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Koscher leben...
 
 

Sefer Jezirah:
Das "Buch der Schöpfung"

Texte und Kommentare

Bis in die Zeit der posttalmudischen Periode finden wir keine tatsächlichen Zitate aus dem Sefer Jezira. Einer der frühesten dieser Hinweise findet sich in einem Gedicht, das von Rabbi Eleasar Kalir geschrieben wurde, der im fünften oder sechsten Jahrhundert und vielleicht sogar früher lebte.

Er schreibt:109

Dann, aus der Ewigkeit, mit Zehn Sprichworten meißeltest Du,
Mit Schreiber, Manuskript und Liste - Zehn,

Du fertigtest sie in sechs Richtungen,
Zehn Worte.

Es gibt auch im Bereita deShmuel HaKatan Anspielungen auf die Lehren des Sefer Jezira, der laut internem Material um 776 n.Chr. geschrieben wurde.110 Dort gibt es in einem späten Midrasch auch eine Erwähnung der "zehn Sefiroth des Nichts", der etwa um diese Zeit herum abgefaßt wurde.111

Das Fehlen aller unzweideutigen Hinweise auf das Sefer Jezira in der frühen Literatur hat einige Historiker dazu gebracht, Mutmaßungen darüber anzustellen, ob die talmudischen Zitate sich auf unseren Text beziehen oder nicht. Einige vertreten die Meinung, daß unsere Version viel später als der Talmud geschrieben wurde. Eine Liste solcher Beurteilungen findet sich in Tabelle 1.

Die sorgfältige Analyse enthüllt jedoch eine Anzahl von Schichten im Text. Die frühesten Teile des Buches erscheinen sehr alt, was die Talmudische Ära vordatiert.112 Eine beträchtliche Menge des Textes scheint später, möglicherweise als Glossar oder Kommentar, hinzugefügt worden zu sein. Wie einige der frühen Kommentatoren des Sefer Jezira bemerken, wurden gelegentlich Kommentare und Randbemerkungen in den Text eingegliedert.113 Im 10. Jahrhundert schreibt Rabbi Yaakov ben Nissim: "Leute schreiben hebräische Kommentare zu dem Buch, und andere törichte Leute kommen später und kommentieren den Kommentar. Unter ihnen ist die Wahrheit verloren."114 Das überrascht nicht, da in talmudischen Zeiten solche Randbemerkungen sogar in biblischen Texten üblich waren jedoch war genug von ihrem Inhalt bekannt, so daß die Kommentare nicht in den Text eingegliedert wurden.

Mehrere Schichten werden im Sefer Jezira offenbar, einige wurden in der späten Talmudischen Periode eingefügt, andere kamen scheinbar in der Gaonäischen Ära hinzu. So würden kritische Einschätzungen bezüglich seines Alters davon abhängen, welche Teile man studiert.

Die frühen Kommentare zum Sefer Jezira wurden im 10. Jahrhundert geschrieben. Der erste wurde 931 von Saadja Gaon, einem der wichtigsten religiösen Führer und Philosophen seiner Zeit, geschrieben. Der zweite, Chakamoni, wurde von Rabbi Shabbatai Donnelo im Jahre 946 geschrieben, während ein dritter von Donash ibn Tamim ein Jahrzehnt später geschrieben wurde.115 Diese sind alle eher philosophischen denn mystischen Inhalts.

Sehr wichtig ist die Tatsache, daß jeder dieser Kommentare über eine andere Version des Sefer Jezira geschrieben wurde. Der Kommentar von Donash wurde über die Version geschrieben, die jetzt allgemein als die Kurze-Version bekannt ist. Mit geringfügigen Variationen war es diese Version, die im Jahre 1562 in der Mantua-Ausgabe abgedruckt wurde, und sie herrscht in allen nachfolgenden gedruckten Ausgaben vor.

Der Kommentar von Shabbatai Donnelo wurde über die Version geschrieben, die jetzt allgemein als die Lange-Version bekannt ist. Viele gedruckte Ausgaben beinhalteten diese Lange-Version als eine Art Anhang. Ein vollständiges Manuskript dieser Version aus dem 10. Jahrhundert findet sich auch in dieser Version. Obwohl es wichtige Unterschiede in der Zuweisung der Werte der Buchstaben und Planeten gibt, ist die Lange-Version der Kurzen Version sehr ähnlich, jedoch mit einem zusätzlichen Kommentar versehen. Dies wird besonders im sechsten Kapitel offenbar, wo wir einen Kommentar zu den ersten Strophen des Buches finden. Auch einige Wiederholungen sind sehr bedeutungsvoll (4:14, 5:20), die eigentlich revidierte Ausgaben des vorigen Textes sind. Die Existenz sowohl einer Kurzen als auch einer Langen Version wurde bereits im 13. Jahrhundert von Abraham Abulafia erwähnt.116

Die dritte Version, von Saadja Gaon, ist auch in einigen frühen Geniza-Fragmenten zu finden. Sie ist der Langen Version sehr ähnlich, mit der Ausnahme, daß die Strophen in einer völlig anderen Reihenfolge stehen. Diese Variante, die Saadja Version genannt, ist von den Kabbalisten praktisch völlig ignoriert worden, obwohl sie anscheinend von Rabbi Yehudah HaLevi in seinem Kuzari benutzt wurde.

Bereits im 10. Jahrhundert erwähnte Saadja Gaon die vielen Varianten des Sefer Jezira, indem er sagte: "Es ist kein gewöhnliches Buch, und viele waren nachlässig bei der Abwandlung oder Transponierung des Textes."117 Ein Jahrhundert später bemerkte Rabbi Yehudah Barceloni: "Es gibt viele Versionen, einige sehr verworren.’’118 Im Jahre 1562 bemerkten die Herausgeber der ersten Mantua-Ausgabe, daß sie viele Manuskripte sichten mußten, um einen verläßlichen Text zu erhalten.

Wenn man alle Varianten, die in Manuskripten zu finden sind, zählt, finden wir Dutzende verschiedener Variationen des Sefer Jezira Textes. Kein anderer jüdischer Text existiert in so vielen Versionen. Einige davon könnten von verschiedenen Schulen stammen, die, weil deren Lehren geheim waren, nicht miteinander kommunizierten. Verschiedene Randbemerkungen und Kommentare wurden in den Text übernommen und schufen wieder andere Varianten. Wenn der Text lange mündlich erhalten wurde, mögen sich dadurch auch Varianten in seiner Reihenfolge entwickelt haben.

Weiterhin gibt es noch eine andere Möglichkeit, nahegelegt durch die Tatsache, daß die Kabbalisten im wesentlichen alle oben erwähnten Versionen ablehnten. Es ist bekannt, daß die Kabbalisten während der Gaonäischen Periode (6. - 10. Jahrhundert) ihren Unterricht auf sehr kleine, geheime Gesellschaften beschränkten. Sehr großer Wert wurde der Aufrechterhaltung der Verschwiegenheit beigemessen, auf daß die Lehren nicht in falsche Hände fallen sollten. Da das Sefer Jezira ein sehr kleines Buch ist, stellte es das größte Risiko dar. Die Führer dieser Schulen mögen wissentlich falsche Versionen verbreitet haben, so daß jene verwirrt wurden, die versuchten in ihre Geheimnisse einzudringen. Mit mehreren Versionen in Umlauf würde der Uneingeweihte nicht wissen, welche er benutzen sollte.

Es waren die Kabbalisten selbst, die den korrekten Text, anfänglich verborgen vor Außenstehenden, bewahrten. Um 1550 sichtete Rabbi Moshe Cordevero, Führer der Safed Schule und der größte Kabbalist dieser Zeit, die zehn besten verfügbaren Manuskripte und wählte das aus, das am genauesten in die Tradition der Kabbalisten paßte.119 Eine Generation später wurde der Text durch den Ari (Rabbi Yitzchak Luria), einem der größten Kabbalisten aller Zeiten, weiter bearbeitet. Dieser Text, bekannt als die Ari Version, wurde eine Zeitlang, gewöhnlich als Teil einer anderen Sammlung, veröffentlicht. Er ähnelt der Kurzen Version in vielen Teilen, jedoch gibt es einige sehr bedeutungsvolle Unterschiede in den Zuweisungen. Im allgemeinen ist die Ari Version die einzige, die in Übereinstimmung mit dem Sohar steht.

Es wurde sogar eine Anzahl von Variationen in dieser Version gefunden, und ein abschließender redigierter Text wurde vom Gra (Rabbi Eliahu, Gaon von Vilna) schließlich im 18. Jahrhundert verfaßt.120 Sie ist als Gra-Ari Version, oder einfach als Gra-Version bekannt.

So gibt es also vier wichtige Versionen des Sefer Jezira:

  1. Die Kurze-Version

  2. Die Lange-Version

  3. Die Saadia-Version

  4. Die Gra-Version.

Da die Gra-Version von den Kabbalisten als die authentischste betrachtet wird, haben wir diese für die erste Übersetzung und den Kommentar ausgewählt. Die anderen drei Versionen werden in Anhang I aufgeführt.

Über achtzig Kommentare wurden über das Sefer Jezira geschrieben. Einige, besonders die frühesten, waren hauptsächlich philosophischer Natur. Mit dem Auftauchen der Kabbala als öffentliche Lehre wurden auch eine Anzahl kabbalistischer und mystischer Kommentare verfaßt. Als der Bahir und der Sohar veröffentlicht waren, arbeiteten Kommentatoren daran, das Sefer Jezira in das System dieser Texte einzuarbeiten. Das gleiche galt für die Lehre des Ari, die die späteren Kommentare beherrschte. Eine Geschichte der Kommentare zum Sefer Jezira liest sich wie eine Geschichte der Kabbala. Ein Verzeichnis der bedeutenden Kommentare findet sich in der Bibliographie.

Unser Kommentar des Sefer Jezira berücksichtigt die meisten davon wie auch unsere anderen Forschungen über die Methoden der Kabbalisten, und vieles davon ist in meinem Buch Meditation und Kabbalah veröffentlicht worden. Obwohl die verschiedenen theoretischen Zugänge auch wichtig sind, habe ich mich hauptsächlich auf die mystischen Techniken, die im Sefer Jezira umrissen werden, wie auch die meditativen Methoden, die sie andeuten, konzentriert.

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