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Koscher leben...
 
 

 

Rabbiner Walter Rothschild:
99 Fragen zum Judentum

Was bedeutet es, wenn etwas "koscher" ist?
Brit Mila - warum sind jüdische Männer beschnitten?
Wie ist das jüdische Gebetbuch aufgebaut?
Was ist Chanukka?

[ Tipp: Am 29. März 2001 um 21.30 h wird Rabbiner Rothschild 
im haGalil-Chat zu Gast sein zum Thema: Wer ist Jude 
- was ist jüdische Identität? ]

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Walter Rothschild, 99 Fragen zum Judentum
Gütersloher Verlagshaus 2001
Euro 7,90

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Diese und viele andere Fragen beantwortet Rabbiner Walter Rothschild in seinem soeben erschienenen Buch. Trotz der gebotenen Kürze werden die jeweiligen Sachverhalte so prägnant, anschaulich und differenziert - wie es in einer solchen Einführung möglich ist - erklärt und Fragen auch auf ihre Vielschichtigkeit hin beleuchtet, wie etwa in dem einleitenden Artikel A wie Anfang - Wer sind eigentlich die Juden?

Das Buch setzt keine Kenntnisse voraus - es versteht sich als "Einstieg in das Judentum" und ist lexikalisch aufgebaut. Ein 3seitiges Stichwortverzeichnis am Ende des Bandes erleichtert das Auffinden weiterer Begriffe. Deshalb geht der Informationswert weit über die "99 Fragen" hinaus. Man merkt dem Buch die reiche pädagogische Erfahrung des Verfassers an.

Meist beschränken sich solche einführenden Bücher auf die orthodoxe oder die liberale Sichtweise. Die Stärke der vorliegenden Einführung liegt auch darin, daß Walter Rothschild auf die unterschiedlichen Sichtweisen von orthodoxen und liberalen Juden hinweist. Es ist inhaltlich anregend, vielfältig und macht Lust darauf, sich weitere Inhalte zu erschließen. Deshalb hätte man sich noch eine kleine Literaturliste gewünscht.

Leider muß bemerkt werden, daß der ansonsten für seine theologischen Publikationen renommierte Gütersloher Verlag dem Buch keine angemessene Betreuung im Hinblick auf die deutsche Übersetzung des englischen Orginals und das Lektorat zuteil werden ließ.

Der Übersetzer wollte vermutlich den Sprachduktus eines mündlichen Vortrags wiedergeben. Die Satzkonstruktionen in der deutschen Übersetzung sind teilweise sehr umständlich und holpern sich durch ganze Passagen, z.B. "er (d.h.der Grabstein - die Rezens.) pflegte gewöhnlich die folgende Inschrift auf hebräisch zu erhalten ..." oder wenn es um die vor den Mahlzeiten zu sprechenden Segenssprüche geht:

"Daher - indem man vor dem Essen anerkennt , dass die Nahrung nicht einfach ‘aus dünner Luft heraus kam’, sondern ein Teil der Schöpfung Gottes ist, dankt man Gott für das Recht und die Fähigkeit zu essen, und man wandelt einen bloßen körperlichen Vorgang - die Aufnahme gewisser Kalorien und Vitamine - um in einen ‘heiligen Akt’ der Erhaltung der eigenen Gesundheit und der eigenen Fähigkeit, weiterhin Gott zu preisen" (S. 116).

Der Übersetzer meinte Rabbiner Rothschild einen Sprachstil in den Mund legen zu müssen, der dem der Rezensentin bekannten englischen Orginal in weiten Teilen nicht entspricht. Auch das von dem Briten Walter Rothschild gesprochene Deutsch ist wesentlich stilsicherer als das seines Übersetzers.

Der Übersetzer vermochte sich so wenig vom englischen Orginal zu lösen, daß Behauptungen aufgestellt werden, die nicht den Tatsachen entsprechen.
Auf S. 114 heißt es über den Vortrag der Torah in bestimmten Melodienfolgen: "dies wird leyning genannt". Das mag in England zutreffen, aber hier in Deutschland wird die Torah nach wie vor "geleint" oder "gelejnt" (je nach Umschriftvariante).

Bodenlos wird es aber, wo der Übersetzer ins Orginalmanuskript Fehler hineinübersetzt oder Bezüge falsch wiedergibt. So wird die Menora (S.81) zum "sechsarmigen Leuchter" erklärt. Beim Chanukkafest wird durch die Zuschreibung "Fest des Lichts" (im deutschen Orginaltext mit Anführungszeichen) der Eindruck erweckt, daß es sich hier um eine Bezeichnung für das Chanukka- fest handeln würde. Später wird dann behauptet, Chanukka bedeute "Widmung".

Tatsächlich ist es das "Fest der Tempelweihe" - jedoch waren dem Übersetzer die unterschiedlichen Bedeutungsebenen des englischen Begriffs "dedication" offensichtlich nicht geläufig. Außerdem fehlte ihm die Unterscheidungsfähigkeit zwischen "verwirrten" und "verwirrenden" Berichten. Auch gebratene Krapfen zu diesem Fest sind eine neue kulinarische Variante des Übersetzers. Die Sufganjot werden - wie alle anderen Krapfen (Pfannkuchen) - in Fett oder Öl gebacken.

Und was soll sich ein Einsteiger vorstellen, wenn übersetzt wird, daß es üblich ist "beim Besuch eines Grabes "einen kleinen Kieselstein oder ähnliches auf den Grabstein zu legen" (S. 45). Was ist hier unter "ähnliches" zu verstehen?

Auch die Transkription (Umschrift) der hebräischen Begriffe ist ein trauriges Kapitel. Wenn sich der Verlag schon nicht an die gängigen Leuenberger Regeln zur Transkription hält, dann sollte zumindest ein in sich konsistentes System der Umschrift das Buch durchziehen. Für den siebten Tag der Woche findet sich wechselweise Sabbat, Sabbath oder Schabbat. Es wäre schon hilfreich gewesen, wenn das in englischen Transkriptionen verwendete "y" als "j" wiedergegeben worden wäre, die verschiedenen s-Laute sauber unterschiede- nen worden wären und auf die Richtigkeit von Mitlautverdoppelungen geachtet worden wäre ("ketuba" und nicht "ketubba"). So werden Einsteiger sich gelegentlich schwer tun, wenn sie bestimmte Begriffe mit Hilfe anderer Literatur vertiefen wollen.

Da in der gleichen Reihe noch "99 Fragen zum Islam" und "99 Fragen zum Buddhismus" geplant sind, kann man den Verfassern nur wünschen, daß der Verlag deren Manuskripten eine qualitativ bessere Betreuung angedeihen läßt.

Leseproben:

[ Tipp: Am 29. März 2001 um 21.30 h wird Rabbiner Rothschild im haGalil-Chat zu Gast sein zum Thema: Wer ist Jude - was ist jüdische Identität? ]

zum Weiterlesen bei haGalil:
Interview mit Rabbiner Rothschild
Chanukka - eine liberale Betrachtung v. Rabbiner Rothschild
Leitfaden durch den Pessach-Seder v. Rabbiner Rothschild

Iris Noah

haGalil onLine 21-03-2001



Fragen an die Rebbezin...
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