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Koscher leben...
 
 

Vergnügliche Stunden:
Der Schabbath-Lift

Jetzt muss ich es doch noch loswerden, für alle, die noch nie das Vergnügen hatten, einen Maalit Schabbat live und in voller Rasanz erlebt zu haben:

Man reist also am Donnerstag im Hotel an, denn man hat nur wenige Tage Zeit (oder für nicht mehr Geld) und will in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Schabbes in Eretz Jisroel haben. Es bieten sich - sagen wir - knapp elf Tage, also zwei Schabbatot.

Am ersten Schabbes, erfährt man nach langer Recherche, wird um 18:50 Uhr in der Hotelhalle Licht gezündet, direkt danach gibt es im zweiten Stock des Hotels Mincha/Kabbalat Schabbat.
Man selbst wohnt mit Kleinkind (---> Kinderwagen!) im siebten Stock und freut sich riesig über den Schabbes Elevator.

Am ersten Schabbes pflanzt man sich mit Kinderwagen vor den (vermeintlichen) Elevator um ca. 18:40 Uhr, steigt ein und merkt, dass man doch den falschen Aufzug erwischt hat, denn die Pfeile waren allzu verwirrend gewesen. Die Türen sind natürlich zu und bleiben es eine ganze Weile, bevor man sich herauf- und heruntergeholterweise in all die Stockwerke verirrt und verstrickt, in die man nicht wollte; weil die weniger religiösen Menschen (Gäste des Hotels) um die Zeit noch am Pool wesen und allmählich von unten nach oben wollen. Und andere, Observantere, würden ja nie den Knopf...

Am zweiten Schabbes ist man, nach den Erfahrungen der Vorwoche, natürlich viel schlauer. Man stellt sich also wieder mit dem Kinderwagen vor den Elevator (diesmal den richtigen, denn man konnte ja einen ganzen Samstag lang Orientierung (im wahrsten Wortsinn) üben). Man tut es schon um 18:30 Uhr, denn Hadlaka ist nun 10 Minuten früher. In der Hotelhalle, im Erdgeschoss. Auf dem Zimmer darf man nicht zündeln. Man wohnt immer noch im siebten Stock. Als man sich vor den Aufzug stellt, befindet dieser sich gerade im sechsten Stock, Richtung abwärts. Doch kommt er ziemlich bald wieder (schon nach ca. 17 Minuten), fährt aber erst einmal Richtung aufwärts, denn man hat den falschen Turnus erwischt, der Elevator kam ja gerade von unten. Er arbeitet sich, mit minutenlanger Unterbrechung in jedem Stockwerk (l'kawod gebrechliche Gäste), bis in den 18. Stock empor und danach wieder zurück in den siebten, wo man selbst ursprünglich (kaum 35 Minuten zuvor) herkam. Ebenso langsam rast der Aufzug weiter bis in das Erdgeschoss, wo man nun keine Hadlaka mehr machen kann, da es dafür schon zu spät ist, wie man feststellt, wenn man aus dem Fenster sieht.

Man geht also wieder zum Aufzug zurück, denn man will immerhin noch zum Dawnen in den zweiten Stock, wo eine hausinterne Synagoge betrieben wird. Als man nach der kurzen Überlegung wieder am Aufzug ankommt, befindet sich dieser gerade im ersten Stock, wieder Richtung aufwärts. Von dort aus fährt er kontinuierlich weiter die verbleibenden 17 Stockwerke nach oben und wieder zurück, bis er nach ca. einer weiteren halben Stunde erneut im Erdgeschoss angekommen ist. Dort steigt man unverdrossen ein, das Kind brüllt mittlerweile, denn es sitzt nicht gern untätig im Wagen, und würde man es befreien, würde es schon vor dem Aufzug tun, was es direkt im Anschluss in der Synagoge tut (blindwütig zerstören), man fährt so schnell es geht in den zweiten Stock und rennt so schabbesdik wie möglich zum Fraueneingang.
Der ist natürlich abgeschlossen, denn am Freitag Abend dawnen keine Frauen. Auch dann nicht, wenn sie - Hotel - nicht kochen müssen.

Bei den ersten Klängen des letzten Kaddisch drückt man sich mit dem lauten Kind und puterrotem Kopp durch die Männerenklave und dringt letztlich zur Mechize vor, die noch vor dem Osse Schalom mit all dem Zuckerzeug beschmiert ist, das man - pädagogisch unverantwortlich - in Notwehr dem Kind verabreichte. Man beschließt auf Grund der Hochnotpeinlichkeiten, den Schachriss des kommenden Tages im Bett zu verbringen.

Und dann bedauert man doch, nicht noch einen dritten Schabbes zur Verfügung zu haben. Denn wenn man dieses hätte, würde man am Sonntag losgehen, einen Tragegurt für das Kind kaufen und einen Dietrich für den synagogalen Fraueneingang (oder den Schammes bestechen), um dann in aller Ruhe am kommenden Schabbes die lächerlichen sieben Stockwerke zu Fuß zur Hotelhalle und wieder zwei retour zur Schil zurücklegen zu können. Aber da sitzt man schon wieder in (C)Old Germany und träumt von dem Land, in dem nicht nur die Sonne scheint und Milch und Honig fließen, sondern in dem es auch überall kosherfood und sogar einen Maalit Schabbat gibt.

Schabbat Schalom!
Schana tova - ketiwa wechatima tova!
Channah

Weitere Gedanken zum Schabath vorwärtsvorwärts



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