99 Fragen zum Judentum:
Was geschieht bei einer jüdischen Hochzeit ?
Von Rabbiner W. Rothschild
Walter Rothschild, 99 Fragen zum Judentum
Gütersloher
Verlagshaus 2001,
Euro 7,90
Bestellen? Eine jüdische Hochzeit wird eine
"Chuppa" genannt oder manchmal auf Jiddisch eine "Chatune". Das Idealbild
ist es, dass ein Mann zu irgendeiner Zeit in seinem Leben erwachsen werden,
sein Heim verlassen und eine Ehefrau finden sollte. In früheren Zeiten war
das Idealbild, dass das Mädchen dies nicht analog tat, sondern wartete, bis
ihre Familie einen passenden Ehemann für sie fand! Aber die Zeiten haben
sich geändert, und heute leben natürlich viele oder die meisten jüdischen
Mädchen auch ein unabhängiges Leben und suchen sich einen geeigneten Partner
zum Heiraten.
Wenn sie einander gefunden haben (in
einigen sehr traditionsbewußten Gemeinden werden Ehen noch immer von einem
"Schadchan" arrangiert, der einen "Schidduch" abschließt, eine für alle
Parteien befriedigende Übereinkunft), wird eine Hochzeit ausgerichtet.
Dies muß nicht in einer Synagoge
stattfinden – es kann sogar im Freien sein. Ein Rabbiner muß bestimmen, ob
beide Parteien frei sind, zu heiraten und frei, einander zu heiraten. Ein
kleiner Baldachin wird aufgerichtet, die eigentliche "Chuppa". Er kann auf
Pfählen ruhen, geschmückt mit Blumen, oder sogar einfach aus einem Tuch
(oder einem Tallit) bestehen, das von vier starken und hochgewachsenen
Helfern gehalten wird. Die Braut ("Kalla") und der Bräutigam ("Chatan")
stehen darunter, was ihr symbolisches neues gemeinsames Dach bedeutet. Die
Braut wird zur Begegnung mit dem Bräutigam hineingeführt, und in einigen
Gemeinden geht sie siebenmal um den Bräutigam herum, bevor sie ihre Position
bei ihm einnimmt.
Der Amtsträger (gewöhnlich, aber
nicht notwendigerweise ein Rabbiner) liest den
Hochzeitsgottesdienst, in dem jeder von ihnen verspricht, einander
zu ehren und zu dienen und bei dem sie (zweimal) einen Becher Wein teilen –
auch eine symbolische Handlung. Ein Dokument, genannt eine "Ketuba", wird
aufgesetzt und laut vorgelesen, durch das (in der traditionellen Fassung)
der Ehemann verspricht, der Braut einen finanziellen Ausgleich zu zahlen,
sollte die Ehe enden oder sie als Witwe zurückbleiben. Der Bräutigam zahlt
symbolisch einen "Brautpreis", indem er seiner Braut einen goldenen Ring
gibt – bei liberalen jüdischen Zeremonien gibt die Braut als volle und
gleichberechtigte Partnerin in der Ehe dem Bräutigam ebenfalls einen Ring –
und der Amtsträger deklamiert die "Schewa Berachot",
die Sieben Segenssprüche, die von der Bedeutung des Zusammenhaltens und von
der Gestaltung einer jüdischen Zukunft sprechen.
Am Ende wird ein Weinglas zerbrochen
– der Bräutigam tritt darauf – als Erinnerung an Trauer und Zerstörung, an
die vielen Male, als Liebespaare durch Krieg und Gewalt auseinandergerissen
wurden, an die Zerstörungen, die Israel in der Vergangenheit erlitt. Formal
muß dann das Paar einige Zeit für sich allein privat überlassen bekommen –
bekannt als "Jichud" – bevor die Feierlichkeiten beginnen. Diese bestehen
typischerweise aus einem Mahl (die Schewa Berachot werden im Tischgebet nach
den Mahlzeiten wiederholt), Gesang und Tanz – häufig werden Braut und
Bräutigam auf einen Stuhl gesetzt und von den Gästen getragen. Die Begrüßung
lautet "Masel Tow!" – "Viel Glück!"
Weitere Leseprobe:
[
Tipp: Am 29. März 2001 um 21.30 h wird Rabbiner Rothschild im
haGalil-Chat zu Gast sein zum Thema:
Wer ist Jude
- was ist jüdische Identität? ]
haGalil onLine
20-03-2001 |