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Sefer Jezirah:
Das "Buch der Schöpfung"

Einführung

Das Sefer Jezira ist ohne Frage der älteste und höchst geheimnisvollste aller Kabbalistischen Texte. Die ersten Kommentare über dieses Buch wurden im 10.Jahrhundert geschrieben, und der Text selbst wird bis auf das sechste Jahrhundert zurückgeführt. Hinweise auf dieses Werk erscheinen im ersten Jahrhundert, während der traditionelle Gebrauch seine Existenz sogar in biblischen Zeiten bezeugt.

Die Ursprünge dieses Buches sind für Historiker nicht mehr zugänglich. In Hinblick auf seine Verfasserschaft sind wir völlig auf Überlieferungen angewiesen. Genauso geheimnisvoll ist die Bedeutung des Buches.

Falls der Autor die Absicht hatte, anonym zu bleiben, so war er damit außerordentlich erfolgreich. Nur durch sorgfältigste Analyse, dem Studium jedes Wortes, mit all seinen Parallelen in biblischer und talmudischer Literatur, kann dieser Dunst des Mysteriösen durchdrungen werden.

Es hat viele Interpretationen des Sefer Jezira gegeben. Die frühesten Kommentatoren versuchten es als eine philosophische Abhandlung zu interpretieren, aber ihre Ausführungen warfen mehr Licht auf ihre eigenen Systeme als auf den Text. Das gleiche gilt für die Bemühungen, es in die Systeme des Sohar oder späterer Kabbalisten zu pressen. Versuche, es als ein Buch über Grammatik oder Phonetik zu betrachten, waren noch erfolgloser.

Allgemein wird die Kabbala in drei Kategorien unterschieden, die Theoretische, die Meditative und die Magische.

  • Die Theoretische Kabbala (1), die in ihrer gegenwärtigen Form weitgehend auf dem Sohar basiert, handelt hauptsächlich von der Dynamik der spirituellen Bereiche, insbesondere der Welten der Sefiroth, der Seelen und der Engel. Dieser Zweig der Kabbala erreichte seinen Zenit in den Schriften der Safed-Schule im 16.Jahrhundert, und die Mehrheit der veröffentlichten Texte gehört in diese Kategorie.

  • Die Meditative Kabbala beschäftigt sich mit dem Gebrauch göttlicher Namen, Buchstabenvertauschungen und ähnlicher Methoden, um höhere Bewußtseinszustände zu erreichen, und ist als solches eine Art von Joga. Die meisten der Hauptwerke sind nie veröffentlicht worden, sondern bleiben verstreut in den Manuskripten der großen Bibliotheken und Museen. Einige dieser Methoden genossen mit dem Aufstieg der hassidischen Bewegung, in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine kurze Renaissance, waren aber innerhalb eines halben Jahrhunderts wieder weitgehend vergessen.

  • Die Magische Kabbala, die dritte Kategorie, ist eng verwandt mit der Meditativen. Sie besteht aus verschiedenen Zeichen, Beschwörungen und göttlichen Namen, durch die man natürliche Ereignisse beeinflussen oder verändern kann. Viele der Techniken ähneln meditativen Techniken, und ihr Erfolg mag von ihrer Fähigkeit abhängen, spirituelle Zustände auszulösen, in denen telekinetische oder geistige Kräfte wirkungsvoll kanalisiert werden können. Wie in der zweiten Kategorie sind die wichtigsten Texte nie gedruckt worden, obwohl einige Fragmente veröffentlicht wurden. Eines der besten Beispiele dafür ist das Buch Raziel.

Sorgfältige Studien zeigen, daß das Sefer Jezira ein meditativer Text mit starken magischen Untertönen ist. Dieser Standpunkt wird von den frühen talmudischen Traditionen unterstützt, die andeuten, daß er dazu benutzt werden kann, lebende Geschöpfe zu erschaffen. Besonders bedeutungsvoll sind die vielen Berichte und Legenden, in der das Sefer Jezira benutzt wird, um einen Golem, eine Art mystischer Android, zu erschaffen.

Die im Sefer Jezira genannten Methoden scheinen meditative Techniken mit einzubeziehen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß es ursprünglich als ein Handbuch meditativer Techniken verfaßt wurde. Ein bedeutender Philosoph des 12. Jahrhunderts äußerte sich dementsprechend, daß es keine Philosophie beinhalte, sondern göttliche Mysterien. (2) Dies kommt besonders im Kommentar eines der größten Kabbalisten, Isaak dem Blinden (1160-1236), zum Ausdruck, der die meditativen Aspekte des Textes hervorhob.

Dies zeigt sich besonders in einem sehr alten Sefer-Jezira-Manuskript, das aus dem 10. Jahrhundert oder früheren Zeiten stammt. Der einführende Kolophon gibt an: "Dies ist das Buch der Buchstaben von Abraham unserem Vater, das Sefer Jezira genannt wird, und wenn jemand hineinschaut (tzafah), so gibt es keine Grenze seiner Weisheit."(3) Wie wir in unserem Kommentar (zu 1:6) erläutern werden, bedeutet das Wort tzafah nicht bloßes physisches Schauen, sondern mystische meditative Einsicht. Diese sehr alte Quelle würde so die Position stützen, daß das Sefer Jezira eigentlich als meditativer Text benutzt werden sollte.

Die Kommentare, die das Sefer Jezira als einen theoretischen Text behandeln, lesen es hauptsächlich in der dritten Person: "Er kombinierte", "Er bildete", usw. Gemäß dieser Lesart bezieht sich der Text auf Gottes Schöpfung. In vielen Fällen ähnelt die grammatische Form jedoch eher dem Imperativ.(4) Der Autor weist den Leser an, zu "kombinieren" und zu "gestalten", so als ob er tatsächlich Anweisungen gäbe. In vielen anderen Fällen ist der Text unzweideutig unterweisend, etwa in Passagen wie: "Wenn dein Herz rennt, kehre zurück an den Ort" und "Verstehe mit Weisheit und sei weise mit Verständnis." Anstatt den Text zwischen der dritten Person und dem Imperativ wechseln zu lassen, wäre es logischer, ihn vollständig im Imperativ zu lesen. Das Sefer Jezira wird so zu einem Unterrichtshandbuch für eine sehr spezielle Art von Meditation. Aus Achtung vor der Mehrheit der Kommentare haben wir von einer Übersetzung im Imperativ Abstand genommen, aber die Bedeutungen einer solchen Leseart wird im Kommentar besprochen.

Das Sefer Jezira scheint also ein Lehrbuch zu sein, in dem bestimmte meditative Übungen beschrieben werden. Es gibt einige Anzeichen dafür, daß diese Übungen dazu gedacht waren, die Konzentration des Initiierten zu stärken, und als besonders hilfreich in der Entwicklung von telekinetischen und telepathischen Kräften erachtet wurden. Mit diesen Kräften wäre man dann fähig, Dinge auszuführen, die äußerlich magisch erscheinen. Das wird durch die Talmudstellen unterstützt, die den Gebrauch des Sefer Jezira mit einer Art Weißer Magie vergleicht.(5) Ein bedeutender Kommentator des 13. Jahrhunderts schreibt, daß den Studenten des Sefer Jezira ein Manuskript des Buches Raziel, ein magischer Text der Siegel, magische Abbildungen, göttliche Namen und Beschwörungen beinhaltet, gegeben wurde.(6)

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