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Koscher leben...
 
 

[Chag haSchawu'oth - Wochenfest]

   haSchalom alekhem!'Salamu alekhum!
Dein Volk ist mein Volk
und dein G'tt ist mein G'tt

"Erzähl uns etwas über Ruth", drängte Bina. "Megilath Ruth wird am Schawuot in Schul gelesen. Es ist auch eine Geschichte aus der Erntezeit." "Oh, es ist noch viel mehr als das!" Chagai plustert seinen Federschmuck und beginnt:

Nomi und RuthVor langer Zeit herrschte in Erez Jisrael eine schreckliche Hungersnot. Alle hatten ihre Essensvorräte aufgebraucht. Alle - ausser Elimelech, einem wohlhabenden und gelernten Mann aus der Stadt Bet Lechem, vom Stamm Jehuda. Elimelech befürchtete, dass alle zu ihm kommen und ihn um Nahrungsmittel anflehen würde. So floh er zusammen mit seiner Frau Nomi und seinen beiden Söhnen nach Moaw. "Sobald die Hungersnot vorüber ist, werde ich wieder zurückkehren", dachte er bei sich. Doch er hatte falsch gehandelt.

Der König von Moaw hiess Elimelech willkommen, was ihn hoch erfreute. Doch G-tt war erzürnt darüber, dass Elimelech von Erez Jisrael weggelaufen war und nicht seinem Volk geholfen hatte. haSchem beschloss, dass dieser Mann bestraft werden müsse, und kurze Zeit später starb Elimelech. Seine Söhne heirateten die Töchter des Königs von Moaw, doch zehn Jahre später starben auch sie.

Eines Tages hörte Nomi, dass die Hungersnot im Lande Israel vorüber sei. Naomi hatte nie nach Moaw ziehen wollen. Nun dachte sie: "Weshalb soll ich hier alleine in einem fremden Land bleiben? Ich möchte nach Bet Lechem heimkehren." Ihre Schwiegertöchter, Ruth und Orpa, wollten sich ihr anschliessen.

"Geht zurück, meine Töchter", drängte Naomi liebevoll. "Ich bin alt und arm. Geht zurück zu euren Familien. Ihr werdet neue Ehemänner finden. Ich kehre alleine nach Bet Lechem zurück." Orpa weinte und verabschiedete sich mit Küssen von Naomi, doch Ruth beharrte auf ihrer Meinung.

"Wo immer du hingehst, gehe ich hin", versprach sie. "Wo du wohnst, will ich wohnen; dein Volk ist mein Volk und dein G-tt ist mein G-tt."

So kehrte Ruth mit Naomi zusammen zurück. Als Naomi in Bet Lechem eintraf, war die ganze Stadt in Aufruhr. "Hasot Nomi?", fragten sie. "Ist das wirklich Nomi? Nomi war so reich und so wunderhübsch. Schaut sie jetzt an! Wie alt sie aussieht! Und wie arm! Wo ist ihr Mann? Wo sind ihre Kinder?"

Es war die Jahreszeit der Gerstenemte. Die Felder waren voll von Arbeitern, die das Getreide schnitten und zusammentrugen. Auch viele arme Menschen befanden sich auf den Feldern. Sie sammelten die Ähren ein, welche die Feldarbeiter zu schneiden vergessen hatten; und sie hoben die Halme auf, die zu Boden gefallen waren. Die Tora nennt das Leket (Einsammeln) und Schikcha (Vergessenes) und lehrt uns, dass diese Ahren den Armen gehören.

"Ich werde zu einem Feld gehen, und schauen, ob ich Getreidehalme finden kann.", sagte Ruth zu Naomi. In der Nähe befand sich ein Feld, das dem weisen und wohlhabenden Boas gehörte. Boas war einer der Richter des Volkes. Er war ein Verwandter von Elimelech und Naomi. Als er Ruth in seinem Feld erblickte, fragte er: "Wer ist dieses Mädchen?" "Es ist ein moabitisches Mädchen, das mit Naomi zurückgekehrt ist", antworteten seine Feldarbeiter. Boas sah, dass Ruth anständig, bescheiden und gütig war.

"Bleib in meinem Feld, meine Tochter! ", sagte er, "und sammle so viel Getreide wie du brauchst. Du kannst auch mit meinen Feldarbeitern zusammen die Mahlzeiten einnehmen. Es hat Wasser zum Trinken und einen Platz, um sich auszuruhen. Niemand wird dich stören." Ruth dankte Boas. "Sie sind sehr freundlich", entgegnete sie, "ich bin doch nur ein armes, fremdes Mädchen. Weshalb habe ich so viel Wohlwollen in ihren Augen gefunden?"

"Ich habe von deiner grossen Liebe und Zuvorkommenheit gegenüber Naomi gehört. Es ist mir bekannt, wie du dein Vaterhaus und dein Land verlassen hast, um G-ttes Tora anzunehmen, ihre Gebote auszuführen und Naomi ins Land Israel zu folgen. Möge der G-tt Jisraels, dem zu dienen du dich entschlossen hast, dich für deine Güte belohnen."

Boas vergass Ruth und Naomi nicht. Er wusste, dass er ihnen helfen und sich um sie sorgen musste. Obwohl er kein junger Mann mehr war und Ruth nur eine arme Fremde aus Moaw war, heiratete er sie. Naomi hatte wieder Wurzeln in Erez Jisrael und Ruth konnte zum Oberhaupt einer wohlhabenden und geehrten Familie werden. Später würden die Könige des jüdischen Volkes von ihren Kindern abstammen.

Denn Ruth und Boas bekamen einen Sohn namens Owed. Owed war der Vater von Jischai; und Jischai war der Vater von David haMelekh.

"Und darum lesen wir die Geschichte von Ruth genau am Schawuot", erklärt Chagai. "Was meinst du damit?", runzelt Beni die Stirne. "Das habe ich nicht verstanden."

"Ich schon!", schreit Bina. "Die Geschichte spielte sich zur Zeit der Getreideernte ab und Schawuot ist Chag haKazir, das Fest der Ernte. Dies ist ein Grund. Und Ruth akzeptierte Naomis G-tt, ihr Volk und ihr Land. Sie nahm die Thorah auf sich! Schawuot ist der Tag, an dem wir die Tora erhalten haben; deshalb ist es der perfekte Zeitpunkt, um über Ruth zu lesen. Das ist ein zweiter Grund."

"Mir fällt noch eine dritte Begründung ein", ruft Beni. "Schawuot - der sechste Siwan - ist der Geburtstag von David haMelekh, dem König David. Davids Urgrossmutter wurde 'Ima schel Malchuth' genannt - Mutter des Königtums. Weisst du, wer das war?" "Ganz einfach", lacht Bina. "Chagai hat es uns eben verraten. Es war Ruth!"

[Ein Blick in den Kalender] - [Torah und Sinai] - [Sfirath haOmer] [Ruth] - [Akdamut] - [Milch und Honig] - [Mona und das Wochenfest]

haSchalom alekhem!'Salamu alekhum!

''Ejlu D'warim, she-ejn lahem Shi'ur:
haPeah vehaBikhurim vehaRa'jon
uGmiluth cHasadim veTalmud Thorah''

VeTalmud Torah
keneged khulam!

Das Streben nach Frieden und Gerechtigkeit, das Eintreten fuer die Freiheit und Wuerde aller Menschen, der Respekt vor dem Fremden, der in deinen Toren, sind Grundsteine eines Lebens nach der juedischen Vorstellung von G'tt, der Welt und den Menschen. Talmud Thorah, das Erforschen der Lehre wiegt alle diese Prinzipien auf - es steht an Bedeutung ueber ihnen - denn es fuehrt zu all diesen.

Ejlu D'warim, she-ejn lahem Shi'ur = Diese Dinge haben kein Mass
Das heisst man kann nicht zu viel davon tun. Shi'ur heisst aber auch Unterrichtsstunde, das koennte heissen, dass diese Dinge dem Menschen schon im Herzen angelegt sind - er braeuchte also nur auf die Stimme seines Herzens -und nicht notwendigerweise auf den Vortrag eines Gelehrten- zu hoeren.

HaPe'ah = Die Feldecke
Beim Abernten seines Feldes soll man nicht alles mitnehmen, nicht alles abraeumen, sondern Gelegenheiten auch noch fuer andere uebrig lassen.
Das Stehenlassen vom eigenen Besitz oder Anspruch fuehrt dazu, dass Beduerftige keine Almosen in Empfang nehmen muessen, sondern selbst ernten koennen. Wer Beduerftig sei, ist nach dieser Praxis, nicht an uns zu bestimmen.

haBikhurim = die Erstlingsfrucht
Im alten Israel brachte man die ersten Ertraege der Ernte zum Tempel - es ist dies eine Form der Anerkennung dafuer, dass alles was wir erarbeiten nicht allein auf unserer Leistung begruendet ist. Es kann auch als Dankbarkeit ausgelegt werden, welche durch eine Unterstuetzung des Tempeldienstes, und damit der Anbetung G'ttes ueberhaupt, zum Ausdruck gebracht wird. Es geht hierbei nicht darum selbst G'tt zu erkennen, sondern vielmehr darum, diese Moeglichkeit auch fuer andere zu foerdern.

haRa'jon = das Erscheinen im Tempel
Hier geht es um die eigene Andacht, welche nach der Zerstörung des Tempels an die Stelle des Opferdienstes getreten ist.

G'miluth cHasadim = Das Erweisen von Wohltätigkeit
Das in Taten spuerbare Wohlwollen gegenueber dem Mitmenschen, unabhaengig von dessen Verdienst. Wir sollen in diesem Fall nicht richten, sondern unser Handeln nur nach unseren Moeglichkeiten zu Helfen und dem Bedarf unseres Naechsten ausrichten. Die Wuerde des Naechsten duerfen wir dabei nicht verletzen. cHesed ist uebrigens eine Eigenschaft G'ttes auf welcher der Bestand der Welt beruht: Waere nur die Gerechtigkeit der Maßstab G'ttes, so koennte keiner von uns vor seinem Urteil bestehen.

VeTalmud Thorah - keneged khulam!
... doch das Lernen der Thorah wiegt alle auf!

Zedaka: (hebräisch: Wohltätigkeit).
Die Bibel verwendet Zedaka im Sinne von Frömmigkeit, Gerechtigkeit und rechtschaffenen Taten. In talmudischer Zeit wurde Zedaka im Sinne von Wohltätigkeit gebraucht... Zedaka nimmt einen hohen Rang ein, sie bewahrt den Menschen vor der Sünde. (Aus: Neues Lexikon des Judentums)

Die acht Stufen der Zedaka (Mischne Tora von Moses Maimonides)

1 . und höchste Stufe: Dem Bedürftigen die Möglichkeit geben, sich selbstständig zu ernähren
2. Wohltätig sein in einer Weise, dass der Spender und der Bedürftige nicht voneinander wissen.
3. Der Wohltäter weiß, wem er gibt, aber der Arme erfährt nicht den Namen des Spenders.
4. Der Gebende kennt nicht den Namen de~ Bedürftigen, aber dieser kennt den Spender.
5. Geben, bevor man gebeten wird.
6. Geben, nachdem man gebeten wird.
7. Zwar nicht ausreichend geben, aber dennoch mit Freundlichkeit.
8. Mit Unfreundlichkeit geben.

Hinweise:
1. Die Würde des Armen muss stets geachtet werden.
2. Anderen zu helfen, sich selbst zu helfen, ist die erste und höchste Stufe der Zedaka.
(Aus: Kleines 1x1 jüdischen Lebens, Olitzky / Isaacs)



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