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Koscher leben...
 
 

[ADAR / PURIM]

Purim sameah!

Kabarettistisches im Purim Special:

Direct Streaming Sound

Deutsch mit Schuss in der Lach & Schießgesellschaft,
Donna Clara im Kom(m)ödchen
und  Deutschland, ein Wintermärchen...

Purim:
'Hamans Los'

Mit grausamer Regelmäßigkeit wird die Weltöffentlichkeit durch Meldungen von blutigen Attentaten aus Israel erschüttert. 1996 zündete eine Bombe in einem vollbesetzten Bus, 1997 sprengte sich ein palästinensischer Kellner auf der Terrasse eines Cafés in Tel Aviv in die Luft. Ein blutverschmiertes Baby, das in den Zeitungen abgebildet wurde, trug ein Clowns-Kostüm. Es war für das Purimfest verkleidet.

Daß die Selbstmordattentäter auch am jüdischen Purim-Fest zuschlagen, ist kein Zufall. Purim kommt von Pur, das ist persisch und bedeutet Los. Das Fest erinnert an den gescheiterten Judenmord-Versuch des Höflings Haman. Der hatte den Perserkönig Achaschwerosch überredet, alle Juden im Perserreich an einem per Los ermittelten Stichtag, dem 14. Adar des jüdischen Kalenders, zu liquidieren. Die "Megillat Ester", die Ester-Schriftrolle der hebräischen Bibel, berichtet darüber. Königin Ester, die Jüdin war, gelang es jedoch, ihren König von diesem Vorhaben abzubringen. Haman selbst wurde hingerichtet.

Die Bombenanschläge rufen dem jüdischen Volk ins Gedächtnis, daß die Hamans dieser Welt leben. Aber genau so gewiß ist ihr Scheitern. "Hamans Los ward in unser Purim verwandelt", freuen sich die Juden auf der ganzen Welt.

Auch in Regensburg gibt es Grund, das Purim-Fest zu feiern. "Wir haben die Chance, die Gemeinde wieder zu dem zu machen, was sie vor tausend Jahren oder vor sechszig Jahren einmal war", sagt der Sprecher der Jüdischen Gemeinde, Hans Rosengold, zur Begrüßung. Er verweist "auf den unbändigen Überlebenswillen unserer mehrmals gekreuzigten Gemeinde". Bis weit in die achtziger Jahre noch vom Aussterben bedroht, zähle sie dank der Einwanderungswelle aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion jetzt beinahe 100 Kinder. Bei Festen wie diesem reichen die Tische und Stühle im Festsaal nicht mehr.

In den Vasen leuchten lachsfarbige Rosen. In ihrem lachsfarbigen Rollkragenpulli leuchtet Paulette Kraus. Die sephardische Jüdin aus Marokko, die mit einem deutschen Koch verheiratet ist, sorgt dafür, daß immer frischer Kaffee auf den Tischen steht. Und den beiden Polizisten, die im Auto vor dem Tor Wache schieben, trägt sie auch ein Stück Kuchen hinaus.

Purim sameah

Der Konditor hat Hamantaschen, das traditionelle Purim-Gebäck, geliefert. Das sind mit Mohnsamen gefüllte Dreispitze, die aus Frischegründen diesmal ausnahmsweise aus Hefeteig gebacken wurden. Die Anweisung, nicht Blätterteig zu nehmen, hatte Rosengold gegeben. Der gelernte Koch wollte sichergehen, daß die Hamantaschen in der Nacht zum Sonntag nicht altbacken werden. Nach Kaffee und Kuchen startet ein Purim-Festprogramm mit stark russischem Akzent.

Haman uhhhuhhhhuuu!

Auf der Empore vor Menorah und Toraschrein tanzen Maria Philipemka (3) und Jana Rolnik (5) in ihren Festtagskleidchen wie zwei kleine Ballerinas. Sie haben sich eingehakt, stemmen die Hände in die Hüften, stampfen mit den Füßen und drehen sich zu einem alten russischen Volkslied. "Kumbalala, kumbalala, kumbalaleika" singt der Leiter des russischen Clubs, Igor Soroka. Sascha Rolnik, Musiklehrer aus Charkow, begleitet die Mädchen auf der Ziehharmonika, und Leonid Badolski bläst Trompete.

"Gibt es eine Ester hier?" Kein Mädchen meldet sich. "Schade", sagt Soroka. Er hätte gerne eine Ester, auf der Bühne zur Königin des Abends erklärt.

Es gibt keine Ester unter den Zuwandererkindern. Unter den roten Hamans der Sowjetunion haben die Kinder Israels gelernt, Masken zu tragen. Konsequent nannten sie ihre Mädchen nicht Sarah oder Judith, sondern Ludmilla, Maria und Jana. Das ist heute so wie zu den Zeiten, von denen das Buch Ester handelt. Die Jüdin, die ihr Volk vor dem Tod rettete, wurde von ihrem König nicht Ester, sondern Hadassa genannt.

Purim ist der Karneval der Juden. Man kostümiert die kleinen Kinder zum Fest und besucht eine Purim-Party in der Gemeinde. Alles ist an diesem Tag andersherum. So wünscht Otto Schwerdt allen Festgästen "eine gute Pessach". Gut aufgelegt ist auch Hans Rosengold. Er begrüßt "die alten Regensburger und die neuen Moskauer, Leningrader und Tadschikistaner. Es ist ein Massel, daß ihr in Regensburg seid."

Irena und Eugen tragen die Ester-Geschichte (Megilath Esther) auf russisch und deutsch vor. Dann tritt Otto Schwerdt vors Publikum, er hat mit den Kindern und Jugendlichen ein fünfminütiges Purim-Spiel einstudiert, die Oper "Carmen" von Bizet, kurz, aber ein großer Publikums-Erfolg. "Das Stück ist zwar ursprünglich von einem Juden geschrieben", sagt der Theater-Direktor, "doch die Idee und die Handpuppen stammen von der katholischen Pfarrei St. Anton. Die hab ich mir dort ausgeliehen." Das Stück arbeitet mit einfachsten Mitteln. Oleg Kuzenko und ein Helfer spannen ein Bettlaken, in das Löcher geschnitten sind. "Carmen" kommt vom Band. Miss Piggy sitzt auf der Kante des gespannten Lakens und schmettert die Ohrwurm-Arie aus Carmen. Beim Einsatz des Opern-Chors schießen Kermit, der Frosch, und seine Freunde mit ihren weit aufgerissen Mäulern durch die Löcher des Bettlakens. Riesen-Applaus – ein bißchen fällt auch für die kleine ...kumene zwischen St. Anton und der Jüdischen Gemeinde ab!

"Laß mi alle nemmen a Gläsele Wein", stimmt der Sänger auf jiddisch an. An Purim erlaubt der Allmächtige ein kleines Räuscherl. Ausnahmsweise. Wer heute lacht und ausgelassen ist, tut es mit dem guten Gefühl, eine religiöse Pflicht zu erfüllen.

BuchText nach:

Uwe Moosburger und Helmut Wanner
Schabbat - Schalom

Schabbat - Schalom
Juden in Regensburg. Gesichter einer lebendigen Gemeinde

PURIM bei MORASCHA

 

Abb. aus:
Yaffa Ganz: Chanukka - Purim - Tischa be'Aw
Morascha Zürich

Der kleine Galilini

 

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