OR - das Licht.
Bildung gegen Unwissen und Antisemitismus.
[Reihe: Jüdisches Denken - Philosophie, Religion
und Gesellschaft]
Ein helles und strahlendes Denken:
Franz Rosenzweig
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:
de.wikipedia.org/wiki/Franz_Rosenzweig
Franz
Rosenzweig (geb. 25. Dezember 1886 in Kassel, gest. 10. Dezember 1929 in
Frankfurt am Main) war ein deutscher Historiker und Philosoph. Seine auch im
Dialog mit christlichen Freunden gewachsene jüdische Religionsphilosophie
gilt vielen als Angebot für einen interreligiösen Dialog.
Rosenzweig wuchs als einziges Kind des jüdischen Fabrikanten und Kassler
Stadtrats Georg Rosenzweig und dessen Ehefrau Adele in gutsituierten
Verhältnissen auf. In seiner Familie wurde ein emanzipiertes, liberales
Judentum gepflegt.
1905 begann er in Göttingen, München und Freiburg im Breisgau Medizin zu
studieren. 1907 wechselte er das Fach und studierte Geschichte und
Philosophie in Freiburg und Berlin. Er promovierte 1912 bei Friedrich
Meinecke. Seine Dissertation, in der er Hegels These von der Irrelevanz
des Individuums für die Gesamtheit kritisierte, arbeitete er später zur
Habilitationsschrift aus: Hegel und der Staat 1920.
1913 beschloss er unter dem Einfluss von Freunden und konvertierten
Familienmitgliedern wie seinem Vetter Hans Ehrenberg, mit dem ihn eine
besondere Freundschaft verband, zum evangelischen Glauben überzutreten. Bald
darauf widerrief er diesen Entschluss und vertiefte sich in das Studium der
jüdischen Überlieferung. Er ließ sich einige Monate von
Hermann Cohen in Berlin unterrichten und entschloss sich
schließlich, den Judaismus zu studieren und zu lehren.
Im
Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig. Er wurde als Sanitäter und bei
der Artillerie eingesetzt. Von der Front führte er seit 1916 einen Dialog in
Feldpostbriefen mit dem christlichen Rechtshistoriker Eugen
Rosenstock-Huessy. Den Briefwechsel veröffentlichte er 1929 unter dem Titel
"Briefe eines Nichtzionisten an einen Antizionisten". Noch im Krieg begann
er mit der Verfassung des "Stern der Erlösung" 1921, seinem philosophischen
Hauptwerk, das in strenger Systematik verfasst, aber auf den üblichen
wissenschaftlichen Apparat von Anmerkungen verzichtend, eine
philosophisch-theologische Reflexion des Glaubens liefern will.
1917 veröffentlichte Rosenzweig erstmals das von ihm entdeckte älteste
Systemprogramm des deutschen Idealismus, eine gemeinsame Frühschrift von
Hegel und Hölderlin.
Nach dem Krieg wurde Rosenzweig beauftragt, das "Freie Jüdische Lehrhaus" in
Frankfurt am Main aufzubauen. Die Aufgabe dieser Bildungseinrichtung war,
Wege zu weisen, wie jüdisches Leben in der Moderne gelingen könne. Zu den
dort Vortragenden zählten neben Rosenzweig und vielen anderen der
Religionsphilosoph Martin Buber,
Siegfried Kracauer und Erich
Fromm.
1922 erkrankte Franz Rosenzweig an einer Amyotrophen Lateralsklerose, die
mit starken Bewegungs- und Sprachstörungen verbunden ist. Rosenzweig musste
die Leitung des Lehrhauses aufgeben, die fortschreitenden
Lähmungserscheinungen hinderten ihn auch an der Vollendung vieler geplanter
Schriften. Trotz seiner Krankheit erschienen jedoch die Übersetzungen der
Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevi (1085–1141) sowie die ersten Teile der
"Verdeutschung der Schrift" (Die fünf
Bücher der Weisung, 1925), an denen er gemeinsam mit seinem Freund
Martin Buber arbeitete, der das Werk nach Rosenzweigs Tod vollendete. Seine
philosophische Abhandlung "Das neue Denken" 1925 diktierte er - inzwischen
völlig gelähmt - seiner Frau mit den Augenlidern.
Kurz vor seinem 43. Geburtstag erlag Rosenzweig am 10. Dezember 1929 in
Frankfurt am Main seiner Krankheit.
Bis heute wird jährlich die nach ihm benannte Buber-Rosenzweig-Medaille
durch den Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit an Personen verliehen, die sich besonders für den
christlich-jüdischen Dialog einsetzen.
Werke u.a.:
Hegel und der Staat, 1920
Bildung und kein Ende, 1920
Der Stern der Erlösung, 1921. Rosenzweigs religionsphilosophisches
Hauptwerk. Volltext
Das Büchlein vom gesunden und kranken Menschenverstand 1922
Sechzig Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevi, 1924
Die fünf Bücher der Weisung, 1925. Der erste Teil der gemeinsam mit Martin
Buber begonnenen Verdeutschung der Schrift
Zweistromland, 1926
Briefe eines Nichtzionisten an einen Antizionisten, 1929
Judaism Despite Christianity (mit Eugen Rosenstock-Huessy), 1971
Mendes Flohr über Franz
Rosenzweig:
Renaissance des deutschen
Judentums
Geboren und aufgewachsen in
einer Familie des assimilierten Judentums aus Kassel, hatte er sich zu einem
tiefreligiösen Juden entwickelt...

Ein Zentrum der Forschung:
Kassel und
Franz Rosenzweig
Kassel ist jetzt um einige tausend Briefe, Fotos und
Dokumente reicher. Ein bedeutender Teilnachlass des jüdischen
Religionsphilosophen Franz Rosenzweig (1886-1929) konnte zum Aufbau eines
Rosenzweig-Archivs erworben werden...
Athen und Jerusalem:
Die religionsphilosophische Stellung Franz Rosenzweigs
Philosophie und Religion hatten geschichtlich getrennte
Entwicklungen, was stets zur traurigsten Verwirrung der Geister den Anlass
gab. Tritt der junge jüdische Akademiker in die Lehrhallen der Universität
ein, dann wird ihm gesagt: Hellas ist das Land der Philosophie...
Religionsphilosophie:
Hermann Cohen
Gibt es denn noch immer eine zwiefache Wirklichkeit,
die eine der Universität, die andere der Welt, die eine der Philosophie, die
andere der Religion? Gewiss! Man bezeichnet das dann wohl durch die Formel
vom Gegensatz von "Glauben und Wissen"...
Vom Verhältnis Gottes zum Menschen und des Menschen
zu Gott:
Monotheismus und Heidentum
Das Heidentum, der Götzendienst, die Vielgötterei redet nur
von den Göttern oder Götzen. Der Monotheismus redet vom Menschen...
Die Geheimnisse der Weltzusammenhänge:
Die Schlafenden zu erwecken
In Rosenzweigs Werk kommt das Wort Religion nicht vor. Philosophie wollte er
geben, keine Religionsphilosophie, aber die Philosophie eines Juden. Aus
dieser folgt der Blick auf das Ganze des Weltprozesses...
Hermann
Cohen (4. Juli 1842 in Coswig
Deutschland - 4. April 1918 in Berlin Deutschland) war ein deutscher
Philosoph jüdischen Glaubens. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter
deutsch-jüdischen Denkens im 20. Jahrhundert. Cohen lehrte seit 1876 in
Marburg Philosophie und zog 1912 nach Berlin. Zusammen mit Paul Natorp ist
Cohen der wichtigste Vertreter der von Friedrich Albert Lange gegründeten
Marburger Schule des Neu-Kantianismus.
Sein wichtigstes Werk erschienen 1919 ist sein religionsphilosophisch Werk
"Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" ; die Zweitausgabe
herausgegeben durch Bruno Strauss wurde leicht umbenannt in "Religion der
Vernunft aus den Quellen des Judentums".
Martin
Buber (8. Februar 1878 in Wien - 13. Juni 1965 in
Jerusalem) war ein jüdischer Religionsphilosoph.
Buber wuchs im galizischen Lemberg (heute Lwiw, Ukraine) auf. Buber, Enkel
des Privatgelehrten und Midraschexperten Salomon Buber, war zu seiner Zeit
einer der wichtigsten Forscher und Sammler auf dem Gebiet der chassidischen
Tradition des osteuropäischen Judentums. Obwohl selbst eher dem
Reformjudentum zugehörend, widmete er sich dem Verständnis dieser orthodoxen
und ultraorthodoxen mystischen Bewegung im Westen. Dazu übersetzte er
zahlreiche Erzählungen und Traditionen des Chassidismus in die deutsche
Sprache und machte sie so bekannt. Insbesondere seine umfangreiche
Textsammlung "Die Erzählungen der Chassidim" liefert dafür ein
eindrucksvolles Zeugnis. Zeit seines Lebens war Buber ein Vermittler
zwischen der bedrohten traditionellen jüdischen Welt im Osten und der
westlichen wissenschaftlichen und aufklärerischen Moderne.
Zusammen mit dem Philosophen Franz Rosenzweig begann Buber 1925 mit der
Übersetzung der jüdischen Heiligen Schrift, des Tanach, ins Deutsche. Dabei
ging es den beiden Gelehrten vor allem um die sprachlich genaue Übertragung
des hebräischen Urtextes unter Wahrung seines vollen Bedeutungsreichtums.
Nach Rosenzweigs Tod im Jahre 1929 setzte Buber die Arbeit alleine fort, die
er erst 1961 abschließen konnte. In seinen philosophischen Werken kommt bei
Buber vor allem das Thema des Dialogs zum Ausdruck. Sein Hauptwerk trägt den
Titel "Ich und Du" und behandelt das Verhältnis des Menschen zu Gott und zum
Mitmenschen als existentielle dialogische religiöse Prinzipien. Diese prägen
später Amitai Etzioni und das kommunitaristische Denken.
Martin Buber war von 1924 bis 1933 Lehrbeauftragter und Honorarprofessor für
Jüdische Religionslehre und Ethik in Frankfurt am Main. 1938 konnte er aus
dem nationalsozialistischen Deutschland nach Jerusalem entkommen, wo er bis
1951 an der Hebräischen Universität von Jerusalem Anthropologie und
Soziologie lehrte. Sein Wohnhaus in Heppenheim wurde in der
Reichspogromnacht am 9. November 1938 verwüstet.
Martin Buber erhielt 1953 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels .
In New York war er 1955 neben Hannah Arendt u.a. an der Gründung des Leo
Baeck Institute beteiligt, einer wichtigen Dokumentations- und
Forschungsstätte für die Geschichte der deutschsprachigen Juden. Die
Bestände sind in elektronischer Form im Jüdischen Museum Berlin einsehbar.
1958 wurde er mit der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main
ausgezeichnet. 1963 erhielt er den Erasmuspreis. Bis heute wird jährlich die
nach ihm benannte Buber-Rosenzweig-Medaille durch den Koordinierungsrat der
Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit an Personen verliehen,
die sich besonders für den christlich-jüdischen Dialog einsetzen.
Werke u.a.:
Ich und Du, 1923
Die Schrift (Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig
1926-1938)
Die Erzählungen der Chassidim, 1949
Der Jude und sein Judentum, 1963
Die fünfzigste Pforte, 1907
Das Problem des Menschen 1948
Erich
Fromm (23. März 1900 in Frankfurt am Main - 18. März 1980 in
Locarno) war ein deutscher Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe.
Erich Fromm promovierte 1922 in Soziologie über Das jüdische Gesetz bei
Alfred Weber an der Universität Heidelberg. 1926 heiratete er die
Psychoanalytikerin Frieda Reichmann. In dieser Zeit gaben er und seine Frau
auch ihre orthodox-jüdische Lebensweise auf und er begann eine Ausbildung
zum Psychoanalytiker. 1929 begann Erich Fromm seine Laufbahn als
Psychotherapeut der Freudianischen Schule in Berlin.
1930 wurde er von Max Horkheimer (1895-1973) im Frankfurter Institut für
Sozialforschung als Leiter der Sozialpsychologischen Abteilung angestellt.
1931 trennte er sich von Frieda Reichmann mit der er jedoch lebenslang
freundschaftlich verbunden blieb (Scheidung erst 1942).
Am 25. Mai 1934 emigrierte er zusammen mit dem Institut für Sozialforschung
in die Vereinigten Staaten; am 31. Mai kam er in New York an. Ende 1939 kam
es nach verschiedenen Konflikten zu einer Trennung vom Institut für
Sozialforschung, nachdem er über viele Jahre Horkheimers wichtigster
Mitarbeiter gewesen war. Er wurde am 25. Mai 1940 US-amerikanischer
Staatsbürger. 1944 heiratete er die deutsch-jüdische Emigrantin Henny
Gurland († 1952).
Im Jahr 1950 übersiedelte er nach Mexiko-Stadt. Nach dem überraschenden Tod
seiner Frau Henny 1952 heiratete er 1953 die Amerikanerin Annis Freeman. Ab
1957 beteiligte er sich an der amerikanischen Friedensbewegung. Er selbst
hat immer einen humanistischen, demokratischen Sozialismus vertreten. 1965
wurde Fromm emeritiert; 1974 nahm er seinen Wohnsitz in Muralto (Tessin).
Seine konstruktiven Beiträge u.a. zur Weiterentwicklung der Psychoanalyse,
zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik des 20. Jahrhunderts
machen ihn zu einem der einflussreichen Denker des 20. Jahrhunderts, der oft
auch unterschätzt wurde. Viele seiner Bücher wurden seinerzeit zu
Bestsellern, seine Gedanken wurden außerhalb der Fachkreise breit
diskutiert. Fromms Denken war neben den jüdischen Glaubensschriften auch von
der Mystik Meister Eckharts beeinflusst.
In den Jahren 1966, 1977 und 1978 erleidet er jeweils einen Herzinfarkt. Am
18. März 1980 stirbt Erich Fromm an einem weiteren Herzinfarkt in Locarno
(Schweiz). Er wird in Bellinzona (Schweiz) eingeäschert. Fünf Tage nach
seinem Tod erscheint die Gesamtausgabe seiner Werke. Im Jahr 1981 bekam er
posthum die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main verliehen.
Der literarische Rechte- und Nachlassverwalter Fromms ist der
Psychoanalytiker Rainer Funk, der bei Fromm über Sozialpsychologie und Ethik
promoviert hat und dessen letzter Assistent war.
>> Tabellarischer
Überblick: Das Leben Erich Fromms
[GESAMTVERZEICHNIS
ERICH FROMM]
Siegfried
Kracauer (* 8. Februar 1889 in Frankfurt am Main;
† 26. November 1966 in New York) war ein deutscher Journalist (Frankfurter
Zeitung), Publizist, Soziologe und Filmwissenschaftler, Begründer der
Filmsoziologie.
Ausbildung und Frühwerk
Zwischen 1907 und 1913 studierte Kracauer in Darmstadt, Berlin und München
Architektur, daneben besuchte er Vorlesungen über Philosophie und
Soziologie. 1914 (1915?) promovierte er zum Doktor der
Ingenieurswissenschaften mit einer Arbeit über preußische Schmiedekunst und
arbeitete als Architekt in Osnabrück, München und Berlin bis 1920.
1922 bis 1933 arbeitete er als leitender Film- und Literaturredakteur in der
Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Zeitung zunächst in Frankfurt, ab 1930
in Berlin, wo er u. a. mit Walter Benjamin und Ernst Bloch
zusammenarbeitete. Zwischen 1923 und 1925 verfasste er einen Essay mit dem
Titel Der Detektiv-Roman, in dem er sich mit einem Alltagsphänomen der
modernen bürgerlichen Gesellschaft (Rosenberg 1992) beschäftigte.
Publizistische und journalistische Tätigkeit
In der Folgezeit beschäftigte sich Kracauer in Form von kleinen
Abhandlungen, den so genannten Miniaturen, intensiv mit den
Oberflächenerscheinungen des modernen Alltagslebens wie Revue, Zirkus,
Sportveranstaltungen, Rummelplätzen, Fotografien, Filmen, Reklame,
Stadtlandschaften und Interieurs, Tourismus, Tanz usw. Den theoretischen
Hintergrund seiner Methode formulierte Kracauer programmatisch in einem
seiner Schlüsselwerke, dem Ornament der Masse (1927). Die Aufsätze zeigen
eine starke Beschäftigung mit Max Weber und seinem Lehrer Georg Simmel.
Kracauer korrespondierte u.a. mit dem marxistischen Philosophen Ernst Bloch
und begann unter dessen Einfluss, sich ab etwa 1926 für die Schriften Karl
Marx' zu interessieren, und auch seine eigenen Schriften spiegeln zunehmende
Kapitalismuskritik wider.
1930 veröffentlichte Kracauer sein zweites größeres Werk, den Essay Die
Angestellten; er übernimmt die Feuilleton-Redaktion in Berlin und heiratet
Lili Ehrenreich. Aufgrund seiner zunehmend kritischen Haltung nehmen die
Differenzen mit der Chefredaktion der Frankfurter Zeitung zu. In dieser Zeit
nehmen Filmkritiken immer größeren Raum im Schaffen Kracauers ein.
Pariser Exil
1933 wurde Kracauer aus politischen Gründen von der Frankfurter Zeitung
entlassen und emigrierte zunächst nach Paris; dort begann er 1934 mit der
Arbeit an seiner Offenbach-Biographie; seine journalistische Arbeit trat in
dieser Zeit in den Hintergrund. Ab 1936 arbeitete er jedoch wieder mehr für
Zeitungen wie die Neue Zürcher Zeitung und die Basler NationalZeitung. 1937
erschien Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit.
Kracauer begann nun, sich um eine Einwanderungserlaubnis und Anstellung in
den USA zu bemühen. 1939 wurde er interniert, ein Jahr später gelang es ihm
jedoch, über Marseille und Lissabon in die USA auszureisen.
vgl. auch: Exilliteratur, Exil
Tätigkeit als Soziologe und Filmwissenschaftler in den USA
Von 1941 bis 1943 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum
of Modern Art in New York. Gleichzeitig arbeitete er, unterstützt durch
Stipendien der Rockefeller- und der Guggenheim-Stiftung an seiner Geschichte
des deutschen Films.
Im amerikanischen Exil arbeitete Kracauer zwischen 1949 und 1959, basierend
auf seinen Erfahrungen mit dem Film der 20er und 30er Jahre, an seiner
Filmtheorie (Theory of Film. The Redemption of Physical Reality, 1960) und
an From Caligari to Hitler. A Psychological History of the German Film
(1947).
In den letzten Jahren seines Lebens arbeitete Kracauer überwiegend als
Sozialwissenschaftler für verschiedene Institute, darunter in New York als
Forschungsdirektor für Angewandte Sozialwissenschaften an der Columbia
University. Er starb 1966 in New York an den Folgen einer Lungenentzündung.
Werk und Bedeutung
Kracauer analysierte und kritisierte die Phänomene der modernen
Massenkultur. Er verwendete dafür die von ihm entwickelte Methode der
Aufrichtung des Allgemeinen, welches wirklich im Raum des Konkreten
vorkommt. Niedergelegt in Form so genannter Miniaturen zeichnete er seine
scheinbar belanglosen Detailbeobachtungen auf. Dieser Ansatz ist von der
Idee her induktiv und enthält phänomenologische Elemente.
Obenflächenerscheinungen sind für Kracauer all die Beobachtungen, die er im
Alltagsleben seiner Mitmenschen anstellen und in Form literarischer
Miniaturen festhalten kann; sie unterscheiden sich von den Angaben der
Epoche über sich selbst wie Statistiken, Kommentare oder politische
Debatten, vor allem dadurch, dass sie weniger kontrolliert, weniger
organisiert, weniger intendiert (Mülder 1985) sind.
Sein spezielles Interesse galt insbesondere bis dahin wenig beachteten
kulturellen Bereichen wie dem Kino, dem Sport, der Operette, dem Zirkus und
dem Großstadtleben. Berühmt wurde er durch seine Filmkritiken und seine
Filmtheorie; für Kracauer stellt der Film einen Spiegel gesellschaftlicher
Zustände und Wunschvorstellungen dar.
Theodor W. Adorno sah in Kracauer einen der wichtigsten Anreger für seine
eigenen kulturphilosophischen Arbeiten.
Auch Kurt Tucholsky schätze Kracauers Schriften als erstklassiges
wissenschaftliches Erzeugnis: Statt dessen lest lieber die gerade
aufsehenerregende Serie Kracauers in der "Frankfurter Zeitung": "Die
Angestellten", ein breit angelegter Versuch eine wahrhaft modernen
Soziologie. Ein Schritt in unbebautes Neuland, von bestem Instinkt geleitet
(Kurt Tucholsky, "Auf dem Nachttisch").
Kracauers Schriften wurden zu einem wichtigen Bezugspunkt für die 1957
gegründete Filmzeitschrift Filmkritik.
Zum Inhaltsverzeichnis:
Jahaduth
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