Den
Baum des Lebens hegen und pflegen:
Der Spirituelle Gärtner"Es gibt
keinen einzigen Grashalm, der nicht von einer Kraft angetrieben wird,
welche ihm befiehlt: Wachse!"
So überraschend es sein mag, die gemächliche
Gartenarbeit der Vergangenheit spiegelt unsere eigenen spirituellen Wurzeln
wider und wir können uns mit diesen durch einfache Betrachtung verbinden,
indem wir die Weisheit der Kabbalah nutzen.
Und
Gott sprach: "Die Erde lasse Gras hervorsprießen, das Samen hervorbringt,
Fruchtbäume, die auf der Erde Früchte tragen nach ihrer Art"...
Genesis 1:11
Das Symbol, das am meisten mit der Weisheit der Kabbalah
in Verbindung gebracht wird, ist der Baum des Lebens. Kabbalah und all die
althergebrachten Schriften sind voll von Beispielen aus dem Pflanzenreich.
Historische hebräische Schriften verwendeten die spirituellen Wurzeln der
Vegetation, um den menschlichen, spirituellen Wachstumsprozess zu
beschreiben. Sie benutzten sie als Lernwerkzeug und wir können Nutzen daraus
ziehen, indem wir sie dazu verwenden, um unserer Seele "auf den Grund" zu
gehen.
Die nachfolgenden Worte beruhen auf einem Brief, den der Kabbalist Rabbi
Baruch Ashlag, der erstgeborene Sohn und Nachfolger von
Rabbi Yehuda Ashlag, auch als Baal HaSulam
bekannt, schrieb. In seinem Brief erklärt Rabbi Ashlag seinen Studenten,
dass die Arbeit auf dem Felde spirituelle Prozesse darstellt und wie wir
diese erfahren können.
Adam und der Baum des Lebens
In der Kabbalah werden die Begriffe "Natur" und "Schöpfer" als Synonyme
betrachtet. Der Begriff "Leben" (Chajim) wird als mit der Natur und ihrem
Schöpfer in Kontakt stehend verstanden und das Wort "Baum" (Ez) kann
entweder "Leben" symbolisieren, also Kontakt mit dem Schöpfer, oder "Wissen"
darum, warum der Schöpfer so handelt, wie er es tut. Tatsächlich ist die
Stufe, welche "Baum der Erkenntnis" genannt wird, die höchste spirituelle
Stufe, die ein Mensch erlangen kann.
Der erste Mensch, der den Baum des Lebens entdeckte, war Adam. Er war ein
gewöhnlicher Mensch der sich geneigt fühlte, danach zu forschen und zu
entdecken, was jenseits unserer Welt liegt. Als Moses beschrieb, was Adam
widerfuhr, benutzte er das Bild eines Baumes, um Adams Beziehung zum
Schöpfer zu beschreiben. Der Schöpfer sagte ihm, er könne von jedem Baum im
Garten essen, mit Ausnahme des Baumes der Erkenntnis, was die letzte und
einzige Stufe widerspiegelt, die Adam nicht erreichen konnte.
Der Schöpfer wusste, dass falls Adam das Wissen, das in diesem Baum
verborgen ist, entdecken würde, er den Garten verlassen wollen würde, da er
so viel wissen würde wie der Schöpfer. Dies wiederum würde ihn vom Schöpfer
bzw. vom Leben trennen, weshalb ihm der Schöpfer verbot, von diesem Baum zu
essen. Wir wissen alle, was dann geschah: Adam aß und als Ergebnis wird uns
allen das Adam versprochene ewige Leben verweigert.
Aber es ist nicht alles verloren. Der Schöpfer gab uns auch historische
Schriften an die Hand, die uns lehren, wie wir zum Garten Eden zurückkehren
können. Er gab uns auch Beispiele, welche die Kabbalah "Zweige" nennt. Diese
Zweige weisen uns darauf hin, wie die Dinge wirklich funktionieren. Wenn wir
die Schriften zusammen mit richtigen Erläuterungen lesen, werden wir die
spirituellen Prozesse verstehen, die sich in jeder Pflanze manifestieren und
wir werden lernen, diese in unseren Seelen nachzuahmen.
Was Moses beabsichtigte
"Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen"...
Genesis 3:19
Zur Zeit Moses war Spiritualität eine konkrete Wirklichkeit. Jedermann
erfuhr die spirituelle Welt gerade so, wie wir heute die physische Welt
erfahren. Zu jener Zeit gab es nicht den Graben zwischen uns und der
Spiritualität, wie er heute existiert. Die Menschen damals waren nicht
gezwungen, Spiritualität zu lernen; sie lebten sie. Als Moses seine Torah
schrieb (Pentateuch), benutzte er die Alltagssprache der Menschen seiner
Zeit, damit sie ihn verstehen würden. Der Unterschied zwischen den
Zeitgenossen Moses und den Menschen heute liegt darin, dass jene wussten,
dass er weltliche Worte benutzte, um spirituelle Konzepte zu erklären,
während wir meinen, er bezöge sich tatsächlich auf unsere materielle Welt.
Wie können wir tatsächlich anders denken? Wir empfinden Spiritualität längst
nicht mehr wie unsere Vorfahren. Aus diesem Grund beziehen sich Kabbalisten
auf die Sprache der Bibel als eine "Sprache der Wurzeln und Zweige". Unsere
Welt ist lediglich die äußerste Schicht der spirituellen Welten; es ist nur
eine Schale, der entfernteste Zweig eines großen Baumes.
Um das Leben vollständig zu verstehen, müssen wir es dort untersuchen, wo es
wirklich stattfindet – an seinen Wurzeln. Dies ist es, was Moses erklärte.
"Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen", teilt er uns mit.
Mit anderen Worten, wenn wir essen möchten (spirituell ernährt werden
wollen) müssen wir dafür arbeiten (Schweiß). Seit der Sünde Adams gibt es
keinen Kontakt mit dem Schöpfer; stattdessen müssen wir ihn kultivieren,
alle uns zur Verfügung stehenden Mittel hierfür einsetzen. Und die
versprochene Belohnung ist unschätzbar: es ist unser Zugang zum Baum der
Erkenntnis.
Spirituelle Gartenarbeit
"Ist etwa der Baum des Feldes ein Mensch?"...
Deuteronomium 20:19
Gerade wie bei einem Baum, der bereit ist,
(spirituelle) Früchte zu tragen, müssen du und ich dieselbe Arbeit erfahren,
die wir an Bäumen und Pflanzen verrichten. Wenn wir diejenigen Teile in
unserer Seele veredeln, bestäuben, düngen und ausschneiden, die einer
Kultivierung bedürfen, wird sich unsere Spiritualität verbessern und unser
Leben mit Freude füllen. Wenn wir unsere Seelen nähren, werden wir wie "ein
Baum, der an sprudelnden Wassern gepflanzt ist" sein, "der Frucht bringt zu
seiner Zeit" (Psalm 1:3). Es bedarf lediglich ein paar weniger Grundregeln,
um uns unseren inneren "Pflanzen" zuzuneigen.
Düngen
Gleich wie Pflanzen können menschliche Wesen ohne Düngung nicht wachsen.
Nach Webster’s Wörterbuch ist "ein Dünger eine Substanz (wie Dung oder eine
chemische Mischung) dazu da, Ackerboden fruchtbarer zu machen". Bei Pflanzen
ist es notwendig, den Dünger von außen beizubringen. Wir haben aber bereits
viel "Dünger" in uns; wir müssen ihn nicht von außen zusetzen, sondern eher
das was bereits in uns ist korrigieren. Hierzu müssen wir erkennen, welche
unserer Qualitäten unsachgemäß sind (Gülle) und diese korrigieren (sie in
Dünger verwandeln), indem wir die Methode der Kabbalah verwenden. Dies ist
die Essenz spiritueller Gartenarbeit.
Wenn Kabbalisten von unsachgemäßen Eigenschaften sprechen, sprechen sie
nicht über sozial unschickliche Qualitäten, sondern über spirituelle
Qualitäten, solche, die sich auf unsere Beziehung zum Schöpfer beziehen. Am
Ende bewirkt dies einen besseren Umgang unter uns, aber wir müssen im
Gedächtnis behalten, dass das letztendliche Ziel der Kabbalah darin besteht,
in den Garten Eden zurückzukehren, in die spirituelle Welt.
Graben
In der Spiritualität bedeutet "graben" die Ergründung der Tiefen unserer
Seele. Gemäß der Kabbalah werden wir nur dort, in den Tiefen unserer selbst,
entdecken, warum wir in diese Welt gekommen sind. Die Antworten auf alle
Fragen des Lebens ruhen tief in uns. Wenn wir sie finden möchten, müssen wir
in unserer Seele "wühlen" und sie ausgraben.
Entfernung von überflüssigem Laub
Während wir Kabbalah studieren, um den Schöpfer wieder zu entdecken, sind
die "Blätter" unsere Anstrengungen und Verlangen, ihn zu enthüllen. Haben
wir einmal diese Verbindung hergestellt, werden diese Anstrengungen und
Verlangen zu "Früchten". Wir verändern nicht, was wir sind, sondern nur
unseren Brennpunkt der Absicht: "Spiritualität" bedeutet Ausrichtung auf den
Schöpfer, während "Körperlichkeit" die Ausrichtung auf uns selbst bedeutet.
Blätter sind sehr wichtig. Sie sind schön, spenden Schatten und schützen die
Früchte während sie heranwachsen. Es sollte nicht so viele Blätter geben,
dass sie den Wasser- und Energiehaushalt des Baumes gefährden, aber wir
benötigen genügend Blattwerk das hilft, damit die Früchte saftig und
reichlich wachsen können. Gleichermaßen sorge dich nicht, wenn du lernst
spiritueller zu werden, wenn du nicht schnell eine Verbindung mit dem
Schöpfer hast. Deine Versuche sind deine "Blätter". Selbst wenn du dir
dessen nicht bewusst bist, so schützen sie die Früchte, die bereits in dir
heranwachsen, verborgen unter dem Laubwerk.
Bestäuben
Bestäuben heißt auf hebräisch le'awek - mit Pulver oder Staub
bedecken. Es bedeutet auch sich abmühen. Um mit dem Schöpfer in Verbindung
zu treten, müssen wir die Barriere zwischen unserer Welt und der
spirituellen Welt überbrücken. Wir sind vollständig selbstsüchtig geboren
worden. Um mit dem Schöpfer in Verbindung zu treten, mit der Natur, müssen
wir "Schöpfer-süchtig" werden. Daraus ergibt sich ein Kampf, da unsere
angeborene Natur angesichts der Schöpfer-Sucht uns Gedanken schickt, dass
unsere Verbindung mit Ihm kein lohnenswertes Ziel sei. Daher müssen wir
diese Gedanken "bedecken" und sie mit unserer Überzeugung von der
Wichtigkeit und des Verdienstes unseres Ziels umhüllen.
Wasser
Und Gott sprach: "Es werde eine Ausdehnung mitten in den Wassern, und sie
scheide zwischen den Wassern."...
Genesis 1:6
Wir haben das Beste bis zum Schluss aufgehoben. Wasser
existiert oben – im Himmel – und unten – auf der Erde. Es ist das ultimative
Lösungsmittel und die hauptsächlichste Zutat alles Lebendigen. Es überrascht
daher nicht, dass Wasser den Schöpfer repräsentiert, speziell Seine
Eigenschaft der Barmherzigkeit. Weil der Schöpfer allwissend ist, behält
auch Wasser Information über alles, mit dem es in Berührung kommt. Pflanzen
können diese Eigenschaft des Wassers nutzen, die ihnen verrät, wann sie
Knospen treiben müssen und wann sie blühen müssen.
Um zu wachsen benötigt eine Pflanze nur Wasser und wenige Mineralien, welche
sie oft aus dem Wasser selbst bezieht. Keine andere Substanz kann Wasser als
einzigen Grund der Evolution und des Wachstums ersetzen. Der hydrologische
Zyklus erlaubt es dem Wasser, die "höheren" Welten (Luft oder Himmel) mit
den "tieferen" Welten (Erde) zu verbinden, so wie es der Schöpfer in der
Spiritualität tut. Das Wissen, wann und wie stark unsere Seele mit der
Eigenschaft des Schöpfers zu "bewässern" ist, ist daher das einzige und
wichtigste Stück Information, das ein Sucher der Spiritualität benötigt.
Ein "Spiritueller Gärtner" werden
Die Weisheit der Kabbalah war für viele Jahrhunderte verborgen – seit den
Tagen Abrahams, des Patriarchen bis zum Ende des 20.Jahrhunderts. Heute
können wir alle genießen, was sie uns zu geben hat. Für einen spirituellen
Menschen ist die Kabbalah die Hacke, die Beschneidungsschere und der Pflug.
Der Schöpfer gibt das Wasser des Lebens und wir müssen nur unseren "Abfall"
in Dünger verwandeln und den Schöpfer entdecken, damit unsere Seelen
erblühen können.
Mit den Worten des Königs Salomon ist dieses Wissen "ein Baum des Lebens,
für alle, die sie ergreifen, und wer an ihr festhält, ist glücklich zu
preisen"... (Sprüche 3:18).
Diese Broschüre erhalten Sie auch in englischer
Sprache als pdf...
(Aus der kostenlosen Zeitung "Kabbalah
Today" vom 1.3.2007)


Zum jüdischen Neujahrsfest der Bäume:
Zionismus, Israel und Naturschutz
Ein Schwerpunkt eines 2006 erschienenen Bandes über "Naturschutz und Demokratie"
ist die Beziehung von Judentum und Naturschutz.[1] Mehrere kleinere Beiträge
widmen sich diesem Sujet und vor allem ist im Anhang ein historisches Dokument
über "Judentum und Naturschutz" aus dem Jahr 1932 erstmals wieder abgedruckt...
haOr haganus:
Warum die Kabbala
studieren?
Wenn ein ganz gewöhnlicher Mensch die Schriften der
Kabbalisten studiert, erfährt er etwas darüber, was ihm früher verborgen
geblieben ist. Nachdem er den sechsten Sinn durch seine Studien erworben
hat, beginnt er selbst zu fühlen und zu sehen, was vorher verschleiert
war... |