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[Reihe: Jüdisches Denken - Philosophie, Religion und Gesellschaft]

Siegfried Kracauer

Siegfried Kracauer (geb. 8. Februar 1889 in Frankfurt am Main; gest. 26. November 1966 in New York) war ein deutscher Journalist (Frankfurter Zeitung), Publizist, Soziologe und Filmwissenschaftler, Begründer der Filmsoziologie.

Ausbildung und Frühwerk
Zwischen 1907 und 1913 studierte Kracauer in Darmstadt, Berlin und München Architektur, daneben besuchte er Vorlesungen über Philosophie und Soziologie. 1914 (1915?) promovierte er zum Doktor der Ingenieurswissenschaften mit einer Arbeit über preußische Schmiedekunst und arbeitete als Architekt in Osnabrück, München und Berlin bis 1920.
1922 bis 1933 arbeitete er als leitender Film- und Literaturredakteur in der Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Zeitung zunächst in Frankfurt, ab 1930 in Berlin, wo er u. a. mit Walter Benjamin und Ernst Bloch zusammenarbeitete. Zwischen 1923 und 1925 verfasste er einen Essay mit dem Titel Der Detektiv-Roman, in dem er sich mit einem Alltagsphänomen der modernen bürgerlichen Gesellschaft (Rosenberg 1992) beschäftigte.

Publizistische und journalistische Tätigkeit
In der Folgezeit beschäftigte sich Kracauer in Form von kleinen Abhandlungen, den so genannten Miniaturen, intensiv mit den Oberflächenerscheinungen des modernen Alltagslebens wie Revue, Zirkus, Sportveranstaltungen, Rummelplätzen, Fotografien, Filmen, Reklame, Stadtlandschaften und Interieurs, Tourismus, Tanz usw. Den theoretischen Hintergrund seiner Methode formulierte Kracauer programmatisch in einem seiner Schlüsselwerke, dem Ornament der Masse (1927). Die Aufsätze zeigen eine starke Beschäftigung mit Max Weber und seinem Lehrer Georg Simmel.
Kracauer korrespondierte u.a. mit dem marxistischen Philosophen Ernst Bloch und begann unter dessen Einfluss, sich ab etwa 1926 für die Schriften Karl Marx' zu interessieren, und auch seine eigenen Schriften spiegeln zunehmende Kapitalismuskritik wider.
1930 veröffentlichte Kracauer sein zweites größeres Werk, den Essay Die Angestellten; er übernimmt die Feuilleton-Redaktion in Berlin und heiratet Lili Ehrenreich. Aufgrund seiner zunehmend kritischen Haltung nehmen die Differenzen mit der Chefredaktion der Frankfurter Zeitung zu. In dieser Zeit nehmen Filmkritiken immer größeren Raum im Schaffen Kracauers ein.

Pariser Exil
1933 wurde Kracauer aus politischen Gründen von der Frankfurter Zeitung entlassen und emigrierte zunächst nach Paris; dort begann er 1934 mit der Arbeit an seiner Offenbach-Biographie; seine journalistische Arbeit trat in dieser Zeit in den Hintergrund. Ab 1936 arbeitete er jedoch wieder mehr für Zeitungen wie die Neue Zürcher Zeitung und die Basler NationalZeitung. 1937 erschien Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit.
Kracauer begann nun, sich um eine Einwanderungserlaubnis und Anstellung in den USA zu bemühen. 1939 wurde er interniert, ein Jahr später gelang es ihm jedoch, über Marseille und Lissabon in die USA auszureisen.
vgl. auch: Exilliteratur, Exil

Tätigkeit als Soziologe und Filmwissenschaftler in den USA
Von 1941 bis 1943 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum of Modern Art in New York. Gleichzeitig arbeitete er, unterstützt durch Stipendien der Rockefeller- und der Guggenheim-Stiftung an seiner Geschichte des deutschen Films.

Im amerikanischen Exil arbeitete Kracauer zwischen 1949 und 1959, basierend auf seinen Erfahrungen mit dem Film der 20er und 30er Jahre, an seiner Filmtheorie (Theory of Film. The Redemption of Physical Reality, 1960) und an From Caligari to Hitler. A Psychological History of the German Film (1947).
In den letzten Jahren seines Lebens arbeitete Kracauer überwiegend als Sozialwissenschaftler für verschiedene Institute, darunter in New York als Forschungsdirektor für Angewandte Sozialwissenschaften an der Columbia University. Er starb 1966 in New York an den Folgen einer Lungenentzündung.

Werk und Bedeutung
Kracauer analysierte und kritisierte die Phänomene der modernen Massenkultur. Er verwendete dafür die von ihm entwickelte Methode der Aufrichtung des Allgemeinen, welches wirklich im Raum des Konkreten vorkommt. Niedergelegt in Form so genannter Miniaturen zeichnete er seine scheinbar belanglosen Detailbeobachtungen auf. Dieser Ansatz ist von der Idee her induktiv und enthält phänomenologische Elemente.
Obenflächenerscheinungen sind für Kracauer all die Beobachtungen, die er im Alltagsleben seiner Mitmenschen anstellen und in Form literarischer Miniaturen festhalten kann; sie unterscheiden sich von den Angaben der Epoche über sich selbst wie Statistiken, Kommentare oder politische Debatten, vor allem dadurch, dass sie weniger kontrolliert, weniger organisiert, weniger intendiert (Mülder 1985) sind.
Sein spezielles Interesse galt insbesondere bis dahin wenig beachteten kulturellen Bereichen wie dem Kino, dem Sport, der Operette, dem Zirkus und dem Großstadtleben. Berühmt wurde er durch seine Filmkritiken und seine Filmtheorie; für Kracauer stellt der Film einen Spiegel gesellschaftlicher Zustände und Wunschvorstellungen dar.
Theodor W. Adorno sah in Kracauer einen der wichtigsten Anreger für seine eigenen kulturphilosophischen Arbeiten.
Auch Kurt Tucholsky schätze Kracauers Schriften als erstklassiges wissenschaftliches Erzeugnis: Statt dessen lest lieber die gerade aufsehenerregende Serie Kracauers in der "Frankfurter Zeitung": "Die Angestellten", ein breit angelegter Versuch eine wahrhaft modernen Soziologie. Ein Schritt in unbebautes Neuland, von bestem Instinkt geleitet (Kurt Tucholsky, "Auf dem Nachttisch").
Kracauers Schriften wurden zu einem wichtigen Bezugspunkt für die 1957 gegründete Filmzeitschrift Filmkritik.

Zum Inhaltsverzeichnis: Jahaduth



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