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Jüdische Welt verstehen:
Sukkot, Schemini Azeret und Simchat Tora

Einige Fragen (und Antworten) aus dem 12. Kapitel des Buches "Jüdische Welt verstehen" von Rabbiner Alfred J. Kolatch

Einführung

Wenn auch Sukkot genau wie Pessach und Schawuot ursprünglich ein bäuerliches Fest war1, spricht ihm die Bibel doch auch eindeutige historische Wurzeln zu: "Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen. Wer einheimisch ist in Israel, soll in Laubhütten wohnen, daß eure Nachkommen wissen, wie ich die Kinder Israel habe in Hütten wohnen lassen, als ich sie aus Ägyptenland führte" (3. Buch Mose 23,42-43).
Mit diesem Fest wird der vierzig Jahre andauernden Wanderung durch die Wüste
2 gedacht, die die Israeliten erdulden mussten, bevor sie das verheißene Land erreichten.

Sukkot, Schemini Azeret und Simchat Tora werden oft als ein einziges Fest aufgefasst. In Wirklichkeit sind es verschiedene Feste, deren Besonderheit darin besteht, daß sie dicht aufeinanderfolgen. Sukkot ist ein siebentägiges Fest, dessen letzter Tag
3 Hoschaana Rabba heißt. Schemini Azeret feiert man heute in Israel nur an einem Tag, doch in der Diaspora an zwei Tagen. In Israel wird Simchat Tora so gefeiert, als wäre es Teil des Festtages von Schemini Azeret. In der Diaspora ist Simchat Tora der zweite Tag des zweitägigen Festes von Schemini Azeret.


Photos von Grzegorz Pawlowski: [Feste Feiern in Israel] [Bilder aus Jerusalem]

Das bedeutendste Symbol von Sukkot ist die sukka (eine Laubhütte, die die Unterkünfte simuliert, die sich die Juden in aller Eile während der Wanderung durch die Wüste bauten). Fromme Familien essen in der sukka und schlafen auch manchmal darin. Weitere wichtige Symbole des Festes sind die "vier Arten"5: der etrog (eine Zitrusfrucht)6, der lulaw (Palmwedel), die haäass (Myrte)7 und die arawa (Bachweide). Der Segen der vier Arten wird an jedem Festtag - außer am Sabbat - gesprochen. Zur Zeit des Tempels schwenkten die Gläubigen in dem Moment, in dem die Psalmen gesungen wurden, gleichzeitig ihre Palmwedel.



Der letzte Tag von Sukkot, Hoschaana Rabba, ist mit der Bitte um Regen verknüpft und gilt traditionell als der letzte Tag, an dem die Urteilssprüche von Jom Kippur noch verändert werden können. Hoschaana Rabba wird in der Synagoge mit dem Schlagen der Weidenzweige gefeiert.

Die Einhaltung von Schemini Azeret wird im 3. Buch Mose 23,36 ausdrücklich erwähnt: "Am achten Tag sollt ihr wieder eine heilige Versammlung halten ... keine Arbeit sollt ihr tun."



Simchat Tora ("Freude des Gesetzes" oder "Freude an der Thora") feiert den Abschluß der Lesung aller fünf Bücher Mose. Es findet eine außergewöhnliche Andacht statt, und jeder Gläubige (mit einigen Einschränkungen) erhält eine alija9. Die Sifre Tora (Thorarollen) werden in einer Prozession durch die Synagoge getragen, wobei gesungen und getanzt wird.

12.1 Warum wird das Fest Sukkot gefeiert?

Sukkot, das Laubhüttenfest (manchmal auch "das Fest der Zelte"), ist ein großes Fest im jüdischen Kalender. Es wird am fünfzehnten Tag des Tischri gefeiert, zwei Wochen nach Rosch Ha-Schana (Neujahr); gewöhnlich fällt es in den späten September oder in den Oktober.


Photos von Grzegorz Pawlowski: [Feste Feiern in Israel] [Bilder aus Jerusalem]

Obgleich Sukkot, genau wie Pessach und Schawuot, ursprünglich ein bäuerliches Fest war, schreibt ihm die Bibel (3. Buch Mose 23,42-43) folgende Bedeutung zu: "Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen. Wer einheimisch ist in Israel, soll in Laubhütten wohnen, daß eure Nachkommen wissen, wie ich die Kinder Israel habe in Hütten wohnen lassen, als ich sie aus Ägyptenland führte. Ich bin der Herr, euer Gott".

Die Sukkot (Laubhütten), die die Juden heute bauen, dienen der Erinnerung an den vierzigjährigen Aufenthalt in der Wüste auf dem Weg in das verheißene Land10.

12.2 Warum wird das Fest Sukkot in der Bibel Chag Ha-Asif genannt?

Die Bibel (2. Buch Mose 23,16) bezeichnet Sukkot als das "Chag Ha-Asif (das Fest der Ernte) ..., wenn du den Ertrag deiner Arbeit eingesammelt hast vom Felde". Wie in der vorherigen Frage erläutert, war Sukkot ein rein bäuerliches Fest, ehe es mit dem vierzigjährigen Aufenthalt der Kinder Israel in der Wüste in Verbindung gebracht wurde.

Höchstwahrscheinlich hat die Laubhütte (sukka) ihren Ursprung in den provisorischen Unterkünften der Winzer während der Weinernte. Als dieser Brauch schon verschwunden war, überlebten die Hütten als religiöses Symbol, das das besondere Interesse Gottes für die Kinder Israel bekunden soll.

  • 1 Die Thora unterstreicht die landwirtschaftliche Bedeutung von Pessach, wenn sie den Monat, in den das Fest fällt, als den "Ährenmonat" oder "Monat des Keimens" ("Abib") bezeichnet: "Achte auf den Monat Abib, daß du Pessach hältst dem Herrn, deinem Gott; denn im Monat Abib hat dich der Herr, dein Gott, bei Nacht aus Ägypten geführt" (5. Buch Mose 16,1).
  • 2 Denn während dieser ganzen historischen Durchquerung wohnten sie in Laubhütten (Sukkot) und standen unter göttlichem Schutz.
  • 3 Der siebte Tag ist der 21. Tischri.
  • 4 Wörtlich "das große Hoschaana": der Tag, an dem in nachtalmudischer und kabbalistischer Überlieferung das göttliche Urteil über das Schicksal der Menschen endgültig besiegelt wird, nachdem am Tage des Gerichts, nämlich am Tag von Jom Kippur, dem 10. Tischri, das Urteil gesprochen wurde, hoschaana rabah bedeutet auch "Hilf uns, O Ewiger!". Es fällt auf den 21. Tischri.
  • 5 Hebräisch: arba minim.
  • 6 Diese Zitrusfrucht (citrus medica cedra), die wie eine große Zitrone aussieht, gilt als die bedeutsamste unter den "vier Arten", und wird im 3. Buch Mose 23,40 "Frucht der schönen Bäume" genannt (peri etze hadar).
  • 7 hadass, Myrtenzweig, wird im 3. Buch Mose 23,40 als "Zweige von dichtbelaubten Bäumen" (anafetze awoi) erwähnt. Nicht zu verwechseln mit dem volkstümlichen Gebrauch der gleichnamigen Gewürzbüchse, die für die Hawdala zu Sabbatausgang benutzt wird.
  • 8 chibut awawot: Entblättern von Weidenzweigen.
  • 9 Ein Aufruf zur Thora.
  • 10 Also ein Aufenthalt in brüchigen und vorläufigen Behausungen, doch unter göttlichem Schutz; ein Symbol für das Vertrauen, den Respekt und den Dank, den die Juden Gott schulden.

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hagalil.com 28-09-2005



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