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Die fliegende Raupe, Teil 1 (von 3)

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Die fliegende Raupe

von Gilad Shadmon
Übersetzung von Peter Staaden / dg

Es war einmal, vor sehr langer Zeit, eine Familie von Raupen, die auf einem sehr alten Maulbeerbaum lebte. Sie krochen aus ihren Eiern heraus, aßen während ihres Lebens viele Blätter, und vollendeten es, in dem sie sich in eine Puppe verwandelten. Diese Raupen konnten sich, bei aller Klugheit, nicht vorstellen, woher sie kamen. Sie wussten zwar, dass sie aus den Eiern geschlüpft waren, denn sie sahen ja, wie die jungen Raupen herauskamen, sie hatten aber keine Ahnung, woher die Eier kamen. Diese legten die Schmetterlinge nämlich mitten in der Nacht ab, wenn es dunkel war.

Ja selbst wenn die Raupen nachts hätten sehen können, hätten sie die Schmetterlinge nicht wahrgenommen, da sie ja immer nur nach unten schauen, in Richtung des Blattes, welches sie gerade verzehren wollen. Schmetterlinge hingegen bevorzugen es über den Blättern zu fliegen und sie nur selten mit den Enden ihrer Beinchen zu streifen.

Und überhaupt interessierten sich nur ganz wenige der Raupen für die Frage woher die Eier eigentlich kamen. Genausowenig interessierten sich die meisten Raupen dafür, ob es ein Weiterleben nach der Verpuppung gebe. Meistens waren sie nämlich damit beschäftigt, die saftigsten und grünsten Blätter zu verspeisen. Auch in ihren Unterhaltungen ging es meist darum, wie man die äußersten Äste erreicht, und wo die grünsten und wohlschmeckensten Blätter wachsen. Nach ihrer Vorstellung ist man die glücklichste aller Raupen, wenn man es geschafft hat, das entfernteste und grünste Blatt zu erreichen.

Manchmal mussten die Raupen den Maulbeerbaum verlassen und herabsteigen, um dann eine mühsame Reise zu unternehmen: hinüber zum nebenstehenden Baum, denn bei den Nachbarn sind die Blätter immer viel grüner. Aber nach einer kurzen Weile waren sie glücklich zu ihrem alten guten Baum zurückzukommen, den Geschmack von früher wiederzufinden, den Geschmack, den schon ihre Väter und Großväter am liebsten gehabt hatten.

Sorgen machten den Raupen nur zwei Dinge: heftige Winde und gierige Vögel. Ein plötzlicher Windstoß konnte stark an den Blättern und feinen Zweigen des Baumes rütteln; eine junge Raupe ohne Erfahrung, die noch nicht gelernt hat, sich richtig festzuklammern, so wie es eigentlich notwendig ist, würde plötzlich durch die Luft katapultiert und direkt auf die Erde fallen.

Nach einem solchen Unfall gelang es den wenigsten Raupen, mit letzter Kraft zu ihren Familien zurückzukehren und danach waren sie nie mehr die selben: sie wirkten befremdlich, einige sprachen von fliegenden Umrissen, die sie während ihres Fallens gesehen hatten, und die sie "Schmetterlinge" nannten.

Sie konnten wunderschön die Form und die Farbe dieser Schmetterlinge beschreiben, jedoch niemand unter den Raupen, einschließlich der ältesten, verstand sie richtig. Anstatt sich ihrer Hauptaufgabe zu widmen und zu kriechen, begannen sie, ihren Blick nach oben zu erheben und seltsame Fragen zu stellen, wie: "Das Ei, wie ist es gemacht?", "Was geschieht den alten Raupen nach ihrer Umwandlung zur Puppe?" usw. Die anderen Raupen bezeichneten sie deshalb als "fliegende Raupen".

Manchmal erschienen Raubvögel, von woher, wusste man nicht. Es kam vor, dass eine Raupe in aller Ruhe das Ende eines besonders grünen Blattes mit einem Kameraden verspeiste, und plötzlich ohne jegliche Vorwarnung fasste ein gewaltiger Schnabel den Kameraden um den Hals und nahm ihn in Richtung des Himmels mit. In diesem Fall war es nicht, wie bei den Raupen, die durch die Windstöße mitgenommen wurden. Nein, man konnte sicher sein, jene nicht mehr wiederzusehen, die in das Land der Vögel getragen wurden, von wo niemand, sogar die kräftigste Raupe nicht mehr zurückkommt.

Der einzige Schutz, den die Raupen gegen die Raubvögel kannten, war sich zu verstecken: die Alten lehrten die Jüngeren, nicht aufzufallen: "Du kannst auf der Unterseite des Blattes bleiben" sagten die Alten zu den Jungen: "Dort werden euch die Vögel nicht entdecken, aber beim leichtesten Windstoss kann man herunterfallen. Außerdem müsst ihr immer daran denken, dass ihr an den Enden der Zweige sichtbarer seid, bleibt also in der Gruppe und in der Mitte des Baumes."

"Und, wenn ich bis zum Gipfel gehen möchte, um ein gutes kleines grünes Blatt zu probieren, ein ganz frisches?" erkundigte sich ein Schüler. "Du musst wissen, dass du in diesem Fall einer sehr ernsten Gefahr ausgesetzt bist" antworteten die Alten, "du könntest abstürzen oder sogar gefressen werden."

"Und noch eine Regel sollt ihr euch merken. Geht langsam vor. Die Blätter laufen euch nicht davon. Also immer vorsichtig, unauffällig und langsam. Wer schnell geht, kann schnell das Leben verlieren".

Avris Geschichte

Avri schlüpfte aus einem grauen Ei auf die Welt, und das war schon ein sicheres Zeichen für zukünftige Probleme. Kaum kam Avri auf die Welt, da fragte er auch schon: "Welches ist der kürzeste Weg, um die Spitze zu erreichen?" Die Alten haben so gut wie möglich versucht, ihn zu bremsen, aber leider vergeblich. Er wollte so schnell wie möglich groß werden, deshalb machte er so ziemlich alle Dummheiten, die eine Raupe so anstellen kann...

Hier geht die Geschichte weiter...



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