift gemäss erschaffen ist und dass gegen
alle philosophischen Argumente, aus denen hervorzugehen scheint, dass es
sich nicht so verhalte, Gegengründe vorhanden sind, die sie entkräften,
so dass es unmöglich wird, uns gegenüber von diesen Argumenten Gebrauch
zu machen. Da mir dies nun klargeworden ist und die Frage in betreff der
Ewigkeit oder des Erschaffenseins der Welt eine unentschiedene ist,
akzeptiere ich die Lösung, die durch die prophetische Überlieferung
gegeben ist, die Dinge erklärt, zu denen das spekulative Vermögen nicht
gelangen kann ... Nachdem nunmehr die Möglichkeit unseres Standpunktes
klargestellt ist, soll durch einen gleichfalls philosophischen
Beweisgang versucht werden, seine Überlegenheit gegen über anderen
Meinungen darzutun« (II,16).
Die Haltung, die Maimonides hier
einnimmt, ist in ihrer intellektuellen Redlichkeit achtenswert. Wäre, so
meint er, die Ewigkeit der Welt philosophisch erwiesen, so müsste man
die dieser Lehre entgegenstehenden biblischen Formulierungen
entsprechend umdeuten, wie er das ja auch mit Bibelstellen getan hat,
die es nahe legen, G'tt als körperlich aufzufassen.
Im Zusammenhang
mit den im zweiten Teil des »Führers« von Maimonides entwickelten
Beweisen für das Dasein G'ttes geht der Denker hypothetisch von der
These der Weltewigkeit aus, um zu zeigen, dass auf dieser Basis sowohl
die Existenz G'ttes als auch seine Einheit, seine Einzigkeitund seine
Unkörperlichkeit erweisbar seien. Auch von aristotelischen
Voraussetzungen gelangt man folglich zu einem G'ttesbegriff, wenngleich
nicht zu der jüdischen Vorstellung eines personalen G'ttes, eines
souveränen Weltenherrschers. Die Konzeption der göttlichen Freiheit, die
Maimonides vertritt, ist mit der strikten Kausalität der Aristotelischen
Lehre unvereinbar. Wäre der Standpunkt des Aristoteles bewiesen, müssten
alle Wunder der Bibel als Metaphern gedeutet und uminterpretiert werden,
die Maimonides in seiner eigenen Konzeption dadurch unterbringen kann,
dass er davon ausgeht, die Durchbrechung der regelmässigen Abläufe des
Weltgeschehens sei von vorn herein im göttlichen Weltplan angelegt. Nach
der Ansicht des Maimonides würde das Judentum durch die Annahme der
Weltewigkeit in ihrer aristotelischen Fassung vom Grunde aus umgestürzt,
weil auch alles, was das Religionsgesetz den Menschen hoffen und
fürchten lässt, aufgehoben wäre, so dass die Verantwortung des Menschen
für sein Tun durch den Verlust seiner Freiheit beseitigt wäre (II,25).
Die Frage zu stellen, was Maimonides getan hätte, wenn er genötigt
gewesen wäre, die Ewigkeit der Welt als bewiesen anzuerkennen, ist ein
müssiges Unterfangen. Den
aristotelischen Beweis abzulehnen, hält er sich für berechtigt, und
nach anderen philosophischen Beweismöglichkeiten zu suchen ist seine
Aufgabe nicht.
Das System, das Maimonides aufgebaut hat, um den
Schwankenden den Weg zu zeigen, wie sie, ohne ihre Traditionen
aufzugeben, im Sinne der Zeit wissenschaftlich gebildet sein konnten,
ist seinem Wesen nach eine Synthese, die einen Ausgleich zwischen zwei
im Grunde heterogenen Elementen zu schaffen sucht. Dieser Ausgleich ist
dadurch möglich, dass Maimonides strikt die irdische Welt vom Bereich
des Übersinnlichen scheidet und der Vernunft so weit Raum gibt, wie ihre
Möglichkeiten gehen, unanfechtbare Beweise zu liefern. Der Autor ist
bereit, jeden Gedanken und jede Meinung vorurteilslos zu prüfen und
jedes traditionelle Denkschema aufzugeben, sofern beweiskräftige
Gegengründe vorhanden sind. So modifiziert er von den Offenbarungslehren
des Judentums her den Aristotelismus und schränkt seine Geltung ein, die
Religion wird von ihm jedoch rational systematisiert und zu einer Art
philosophischem System gemacht. Maimonides versteht das Judentum als ein
rationales Gebäude, in dem sich Glauben und Wissen ergänzen. Er teilt
nicht die Ansicht der arabischen Aristote liker, dass die Philosophie
und die Religion zwar dieselbe Wahrheit aussprechen, diese aber nur von
der Philosophie klar formuliert werde, so dass der Glaube gegenüber dem
Wissen abgewertet wird, das Wissen jedoch nur wenigen zu Bänglich ist.
Auf der anderen Seite ist für Maimonides die Vernunft auch nicht eine
blosse Vorstufe des Glaubens, sondern er sucht Glauben und Wissen in der
Weise zu verbin den, dass das Geglaubte Aufgabe der Erkenntnis sein
müsse; dass der unreflektierte Glaube Vorstufe der Erkenntnis sei. Dabei
hat aber die Philosophie dort ihre Grenze, wo die Möglichkeit
stringenter Beweise aufhört. Dem philosophischen Denken wird einerseits
das Recht der Spekulation verwehrt, andererseits wird ihm der Bereich
des Beweis baren uneingeschränkt freigegeben. Auf diese Weise vermeidet
Maimonides eine antithetische Gegenüberstellung von Glauben und Wissen
und befreit die Philosophie insofern aus ihrer sektenhaften Rolle, die
sie in der arabischen Gesellschaft spielte, als er die Allgemeinheit
nicht prinzipiell von der richtigen Erkenntnis, von der philosophischen
Interpretation der Offenbarungslehren ausschliesst, sondern im Gegenteil
es zur religiösen Pflicht aller macht, zu einer philosophisch
geläuterten und rational verstandenen Religion zu gelangen. Auf diese
Weise wird die Philosophie zur Religionsphilosophie, das Judentum zur
Philosophiereligion. Auf der einen Seite hat Maimonides der Philosophie
die Möglichkeit verwehrt, letzte Fragen spekulativ zu lösen. Damit hat
er sie zugleich in die jüdische Religion und damit in die jüdische
Bildung als integraler Bestandteil ein gebaut. Auf der anderen Seite hat
er jedoch auch die Religion eingeengt und zu einer Vernunftlehre
gestaltet, aus der alle mystischen und selbst alle poetischen Elemente
verbannt sind.
So hat Maimonides nach beiden Seiten Konzessionen gemacht, indem er sowohl
die Philosophie als auch die jüdische Religion umgestaltet und radikal
umgebogen hat. Seine Synthese ist letztlich nur auf dem Wege des
Kompromisses möglich, und in gewisser Weise gehört Maimonides selbst zu den
Schwankenden, deren Führer sein Werk sein wollte. Als religiöser Reformer
war er radikal: Ohne Sentimentalität, dabei aber durchaus des Wertes der
Tradition eingedenk, stand er mit kritischem Verstand der historisch
gewordenen Gestalt der Religion gegenüber. Auf die weitere Entwicklung des
jüdischen Denkens hat sein Werk ausserordentlich befruchtend gewirkt, weil
in der Folgezeit niemand an dem von Maimonides aufgeworfenen Problem
vorbeigehen konnte, wie man die gesicherten Ergebnisse der Wissenschaft
akzeptieren kann, ohne die eigene Tradition preiszugeben. Der Denker hat mit
sicherem Blick erkannt, dass der Kern der jüdischen Religion, den es auf
jeden Fall zu bewahren gilt, die Beziehung des Menschen zur Tora und die
damit gegebene Ausrichtung auf G'tt ist, und hat sich nicht gescheut, alle
Bestandteile des Judentums, die dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis
nicht entsprechen, in einer Weise zu interpretieren, die auch vom Standpunkt
der Wissenschaft unanfechtbar war.
Das Vorgehen des Maimonides, der
philosophisches Denken zu einer religiösen Pflicht macht und der das
Judentum als eine Vernunftreligion versteht und es entsprechend aus und
umbaut, hat ebenso leidenschaftliche Zustimmung wie auch Ablehnung
gefunden. Die Vertreter der Orthodoxie bekämpften vor allem den »Führer«
und das erste Buch seines Religionskodex Mischne Tora, weil ihnen die
philosophische Fundierung der Offenbarung als gefährliche Neuerung
erschien. Das rationale Element gewinnt im System des Maimonides ein so
starkes Übergewicht, dass letztlich der Glaube dem Verstande unterworfen
wird; zugleich aber werden dem Verstand Schranken gesetzt, die den
Bestand der Religion garantieren sollen. Die Auffassung, dass das
Judentum eine Vernunftreligion sei, verbindet sich für die Folgezeit mit
dem Wirken und der Autorität des Maimonides. Man muss indessen sehen,
dass diese Einschränkung auf das rationale Element zwar eine legitime
religiöse Haltung ist, aber doch nur eine Seite der Religiosität.
Unreflektierte Erfüllung der religiösen Pflichten, die sowohl dem Mangel
an theoretischem Interesse entspringen kann als auch gerade im Gegenteil
dem Wunsch, das wissenschaftliche Denken von festgelegten
Voraussetzungen unabhängig zu entfalten bei gleichzeitiger Bewahrung der
Tradition als Lebensform der Gemeinschaft, ist eine andere Möglichkeit.
Auch die Mystik hat im religiösen Leben ihren Platz und ihre
Berechtigung. Man kann mit Maimonides diese irrationale Seite der
Religion ablehnen, doch die Allgemeinverbindlichkeit einer rationalen
Religionsauffassung lässt sich nicht vertreten. In der Regel verbindet
sich daher auch in der Literatur die Hochschätzung des Maimonides mit
der Ablehnung und Abwertung der Kabbala, der jüdischen Mystik, die - wie
bereits an anderer Stelle ausgeführt - nicht in den Rahmen unserer
Betrachtung gehört. Denn Mystik mag zwar philosophische Lehrstücke
inkorporieren, wie auch Philosophie mystische Elemente enthalten kann.
Trotzdem richtet sich mystische Spekulation nicht auf das rationale
Erkennen, sondern ist bewusst irrational auch dort, wo sie zum System
wird, und das ist einer ihrer Widersprüche.
Die Bedeutung des
Maimonides liegt vor allem in seiner systematisierenden Leistung. Er hat
den Grundstein dafür gelegt; dass sich das Judentum in einer Weise
verstehen liess, die es ermöglichte, die jüdische Tradition dem
wissenschaftlichen Fortschritt und dem jeweiligen Erkenntnisstand
unschwer zu akkommodieren.
Nicht nur auf die weitere Entwicklung des
Denkens im Judentum hat Maimonides einen wesentlichen Einfluss aus
geübt, sondern die Wirkung seiner geistigen Leistung ist auch im Bereich
der christlichen europäischen Scholastik in starkem Masse spürbar. Als
sich teils auf Grund der Übersetzungen aus dem Arabischen, teils auch
durch direkt aus dem Griechischen stammende Übertragungen die Kenntnis
der Philosophie des Aristoteles im christlichen Europa aus weitete,
stand die Kirche vor der Aufgabe, sich mit dem Problem des Verhältnisses
von Glauben und Wissen auf der Basis des neuen philosophischen Materials
und seiner arabischen Interpretationen erneut auseinander zusetzen. Auf
die Einbeziehung des Aristotelismus in die religiösen Lehren des
Abendlandes ist das Werk des Maimonides - auch dort wo seine Lösungen
nicht unbedingt akzeptiert wurden von massgeblichem Einfluss geworden.
Der erste Scholastiker, der Maimonides namentlich erwähnt, scheint
Alexander von Hales (gest. 1245) gewesen zu sein. Alexander bezeichnet
Maimonides als Rabbi Moyses, und dieser Name wird in den scholastischen
Texten dann beibehalten. Besonders das Argument des Maimonides gegen die
aristotelische Lehre von der Ewigkeit der Welt, dass es unzulässig sei,
von der An, wie die Dinge innerhalb der Welt entstehen, auf das Werden
der Welt insgesamt zu schliessen, wird nicht nur von Alexander von
Hales, sondern dann auch von Albertus Magnus und Thomas von Aquino
aufgegriffen. Vor allem für die Dominikanerschule; die sich bemühte,
einen entschärften und den Glauben nicht gefährdenden Aristotelismus mit
den Dog men des Katholizismus zu verbinden, bot Maimonides das Vorbild,
wie sich eine solche Synthese herbeiführen liess. dass die Lehren des
Aristoteles nur für die irdische Welt Gültigkeit besitzen, während die
darüber hinausgehenden Probleme im Einklang mit dem geoffenbarten
G'tteswort erklärt -werden müssen, vereint die christliche
Aristotelesrezeption mit Maimonides. Dabei soll allerdings eine
wesentliche Differenz nicht übersehen werden, die die Bestrebungen des
Maimonides von denen der christlichen Scholastiker grundsätzlich
unterscheidet. Für ihn ist die Philosophie nicht eine blosse Vorstufe
des Glaubens, sondern auch dieser ist rational. Was sich vor der
Vernunft als sinnlos ausweist, hat auch im Religiösen keinen Platz, und
das Widervernünftige wird von ihm nicht als übervernünftig
gerechtfertigt. Diese Haltung wird bei Maimonides dadurch ermöglicht,
dass die Spielbreite der Auslegung der religiösen Lehren im Judentum
ungleich grösser war als im Christentum, das an verbindliche
Interpretationen gebunden war.
Die Wirkung des Maimonides ausserhalb
der jüdischen Gemeinschaft ging zeitlich weit über das Mittelalter
hinaus. Eine Bekanntschaft mit seinem »Führer«
ist in der Renaissance bei Pico della Mirandola, bei Michael Servet und
bei Bodin nachweisbar, später - abgesehen von
Spinoza, der die hebräische Übersetzung benutzte - bei Leibniz,
der sich in seiner Polemik gegen Bayle, ob das Gute oder das Böse in der
Welt überwiege, auf Maimonides beruft.
Nachwirkungen
des Maimonidischen Systems
auf das Denken der Folgezeit