Aus dem
Vorwort des Buches zum Sefer Tehilim
von Rabbiner Samson Rafael Hirsch
Tehilim 96:
Schiru - Schir chadasch!
1.Teil: Tehilim 96 1.-8.:
Während uns der Psalm 95 noch vor den Gefahren der Galuthwanderung warnt,
widmet sich der Psalm 96 dem heitergrossen Sinn und Zweck unserer
Wanderung inmitten der Völker: Der Weckung der allgemeinen
Gotteshuldigung. Diese Aufgabe rief uns bereits der vorhergehende Psalm
95 einleitend ins Bewusstsein.
Schiru laAdonaj Schir chadasch,
schiru laAdonaj
kal haArez.
Singt dem Ewigen neuen Sang, singe dem Ewigen alles Land.
V.1. SCHIRU...
Israels Aufabe ist, mit einem neuen, Gott schauenden Lied in den Kreis der
Völker zu treten, und dieses Neue ist die Einladung aller Menschen auf Erden,
sich zu
einer Gott schauenden Begeisterung zu einen. Diese Vereinigung
aller Menschen in der schauenden Erkenntnis des Einzig-Einen ist das "Neue", das
als Frucht der Entwicklung der Zeiten einst die Erneuung und Verjüngung der Welt
bringt, wie sie der Prophet Jeschaja (66, 22) beschreibt. Jedes Lied, das aus
der Anschauung dieses Zukunftzieles quillt, heisst SCHIR CHADASCH (siehe Ps. 33,
3).
Schiru laAdonaj - barkhu Schmo, basru
miJom leJom Jeschu'ato.
Singt dem Ewigen, lobt seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag
seine Hilfe!
V.2. BARKHU SCHMO...
...segnet Seinen Namen, d.i. fördert und verbreitet Seine Anerkennung. BASRU...
bringet die Botschaft von der täglichen Spende des Gottesheils, wie nicht nur
die ausserordentlichen Ereignisse, wie des tägliche, im gewohnten Verlauf der
natürlichen Ordnung der Menschen gewonnene "wahrhafte Sein" eine Spende der ewig
wachen, fürsorgenden Gotteswaltung ist (s. Bereschit Rabba zu Bereschit 48, 15).
Sapru baGojim Kwodo, bekhal
ha'Amim Nifleotav.
Erzählt bei den Völkern seine Ehre, bei allen Nationen seine Wunder.
V.3. SAPRU BAGOJIM...
Wo von GOJ LEGOJ im Auftreten und in internationalen Beziehungen der Völker, als
einander gegenüberstehender geschlossener Körper, die Entfaltung der höchsten
menschlichen Macht und Grösse hervortritt, da sollt ihr es wagen von den Gottes
Macht und Grösse offenbarenden Grosstaten Gottes zu erzählen, und unter allen
Völkern, inmitten des innern, menschengesellschaftlichen Verkehrs, wo mehr die
Individualität, die Persönlichkeit des einzelnen sich geltend macht, da wagt es,
überall auf den, in Seinen Wundem als die einzige, wirkliche Persönlichkeit sich
kundtuenden Einzig-Einen hinzuweisen.
Ki gadol Adonaj umehulal
meod, nora hu al-kol-El.
Denn groß der
Ewige und sehr gerühmt, furchtbar - er über alle Götter.
V.4. KI GADOL
Sprecht es aus, dass "gross" nur Gott ist, der die ganze Zukunft in Seinen
Händen trägt, und zugleich unendlich klar und erkennbar aus allem, was ist,
"wiederstrahlt", als dessen "Tatoffenbarung" alles Seiende erscheint (HALEL s.
Ps. 48,2) und dass über alles hinaus, was der Menschenwahn vergöttert, Er in
furchtbarer Erhabenheit steht.
Ki kol-Elohej ha'Amim Elilim - veAdonaj
Schamajim 'asah.
Denn alle Götter der Völker Nichtse - der Ewige aber schuf
die Himmel.
V.5. KI ...
Sprechet es zugleich aus, dass nur die Götter der Völker ELILIM, "verneinende",
d.i. versagende Götter sind, die nach der Vorstellung der Völker dem
Menschengedeihen feindlich gesinnt sind, die der Mensch für sein Gedeihen zu
fürchten, und daher deren vermeintliche Gunst durch vermeintliche Verehrung zu
suchen hat (siehe Pent. Wajikra 19, 4). Gott aber, dessen Name "" schon das
gerade Gegenteil der Versagung ausspricht, der in jedem Augenblick vielmehr
bereit ist, neues Sein und neue Zukunft dem Menschen zu spenden, Er ist nicht
ein verneinender, Er ist der schaffende Gott des Weltalls, dem, was etwa an den
vermeintlichen Göttern der Völker Wesenhaftes ist, in vollendeter Untertänigkeit
für Seine Heileszwecke untersteht.
Hod-veHadar
lefanav, 'Os veTifäräth
beMikdascho.
Erhabenheit und Glanz vor ihm, Macht und Herrlichkeit in seinem
Heiligtum.
V.6. HOD
Er ist nicht neidisch auf das herrlichste Gedeihen der Menschen, vor Seinem
Angesicht darf der Mensch in Wesens- und Machtherrlichkeit (siehe Ps. 21, 6)
erscheinen, ja, vor Seinem Angesicht gewinnt er erst recht die Herrlichkeit
seiner Machtstellung und die wahre Herrlichkeit seines Wesens, und sittliche
Widerstandskraft, — die sich selbst das Ungebührende versagt — so
wie die Herrlichkeit einer vollen Menschenentwicklung, sind in Seinem Heiligtum
zu erreichen. (TIFERETH: die vollste Entfaltung des in einem Wesen liegenden
Herrlichen, PAER ist das verstärkte BAER, hell, klar, sichtbar werden.) Ist ja
Sein Heiligtum nicht eine Stätte der Vernichtung, sondern eine Stätte der
Verwirklichung aller geistigen und sittlichen Menschengröße und Gewinnung alles
dem Menschen möglichen Heils.
Hawu laAdonaj
Mischpechoth
'Amim, hawu laAdonaj Kawod va'Os,
Gebt dem Ewigen, Familien der Nationen, gebet dem
Ewigen Ehr und Macht,
hawu laAdonaj Kewod
Schmo, seu
Minchah ubou leChazrotav!
gebet dem Ewigen Ehre seinem Namen, nehmt Gabe und
kommt zu seinen Höfen!
V. 7. 8. MISCHP'HOTH AMIM
Die verschiedenen Völkerfamilien, Nationalitäten, so
verschieden sie sind, in eines kommen sie alle zusammen, jede nimmt für
sich: KAWOD, die hervorragende Bedeutsamkeit und: OS, Unüberwindlichkeit
und Unwiderstehlichkeit in Anspruch. Zu ihnen soll daher Israel mit der
Forderung hintreten, Gott alle KAWOD und OS zu geben, und endlich Seinem
Namen, den sie schon lange kennen, die KAWOD, die Anerken nung zollen,
die sie ihm bis dahin versagt. S'U MINCHAH: und nicht nur in Worten,
tatsächliche Zeichen ihrer Huldigung mit allem dem, was sie ihr nennen,
sollen sie nehmen, und damit in Seine Höfe, in die Um- und Vorräume
Seines Heiligtums kommen...
...Fortsetzung.
Transliteration
und Translation
(ohne Kommentar)
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