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Bnej Barukh:
Kabbala ist kein Mystizismus
Von Neri Livneh, haAretz, Übersetzung von Peter
Staaden
Die Studiengruppe "Bnei Baruch" verbreitet die Kabbala in einer sehr
unterschiedlichen Weise zur Lehrmethode des berühmten Kabbalah Learning
Center von Rabbi Berg. Es fällt auf, dass die Methode, die durch den
Baal haSulam, den "Meister der Leiter", Rabbi Yehuda Ashlag angeboten
wird, für unterschiedliche Deutungen offen ist.
Das Netzwerk von Rabbi Berg ist durch prominente Mitglieder weltberühmt
und blüht, vor allem in Form von Bankkonten, trotzdem ist aber Rabbi
Berg nicht die einzige Möglichkeit für ein Studium der Kabbala.
Auch die Gruppe Bnei Baruch bietet eine Webseite in vielen Sprachen an
(einschließlich Arabisch), und empfängt dort Hunderttausende von
Besuchern. Bnei Baruch hat auch einen sehr aktiven Verlag, der
einleitende und erläuternde Bücher zur Kabbala herausbringt, sowie
Audiokassetten und Kinderbücher, die von Rabbi Laitman, dem Leiter der
Gruppe geschrieben werden. Die Gruppe hat auch einen Film über die
Kabbala produziert, mit Sasha Damidov, dem Star der Tel-Aviver Russisch
sprechenden Theatergruppe "Gesher".
Die Aktivitäten von Bnei Baruch um die authentische Kabbala zu
unterrichten und somit "Funken" nach Oben zu senden, unterscheidet sich
von der Lehrmethode des Kabbalah Learning Centers des Rabbi Berg in zwei
generellen Punkten. Vom inhaltlichen Gesichtspunkt aus betrachtet glaubt
die Bnei Baruch Gruppe nicht an Schwüre, Flüche, Energien, heilige
Objekte oder gesegnetes Wasser. Sie sieht die Kabbala als völlig
abstrakte Philosophie an; folglich wird das Studium der Kabbala als
intellektuelle und geistige Arbeit, fast ohne externe Symbole
wahrgenommen. Zweitens, alles was Bnei Baruch tut, einschließlich der
Lektionen, die sie an über 60 Standorten in Israel organisiert, ist
kostenlos.
Bnei Baruch erhielt seinen Namen von Rabbi Baruch Ashlag, dem Sohn von
Rabbi Yehuda Ashlag. Rabbi Laitman war 12 Jahre lang Kursteilnehmer und
persönlicher Mitarbeiter (Meisterschüler) von Rabbi Baruch Ashlag.
Laitman lebt mit ungefähr 80 Familien seiner Anhänger in einer Art
Wohngemeinschaft in der großen ultra-orthodoxen Stadt Bnei Brak, in der
Nähe von Tel Aviv zusammen. Das Gebäude, das die Gruppe für Gebete,
Unterricht und gemeinschaftliche Mahlzeiten an den Feiertagen und für
Treffen dient, liegt in der industriellen Zone von Petah Tikva, das
innerhalb eines am Schabbat noch zu Fuß erreichbaren Abstandes von ihren
Wohnhäuser entfernt gelegen ist. Jede Nacht zwischen 3 und 6 Uhr, hält
Rabbi Laitman einen Kursus im "Petah Tikva Center", der von Dutzenden
Männern aufgesucht wird.
Um 5 Uhr Nachts, im Herzen der ansonsten verlassenen industriellen Zone,
sprudelt das Gebäude von Bnei Baruch voller Leben. Der Unterricht
Laitmans, den er in eine großen Halle abhält, wird durch eine
Videokamera live in das Internet übertragen. Im angrenzenden Raum
übersetzen Simultan-Übersetzer die Lektionen in weitere Sprachen.
Gleichzeitig arbeiten 10 Männer eifrig in der Küche und im Esszimmer, um
das gemeinsame Frühstück vorzubereiten. Danach werden sich auch einige
um die Freitagvorabend- und Samstagsmahlzeiten kümmern. In wenigen
Stunden beginnt Rabbi Laitman damit, seinen wöchentlichen Kabbalakurs
für Frauen abzuhalten. Er sagt: "Die Kabbala glaubt, dass die
Spiritualität der Frauen stärker ist als die der Männer."
Was ist der Unterschied zwischen der Kabbala und anderen mystischen
Lehren?
"Die Kabbala hat absolut keine Verbindung mit dem Mystizismus. Kabbala
ist wie eine Wissenschaft, nur auf einer höheren Stufe. Die Wissenschaft
beschäftigt sich mit der Welt, die wir mit unseren fünf Sinnen
begreifen, während die Kabbala die Wissenschaft ist, welche die Welt
untersucht, die nur mittels des 6.Sinnes begriffen werden kann, der die
Seele genannt wird. Kabbala ist die Weisheit der Seele. Wir verkaufen
kein heiliges Wasser oder andere Arten von Unsinn. Wir sind auch keine
Mystiker, wir sind absolut rational."
Die Mitglieder der Gemeinschaft in Bnei Brak behalten ein frommes
Aussehen bei. Die Männer tragen eine Kopfbedeckung (Kippa), die Frauen
kleiden sich bescheiden. Die Mitglieder der Gruppe zahlen einen Zehnten
Teil, um die Gemeinschaftseinrichtungen zu unterstützen, aber wie
gesagt, nehmen sie kein Geld für die Lektionen die sie geben. Die
meisten Kursteilnehmer bestehen aus weltliche Frauen.
Die Bemühungen und die Hartnäckigkeit der Studierenden wird durch die
Tatsache ausgedrückt, dass sie sich selbst einen Teil des Schlafes
berauben. Sie widmen sich fünf Nächte einer Woche dem Unterricht.
Während des Tages arbeiten alle, einschließlich Rabbi Laitman, der als
ein alternativer Heilpraktiker tätig ist. "Es ist für jeden von uns
geboten, ein Leben nicht nur alleine für die Kabbala zu führen," sagt
er. "Die Kabbala ist nicht das Ganze des Lebens, und sie nimmt nicht den
Stellenwert des Lebens ein, es ist etwas Zusätzliches. Auch deshalb sind
alle Männer Armeereservisten."
Sasha Damidov, ein Schauspieler, der Unterrichtslektionen auf russisch
lehrt und ein regelmäßiger Teilnehmer des Nachtkurses ist, lebt nicht in
der Kommune in Bnei Brak. Er interessierte sich seit 1990, nach dem
Lesen eines einleitenden kabbalistischen Buches, das Laitman auf
russisch schrieb, für das Thema.
Er selbst unterrichtet seit 2 ½ Jahren die Kabbala. "Die Kabbala ist
unter den neuen Immigranten sehr populär, weil sie ihnen hilft, zu
verstehen, warum sie alle diese schweren Zeiten durchleben und mit
welcher Absicht dies geschieht, sie verleiht ihnen auch eine Art der
Lebensführung."
Wie veränderte sie Ihr Leben?
"Ich kann mich selbst betrachten und ich glaube, dass ich heute weit von
der gleiche Person entfernt bin, die ich früher gewohnt war zu sein. Die
Person, die ich in Moskau war, war jemand völlig anderes - ein junger
Mensch mit materiellen Zielen: sich amüsieren, Spaß haben. Aber, wenn
man anfängt Kabbala zu studieren, ändert man sich die ganze Zeit, und es
könnte sein, dass ich in ein paar weiteren Jahren denke, dass die Ziele
die ich jetzt habe, große Freude bringen."
Schließt das Studieren der Kabbala mit ein, das man religiös wird?
"Es hat etwas damit zu tun, innerlich religiös zu werden. Es ist
überhaupt keine äußere Sache."
Auch Laitman, obwohl er ein "Rabbi" genannt wird und wie eine fromme
Person aussieht, betrachtet sich nicht als religiös im üblichen Sinne.
Nachdem ihm für 4 Jahre die Erlaubnis verweigert worden war, die
Sowietunion zu verlassen, kam er 1974 im Alter von 27 Jahren in Israel
an. Vollständig weltlich orientiert, war er ein Wissenschaftler im
Fachbereich der medizinischen Kybernetik. In Israel arbeitete er vier
Jahre für die Armee, wohnte in Rehovot und interessierte sich für
verschiedene geistige Inhalte. "Ein Freund nahm mich, um Baba Sali zu
sehen, und wir gingen nach Netivot um mit ihm zu studieren, ich
studierte auch ein wenig mit Rabbi Berg, aber ich blieb nirgendwo
hängen, bis ich meinen Rabbi, Rabbi Baruch Ashlag fand, ich blieb 12
Jahre bei ihm."
Mit der Erlaubnis von Rabbi Baruch fing er an, die Kabbala zu studieren
und ihm weltliche Schüler aus Tel Aviv zu bringen. "Als der Rabbi starb,
spürte ich, dass es meine Berufung war die Kabbala weiterzugeben, und
sicherzustellen, dass sie sich verbreiten kann, denn der Meister der
Leiter schrieb, dass wir nur indem wir die Kabbala den Massen
zugänglichen machen, eine Verbesserung der gesamten Welt-Situation
erreichen werden. Tatsächlich gibt es nichts, was wichtiger wäre, als
die Kabbala auszusäen, denn es ist die einzige Weise, wie wir die ganze
Menschheit vor der Zerstörung retten können, die sie erwartet."
Mehr Informationen zu "Bnei Baruch" finden Sie
hier...
Eine kabbalistische Betrachtung zum 9.
Aw:
Der Tempel und die Natur des
Menschen
Vor der Zerstörung des Zweiten Tempels verfügte das Volk
über ein sechstes Sinnesorgan. Beginnend von der Zerstörung des Zweiten
Tempels ging diese Eigenschaft völlig verloren, den Menschen blieben nur
die üblichen fünf Sinnesorgane. Das wird als Galluth bezeichnet...
Texte von Rabbiner
Laitman:
Was ist Kabbala?
Warum die Kabbala
studieren? |